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Königreich KambodschaChronik Überblick Basisdaten
Ab 80 Das bereits seit Jahrtausenden besiedelte Gebiet des heutigen Kambodscha wird von den indisierten Funanesen beherrscht, deren Machtzentrum im Mekong-Delta (heute Südvietnam) liegt und die als Seefahrer intensive Handelsbeziehungen mit China, Indien und Arabien unterhalten. (Mit einer Gesamtlänge von fast 4.200 Kilometern ist der Mekong, der im Hochland von Tibet entspringt und in das Südchinesische Meer mündet, der längste Fluß Südostasiens. Rund 500 Kilometer des Mekong fließen durch das heutige kambodschanische Gebiet.) Ab 535 Die von Norden einfallenden Khmer unterwerfen die Funanesen und erobern fast das gesamte südostasiatische Festland. Ihr 598 gegründetes Reich mit der Hauptstadt Chenla zerfällt nach zahlreichen Bürgerkriegen Ende des 8. Jahrhunderts wieder in einen nördlichen und einen südlichen Teil, der unter die Herrschaft des malaiischen Großreiches Srivijaya kommt. Ab 802 Jayavarman II. gelingt die Wiedervereinigung der beiden Khmer-Reiche zum Einheitsstaat Kambodscha. Hauptstadt ist Angkor, das bald etwa eine Million Einwohner zählt und damit die größte Stadt der Erde ist. Während seiner Blütezeit (10. bis 13. Jahrhundert) umfaßt das Khmer-Reich noch Cochin-China und Annam (Süd- u. Zentralvietnam) sowie Teile der heutigen Staaten Laos, Thailand, Birma/Myanmar und Malaysia. Die fähigsten und baufreudigsten Könige sind Suryavarman II., der Erbauer der Tempelanlage Angkor Wat (1113-45) und Jayavarman VII., der Erbauer der Stadt Angkor Thom (1181-1218). Ab 13. Jahrhundert Das Königreich Kambodscha verliert allmählich seine eroberten Gebiete an die aus Westen vorrückenden Thai und die von Nordosten einfallenden Cham. 1432 Die Khmer-Haupstadt Angkor wird von den Thai geplündert, niedergebrannt und muß aufgegeben werden. 1516 Ang Chan baut die neue Khmer-Hauptstadt Lovek. 1594 Lovek wird von den Thai geplündert, der König gefangengenommen, und der Khmer-Staat droht auseinanderzubrechen. 1690 Kambodscha verliert das Mekong-Delta an die vietnamesischen Nguyen und wird für die nächsten zwei Jahrhunderte zum Streitobjekt zwischen Siam (Thailand) und Viêt-Nam. August 1864 König Norodom I. unterschreibt aus Angst vor einer völligen Einnahme Kambodschas durch Siam (Thailand) oder Viêt-Nam einen ersten Schutzvertrag mit Frankreich. Damit beginnt die Kolonialzeit Kambodschas, die bis 1954 andauern soll. Französische Siedler beginnen in Kambodscha mit der Anlage von riesigen Baumwoll- und Kautschukplantagen, für deren Bearbeitung sowohl Chinesen als auch Vietnamesen ins Land geholt werden. (Naturkautschuk ist neben Holz noch heute das Hauptexportgut Kambodschas.) 1866 Phnom Penh wird Hauptstadt Kambodschas. 1884 König Norodom I. unterzeichnet einen weiteren Vertrag mit Frankreich, der ihm nicht viel mehr als die Königskrone läßt. Die Regierungsgewalt übernimmt ein französischer Resident. 1887 Die französischen Protektorate bzw. Kolonialgebiete Cochinchina (Südvietnam), Annam (Zentralvietnam), Tongking (Nordvietnam) und Kambodscha werden zur „Union Indochina“ zusammengeschlossen. (Laos wird 1893 angegliedert.) 1941 Kambodscha wird während des Zweiten Weltkriegs von den Japanern besetzt. 12. März 1945 Prinz Norodom Sihanouk (geb. 1922) erklärt Kambodscha für unabhängig. Frankreich behandelt das Land nach der Kapitulation der Japaner (14. August) jedoch weiter als französisches Protektorat. 8. November 1949 Frankreich erkennt eine beschränkte Unabhängigkeit Kambodschas an und setzt den westlich gebildeten Prinz Norodom Sihanouk unter Umgehung seines Vaters als König ein. Die Befehlsgewalt über Armee und Justiz sowie die Außenpolitik liegt weiterhin in Händen der Franzosen. 9. Oktober 1953 König Norodom Sihanouk erklärt einseitig die volle Souveränität Kambodschas. 20. Juli 1954 Die Genfer Indochina-Konferenz bestätigt die Souveränität Kambodschas. 1955 Nach dem endgültigen Ausscheiden Kambodschas aus der Französischen Union verzichtet König Norodom Sihanouk zugunsten seines Vaters Norodom Suramarit auf die Königswürde, gründet die Massenpartei „Sozialistische Volksgemeinschaft“ (Sangkum Reastr Niyum), übernimmt das Amt des Regierungschefs und sorgt für eine absolute außenpolitische Neutralität. 20. Juni 1960 Nach dem Tod von König Norodom Suramarit übernimmt Norodom Sihanouk das Amt des kambodschanischen Staatsoberhaupts, verzichtet jedoch auf die Köngiswürde. Ab Mai 1965 Die USA, die inzwischen direkt in den Vietnamkrieg eingegriffen haben, bombardieren auch kambodschanische Dörfer entlang der Grenze zu Vietnam, wo der Ho-Chi-Minh-Pfad, der Nachschubweg Nordvietnams für die südvietnamesische kommunistische Viet-cong verläuft. Norodom Sihanouk bricht die diplomatischen Beziehungen zu den USA ab und nimmt Verbindung zur VR China auf. (Insgesamt warf die US-Airforce bis 1973 allein über Kambodscha rund 700.000 Tonnen Bomben ab. Darüber hinaus wurden für eine bessere Einsicht des Ho-Chi-Minh-Pfades dioxinhaltige Entlaubungsmittel versprüht, was nicht nur zur Zerstörung riesiger Waldflächen in den Grenzgebieten von Laos, Vietnam und Kambodscha, sondern bei ungezählten Menschen auch zu schwersten Erkrankungen [Krebs, Blindheit, Mißbildungen bei Neugeborenen] führte.) April 1970 Norodom Sihanouk wird während eines Auslandsaufenthalts von dem pro-amerikanischen Lon Nol – er ist seit 1966 Regierungschef – gestürzt und geht nach Peking, wo er eine Exilregierung gründet und sich mit der von Nordvietnam und China unterstützten „Roten Khmer“ (1966 gegründete kommunistische Bewegung Kambodschas) arrangiert. US-amerikanische und südvietnamesische Truppen marschieren zur Unterstützung der Regierung von Lon Nol in Kambodscha ein, der am 9. Oktober die Republik „Khmer“ ausruft. 1971 Die kommunistische, von Nordvietnam und der VR China unterstützte Rote Khmer gewinnt die Herrschaft über den größten Teil Kambodschas. 17. April 1975 Die Hauptstadt Phnom Penh wird von der Roten Khmer eingenommen. Unter Pol Pot wird die Demokratische Republik Kampuchea ausgerufen und Norodom Sihanouk als Staatsoberhaupt eingesetzt. 4. April 1976 Norodom Sihanouk wird wegen seiner Kritik am links-terroristischen Kurs der neuen Machthaber als Staatsoberhaupt abgesetzt und unter Hausarrest gestellt. Staatsoberhaupt wird Khieu Samphan, Pol Pot Regierungschef. Es beginnt die völlige Abschottung Kambodschas nach außen und die brutale „Umerziehung“ der Bevölkerung zum Kommunismus. Dabei kommen in den folgenden Jahren zwischen ein und zwei Millionen Menschen ums Leben. 25. Dezember 1978 Truppen des wiedervereinigten Vietnam marschieren in Kambodscha ein, um das Pol-Pot-Regime zu stürzen und eine vietnamorientierte politische Führung zu installieren. 8. Januar 1979 Mit Unterstützung der inzwischen in Phnom Penh einmarschierten Vietnamesen stürzt die „Einheitsfront für nationale Rettung“ das Pol-Pot-Regime. Chef einer neuen Regierung wird Heng Samrin, der am 11. Januar die „Volksrepublik Kampuchea“ ausruft. Pol Pot geht in den Untergrund und Norodom Sihanouk ins Ausland. Mitte 1979 Guerilla-Aktionen der Roten Khmer sowie eine drohende Hungersnot führen zur Massenflucht ins Nachbarland Thailand. Juni 1982 Pol Pot bildet mit seinen Anhängern und zwei nicht-kommunistischen Gruppen unter der Leitung von Norodom Sihanouk in Kuala Lumpur (Malaysia) eine Exilregierung, die von der UNO anerkannt wird. 1988 Die Exilregierung und die Regierung Heng Samrins in Phnom Penh führen mehrere erfolglose Verhandlungen über eine eventuelle gemeinsame Regierung Kambodschas nach dem Abzug der vietnamesischen Truppen. September 1989 Die vietnamesischen Truppen ziehen aus Kambodscha ab. Eine Verfassungsänderung beinhaltet die Umbenennung in „Staat Kambodscha“ und macht den Buddhismus zur Staatsreligion. 1990 Norodom Sihanouk kehrt aus dem Exil nach Phnom Penh zurück. Die Aktionen der Widerstandsgruppen gegen die Regierung Heng Samrins nehmen zu. 24. Juni 1991 Alle kambodschanischen Bürgerkriegsparteien unterzeichnen einen unter UNO-Vermittlung ausgehandelten Waffenstillstand. Es kommt zur Bildung eines Obersten Nationalrats als Übergangsregierung unter Vorsitz von Norodom Sihanouk. 1992 Die Rote Khmer weigert sich, dem Pariser Friedensabkommen zu entsprechen und ihre Truppen zur Entwaffnung unter UNO-Aufsicht zu stellen. Die UNO verhängt Wirtschaftssanktionen über die von der Roten Khmer kontrollierten Gebiete. Thailand schließt die Grenzen zu diesen Gebieten. September 1993 In Phnom Penh werden unter Aufsicht einer UN-Friedenstruppe die ersten freien Wahlen seit 20 Jahren abgehalten, die von der Roten Khmer jedoch boykottiert werden. Prinz Norodom Ranaridh, ein Sohn von Norodom Sihanouk, wird Erster Premierminister und Hun Sen Zweiter Premierminister der Koalitionsregierung von FUNCINPEC (Royalisten) und CPP (Volkspartei). Die neue Verfassung macht Kambodscha wieder zur konstitutionellen Monarchie (Königreich Kambodscha/Preah Réachéanachakr Kampuchéa), und Norodom Sihanouk wird zum zweiten Mal zum König gekrönt. Anfang 1994 Die Rote Khmer verstärkt erneut ihren bewaffneten Kampf gegen die kambodschanischen Regierungstruppen. Juli 1994 Per Parlamentsbeschluß wird die Rote Khmer offiziell verboten; diese bildet daraufhin eine Gegenregierung in der Provinz Preah Vihear im Norden Kambodschas. Ende 1994 Die Rote Khmer - sie verfügt derzeit noch über rund 10.000 Kämpfer - ermordet mehrere ausländische Geiseln, die sie bereits im Juli gekidnappt hat, um vom Parlament die Aufhebung des Verbots ihrer Organisation sowie hohe Lösegelder zu erpressen. 1995 Die Rote Khmer, die noch immer über etwa 10.000 Kämpfer verfügen, verschleppt tausende Zivilisten in Konzentrationslager im unwegsamen Dschungelgebiet an der Grenze zu Thailand, wo die meisten wenig später getötet werden oder verhungern. Anfang 1996 Der an Krebs erkrankte König Norodom Sihanuk macht seine Frau, Norodom Monineath Sihanuk, zu seiner „Obersten Ehefrau“ und verleiht ihr damit das Recht, im Falle seines Todes, die Regentschaft über Kambodscha zu übernehmen. September 1996 Ein Großteil der Roten Khmer gibt ihren bewaffneten Kampf auf, unterzeichnet mit der Regierung in Phnom Penh ein Friedensabkommen und wird daraufhin von König Norodom Sihanouk amnestiert und in die kambodschanischen Regierungstruppen integriert. Ende 1996 Die rund 2.000 verbliebenen Roten Khmer-Rebellen, die immer noch einen Teil des Landes unter ihrer Kontrolle haben, und Regierungstruppen liefern sich weiterhin erbitterte Kämpfe, unter denen die Zivilbevölkerung sehr zu leiden hat. 1. Januar 1997 Der Wiederaufbau des vom Krieg verwüsteten Kambodscha geht nur schleppend voran. Das kleinste Land Indochinas – mit 181.035 Quadratkilomtern ist Kambodscha etwa halb so groß wie Deutschland – zählt zu den ärmsten der Welt und wird noch Jahre von ausländischer Entwicklungshilfe abhängig sein. Die einstige Reiskammer Indochinas – dank des Mekong und des „Großen Sees“ (Tonle Sap; das größte Binnengewässer Südostasiens dehnt sich während der Regenzeit von 3.000 auf bis zu 20.000 Quadratkilometer aus) können die Felder ausreichend bewässert werden – kann heute kaum den Reisbedarf für die eigene Bevölkerung decken, da ein Großteil der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche noch immer vermint ist. Mitte 1997 In Kambodscha werden zahlreiche Massengräber entdeckt; demnach sollen zwischen 1975 und 1979 von der Roten Khmer im Auftrag von Ex-Diktator Pol Pot über zwei Millionen Menschen massakriert worden sein (bisher wurde „nur“ etwa die Hälfte vermutet). Dies entspricht einem Viertel der damaligen Gesamtbevölkerung. 14. Juni 1997 Aufgrund eines ausgebrochenen Machtkampfes innerhalb der Roten Khmer (insgesamt soll die Terror-Organisation noch aus etwa 2.000 Mann bestehen) hat der kambodschanische Ex-Diktator und berüchtigte Anführer der Roten Khmer, Pol Pot, angeblich sein Hauptquartier an der thailändischen Grenze verlassen und befindet sich mit mehreren Geiseln auf der Flucht. 16. Juni 1997 Pol Pot und etwa 300 seiner Anhänger - der Rest der Roten Khmer ist inzwischen angeblich zu den kambodschanischen Regierungstruppen übergelaufen - sollen im Dschungel nahe der Grenze zu Thailand eingekesselt sein. 30. Juni 1997 Während der Erste Ministerpräsident Prinz Norodom Ranaridh erklärt, daß Pol Pot gefaßt wurde und vor ein internationales Gericht gestellt werden soll, behauptet der Zweite Ministerpräsident Hun Sen, Pol Pot sei tot. 1. Juli 1997 In Phnom Penh kommt es zum offenen Machtkampf zwischen dem Ersten Ministerpräsidenten Prinz Norodom Ranaridh und dem Zweiten Ministerpräsidenten Hun Sen (sie werfen sich gegenseitig die Planung von Putschversuchen vor). Die Kämpfe zwischen den rivalisierenden Lagern fordern zahlreiche Tote und Verletzte; Tausende verlassen daraufhin fluchtartig die kambodschanische Hauptstadt, deren Flughafen aus Sicherheitsgründen bereits geschlossen wurde. 7. Juli 1997 Die Truppen des Zweiten Ministerpräsidenten Hun Sen siegen über die Anhänger des Ersten Ministerpräsidenten Prinz Norodom Ranaridh (er hat sich inzwischen nach Paris abgesetzt und Frankreich um Vermittlung gebeten) und kontrollieren die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh. Die an Kambodscha angrenzenden Staaten sowie Japan, Frankreich und die USA appellieren an die Konfliktparteien, die Waffen niederzulegen und freie Wahlen in die Wege zu leiten. Gleichzeitig ruft der Rest der Roten Khmer, der sich inzwischen auf die Seite des Prinzen geschlagen hat, über Rundfunk zum erbitterten Widerstand gegen Hun Sen auf, da dieser im „Auftrag Vietnams“ handle. 9. Juli 1997 In ganz Kambodscha machen die Truppen Hun Sens Jagd auf Mitglieder der Royalistenpartei „FUNCIPEC“ von Norodom Ranaridh; rund ein Dutzend Angehörige der königlichen Familie flüchten zunächst in die singapurische Botschaft in Pnom Penh und dann weiter nach Singapur bzw. Thailand. Gleichzeitig entscheidet sich der südostasiatische Staatenverbund ASEAN für eine vorläufige Ausklammerung Kambodschas (ursprünglich sollte das Land, zusammen mit Myanmar und Laos, Ende Juli Mitglied werden). 20. Juli 1997 Prinz Norodom Ranariddh trifft in Thailand ein und warnt in einer Pressekonferenz in Bangkok vor einem neuen Bürgerkrieg in Kambodscha. Während er die ASEAN-Staaten erneut um Vermittlung bittet, weist sein Rivale und derzeitige Machtinhaber in Kambodscha, Hun Sen, jegliche „Einmischung“ in die inneren Angelegenheiten des Landes durch die südostasiatischen Staaten sowie der USA kategorisch zurück. 26. Juli 1997 Ein US-amerikanischer Reporter will den totgeglaubten kambodschanischen Ex-Diktator Pol Pot mit eigenen Augen in einem Dschungellager der Roten Khmer gesehen haben; dort sei der 69jährige von früheren Anhängern in einem Prozeß zu lebenslanger Haft verurteilt worden. 31. Juli 1997 Prinz Norodom Ranariddh erklärt sich zur Vermeidung eines Bürgerkriegs in Kambodscha zum Rücktritt bereit; allerdings will er seinen Nachfolger selbst ernennen; den von seinem Kontrahenten Hun Sen zum Regierungschef erhobenen Außenminister Ung Huot lehnt er ab. 1. August 1997 Zwischen den Truppen des neuen Machthabers Hun Sen und des vertriebenen Ersten Ministerpräsidenten Prinz Norodom Ranariddh kommt es nahe der Grenze zu Thailand erneut zu schweren Gefechten. Über 7.000 Kambodschaner flüchten aus den umkämpften Gebieten ins Nachbarland. 4. August 1997 Über 1.000 buddhistische Mönche demonstrieren in Phnom Penh für ein friedliches Kambodscha. 11. August 1997 Die neun ASEAN-Staaten akzeptieren die neuen Machthaber in Kambodscha, nachdem der frühere Außenminister Ung Huot zum Ersten Ministerpräsidenten Kambodschas ernannt worden ist. Gleichzeitig erklärt sich König Norodom Sihanouk, der sich zur Zeit in ärztlicher Behandlung in China aufhält, zum Abdanken bereit, obwohl er die Absetzung seines Sohnes Prinz Norodom Ranariddh als Ersten Ministerpräsidenten als illegal und verfassungswidrig bezeichnet. 18. August 1997 Nach der Ankündigung Hun Sens, die Stadt O'Smach nahe der Grenze zu Thailand, den letzten Stützpunkt der Truppen von Prinz Norodom Ranariddh, in einem Sturmangriff einzunehmen, fliehen rund 30.000 Kambodschaner aus der Region in das Nachbarland, wo sie in zwei Auffanglagern untergebracht werden. 3. September 1997 Beim Absturz einer vietnamesischen Verkehrsmaschine kurz vor der Landung in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh kommen 65 Insassen ums Leben; nur ein einjähriges Kind überlebt das Unglück. 15. Oktober 1997 Die schlimmste Dürre seit 50 Jahren, hervorgerufen durch „El Niño“ – die außergewöhnliche Erwärmung des Pazifik vor der Küste Südamerikas, die in Amerika für extrem starke Regenfälle sorgt und in Asien zu langanhaltender Dürre führt – dezimiert in Südostasien die Reis- und Maisernten, vernichtet Kaffee, Tee und Kakao. In vielen Staaten führt der Mangel an Trinkwasser bereits zur Ausbreitung der Cholera. In der indonesischen Provinz Irian Jaya auf der Insel Neuguinea sind bereits Hunderte durch Hunger und Seuchen gestorben, und die Regierung von Papua-Neuguinea hat inzwischen den Notstand ausgerufen. Auch in Kambodscha, Singapur, Malaysia, Vietnam und auf den Philippinen gehen die Wasserreserven zu Ende und sind die Ernten vernichtet bzw. um ein vielfaches schlechter ausgefallen als in normalen Jahren. 2. November 1997 Der „Jahrhunderttaifun Linda“ fegt mit bis zu 130 Stundenkilometern durch den Golf von Thailand und sorgt in Thailand, Kambodscha und vor allem im Mekong-Delta im Süden Vietnams für meterhohe Flutwellen und schwere Verwüstungen. 15. Februar 1998 Nach Vermittlung Japans fordern der derzeitige kambodschanische Machthaber Hun Sen und sein Kontrahent Prinz Norodom Ranariddh – er hält sich noch in Thailand auf – ihre gegeneinander kämpfenden Milizen zum Waffenstillstand auf. 15. April 1998 Der schon mehrmals totgesagte Ex-Diktator Pol Pot, der zwischen 1975 und 1979 die Folterung und Ermordung von bis zu zwei Millionen Menschen in Auftrag gegeben haben soll, stirbt in einem Unterschlupf der Roten Khmer an der thailändischen Grenze, kurz nachdem die UNO, aber auch die USA, die Forderung nach einem internationalen Tribunal gegen die Schuldigen des Völkermordes erhoben haben. Zum Beweis, daß er tatsächlich tot ist, werden Farbfotos vorgelegt. 26. Juli 1998 Bei (angeblich) fairen Parlamentswahlen erzielt die kambodschanische Volkspartei CPP von Hun Sen 64 der 122 Sitze und die FUNCINPEC von Prinz Norodom Ranariddh - er ist inzwischen nach Kambodscha zurückgekehrt - 43 Mandate. 6. September 1998 Nachdem Unbekannte zwei Handgranaten auf das Grundstück von Regierungschef Hun Sen in Phnom Penh geworfen haben, befielt dieser der Militärpolizei die Auflösung einer Versammlung von rund 600 Anhängern des Oppositionspolitikers Sam Rainsy und ordnet die sofortige Verhaftung der Organisatoren der seit nunmehr fast drei Wochen anhaltenden Demonstrationen gegen ihn an. Mindestens einer der Demonstranten, die verlauten lassen, Hun Sen hätte den Angriff auf seine Residenz selbst inszeniert, wird von der Polizei erschossen. 13. September 1998 Trotz massiver Einschüchterung durch das Regime demonstrieren in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh erneut mindestens 20.000 Oppositionelle gegen Machthaber Hun Sen. Bei der gewaltsamen Auflösung der Kundgebungen durch die Militärpolizei werden wieder zahlreiche Menschen verletzt. 30. November 1998 Die sozialistische Volkspartei CPP und die royalistische FUNCINPEC einigen sich auf die Bildung einer Koalitionsregierung unter Hun Sen als alleinigen Regierungschef. Prinz Norodom Ranariddh übernimmt das Amt des Parlaments-Präsidenten. 5. Dezember 1998 Die letzten kämpfenden Einheiten der Roten Khmer kapitulieren bedingungslos: Das Fernsehen zeigt, wie der Stabschef der letzten kampffähigen Einheiten der Roten Khmer, Khem Nuon, am Tempel Preah Vihear nahe der Grenze zu Thailand die Worte spricht: „Wir bitten die Königliche Regierung um Erlaubnis, uns wieder in die Gesellschaft und die Königlichen Streitkräfte zu integrieren.“ In dem Abkommen ist jedoch keine Rede von den drei offiziellen obersten Führern Ta Mok, genannt „Der Schlächter“, Nuon Chea, bekannt als „Genosse Nummer zwei“ (nach Pol Pot) und Ex-Staatschef Khieu Samphan. Sie will die Regierung in Phnom Penh wegen Völkermords vor Gericht stellen. 29. Dezember 1998 Ex-Staatschef Khieu Samphan und Nuon Chea („Der Schlächter“) stellen sich in Phnom Penh und entschuldigen sich öffentlich für die von der Roten Khmer begangenen Verbrechen. Dank eines zuvor von Regierungschef Hun Sen gegebenen Amnestieversprechens können sie bereits nach wenigen Tagen wieder in die frühere Rebellen-Hochburg Pailin im Nordwesten Kambodschas an der thailändischen Grenze zurückkehren. 6. März 1999 Der letzte Führer der Roten Khmer, Ta Mok („Der Schlächter“), wird an der Grenze zu Thailand festgenommen. Er soll in in Phnom Penh vor ein Kriegsgericht gestellt werden. 28. April 1999 Nach monatelangen Verhandlungen einigen sich die Vereinten Nationen und die kambodschanische Regierung auf die Einrichtung eines unabhängigen Gerichtshofs in Phnom Penh zur Aburteilung der Hauptschuldigen am Völkermord während des Terrorregimes der Roten Khmer zwischen 1975 und 1978. 30. April 1999 Kambodscha wird als zehntes Mitglied in den südostasiatischen Staatenverbund ASEAN aufgenommen. 30. September 2000 Übermäßig starke Monsun-Regen haben in Kambodscha zum verheerendsten Hochwasser des Mekong und seiner Nebenflüsse seit Jahrzehnten geführt, das mindestens 180 Menschen das Leben kostet und Zigtausende obdachlos macht sowie einen Großteil der Reisernte vernichtet. Der Sachschaden wird auf mindestens 50 Millionen US-Dollar geschätzt. 26. November 2000 Am zweiten Tag des vierten, in Singapur stattfindenden informellen Gipfeltreffens des „Verbands Südostasiatischer Staaten“ (ASEAN), nehmen neben den Staats- und Regierungschefs der zehn Mitgliedsstaaten (Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam) auch die Regierungschefs der VR China, Japans und Südkoreas teil („Asean-+3-Forum“). Hauptthemen der Konferenz sind die Schaffung der Freihandelszone (AFTA) bis 2010 und die möglichst rasche Integration der vier ärmsten Mitgliedsstaaten Kambodscha, Laos, Myanmar und Vietnam. Singapur will Ausbildungszentren für Informationstechnologie in den vier Ländern einrichten und Stipendien für Studenten aus diesen Staaten bereitstellen. Zur Beschleunigung des Fortschritts in der Region sollen die Städte Singapur, Kuala Lumpur, Bangkok, Shanghai, Tokyo und Seoul zu einem „Asiatischen E-Gürtel“ vernetzt werden. Zudem soll bis 2006 die transasiatische Eisenbahn von Singapur nach Kunming, die sieben ASEAN-Staaten mit Süd-China verbindet, gebaut werden. 2. Januar 2001 Die kambodschanische Nationalversammlung in Phnom Penh verabschiedet ein Gesetz, das ein Amnestieversprechen von Regierungschef Hun Sen für ehemalige Anführer der Roten Khmer rückgängig macht. 4. Juli 2001 Bei zwei Bombenanschlägen auf Hotels im Zentrum der Hauptstadt Phnom Penh werden drei Menschen getötet und ein Dutzend weitere verletzt. 7. August 2001 Nachdem bereits das Parlament und die Regierung einen Gesetzentwurf zur Einsetzung eines internationalen Gerichtshofs zur Aburteilung der Hauptschuldigen am Völkermord unter dem Terrorregime der Roten Khmer gebilligt hatten, stimmt auch der Verfassungsrat der Vorlage zu. Nach der Unterzeichnung durch König Norodom Sihanouk steht nun der Einrichtung des seit langem geplanten Tribunals nichts mehr im Wege. 26. November 2001 Ein durch die Explosion eines Gas-Tanks ausgelöster Großbrand zerstört im Armenviertel von Phnom Penh fast 2.500 Holz- und Wellblechhütten. Rund 10.000 Menschen werden obdachlos, zahlreiche schwer verletzt. Wieviele Menschen in dem Flammeninfermo ums Leben kamen, ist unklar. 8. Februar 2002 Die Vereinten Nationen brechen die Verhandlungen mit der kambodschanischen Regierung über die Einrichtung eines internationalen Tribunals zur Aburteilung der Hauptschuldigen am Völkermord unter dem Terrorregime der Roten Khmer ab und ziehen ihre Beteiligung an dem geplanten Gerichtshof zurück, da dieser nicht die notwendige Unabhängigkeit und Objektivität hätte. 30. Januar 2003 Nachdem hunderte wütende Kambodschaner am Tag zuvor in Phnom Penh die thailändische Botschaft, mehrere Hotels, Restaurants, Banken und Geschäfte thailändischer Unternehmer in Brand gesteckt hatten – bei den Unruhen war mindestens ein Thailänder ums Leben gekommen –, fliegt Thailand über 700 seiner Staatsbürger mit Militärmaschinen aus und zieht auch seine Diplomaten aus der kambodschanischen Hauptstadt ab. Die kambodschanische Regierung entschuldigt sich umgehend in Bangkok für die Ausschreitungen einer „kleinen Gruppe von Extremisten“ und erklärt, für den angerichteten Schaden aufkommen zu wollen. Auslöser für die anti-thailändischen Krawalle: Eine populäre thailändische Schauspielerin soll in einem Interview gesagt haben, sie werde nicht eher in Kambodscha auftreten, bis nicht die Tempelanlagen von Angkor Wat an Thailand „zurückgegeben“ seien, denn die 800 Jahre alten Tempel gehörten zu Thailand. Der Fernsehstar bestreitet die Äußerungen. Angkor Wat, das Nationalsymbol Kambodschas, zieht jährlich zehntausende Touristen ins Land und ist – neben dem Lizenzverkauf von Telefonnetzen, Überflugrechten und dem (illegalen) Abholzen der Edelholzbestände – die bedeutendste Devisenquelle des Landes. 27. Juli 2003 Aus der ungewohnt ruhig verlaufenden Parlamentswahl in Kambodscha geht die ex-kommunistische Volkspartei CPP von Regierungschef Hun Sen mit deutlichen Zugewinnen als klare Siegerin hervor. Sie erringt 70 der insgesamt 123 Sitze. (Am 26. Juni 2004, elf Monate nach der Wahl, einigt man sich auf eine Koalitionsregierung: Die CPP von Hun Sen stellt 15 Minister, die royalistische Funcinpec von Prinz Norodom Ranariddh zehn.) 20. August 2004 In China ist eine tödlich Form der Geflügelpest, wie die besonders schwere Form der Vogelgrippe bezeichnet wird, bei Schweinen entdeckt worden. Forscher des Instituts für Tiermedizin in Harbin wiesen den Virenstrang namens H5N1 nach, wie ein Mitarbeiter des Labors in der nordchinesischen Stadt bestätigt. „Die große Sorge ist, daß das Virus auch auf Säugetiere überspirngt“, heißt es. Die Forscher sind besonders bei Schweinen alarmiert, da diese dem Menschen genetisch ähneln. Von Januar bis März 2004 sind in China, Vietnam, Thailand, Südkorea, Japan, Taiwan, Indonesien, Pakistan, Kambodscha und Laos rund 100 Millionen Hühner und anderes Geflügel an der Geflügelpest verendet oder mußten getötet werden, davon allein je 36 Millionen in Vietnam und Thailand. In Thailand starben acht Menschen, überwiegend Kinder und Jugendliche, an der Vogelgrippe, in Vietnam 15. In den anderen Ländern kam es nach offiziellen Angaben zu keiner Übertragung auf Menschen. Obwohl seit Mitte November 2003 bekannt war, daß es in Thailand Fälle der Vogelkrankheit gab und obwohl das tahiländische Gesundheitsministerium bereits im Dezember die Krankenhäuser angewiesen hatte, Menschen mit grippalen Erkrankungen auf die Vogelseuche zu testen, gab die Regierung aus „Angst vor einer Massenpanik“ erst Ende Januar 2004 offiziell den Ausbruch der Seuche zu. Eine ähnliche Verschleierungstaktik betrieb die Regierung Indonesiens. Huhn ist das beliebteste Fleisch in Südostasien. Überall in der Region, besonders in den weniger entwickelten Ländern, lebt Geflügel in engem Kontakt mit Menschen. Allein in Vietnam halten rund acht Millionen Haushalte durchschnittlich zwei Dutzend Hühner für den privaten Verzehr und wegen der Eier. Nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bedroht die Geflügelpest die Menschheit weltweit, auch wenn sich bislang alle Erkrankten immer beim Geflügel ansteckten. Wenn Hühnergrippeviren auf die Erreger treffen, welche die menschliche Influenza hervorrufen, könnten sie zu einem neuen Virustyp mutieren. Dann wäre die Seuche von Mensch zu Mensch übertragbar. Eine weltweite Epidemie mit Millionen von Toten könnte dann die Folge sein. 7. Oktober 2004 König Norodom Sihanouk, der sich seit längerer Zeit zur ärztlichen Behandlung in Peking aufhält, dankt aus gesundheitlichen Gründen ab. In einem Schreiben, das in der Nationalversammlung in Phnom Penh verlesen wird, fordert der 81-Jährige die Einberufung eines Thronrates, um einen Nachfolger zu bestimmen. Der König, der neben Religion und Nation eine der drei Säulen das kamobdschanischen Staates ist, wird gemäß der Verfassung auf Lebenszeit gewählt. Die Thronfolge ist nicht erblich geregelt. Nach der Erklärung von Sihanouks Sohn, Prinz Norodom Ranariddh, daß er er weiterhin als Vorsitzender der Nationalversammlung in der Politik tätig sein wolle und somit für eine Nachfolge nicht zur Verfügung stehe, fällt die Wahl des Thronrats am 14. Oktober auf Prinz Norodom Sihamoni, einen anderen Sohn des Königs. Das neue Staatsoberhaupt, das rein repräsentative Aufgaben hat, ist in Nepal nahezu unbekannt und politisch völlig unbelastet. Der 51-Jährige studierte in den 1970er Jahren in Prag klassisches Ballett und gründete 1982 in Paris eine Ballettschule, wo er seit 1993 zugleich als Botschafter Kambodschas bei der UNESCO diente. Nach der prunkvollen Krönungszeremonie am 30. Oktober im Palast von Phnom Penh verspricht der neue Monarch seinem Volk, sich für Frieden und Wohlstand einsetzen zu wollen. Quelle: Areion Weltalamanach Literatur zu Kambodscha...Lon Nol Staatschef von Kambodscha (1972-75) geboren: 13.11.1913 gestorben: 17.11.1985 (Saint-Jude de Dullerton (Bundesstaat California)) Literatur... Pol Pot Geburtsname: Saloth Sar Guerilla-Führer, Regierungschef von Kambodscha (1976-79) geboren: 19.05.1928 (Provinz Kompong Thom) gestorben: 15.04.1998 (Anlong Veng (nahe der Grenze zu Thailand)) Literatur... König Norodom Sihanouk von Kambodscha König, Staatsoberhaupt geboren: 31.10.1922 (Phnom Penh) Literatur... Quelle: Areion WeltalamanachDruckversion dieser Seite |