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Jamaika

Chronik

 Überblick    Basisdaten


5. Mai 1494
Christoph Kolumbus betritt auf seiner zweiten „Westindien“-Fahrt die Karibikinsel Jamaika in der heutigen St. Ann's Bay, einige Tage später in der Montego Bay. Er nennt die gebirgige, rund 235 Kilometer breite und 85 Kilometer lange Insel, die von den Arawak „Xaymaca“ (Land aus Wasser und Wald) genannt wird, Santiago (Hl. Jakob). Da er jedoch kein Gold findet, segelt Kolumbus enttäuscht weiter.
(Bis zu seinem Tod im Jahre 1506 war der Entdecker Amerikas davon überzeugt, den westlichen Seeweg über den Atlantik nach Hinterindien gefunden zu haben; deshalb der Name „Westindien“ für die Inselwelt vor Zentralamerika und die Bezeichnung „Indios“ bzw. „Indians“ für die Ureinwohner Amerikas; die Bezeichnung „Karibik“ dagegen ist von dem im 15. Jahrhundert auf vielen der Inseln lebenden Volksstamm der Kar(a)iben abgeleitet, die einst die dort ansässigen friedlichen Arawak [auch Taino genannt] größtenteils vertrieben hatten und als äußerst kriegerisch galten sowie als Menschenfresser gefürchtet waren.)

1503
Christoph Kolumbus verbringt während seiner vierten „Westindien“-Fahrt schwerkrank und unter schwierigsten Bedingungen ein Jahr auf Jamaika.

1509
Diego Colón, der Sohn Christoph Kolumbus' kehrt nach Jamaika zurück und nimmt die Insel für die spanische Krone in Besitz. Er gründet im Norden das erste Dorf namens Seville Nueva und wenig später im Süden Villa de la Vega, das heutige Spanish Town.

1570
Von den einst rund 100.000 auf Jamaika als Bauern und Fischer angesiedelten Arawak-Indianer lebt kein einziger mehr. Sie waren weder der harten Feldarbeit gewachsen, zu der die Spanier sie gezwungen hatten, noch den aus Europa importierten Krankheiten (z.B. Pest, Pocken, Syphillis).

1643
Ein erneuter Versuch der Engländer, Jamaika einzunehmen, scheitert ebenso wie der erste im Jahre 1596.

10. Mai 1655
Die Engländer erobern Jamaika und beginnen Zuckerrohr, später auch Kakao, anzubauen. Für die Arbeit auf den Plantagen „importieren“ sie schwarze Sklaven aus Westafrika.

1670
Im Vertrag von Madrid überläßt Spanien die Insel Jamaika offiziell den Engländern. Über achtzig Jahre kämpfen rund 3.000 Einheimische, vor allem entwichene Sklaven, die als „Maroons“ (vom spanischen Wort „cimaroon“ für ungebändigt bzw. verwildert abgeleitet), von den Bergen aus gegen die Briten. Die Stadt Port Royal erlebt ihre Blütezeit als Freibeuternest und gilt, bis sie 1692 bei einem Erdbeben vollkommen zerstört wird und im Meer versinkt, als reichste Stadt der Erde. (Heute findet man dort den Hafen der Hauptstadt Kingston.)

Ab 1700
Jamaika ist bis 1810 Großumschlagplatz für westafrikanische Sklaven. Rund eine Million Schwarze wechselt hier ihren Besitzer, wovon etwa ein Viertel auf der Insel selbst verbleibt.

Ab 1750
Dank des blühenden Sklaven-, Zuckerrohr- und Kakaohandels ist Jamaika inzwischen die reichste Kolonie der Briten.

1807
Der Sklavenhandel auf Jamaika wird verboten.

1833
Auf Jamaika wird die Sklavenhaltung abgeschafft (ab 1838 für alle britischen Kolonien verbindlich). Den Mangel an Arbeitskräften auf den Feldern versucht man mit billigen Arbeitskräften aus Asien, vor allem Indern, aber auch Chinesen, auszugleichen.

1846
Die Aufhebung der Zollprivilegien für Jamaika führt zu einer schweren Wirtschaftskrise und zu sozialen Unruhen.

1866
Nach einem Aufstand der schwarzen Bevölkerung im Jahr zuvor wird Jamaika offiziell britische Kronkolonie und von Großbritannien direkt verwaltet.

1870
Kingston löst Spanish Town als Regierungssitz auf Jamaika ab.

1938
Die extrem schlechte Wirtschaftslage (Preisverfall für Zuckerrohr) löst auf Jamaika Unruhen aus. Daraufhin gewährt Großbritannien der Insel beschränkte Selbstverwaltung, und die politische Macht geht nach und nach auf die schwarze Bevölkerungsmehrheit über, die sich in der kommunistisch orientierten „People's National Party“ (PNP) formiert.

1944
Jamaika erhält eine Verfassung nach britischem Muster, und die „Jamaica Labour Party“ (JLP) gewinnt die ersten freien Wahlen.

1958
Jamaika wird Mitglied der (bis 1962 existierenden) Westindischen Föderation.

1952
Kanadische und US-amerikanische Konzerne beginnen auf Jamaika mit dem Abbau der riesigen Bauxitvorkommen.

1959
Jamaika erreicht die volle innere Autonomie.

6. August 1962
Nach Auflösung der Westindischen Föderation wird Jamaika in die Unabhängigkeit entlassen, verbleibt jedoch als parlamentarische Monarchie im britischen Commonwealth. Ein einheimischer Generalgouverneur vertritt die britische Krone. Alexander Bustamente, Führer der 1943 von ihm ins Leben gerufenen gemäßigten „Jamaica Labour Party“ (JLP), wird Premierminister des Inselstaates.

22. Februar 1967
Der jamaikanische Premier Alexander Bustamente tritt aus Altersgründen zurück und übergibt das Amt an Donald Sangster.

11. April 1967
Nach dem Tod von Donald Sangster wird Hugh L. Shearer (JLP) neuer Premierminister Jamaikas.

1969
Jamaika wird in die OAS (Organization of American States) aufgenommen.

2. März 1972
Die sozialistische „People's National Party“ (PNP) gewinnt die Wahlen, und Michael Manley wird neuer Regierungschef von Jamaika. Er setzt sich für „demokratischen Sozialismus“ und eine engere Zusammenarbeit mit Kuba und der Sowjeunion ein.

1973
Florizel A. Glasspole wird von der britischen Königin Elizabeth II. zum Generalgouverneur von Jamaika ernannt.

Jamaika gründet mit Trinidad und Tobago, Guyana und Barbados die karibische Wirtschaftsgemeinschaft CARICOM (Caribbean Community and Common Market), der nach und nach weitere Karibikstaaten beitreten. (Kuba ist bis heute ausgeschlossen.)

1975
Im Abkommen von Lombé wird Jamaika als assoziiertes Mitglied der Europäischen Gemeinschaft anerkannt.

19. Juni 1976
Nach schweren Unruhen, ausgelöst durch hohe Arbeitslosigkeit und Verelendung der schwarzen Bevölkerung aufgrund von Mißwirtschaft, wird der Ausnahmezustand über Jamaika verhängt.

1. November 1980
Der pro-westlich orientierte Edward Seaga, Führer der „Jamaica Labour Party“ (JLP) wird Premierminister von Jamaika. Seine Wirtschaftsreformen (u.a. Reprivatisierung von Staatsbetrieben, rigorose Einsparungen im Staatshaushalt) bringen zwar kurzfristige Erfolge (Eindämmung der Inflation, Schuldenabbau), führen jedoch gleichzeitig zu einer weiteren Verelendung großer Bevölkerungsgruppen und damit zu neuen sozialen Unruhen.

15. Dezember 1983
Da die PNP die Wahlen auf Jamaika boykottiert, gewinnt die JLP bei den vorgezogenen Parlamentswahlen alle 60 Repräsentantenhaus-Mandate.

1985
Hohe Arbeitslosigkeit, die steigende Inflationsrate sowie eine erhebliche Erhöhung der Benzinpreise führen auf Jamaika zu neuen blutigen Unruhen mit zahlreichen Toten.

10. September 1988
Der Hurrikan Gilbert, einer der schwersten Wirbelstürme der letzten Jahrzehnte, fegt über die Karibikstaaten hinweg und hinterläßt eine Spur der Verwüstung. Besonders stark betroffen ist Jamaika, wo etwa 500.000 Menschen obdachlos werden.

13. Februar 1989
Bei Parlamentswahlen schafft die PNP erneut die Übernahme der Regierung, und Michael Manley wird zum zweiten Mal Premierminister von Jamaika. Allerdings hat er sich inzwischen von seinem sozialistischen Kurs weitgehend abgewandt und setzt die marktwirtschaftlichen Reformen seines Vorgängers fort. Gleichzeitig bemüht er sich um eine Abmilderung der sozialen Härten.

1990
Der Tourismus ist auf Jamaika inzwischen zum Devisenbringer Nummer eins aufgestiegen.

1991
Die britische Königin Elizabeth II., offizielles Staatsoberhaupt von Jamaika, ernennt Howard Felix Hanlan Cooke zum Generalgouverneur.

30. März 1992
Die von blutigen Unruhen begleiteten Parlamentswahlen gewinnt die regierende PNP mit absoluter Mehrheit. Percival James Patterson wird neuer Premierminister auf Jamaika.

Mitte 1994
Die Regierung Jamaikas verkauft 75 Prozent der verschuldeten staatlichen Fluggesellschaft „Air Jamaica“ an private (kanadische und inländische) Investoren.

20. August 1997
In einer Strafanstalt in der jamaikanischen Hauptstadt Kingston werden bei Häftlingsstreitigkeiten 16 Gefangene von Mitinsassen ermordet.

18. Dezember 1997
Bei den erstmals ohne Unruhen verlaufenden Parlamentswahlen auf Jamaika erzielt die regierende PNP von Premier Percival James Patterson 50 von insgesamt 60 Sitzen. Patterson wird kurz darauf im Amt bestätigt.

31. Dezember 1999
Wegen des Preisverfalls für Zuckerrohr, Bananen, Zitrusfrüchten und Bauxit auf dem Weltmarkt, ist der Tourismus seit einigen Jahren zur Haupteinnahmequelle Jamaikas aufgestiegen (fast 2 Millionen Urlauber [einschließlich der Kreuzfahrtteilnehmer], vor allem aus den USA, kommen jährlich auf die drittgrößte Karibik-Insel). Nun will die Regierung die Insel durch den Bau von neuen Hotelanlagen vor allem für den Luxus-Tourismus noch attraktiver machen und dadurch gleichzeitig neue Arbeitsplätze schaffen (die offizielle Arbeitslosenrate liegt derzeit bei rund 16,5 Prozent, doch addiert sich dazu etwa ein ebenso hoher Anteil an Unterbeschäftigten).

23. September 2000
Sechs fünf Jahre zuvor verhängte Todesurteile jamaikanischer Gerichte werden vom britischen Geheimrat („Privy Council“), dem obersten Berufungsgericht für die einst zum britischen Empire gehörenden Karibik-Staaten, in lebenslängliche Haftstrafen umgewandelt. Zur Begründung geben die Richter u.a. schwerwiegende Verfahrensfehler an. In der Karibik wird der Ruf nach einer eigenen regionalen Berufungsinstanz (eventuell mit Sitz in Trinidad und Tobago) lauter, weil die britischen Richter vergleichsweise zurückhaltend bei der Bestätigung von Todesurteilen sind. Um die ständig steigende Gewaltkriminalität einzudämmen, wollen karibische Politiker vermehrt Mörder hinrichten lassen. In Jamaika, wo 1999 nach offiziellen Angaben 550 Menschen ermordet wurden, wurde die Todesstrafe zuletzt 1988 vollstreckt.

15. Januar 2001
Die Regierung in Kingston gibt die Zahl der im Jahr 2000 auf der Insel Ermordeten mit 870 an, über 300 mehr als 1999.

1. Februar 2001
Die jamaikanische Tourismusbehörde in Kingston protestiert energisch gegen das Vorhaben einer Ferienanlage auf der Insel, am Valentinstag (14.02.) acht unbekleidete Paare zu trauen.

10. April 2001
Die internationale Menschenrechtsorganisation Amnesty International berichtet, daß in Jamaika allein im vergangenen Jahr fast 150 Menschen von Polizisten ermordet wurden. Damit hat der Inselstaat weltweit die höchste Rate an Tötungen durch Sicherheitskräfte im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Ai kritisiert zudem die Anwendung von Folter sowie menschenunwürdige Bedingungen in den Gefängnissen.

20. April 2001
Im kanadischen Québec findet eine dreitägige Gipfelkonferenz aller 34 Staats- und Regierungschefs des amerikanischen Doppelkontinents mit Ausnahme Kubas statt. Hauptthema ist eine Konkretisierung des seit langem angestrebten Mammut-Projekts der panamerikanischen Freihandelszone von Alaska bis Feuerland, die bis zum 1. Januar 2005 (unter Ausschluß Kubas) geschaffen werden soll. Eine „Demokratieklausel“ soll sicherstellen, daß nur demokratische Staaten der größten Freihandelszone der Welt beitreten können, die wegen der verschiedenen Sprachen vier offizielle Bezeichnungen haben wird (Englisch: Free Trade Area of the Americas/FTAA, Spanisch: Área de Libre Comercio de las Américas/ALCA, Portugiesisch: Área de Livre Comércio de las Américas/ALCA, Französisch: Zone de libre-échange des Amériques/ZLEA). Der „Summit of the Americas“ ist überschattet von gewalttätigen Demonstrationen von Globalisierungsgegnern. Fast 100 Menschen werden z.T. schwer verletzt, darunter drei Dutzend Sicherheitskräfte.

9. Juli 2001
Nach tagelangen schweren Unruhen in der Hauptstadt Kingston zwischen rivalisierenden politischen Gruppen bzw. Banden des organisierten Verbrechens mit mindestens 25 Todesopfern ruft die Regierung die Armee zur Hilfe auf. Die Soldaten erhalten Polizeibefugnisse und sollen sich nun darauf konzentrieren, das verhängte nächtliche Ausgehverbot durchzusetzen und die Ordnung wieder herzustellen.

28. Juli 2001
Nach erneuten blutigen Auseinandersetzungen zwischen Drogenbanden in einem für seine Gewalttätigkeit bekannten Stadtteil von Kingston mit fünf Toten kündigt die Regierung eine Kampagne mit einem Budget von mehreren Millionen US-Dollar an, die das internationale Ansehen Jamaikas als sicheres Urlaubsziel wieder herstellen soll.
Jamaika ist einer von fünfzehn Karibikstaaten, die als Umschlagplatz für Drogen aus Südamerika auf ihrem Weg in die USA und nach Europa gelten und denen der Geldwäscheausschuß der OECD (Organization for Economic Co-operation and Development/Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) nach wie vor mangelnde Kooperation im Kampf gegen die internationale Geldwäsche und/oder eine unlautere Steuerpolitik vorwirft.

26. November 2001
Die jamaikanische Regierung unter Percival James Patterson verabschiedet einen Fünf-Jahres-Plan zur Bekämpfung von Aids. 25 Millionen US-Dollar sollen für Aids-Vorsorge und -Behandlung ausgegeben werden. Jamaika weist mit über 6.000 (registrierten) Fällen die zweithöchste Zahl an HIV-Infizierten in der Karibik (nach Barbados) auf.

15. Januar 2002
Die Regierung in Kingston gibt die Zahl der im Jahr 2001 auf der Insel Ermordeten mit 1.139 an, 269 mehr als 2000.

30. Mai 2002
Tagelange sintflutartige Regenfälle haben auf den Karibik-Inseln zu Überschwemmungen und Erdrutschen geführt. Besonders schwer betroffen sind Haiti und Jamaika, wo mindestens 27 Menschen und mehrere hundert Stück Vieh in den Fluten ertranken.

13. September 2004
Der Hurrikan „Ivan“ hinterläßt auf Grenada, Kuba, Jamaika und anderen Karbibikinseln sowie an der US-Küste schwere Verwüstungen und fordert mindestens 65 Menschenleben, davon 35 alleinauf Grenada, wo rund 90 Prozent der Häuser in der Hauptstadt St. George’s zerstört oder beschädigt wurden. Etwa 1,3 Millionen Menschen brachten sich vor dem Wirbelsturm in Sicherheit, der sich mit über sieben Meter hohen Wellen und einer Geschwindigkeit von bis zu 260 Kilomemtern pro Stunde fortbewegte.

 Quelle: Areion Weltalamanach


 Literatur zu Jamaika...



Bob Marley
Eigentlicher Name: Robert Nesta Marley
Reggae-Musiker
geboren: 06.04.1945 (Rodan Hill)
gestorben: 11.05.1981 (Miami (Bundesstaat Florida))
No woman, no cry - Schlager
Literatur...



Percival James Patterson
Politiker, Regierungschef von Jamaika (seit 1992)
geboren: 10.04.1935 (St. Andrew)
Literatur...


 Quelle: Areion Weltalamanach



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