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Republik Kenia

Chronik

 Überblick    Basisdaten


Um 6000 v. Chr.
Das Gebiet des heutigen Kenia (mit 582.646 Quadratkilometern etwa 1,5 mal so groß wie Deutschland) ist von kleinwüchsigen „Buschmännern“ (Pygmäen) besiedelt, die als Jäger und Sammler leben. (Schädelfunde von Urmenschen aus dem Lake Turkana [auch Lake Rudolf] in Nordwestkenia, deren Alter auf etwa 1,5 Millionen Jahre geschätzt wird, belegen, daß Kenia eines der ältesten menschlichen Siedlungsgebiete der Erde ist.)

Um 1000 v. Chr.
In das Gebiet des heutigen Kenia dringen von Norden her Kuschitisch sprechende Hirtenvölker vor.

Um 500 v. Chr.
In das Gebiet des heutigen Kenia wandern feldbaubetreibende Bantu-Völker ein.

Ab 800 n. Chr.
Südarabische Seefahrer übernehmen den Handel im Roten Meer und im Indischen Ozean. Sie lassen sich an der Küste des heutigen Kenia nieder, gründen u.a. die Städte Lamu, Sofala und Mombasa, bringen den Islam ins Land und vermischen sich mit den dort ansässigen Bantu-Völkern. Es entsteht die Swahili-Kultur (arabisch: Küstenbewohner). Haupthandelsgüter sind Elfenbein, Gold und Sklaven.

1497
Der Portugiese Vasco da Gama geht als erster Europäer an der Küste des heutigen Kenia an Land.

1505
Die Portugiesen besetzen die Städte Sofala, Mombasa und Malindi und übernehmen nach und nach die Handelskontrolle über die gesamte Küste des heutigen Kenia.
Im Landesinneren gewinnt das Kriegervolk der Massai zunehmend an Macht.

1752
Portugal verliert seine Handelsniederlassungen entlang der Küste des heutigen Kenia an das südarabische Sultanat Oman-Sansibar.

Ab 1800
Der Einfluß der British East Africa Company nimmt auch an der Küste des heutigen Kenia ständig zu. Man beginnt mit der Erforschung des von Massai, Kamba, Kikuyu, Luo, Luhya und anderen Volksstämmen besiedelten Landesinneren.

1886
Das Deutsche Reich erkennt die britischen Ansprüche auf das Gebiet der heutigen Staaten Kenia und Uganda an.

1888
Die British East Africa Company erhält vom Sultan von Sanisbar die Konzession für den Großteil des heutigen Kenia, wobei für die Briten zunächst nur der Durchgang von der Küste zu den reichen Gebieten des heutigen Uganda westlich des Victoria-Sees von Bedeutung ist.

1895
Nahezu das gesamte Gebiet des heutigen Kenia wird dem britischen Ostafrika-Protektorat angegliedert. Ohne Rücksicht auf die Landansprüche der Einheimischen (vor allem Kikuyu, Luo, Luhya und Massai, die größten schwarzen Volksgruppen in Kenia) siedeln sich im fruchtbaren Hochland Zentral-Kenias immer mehr Europäer an und beginnen mit der Plantagenwirtschaft (vor allem Kaffee, Tee, Bananen).

1902
Mombasa wird britischer Verwaltungssitz für das Protektoratsgebiet Kenia.

1907
Die Briten verlegen den Verwaltungssitz des Protektoratsgebiets Kenia von der Hafenstadt Mombasa ins 1.660 Meter hoch gelegene Nairobi im Landesinneren.

1920
Das Gebiet des heutigen Kenia wird britische Kronkolonie.
Die 1919 von den Kikuyu, dem größten und am härtesten von der Landwegnahme betroffenen Volk, gegründete politische Organisation „Kikuyu Association“ (ab 1924 „Kikuyu Central Association“/KCA) fordert von Großbritannien politisches und wirtschaftliches Mitspracherecht sowie Landrückgabe an die schwarze Bevölkerung Kenias.

1929
Der Kikuyu Jomo Kenyatta wird von der KCA (Kikuyu Central Association) als Repräsentant nach London entsandt.

1939
Großbritannien verbietet nach aufkeimenden Unruhen und auch wegen des Zweiten Weltkriegs sämtliche politischen Organisationen in Kenia.

1944
Mit Erlaubnis der Kolonialverwaltung in Nairobi gründen die Kikuyu, die Luo und andere Volksgruppen die politische Organisation „Kenya African Union“ (KAU).

1947
Jomo Kenyatta wird nach seiner Rückkehr aus London Vorsitzender der KAU (Kenya African Union).

Anfang 1952
Beginn des von den Kikuyu geführten blutigen (bis 1957 dauernden) „Mau-Mau-Aufstands“ gegen die britische Kolonialmacht.

Ende 1952
Jomo Kenyatta und weitere 130 KAU-Mitglieder werden von den Briten verhaftet und zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. Die KAU (Kenya African Union) wird verboten.

Ab 1957
Nach dem offiziellen Ende des „Mau-Mau-Aufstands“, der insgesamt etwa 12.000 Menschen das Leben gekostet hat (davon etwa 100 Weiße), gewährt Großbritannien den Afrikanern in Kenia stufenweise innere Autonomie.

1959
Für Kenia wird eine neue Verfassung ausgearbeitet, die u.a. die Machtübernahme der Afrikaner festlegt.

Mai 1960
In Anlehnung an die KAU wird die überwiegend aus Kikuyu und Luo bestehende „Kenya African National Union“ (KANU) gegründet. Partei-Vorsitzender ist der noch inhaftierte Jomo Kenyatta, der Luo Oginga Odinga ist Generalsekretär und Tom Mboya, ebenfalls ein Luo, Vize-Präsident.

Juni 1960
Die „Kenya African Democratic Union“ (KADU), eine Allianz der bis dahin bestehenden politischen Organisationen der kleineren Volksgruppen wird gegründet.

August 1961
Der inzwischen aus der Haft entlassene Jomo Kenyatta übernimmt offiziell den Vorsitz der KANU. Seine Versuche zur Vereinigung mit der KADU schlagen fehl.

Frühjahr 1963
Jomo Kenyatta übernimmt nach Wahlen das neugeschaffene Amt des kenianischen Premierministers.

12. Dezember 1963
Nachdem die „Kenya African National Union“ unter Jomo Kenyatta die ersten freien Wahlen gewonnen hat, wird Kenia im Rahmen des Commonwealth in die Unabhängigkeit entlassen.

November 1964
Der KADU-Vorsitzende Ngala läuft zur KANU über. Wenig später löst sich die KADU auf, und alle Mitglieder treten der KANU bei. Damit ist Kenia de facto ein Einparteienstaat.

12. Dezember 1964
Kenia erhält den Status einer Republik (Jamhuri ya Kenya/Republic of Kenya) mit Jomo Kenyatta als Staatspräsidenten. Er ist zugleich Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Oginga Odinga wird sein Stellvertreter. Man beginnt mit einer Landreform, die u.a. eine Teilenteignung und Ausweisung der weißen Großgrundbesitzer, aber auch den wirtschaftlichen Niedergang des jungen Staates mit sich bringt.
An der Grenze zu Somalia kommt es immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen um den überwiegend von Somali besiedelten Nordosten Kenias (Northern Frontier District).

Mitte 1966
Nach innenpolitischen Spannungen tritt Oginga Odinga zurück und gründet mit anderen aus der KANU ausgetretenen Politikern die linksgerichtete „Kenya People's Union“ (KPU), die in den Parlamentswahlen jedoch nur neun von insgesamt 29 Sitzen erringen kann.

1967
Kenia, Tansania und Uganda gründen die Währungs- und Zollunion „Ostafrikanische Gemeinschaft“ (East African Communitiy).

Juli 1969
Nach der Ermordung von Luo Tom Mboya kommt es zu schweren Unruhen. Jomo Kenyatta läßt daraufhin alle KPU-Politiker inhaftieren, und die Partei wird verboten, womit die Vorherrschaft der Kikuyu (und des Kenyatta-Familienclans) wieder hergestellt ist.

20. November 1974
In Nairobi stürzt ein deutscher Jumbo der Lufthansa (Boeing 747) kurz nach dem Abheben vom Boden ab; 73 Insassen können sich nahezu unverletzt aus dem Wrack befreien bevor es explodiert; 59 Menschen verbrennen, weitere 25 Überlebende können später z.T. schwerverletzt geborgen werden.

März 1975
Einer der prominentesten Regierungs-Kritiker, Josiah M. Kariuki, wird (wahrscheinlich im Auftrag hochrangiger kenianischer Politiker, denen er u.a. Korruption und Unfähigkeit in Politik und Wirtschaft vorgeworfen hatte) ermordet.

Februar 1976
Auf Ansprüche Ugandas auf Gebiete im westlichen Kenia reagiert die Regierung in Nairobi zunächst mit einem Transit-Boykott ugandischer Waren, die Ugandas Militärdiktator Idi Amin Dada wiederum mit der Einstellung des Stromexports nach Kenia beantwortet. Doch bereits im August kommt es zu einer gütlichen Einigung zwischen den beiden Staaten.

Ende 1976
Die Regierung in Nairobi erläßt eine Amnestie für rund 10.000 der insgesamt etwa 30.000 überwiegend politischen Häftlinge.

1977
Die „Ostafrikanische Gemeinschaft“ (East African Communitiy) zwischen Kenia, Tansania und Uganda wird wieder aufgelöst, die Grenze zu Tansania geschlossen.

22. August 1978
Jomo Kenyatta stirbt im Alter von 81 Jahren. Sein Stellvertreter Daniel arap Moi (seit 1967; er stammt aus dem kleinen Volk der Tugen, einer Untergruppe der Kalenjin) übernimmt das Amt des kenianischen Staatspräsidenten. Er amnestiert alle politischen Häftlinge aus der Kenyatta-Ära und versucht, die Vorherrschaft der Kikuyu und des Kenyatta-Familienclans abzubauen. Darüber hinaus bemüht er sich um engere politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten Sudan, Äthiopien und Tansania.

Oktober 1979
Daniel arap Moi wird bei Wahlen als Staatsoberhaupt Kenias bestätigt.

1980
Die pro-westlich orientierte Regierung in Nairobi gewährt den USA die Nutzung des Hafens Mombasa sowie der vorhandenen Luftwaffenbasen als Militär-Stützpunkte.

Juni 1982
Kenia wird nach einer erneuten Verfassungsänderung zum Einparteienstaat, und die KANU wird zur einzig legalen Partei erklärt. Daraufhin kommt es landesweit zu Unruhen, die von Regierungstruppen ebenso niedergeschlagen werden wie ein Putschversuch von Teilen der Luftwaffe im August. Mindestens 100 Personen kommen dabei ums Leben, rund 3.000 werden inhaftiert.

September 1983
Daniel arap Moi wird in vorgezogenen Wahlen erneut zum Staatspräsidenten Kenias „gewählt“ (es gibt keinen Gegenkandidaten).

November 1983
Kenia unterzeichnet Freundschaftsverträge mit Tansania und Uganda.

1984
In Kenia ist die Tourismusbranche inzwischen zum drittwichtigsten Devisenbringer (nach Kaffee und Tee) aufgestiegen. Die Zahl der Gäste, die entlang der Küste des Indischen Ozeans Urlaub machen oder an einer Fotosafari in einen der 20 Nationalparks (z.B. Amboseli) teilnehmen, hat sich seit 1980 von rund 400.000 auf rund 800.000 verdoppelt.

März 1986
In Nairobi kommt es zu Massendemonstrationen von Studenten – sie fordern die Einführung des Mehrparteiensystems und werfen der Regierung Korruption und Unfähigkeit vor. Daraufhin wird die 1956 gegründete Universität vorübergehend geschlossen.

Dezember 1986
Eine Verfassungsänderung erhöht die Macht des kenianischen Staatspräsidenten.

Dezember 1987
Erneute Grenzstreitigkeiten mit Uganda werden bei einem Treffen zwischen dem kenianischen Staatspräsidenten Daniel arap Moi und seinem ugandischen Amtskollegen Yoweri Kaguta Museveni beigelegt.

1988
Kenias Staatspräsident Daniel arap Moi tritt seine dritte Amtsperiode an.

Februar 1990
Der kenianische Außenminister Robert Ouko wird unter ungeklärten Umständen erschossen.

Mitte 1990
Vor allem in Nairobi kommt es wiederholt zu Demonstrationen, die von Regierungstruppen gewaltsam aufgelöst werden.

1991
Da die internationalen Geldgeber ihre Entwicklungszahlungen für Kenia von politischen Reformen abhängig machen, sieht sich Daniel arap Moi gezwungen, das Einparteiensystem aufzugeben. Daraufhin gründet Oginga Odinga das „Forum for the Restauration of Democracy“ (FORD) und Mwa Kibaki die „Democratic Party“ (DP).

1992
Ethnische, politische sowie persönliche Differenzen innerhalb der FORD führen zur Spaltung der Oppositionspartei. Kenneth Matiba übernimmt die Führung des überwiegend aus Kikuyu bestehenden „Asili“-Flügels, Oginga Odinga wird Chef des vor allem von Luo dominierten „Kenya“-Flügels.

29. Dezember 1992
Nach Aufforderung westlicher Staaten, „mehr Demokratie zu wagen“, löst Staatspräsident Daniel arap Moi das Parlament auf und setzt die ersten freien Parlaments- und Präsidentschaftswahlen seit 26 Jahren an, an der sich auch die neuzugelassenen Oppositionsparteien beteiligen dürfen. Er wird mit nur knapper Mehrheit für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt.

30. November 1993
Staatspräsident Daniel arap Moi und seine Amtskollegen von Uganda und Tansania unterzeichnen ein Abkommen, das zu einer Neugründung der 1977 aufgelösten Währungs- und Zollunion „Ostafrikanische Gemeinschaft“ (East African Communitiy) führen soll.

5. April 1994
Staatspräsident Daniel arap Moi verhängt über die Provinz Rift Valley im Westen Kenias, wo der seit Jahren schwelende Konflikt zwischen verschiedenen Stämmen um Landrechte bereits etwa 2.000 Tote gefordert und rund 250.000 Binnenflüchtlinge geschaffen hat, den Ausnahmezustand.

März 1995
Amnesty International und andere internationale Menschenrechtsorganisationen werfen der kenianischen Regierung massive Menschenrechtsverletzungen an Regimegegnern und deren Angehörigen vor.

20. Juni 1995
Der weiße Richard Leakey gründet gemeinsam mit mehreren Regimekritikern die Oppositionspartei „Safina“ (Arche Noah).

3. Januar 1997
Die kenianische Tourismus-Branche beklagt für das Jahr 1996 erhebliche Einbußen. Schuld an der „Abwanderung“ der Urlauber in andere afrikanische Länder wie etwa Südafrika, Tansania, Uganda oder Simbabwe seien vor allem die stark gestiegenen und teilweise zu hohen Preise, die schlechte Infrastruktur, die zunehmende Kriminalität (die Küstenhotels empfehlen ihren Gästen, bei Spaziergängen am Strand weder Uhren noch Schmuck zu tragen oder Kameras mitzunehmen und nachts das Gelände möglichst überhaupt nicht zu verlassen) sowie die Belästigungen durch aufdringliche Souvenirverkäufer an den Stränden.

7. Juli 1997
In Nairobi kommt es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten, die politische Reformen und den Rücktritt von Präsident Daniel arap Moi (er gilt als Freund des zaïrischen Ex-Diktators Mobuto Sese Seko) fordern, und Sicherheitskräften; mindestens zehn Menschen kommen ums Leben.

14. Juli 1997
In Nairobi kommt es erneut zu blutigen Straßenschlachten zwischen mehreren tausend Studenten und den Sicherheitskräften, wobei es auf beiden Seiten zahlreiche Verletzte gibt.

18. Juli 1997
Die Oppositionsführer Kenias bezeichnen die Zusagen der Regierung in Nairobi hinsichtlich einer Überprüfung umstrittener Gesetze als unzureichend. Präsident Daniel arap Moi wolle damit der Öffentlichkeit nur „Sand in die Augen streuen“. In Kenia sollen noch in diesem Jahr Parlamentswahlen stattfinden. Der Vorsitzende der oppositionellen Partei FORD-Asili, Kenneth Matiba, wolle keine weitere von der Regierung ernannte Kommission zur Überarbeitung von Gesetzen akzeptieren. Stattdessen sollte eine neutrale Person einen Dialog zwischen Regierung und Opposition über wahre Reformen vermitteln.

13. August 1997
Etwa hundert mit Giftpfeilen, Speeren und Macheten bewaffnete Jugendliche überfallen eine Polizeistation in der Nähe von Mombasa und erbeuten Maschinenpistolen und Munition. Dabei werden zehn Sicherheitsbeamte getötet.

16. August 1997
Bewaffnete Jugendliche überfallen in der Nähe von Mombasa mehrere Dörfer, brennen zahlreiche Behausungen nieder und massakrieren mindestens 19 Bewohner.

19. August 1997
In der kenianischen Touristen-Hochburg Malindi brennen Jugendliche mehr als 300 Souvenirstände nieder.

22. August 1997
Bei einem Überfall einer Terrororganisation, die sich „Vereinigung der Küstenvölker“ nennt und damit droht, alle Menschen zu ermorden, die nicht zu traditionell an der Küste siedelnden Völkerschaften zählen, auf ein Flüchtlingslager der katholischen Kirche südlich der Hafen- und Touristenstadt Mombasa werden zwei Menschen getötet. Damit erhöht sich die Zahl der Todesopfer seit Ausbruch der Unruhen auf 42, viele weitere sind schwer verletzt und z.T. grausam verstümmelt. Obwohl bisher keine Angriffe auf Ausländer erfolgt sind, empfiehlt die Regierung in Nairobi den Zehntausenden von Urlaubsgästen, ihre sicheren Hotelanlagen möglichst nur noch unter Polizeischutz zu verlassen. Auch westliche Regierungen, u.a. die USA und die BRD, raten bei Reisen nach Kenia zu äußerster Vorsicht.

29. August 1997
Aus Furcht vor neuen blutigen Anschlägen flüchten nach inoffiziellen Angaben rund 60.000 Bewohner der kenianischen Küstengebiete ins Landesinnere. Staatspräsident Daniel arap Moi hat inzwischen den Guerillas ein zweitägiges Ultimatum zur Abgabe ihrer Waffen gestellt. Danach werde er den Regierungstruppen den Befehl erteilen, „mit aller Macht“ gegen sie vorzugehen. Allerdings vermuten viele, darunter auch der Erzbischof von Mombasa, John Njenga, daß Moi hinsichtlich der bevorstehenden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im Dezember selbst die Unruhen initiiert hat, damit sich die Regierungspartei KANU im vermeintlichen Chaos bewähren kann. Abgeordnete der Opposition behaupten, daß der engste Vertraute Mois, Nicholas Biwott, der unmittelbar vor Ausbruch der Unruhen nach Mombasa gereist war, in seinen beiden Koffern Geld für die Bezahlung der Mörder gehabt habe.

7. September 1997
In einem Strandrestaurant in Mombasa werden bei einem Überfall sechs Einheimische brutal mit Buschmessern ermordet und über 20 weitere schwer verletzt.

11. September 1997
Beim Überfall schwerbewaffneter Männer auf die Küstenortschaft Ukunda unweit von Hotelanlagen kommen zwei Kenianer ums Leben, nahezu zwei Dutzend Menschen werden verletzt und etwa 20 Häuser und Restaurants gehen in Flammen auf. Ein Anschlag auf einen mit britischen Touristen besetzten Bus wird nur durch das schnelle Handeln des Fahrers verhindert, der geistesgegenwärtig kurz vor dem Ort wendet und ins Hotel zurückfährt.

23. September 1997
Das Gesundheitsministerium in Nairobi gibt bekannt, daß in Kenia in den nächsten Jahren rund eine Million HIV-Infizierte an Aids sterben werden.

Ende Oktober 1997
Heftige Regenfälle führen in weiten Teilen Ostafrikas zu verheerenden Überschwemmungen. In Kenia ist besonders die Küstenregion um Mombasa betroffen; mindestens 30 Menschen ertrinken in den Fluten.
Die 1995 gegründete Safina-Partei wird für illegal erklärt.

8. November 1997
Nachdem sich die Hochwasserkatastrophe in Ostafrika drastisch zugespitzt hat (in Somalia, Kenia und Äthiopien sind mindestens 300.000 Menschen ohne Nahrung, Trinkwasser und Medikamente völlig von der Außenwelt abgeschnitten), beginnen internationale Hilfsorganisationen mit einer großangelegten Rettungsaktion, wobei die Helfer nicht nur gegen das schlechte Wetter ankämpfen, sondern auch noch bürokratische Hürden meistern müssen (der kenianische Zoll kassiert z.B. für zehn von Norwegen gespendete Aluminiumboote Einfuhrzoll).

1. Dezember 1997
Trotz der pausenlosen Einsätze der internationalen Hilfsorganisationen sind in den Hochwassergebieten Somalias, Kenias und Äthiopiens bisher mindestens 2.000 Menschen ums Leben gekommen, wobei die meisten an Durchfallerkrankungen (aufgrund der katastrophalen Hygienezustände grassiert nun die Cholera) oder Malaria starben bzw. Giftschlangen oder Raubtieren, die sich ebenfalls auf der Flucht vor dem Wasser auf die letzten trockenen Flecken Erde gerettet haben, zum Opfer fielen. Aufgrund der noch immer anhaltenden, sintflutartigen Regenfälle in weiten Teilen Ostafrikas ist die Zahl der auf Nothilfe angewiesenen Menschen auf über 500.000 angestiegen.

Mitte Dezember 1997
Im schlecht zugänglichen Hochwassergebiet im Nordosten Kenias sterben innerhalb weniger Tage fast 150 Menschen an einer bisher noch nicht genauer identifizierten Krankheit mit Ebola-ähnlichen Symptomen. Daß es sich dabei tatsächlich um einen Ausbruch des extrem gefährlichen Ebola-Virus handeln könnte, wird von der kenianischen Gesundheitsbehörde als „höchst unwahrscheinlich“ bezeichnet.

30. Dezember 1997
Bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen wird Daniel arap Moi erneut für weitere fünf Jahre als Staatsoberhaupt Kenias bestätigt; seine Regierungspartei KANU erringt 107 der insgesamt 210 Parlamentssitze. Die Oppositionsparteien sprechen von massivem Wahlbetrug.

Januar 1998
Bei erneuten politisch motivierten Unruhen werden in Kenia mindestens 100 Menschen von marodierenden Banden massakriert. Nach Augenzeugenberichten soll es sich um Angriffe von Stammeskriegern der Kalenjin-Volksgruppe von Präsident Daniel arap Moi auf Angehörige des Kikuyu-Volkes handeln.

Mitte Januar 1998
Eine Rifttalfieber-Epidemie (so benannt nach der Provinz Rift Valley) fordert in den Hochwassergebieten Kenias nach offiziellen Angaben mindestens 350 Menschenleben.

Frühjahr 1998
Am Viktoriasee führen langanhaltende Regenfälle zu einer erneuten Überschwemmungskatastrophe.

7. August 1998
Bei einem Bombenanschlag islamischer Fundamentalisten auf die US-Botschaft in Nairobi werden 253 Menschen getötet (davon zwölf Amerikaner) und über 5.000 z.T. schwer verletzt. Fast zeitgleich kommen bei einem Bombenattentat auf die US-Botschaft in Daressalam/Tansania zehn Menschen ums Leben. Für die Anschläge verantwortlich gemacht wird Osama bin Laden, ein arabischer Multi-Millionär, der Gründer und Führer der „Internationalen Islamischen Front“, die bereits 1995 den Juden und „Kreuzfahrern“ (damit sind Christen gemeint, die sich in innere Angelegenheiten der islamischen Staaten einmischen, vor allem die USA) den Krieg erklärt und weltweit bereits zahlreiche Bombenanschläge verübt haben. Laden, der aus Saudi-Arabien stammt (dort entzog man ihm inzwischen die Staatsbürgerschaft), operierte lange Zeit vom Sudan aus und, seit er auch von dort auf Druck der USA ausgewiesen wurde, von Afghanistan aus.
Die USA starten einen Vergeltungsschlag, wobei von im Arabischen Meer stationierten Kriegsschiffen abgeschossene Raketen mehrere islamische Ausbildungslager in Afghanistan und eine pharmazeutische Fabrik (sie soll u.a. auch chemische Waffen produzieren) im Sudan zerstören. Daraufhin ruft Laden die gesamte islamische Welt erneut zum „Dschihad“ (Heiliger Krieg) gegen die USA auf.

Ende August 1998
Innerhalb weniger Tage sterben in Kenia über 100 Menschen nach dem Genuß eines mit Brennspiritus versetzten Billig-Schnaps und mehrere hundert verlieren ihr Augenlicht.
(Tausende von Kenianern verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit der Produktion und dem Verkauf des „Schanga“, eines niedrigprozentigen Fusels aus Mais und Hefe.)

29. Oktober 1998
Schwer bewaffnete Banden dringen von Äthiopien aus nach Nordost-Kenia ein, erschießen in mehreren entlegenen Grenzsiedlungen fast 300 Menschen und treiben bis zu 18.000 Stück Vieh über die Grenze nach Äthiopien. Darüber hinaus entführen sie rund 50 junge Mädchen.

31. Dezember 1998
Das Ausländeramt warnt Touristen erneut ausdrücklich vor Aufenthalten in Nairobi und Mombasa nach Einbruch der Dunkelheit sowie vor unorganisierten Ausflügen. Darüber hinaus sollte man auch tagsüber keinerlei Wertsachen (Kameras, Goldschmuck) sichtbar bei sich tragen.
Trotz erheblicher Anstrengungen beim Aufbau des Gesundheitswesens ist die medizinische Versorgung der Landbevölkerung in Kenia noch immer unzureichend. Virusinfektionen wie Malaria und Gelbsucht, vor allem aber Aids geraten immer mehr außer Kontrolle. Die Zahl der mit Aids Infizierten steigt wie in ganz Schwarzafrika rapide, alleine in Kenia sind es mittlerweile rund 1,3 Millionen.

17. Januar 1999
Bei einem Raubüberfall auf eine Touristengruppe wird in der Nähe von Nairobi ein italienischer Reiseveranstalter erschossen.

16. Februar 1999
Der am 16. Januar in Italien auf freien Fuß gesetzte Chef der terroristischen „Arbeiterpartei Kurdistans“ (PKK), der 49jährige Abdullah Öcalan – er hatte sich nach einer Odyssee durch verschiedene Länder auf der Suche nach einem dauerhaften und sicheren Asyl zuletzt in der griechischen Botschaft in Nairobi versteckt gehalten –, wird von einem türkischen Geheimkommando in der kenianischen Hauptstadt aufgegriffen und in die Türkei in das Hochsicherheitsgefängnis auf der Insel Imrali im Marmarameer gebracht. Ministerpräsident Bülent Ecevit gibt in einer kurzen Ansprache die Gefangennahme bekannt und kündigt ein faires Gerichtsverfahren gegen den 49jährigen PKK-Chef an. Die Bekanntgabe der Verhaftung Öcalans, dem im Falle einer Verurteilung die Todesstrafe droht, löst eine Welle der Gewalt von Kurden in ganz Europa aus: Noch am selben Tag kommt es in europäischen Großstädten zu Demonstrationen, Krawallen und der Besetzung kenianischer und griechischer Botschaften mit Geiselnahmen durch Anhänger der PKK.

13. März 1999
In der bei ausländischen Urlaubern als Ausflugsziel beliebten historischen Altstadt der kenianischen Hafenstadt Mombasa bricht die Cholera aus und fordert innerhalb weniger Tage mindestens zwei Dutzend Menschenleben. Die Tourismusindustrie fordert die Behörden zur sofortigen Eindämmung der Epidemie auf.

24. März 1999
Vermutlich wegen überhöhter Geschwindigkeit infolge Bremsversagens entgleisen im Tsavo-Nationalpark im Südosten Kenias gegen vier Uhr morgens mehrere Waggons eines vollbesetzten Personenzuges. Bei dem Unglück kommen 36 Menschen ums Leben, über 200 werden verletzt. Unter den Opfern sind auch einige ausländische Touristen.

30. Mai 1999
Im Nationalpark Massai-Mara im Südwesten Kenias, der nördlichen Fortsetzung des tansanischen Serengeti-Nationalparks werden sechs Touristen von als Massai verkleideten, jedoch mit Maschinengewehren bewaffneten Banditen überfallen, ausgeraubt und in der Wildnis ausgesetzt, wo sie später von Wildhütern gefunden werden. Einer der Urlauber wird bei dem Versuch, Widerstand zu leisten, schwer im Gesicht verletzt. Der Fahrer des Safari-Jeeps gibt an, daß er wegen der Verkleidung zunächst keinen Verdacht geschöpft habe.

30. Juni 1999
Nach einem erneuten Raubüberfall auf eine Gruppe von 24 ausländischen Touristen im Nationalpark Massai Mara werden an der Grenze zu Tansania drei Verdächtige von der Polizei festgenommen.

29. Januar 2000
Bei blutigen Auseinandersetzungen zwischen Nomaden aus Uganda und kenianischen Viehhirten um Weideland kommen im ugandisch-kenianischen Grenzgebiet mindestens zwei Dutzend Menschen ums Leben.

31. Januar 2000
Ein Airbus A-310 der Kenyan Airways mit 179 Menschen an Bord stürzt eine Minute nach dem Start in Abidjan (Côte d’Ivoir/Elfenbeinküste) in den Atlantik, weil er nicht an Höhe gewinnen konnte. Zehn Flugzeuginsassen überleben das Unglück.

29. Februar 2000
Bei blutigen Auseinandersetzungen zwischen Nomaden aus Äthiopien und kenianischen Viehhirten um Weideland kommen im äthtiopisch-kenianischen Grenzgebiet fast 100 Menschen ums Leben.

29. März 2000
Beim Zusammenstoß zweier völlig überfüllter Busse im Westen Kenias kommen mindestens 100 Menschen ums Leben, da die Busse sofort nach dem Unfall in Flammen aufgingen.

12. April 2000
In der kenianischen Hauptstadt Nairobi wird während der Verhandlungen zum elften internationalen Artenschutzabkommen (Cites) u.a. entschieden, daß der Handel mit Elfenbein und Walfleisch weiterhin verboten bleibt.

5. Juni 2000
Aufgrund monatelanger Dürre – nur noch zwei der größten Flüsse des Landes führen Wasser – droht Kenia eine Hungerkatastrophe. Präsident Daniel Arap Moi richtet in einer persönlichen Presseveröffentlichung an die örtlichen und internationalen Gemeinschaften auf der ganzen Welt den Appell „Rettet unser hungerndes Volk“. Um die Katastrophe abwenden zu können, würden etwa 160 Millionen US-Dollar benötigt.
Nach Angaben des UN-Welternährungsprogramms (WFP) sind derzeit vor allem im Norden Kenias fast 3,5 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht und auf Lebensmittelhilfe angewiesen.

15. Juni 2000
Der Internationale Währungsfonds (IWF) gewährt Kenia nach dreijähriger Aussetzung (wegen grassierender Korruption) einen Kredit in Höhe von 193 Millionen US-Dollar im Rahmen der Armutsbekämpfung.

1. Juli 2000
In Kenia muß wegen der anhaltenden Dürre die Wasserversorgung rationiert werden. Auch die Versorgung mit Elektrizität wird drastisch eingeschränkt, da die Stromversorgung Kenias größtenteils von Wasserkraft abhängt.

Mitte November 2000
Der Genuß von gepanschtem Schnaps kostet fast 140 Einwohnern Nairobis das Leben. Insgesamt werden nahezu 500 Menschen in die Krankenhäuser der Hauptstadt eingeliefert, die von dem methanolhaltigen Gebräu getrunken hatten.

6. Dezember 2000
Paläontologen aus Kenia und Frankreich geben in Nairobi den Fund versteinerter Hominiden-Knochen bekannt, die in mindestens sechs Millionen Jahre altem Vulkangestein lagen. Sie wurden bereits am 25. Oktober im kenianischen Rift Valley, dem ostafrikanischer Graben, entdeckt, der seit langem als „Wiege der Menschheit“ gilt.

22. Dezember 2000
Eine auf Druck des Internationalen Währungsfonds (IWF) und Weltbank gegründete Anti-Korruptionsbehörde wird wieder aufgelöst, nachdem das Oberste Gericht in Nairobi entschieden hatte, Strafverfolgungen durch diese Behörde seien illegal. Daraufhin setzt der IWF seine zugesagten Kreditzahlungen wieder aus.

29. Dezember 2000
Ein offenbar geistig gestörter Kenianer stürmt das Cockpit eines Jumbo-Jets der British-Airways während des Flugs von London nach Nairobi und versucht, sich der Instrumente zu bemächtigen. Die Besatzung kann den 27jährigen zwar nach etwa zwei Minuten überwältigen, doch fällt während des Kampfs der Auto-Pilot aus. Das Flugzeug mit 398 Menschen an Bord sackt ab und kann von den Piloten nur wenige Sekunden vor dem Absturz wieder unter Kontrolle gebracht werden. Sechs Personen werden verletzt. Der Täter wird nach der Landung in Nairobi festgenommen und in eine psychiatrische Klinik gebracht.

31. Dezember 2000
Wie in ganz Schwarzafrika nimmt auch in Kenia die Zahl der HIV-Infizierten ständig zu. Laut Angaben von UNAIDS (The Joint United Nations Programme on HIV/AIDS) sind der Krankheit seit Ausbruch der Epidemie weltweit bereits 18,8 Millionen zum Opfer gefallen, darunter 3,8 Millionen Kinder. Die Zahl der Aids-Waisen wird auf 13,2 Millionen geschätzt. Von den derzeit weltweit rund 34,3 Millionen HIV-Infizierten leben 24,5 Millionen in Schwarzafrika.

26. Februar 2001
Am Turkana-See im Norden Kenias gräbt ein internationales Paläontologenteam die Knochen eines 3,2 bis 3,5 Millionen Jahre alten Urmenschen aus. Die Funde der bislang unbekannten Spezies menschlicher Vorfahren erhalten den Namen „Kenyanthropus platyops“ – „flachgesichtiger Mensch aus Kenya.

25. März 2001
Bei einem nächtlichen Feuer in einem Internat rund 60 Kilometer südlich von Nairobi kommen 69 Schüler ums Leben, weitere 30 werden z.T. schwer verletzt. Die Polizei vermutet einen Brandanschlag auf die Schule.

1. April 2001
Nördlich der Küstenstadt Malindi kollidieren auf einer Brücke zwei vollbesetzte Busse und stürzen in den Fluß Sabaki. Nur zwei Dutzend von insgesamt mindestens 100 Insassen können lebend aus dem von Krokodilen und Flußpferden bevölkerten Fluß geborgen werden. Kenias Straßen gelten wegen ihres überwiegend schlechten Zustands als die gefährlichsten in ganz Ostafrika.

11. Juni 2001
Staatspräsident Daniel arap Moi ernennt bei einer Regierungsumbildung vier Mitglieder der oppositionellen NDP (National Development Party) zu Ministern. Es ist das erste Mal, daß die seit 1963 regierende KANU Oppositionspolitiker in die Regierung aufnimmt.

10. Juli 2001
Der fast 77jährige Staatspräsident Daniel arap Moi fordert die kenianische Bevölkerung auf, zur Eindämmung von Aids zwei Jahre lang auf Sex zu verzichten. Enthaltsamkeit ist seiner Meinung nach die einzig wirksame Methode, eine weitere Verbreitung der Immunschwächekrankheit zu bremsen. Bereits einige Wochen zuvor hatte Moi gefordert, jeder Aidskranke, der andere wissentlich infiziere, solle gehenkt werden. Mit den Worten „Ich schäme mich, daß wir Millionen kenianische Dollar für diese Dinger ausgeben“, spricht er sich zudem gegen das Vorhaben der Regierung aus, rund 300.000 Kondome zu importieren und kostenlos zu verteilen. In Kenia leben derzeit rund 2,5 Millionen HIV-Infizierte. Bei über einer Viertelmillion Menschen ist die Krankheit bereits ausgebrochen, und täglich sterben bis zu 700 Menschen daran.

15. August 2001
Zum zweiten Mal binnen einer Woche hat das Parlament in Nairobi ein von der Regierung vorgelegtes Anti-Korruptionsgesetz abgelehnt. Der Gesetzesentwurf sah die erneute Einrichtung einer auf Korruptionsbekämpfung spezialisierten Behörde vor. Dies ist eine der Bedingungen für die Gewährung eines Sofortkredits von 25 Millionen US-Dollar durch den Internationalen Währungsfonds (IWF). Kenia, das als einer der korruptesten Staaten der Welt gilt, ist auf neue Hilfszahlungen dringend angewiesen. Im Land tätige Unternehmer warnen seit langem vor einem „Kollaps“ der Wirtschaft, sollte es Kenia nicht gelingen, das Vertrauen der Geberländer zurückzugewinnen. Die Opposition im Parlament hatte gegen den Gesetzesentwurf gestimmt, weil er ihr nicht effizient genug war. Ein Vertreter der Weltbank stimmte der Argumentation der Abgeordneten zu.

29. November 2001
Nach Angaben des Aids-Programms der Vereinten Nationen (UNAIDS) sind derzeit weltweit rund 40 Millionen Menschen HIV-infiziert, vier Millionen mehr als im Jahr 2000. Davon ist etwa ein Drittel zwischen 15 und 24 Jahre alt. Fünf Millionen Menschen haben sich seit Jahresanfang neu mit dem Virus angesteckt, etwa drei Millionen sind an den Folgen der Immunschwäche gestorben. Am schlimmsten ist die Situation nach wie vor in Afrika. 28 Millionen der mit dem HI-Virus infizierten Menschen leben in den Staaten südlich der Sahara. Während in Ländern wie Uganda, Sambia, Kenia oder Tansania dank umfangreicher Aufklärungsmaßnahmen eine leichte Besserung in Sicht ist, verschlechtert sich die Lage weiterhin in Botswana, Swasiland und Südafrika, wo bis zu 40 Prozent der Bevölkerung infiziert sind und die durchschnittliche Lebenserwartung auf 47 Jahre gesunken ist. Doch auch in Wohlstandsländern wie Nordamerika, Australien und Osteuropa steigt die Rate der Neuinfektionen. Die weltweit höchsten Zuwachswachsraten verzeichnet die Ukraine, wo derzeit ein Prozent der Bevölkerung mit Aids infiziert ist. Mehr als drei Viertel von ihnen haben sich nach Ansicht von UNAIDS durch verunreinigte Rauschgiftspritzen angesteckt. Kaum besser ist die Lage in Rußland. Auch in bevölkerungsreichen Ländern wie China oder Indien droht ein drastischer Anstieg der Infizierten. In ganz Amerika sind etwa 2,5 Millionen Menschen infiziert (ca. 0,5%), davon über 400.000 in der Karibik. Am stärksten zu kämpfen mit der Immunschwäche haben die Karibik-Staaten Haiti und die Bahamas, wo über vier Prozent der Erwachsenen infiziert sind.

10. Dezember 2001
Im kenianischen Mandera nahe der somalischen Grenze wird ein Mann festgenommen, bei dem es sich vermutlich um Scheich Ahmed Salim Swedan handelt, der am Bombenanschlag auf die US-amerikanische Botschaft in Nairobi am 7. August 1998 beteiligt gewesen sein soll, der 253 Todesopfer (davon zwölf Amerikaner) und über 5.000 Verletzte gefordert hatte.

12. Dezember 2001
Kenias Staatspräsident Daniel arap Moi kündigt an, die rituellen Beschneidungen von Mädchen unter 17 Jahren unter Strafe stellen zu lassen. Mädchen, die älter als 17 sind, sollen hingegen selbst entscheiden, ob sie sich der im Westen als barbarisch erachteten Prozedur unterziehen wollen.

15. März 2002
In der kenianischen Hafenstadt Mombasa werden 160 deutsche Marineflieger stationiert, die im Rahmen der internationalen Anti-Terror-Aktion mit drei Seefernaufklärern den Schiffsverkehr am Horn von Afrika kontrollieren und damit die Arbeit der seit Januar in Dschibuti stationierten drei deutschen Fregatten und Begleitschiffe mit insgesamt 1.800 Soldaten an Bord unterstützen sollen.

28. November 2002
Bei einem Bombenanschlag auf ein Strandhotel mit israelischem Besitzer im kenianischen Mombasa kommen 16 Menschen ums Leben – drei Israeli, neun Kenianer und die drei „arabisch aussehenden“ Selbstmordattentäter. 80 weitere Menschen werden z.T. lebensgefährlich verletzt.
Beinahe zur selben Zeit als ein mit Sprengstoff beladener Geländewagen in der Empfangshalle des Hotels detoniert, wird ein Flugzeug der israelischen Fluggesellschaft El Al kurz nach dem Start im kenianischen Mombasa mit zwei Boden-Luft-Raketen sowjetischer Bauart beschossen, die ihr Ziel jedoch um wenige Meter verfehlen. Die mit 275 israelischen Urlaubern vollbesetzte Maschine landet fünf Stunden später sicher in Tel Aviv, eskortiert von einem israelischen Kampfflugzeug.
Zu beiden Attentaten bekennt sich die bislang unbekannte Organisation „Armee Palästinas“. Die Palästinenserbehörde von Yasir Arafat weist jegliche Verantwortung zurück. Internationale Terrorismusexperten und israelische Geheimdienstkreise vermuten die Terrororganisation El Kaida hinter den Anschlägen.

30. Dezember 2002
Vor mehr als einer Million Zuschauern wird Mwai Kibaki, der drei Tage zuvor aus der Präsidentenwahl mit 62,2 Prozent der Stimmen als Sieger hervorgegangen war, in Nairobi als neuer Staatschef Kenias vereidigt. In seiner Antrittsrede ruft der 71jährige bisherige Oppositionschef und langjährige Vizepräsident seine Landsleute dazu auf, gemeinsam mit der Regierung gegen die herrschende Korruption anzukämpfen. Sein Vorgänger Daniel arap Moi, der seit 1978 regierte, jedoch entsprechend der Verfassung nicht mehr kandidieren konnte, gratuliert Kibaki und spricht von einem „geschichtsträchtigen Tag“.
Kibaki hatte bei der völlig friedlich verlaufenen und von internationalen Beobachtern als „vorbildlich für Afrika“ gelobten Wahl mehr als doppelt soviele Stimmen wie der Kandidat der bislang regierenden KANU-Partei (Kenya African National Union) und Mois Wunschkandidat, Uhuru Kenyatta, der 42jährige Sohn des Staatsgründers Jomo Kenyatta, erhalten. Zum ersten Mal seit Einführung des Mehrparteiensystems 1992 hatte sich die Opposition als Nationaler Verband der Regenbogenkoalition (NARC / National Rainbow Coalition) auf einen gemeinsamen Kandidaten geeinigt. Viele Wahlberechtigte hatten sich bereits Stunden vor Öffnung der rund 18.000 Abstimmungslokale zur Wahl eingefunden.
Die NARC errang auch bei den gleichzeitig abgehaltenen Parlamentswahlen einen überragenden Sieg und stellt künftig 132 Abgeordnete in der Nationalversammlung. Der Zusammenschluß von dreizehn Parteien verdrängt damit erstmals seit der Unabhängkeit des Landes von Großbritannien 1963 die KANU von der Spitze, die nur noch 64 Sitze errang.
Neben der Korruptionsbekämpfung – Kenia zählt zu den sieben korruptesten Ländern der Erde – haben sich Wahlsieger Kibaki und seine NARC vor allem die Wiederbelebung der maroden Wirtschaft und die Verbesserung des Bildungswesens vorgenommen. Da die Wirtschaft am Boden liegt, muß derzeit mehr als die Hälfte der etwa 30 Millionen Einwohner Kenias von weniger als umgerechnet einem Euro täglich leben.
Erstes Ziel der neuen Regierung wird jedoch die angekündigte Verfassungsreform sein, die Moi während seiner langen Amtszeit stets zu verhindern wußte. Demnach wird der neue Präsident weniger Macht haben als sein Vorgänger – zu Gunsten eines Ministerpräsidenten. Die NARC hat dafür bereits den 57jährigen Raila Odinga nominiert. Odinga war einst in Deutschland Fußballspieler: Mit dem damaligen DDR-Nationalspieler Jürgen Sparwasser spielte er in den 70er Jahren beim 1. FC Magdeburg. Odinga, derzeit Besitzer einer Gaszylinderfirma, hatte dort Ingenieurwesen studiert. Seinem aus vielen Fachleuten bestehenden Kabinett werden 26 Minister angehören.

24. Januar 2003
Beim Absturz eines einmotorigen Flugzeugs nahe der westkenianischen Stadt Busia kommen sechs der insgesamt zwölf Insassen ums Leben, darunter die zwei Piloten und vier Kabinettsmitglieder der neuen kenianischen Regierung. Weitere drei Minister und zwei Parlamentarier werden schwer verletzt.

20. Juni 2003
Nach Hinweisen auf geplante Terroranschläge gegen amerikanische Einrichtungen in Kenia schließt die US-Botschaft in Nairobi ihre Büros auf unbestimmte Zeit.

1. September 2003
Vier mit Stroh gedeckte, zwei- und dreigeschossige Hotels des Schweizer African Safari Clubs im Norden von Mombasa werden bei einem durch starken Wind angefachten Großfeuer weitgehend zerstört. Menschen kommen nicht zu Schaden. Alle Gäste – rund 600 – können unverletzt evakuiert werden, u.a. dank der Mithilfe von mehreren Dutzend deutschen Soldaten, die im Rahmen der Terrorbekämpfung „Enduring Freedom“ in Kenia stationiert sind und das Feuer von ihrer nur wenige Kilometer entfernten Unterkunft aus entdeckt hatten. Die Feuersbrunst wurde möglicherweise durch einen Kurzschluß verursacht. Einen Terroranschlag schließt die kenianische Polizei aus.

8. Oktober 2004
Als erste Afrikanerin und zwöfte Frau überhaupt erhält die Umweltschützerin und Menschenrechtlerin Wangari Muta Maathai aus Kenia den Friedensnobelpreis. Das Osloer Nobelkomitee begründet die Vergabe mit dem Einsatz der 64-Jährigen für eine „nachhaltige Umweltentwicklung sowie Demokratie und Frieden“ in ihrem Heimatland und in ganz Afrika. Die Biologin, die in den 70er Jahren in Deutschland Tiermedizin studiert hatte und derzeit Vize-Umweltministerin von Kenia ist, war zunächst für ihren Kampf gegen die Entwaldung Kenias bekannt geworden, wofür sie 1984 bereits den „Alternativen Nobelpreis“ erhielt, setzte sich aber zunehmend auch gegen die Verfolgung Oppositioneller, die Unterdrückung der Meinungsfreiheit und gegen Korruption ein. Wegen ihres politischen Engagements war sie selbst mehrfach Mißhandlungen ausgesetzt und von Festnahmen bedroht.

 Quelle: Areion Weltalamanach


 Literatur zu Kenia...



Jomo Kenyatta
Eigentlicher Name: Kamau wa Ngengi
Politiker, Staatspräsident von Kenia (1964-78)
geboren: 20.10.1891 (Ichaweri)
gestorben: 22.08.1978 (Mombasa)
Literatur...



Richard Erskine Frere Leakey
Anthropologe
geboren: 19.12.1944 (Nairobi)
Literatur...



Daniel arap Moi
Politiker, Staatspräsident von Kenia (1978-2002)
geboren: im September 1924 (Sacho)
Literatur...


 Quelle: Areion Weltalamanach



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