vorhergehende Seitenächste Seite
Home
Nachschlagen
Bücher und Medien
Impressum/Kontakt
Übersicht
vorhergehende Seitenächste Seite
Google
 
Webwww.areion.de

Italien

Italienische Republik

 Basisdaten    Chronik


Geografie
Das Land
Der zentraleuropäische Nordteil der Republik Italien grenzt im Alpenraum im Westen an Frankreich, im Norden an die Schweiz und Österreich und im Osten an Slowenien. Der langgezogene mittlere und südliche Teil in der Form eines Stiefels besteht nordöstlich aus der Poebene, südlich aus der Apenninhalbinsel, die weit ins Mittelmeer hineinragt. Die Küstenregionen grenzen im Osten an den Golf von Venedig und die Adria, im Süden an das Ionische Meer. Zwischen Sizilien und der Apenninhalbinsel verläuft die Straße von Messina. Im Westen zwischen dem Festland und dem 250 km entfernten Sardinien liegt das Tyrrhenische Meer, das im Golf von Genua ins Ligurische Meer übergeht. Neben Sardinien und Sizilien zählen noch einige weitere kleinere Inseln im Mittelmeer zum 301.300 qkm großen Staatsgebiet.
Die Kämme der Alpen nach Norden bilden vielfach sowohl Wasserscheide als auch Landesgrenzen zu den Nachbarstaaten. In den Alpen liegen etwa 800 Gletscher, der höchste italienische Berg ist der 4638 m hohe Monte Rosa im gleichnamigen Gebirgsmassiv in den Regionen Piemont und Aostatal. Ein Moränenhügelland mit Seen liegt südlich der Gebirge. Die wichtigsten Seen sind der zu einem Fünftel zur Schweiz gehörende Lago Maggiore, der Comer See zwischen Luganer und Bergamasker Alpen und das mit 368 qkm größte Binnengewässer, der Gardasee. Das Endmoränenland geht in die Ebenen des Po und Venetiens über. Die südliche Halbinsel wird vom Gebirgszug des Apennin durchzogen, der bis zu 3000 m hoch ist und West- und Ostseite des italienischen Stiefels voneinander trennt. Der breitere westliche Küstenbereich weist zahlreiche Buchten auf, wogegen der östliche Küstenbereich schmaler ist. Flüsse entspringen in der Fontanilizone am Rande der Alpen und des Apennin und fließen dem Meer zu. Im südlichen Teil der Halbinsel befinden sich zum Teil noch aktive Vulkane. Die bekanntesten davon sind der Vesuv in der Nähe von Neapel, der Ätna – der höchste Vulkan Europas und höchster Berg Siziliens – und der Stromboli auf einer der Äolischen Inseln nördlich von Sizilien. Die größten Flüsse sind der 652 km lange Po in Oberitalien, die 410 km lange Etsch in Südtirol, der 241 km lange bei Pisa ins Ligurische Meer mündende Arno und der 505 km lange Tiber, der durch Rom fließt und bei Ostia ins Tyrrhenische Meer mündet. Neben den Alpenseen hat Italien einige vulkanische Seen, von denen der Trasimenische See nordwestlich von Perugia der größte ist.
Sizilien ist mit 25.426 qkm die größte italienische Insel. Die autonome Region ist überwiegend gebirgig und weist nur schmale Küstenbereiche auf. Sardinien hat eine Fläche von 23.813 qkm, ist ebenfalls autonome Region, gebirgig und buchtenreich. Die Sumpfgebiete auf der Insel waren noch bis 1945 malariagefährlich, wurden aber weitgehend trockengelegt.

Klima
Klimatisch unterteilt sich Italien in die Alpenregion und in Süditalien mit seinen Inseln. Die italienischen Alpen zählen zum Mitteleuropäischen Klimagebiet mit sommerfeuchtem Klima. Milde Winter und heiße Sommer werden von häufigen Regenfällen in Herbst und Frühling abgewechselt. Diese grundsätzlichen Wetterparameter wandeln sich im sommertrockenen mediterranen Klima des Südens unterhalb des Breitengrades von Rom. Milde Winter mit Regen verbinden sich in Sizilien mit heißen, trockenen Sommern. Auch das nördlicher gelegene Sardinien hat typisches Winterregenklima mit heißen und trockenen Sommern. Westwinde dominieren, so daß die Westseite des Apennin durchgehend höhere Niederschläge als die Ostseite verzeichnet. Relativ häufig treten Erdbeben auf.
Die mittleren Temperaturen sind in den Sommermonaten im Vergleich zwischen Nord- nach Süditalien fast gleich, im Winter weisen sie dagegen erhebliche Unterschiede auf. In Mailand unweit des Alpensüdrandes betragen sie im Januar durchschnittlich 2,5°C, und im Juli 24,5°C. In Rom im Zentrum der Südhalbinsel sind es im Januar 7°C, im Juli 25°C, in Palermo auf Sizilien 12°C im Januar und 26°C im Juli. Ähnlich wie die Wintertemperaturen sind auch die jährlichen Niederschläge regional unterschiedlich. Sie nehmen von Nord nach Süd ab und betragen im Jahresdurchschnitt in Mailand 1012 mm, in Rom 745 mm und in Palermo 510 mm.

Flora und Fauna
Die italienische Pflanzenwelt kann in die drei Vegetationszonen Alpen, Po-Tiefland und mediterrane Apennin-Region eingeteilt werden. Im Norden und in den Gebirgen finden sich vorwiegend sommergrüner Laubwald und Nadelwald. Rodung und Kultivierung großer Bereiche haben jedoch vielerorts Heidelandschaften sowie Weide- und Buschland entstehen lassen. Die Alpenregion gliedert sich entsprechend der jeweiligen Höhenlage in drei Vegetationszonen. Das südliche Voralpengebiet der Lombardei weist im Bereich der oberitalienischen Seen unter anderem Olivenbäume, Zypressen und Lorbeerbäume auf, etwas höher gelegen finden sich häufig Buchen, die dann ihrerseits von Lärchen und Fichten abgelöst werden. In der Hochgebirgszone finden sich Wacholderbüsche und Rhododendron, sowie etwas höher Weideland mit Wildblumen und Wildgräsern. Oberhalb der Schneegrenze wachsen nur noch wenige Pflanzen, darunter Moose und Flechten.
Das Tiefland rund um den Po war vor seiner Besiedlung dicht bewaldet. Heute dominieren dort Nutzpflanzen. Rest der ursprüngliche Vegetation sind Riedgräser in den trockeneren Bereichen sowie kleine Kiefernwälder und Heidekraut. Die Südhalbinsel wird von mediterranen Vegetationsstufen bestimmt. Im Bereich des Apennin-Gebirges, das sich über die gesamte Halbinsel erstreckt, wachsen Steineichen, im vorgelagerten Gebirgsbereich auch Korkeichen, Kastanien, Buchen und Kiefern. Überwiegend an den regenreicheren Westküsten und im Süden gedeihen immergrüne Gewächse und Macchie, die an Stelle der Steineichenwälder getreten ist. Auch Olivenbäume, Oleandergewächse und wilder Wein finden sich hier. In den Gebirgsregionen weiter im Süden stehen noch Teile des natürlichen Gebirgswalds mit Eichen, Kastanienbäumen und Pappeln, in Kalabrien am südlichen Vorsprung der Apenninhalbinsel wachsen Buchenwälder, teilweise sind die Regionen äußerst trocken und wüstenähnlich.
In Sizilien sind Wald und immergrünes Gebüsch weitgehend durch Kulturland verdrängt worden, eine Besonderheit stellen die häufig in Süßwasser vorkommenden Papyrusstauden dar, die im Altertum kultiviert und zur Produktion von Matten und Flößen genutzt wurden. In Sardinien sind durch Zerstörung der ehemals wachsenden Johannisbrotbaumwälder und dem Rückgang der Olivenbäume Steppenregionen mit verschiedenen Gräsern entstanden, die als Weideland dienen. In den Bergregionen stehen zum Teil Korkeichenwälder.

Die Tierwelt Italiens wurde im Laufe der Jahrhunderte durch die Einengung des Lebensraumes stark dezimiert. In den Alpenregionen finden sich Murmeltiere, Kaninchen, Gebirgsrebhühner und Hermeline, eine Marderart. An größeren Säugetieren leben Steinbock, Gemse und Hirsch in der Region, jedoch meist nur noch in Naturparks. Luchse und Füchse finden sich selten in den Alpen, häufiger sind sie in abgelegeneren Regionen des Apennin anzutreffen. Vögel sind durch die Jagd sehr stark reduziert. In den Alpen können aber noch vereinzelt Adler beobachtet werden. An Amphibienarten leben Salamander und Wassermolche in Italien, an Reptilien sind insbesondere Vipern zu finden. Speziell in den Abruzzen – dem höchsten Gebirgsteil des Apennin – leben noch vereinzelt Braunbären.
In Sardinien sind die Wildschafart der Mufflons sowie Dammhirsche und Wildschweine beheimatet. Vorherrschende Süßwasserfische sind Forellen, Störe und Aale, im Meer Thun- und Schwertfische. In den südlichen Meeresregionen finden sich auch vereinzelte weiße Haie. Durch chemische Rückstände und Überdüngung ist das Algenwachstum in den stärker industrialisierten Küstenregionen teilweise sehr hoch.


Kultur und Gesellschaft
Bevölkerung
Rund 57,4 Millionen Einwohner leben in Italien. Die größte Stadt ist die Hauptstadt Rom mit 2,8 Millionen Einwohnern. Weitere Millionenmetropolen sind Mailand (1,3 Millionen), Neapel (1,05 Millionen) und Turin (929.000).
94% der Bevölkerung Italiens sind gebürtige Italiener. Die sechs Prozent Ausländer im Land sind meist Einwanderer aus Entwicklungsländern. Dabei ist bei den Männern eine große schwarzafrikanische Gruppe zu beobachten, bei den Frauen dominieren Asiatinnen. Heute stellen vor allem Immigranten aus Osteuropa die Haupteinwanderungsgruppe dar. 83% der Italiener sind christlichen Glaubens, die Mehrzahl davon römisch-katholisch. 16% sind konfessionslos, 1% gehört anderen Glaubensrichtungen an, davon eine steigende Anzahl dem Islam.
Die Landessprache ist Italienisch, in Sardinien leben etwa 1,25 Millionen sardisch sprechende Italiener. In der Provinz Bozen ist Deutsch zweite Amtssprache, etwa 281.000 Bürger sprechen Deutsch. Das Aostatal ist französischsprachig. Im Norden im Gebiet Trieste-Gorizia leben kleine slowenische Minderheiten, im Süden albanische und griechische.

Geschichte
Funde weisen darauf hin, daß Italien bereits seit dem Paläolithikum vor etwa einer Million Jahren besiedelt war. Etwa ab 1200 v.Chr. wanderten Italiker und Illyrier in das Land ein, später auch Etrusker und Griechen, von denen der Name „Italia“ – zuerst für die Kalabrische Halbinsel, dann für ganz Süditalien – stammt. Der Name wurde von den Römern im 3. Jahrhundert v.Chr. übernommen und für das Gebiet bis zum nördlichen Apennin, später bis zu den Alpen verwendet. Nach der Legende war 650 v.Chr. Rom von den Zwillingsbrüdern Romulus und Remus erbaut worden; Romulus ermordete seinen Bruder kurz vor Gründung der Stadt und wurde dann erster König Roms. In den folgenden Jahrhunderten war Rom Zentrum des Römischen Imperiums, das neben großen Teilen der damals bekannten Welt auch die Zentralprovinz Italien umfaßte. 395 n.Chr. wurde das römische Reich geteilt in einen Ost- und einen Westteil. Nach dem Sturz des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustus 476 begann sich die Einheit Italiens aufzulösen und wurde endgültig durch den Einbruch der Langobarden im Jahr 568 n.Chr. gebrochen. Die Küstenlandschaften Genua, Rom, Ravenna, Venedig und Unteritalien sowie Sardinien und Sizilien blieben in den Händen von Byzanz; in Mittel- und Süditalien entstanden selbständige Kleinreiche.
Neben den Langobarden und Byzantinern wurden ab dem 7. Jahrhundert die Päpste zu einem weiteren Machtfaktor in Italien. Selbst militärisch zu schwach, um sich durchzusetzen, verbündeten sie sich mit fränkischen Königen, was zur fränkisch-deutschen Vorherrschaft vom 9. bis etwa Mitte des 13. Jahrhunderts führte. Bereits Mitte des 8. Jahrhunderts hatte Pippin III. den Langobardenkönig Aistulf von der Eroberung Roms abgehalten und mit der „Pippinschen Schenkung“ dem Papsttum neben Rom auch den Besitz des byzantinischen Ravennas überlassen. Karl der Große unterwarf 774 die Langobarden und band Ende des 8. Jahrhunderts das „Regnum Italicum“ erstmals an das Fränkische Reich. Im Jahr 800 wurde er in Rom zum Kaiser gekrönt und erneuerte dadurch das abendländische Kaisertum. Als „Heiliges Römisches Reich“ wurde Nord- und Mittel-Italien von deutschen Kaisern regiert.
Die Normannen hatten im Laufe des 11. Jahrhundert Unteritalien und Sizilien besetzt und das eroberte Land vom Papst als Lehen bekommen. Etwa zeitgleich kam es im sogenannten „Investiturstreit“ zur Auseinandersetzung zwischen kaiserlicher (weltlicher) und päpstlicher (geistlicher) Gewalt. Streitpunkt war die Vergabe (Investitur) von Bischofs- und Abtämtern, die ein wichtiges Herrschafts- und Verwaltungsinstrument der Könige geworden waren. Unmittelbarer Anlaß war die Besetzung des Erzbistums Mailand. Papst Gregor VII. drohte König Heinrich mit Absetzung, Heinrich ließ daraufhin 1076 seinerseits den Papst absetzen und dieser reagierte, indem er den König bannte. Nach dem sprichwörtlich gewordenen Gang nach Canossa durch Heinrich IV. im Jahre 1077 wurde der Bann gelöst. Heinrich setzte sich politisch durch und ließ, nachdem er nochmals durch Papst Gregor gebannt wurde, einen neuen Papst einsetzen, der ihn 1084 zum Kaiser krönte.
Trotz des offensichtlichen Erfolgs des Kaisers begann nach dem Investiturstreit die allmähliche Ablösung Italiens vom Heiligen Römischen Reich. Das Papsttum wurde nach und nach zur stärksten Kraft in Italien, zugleich nahm aber auch der Einfluß der Langobardischen Stadtstaaten zu: Venedig, Genua, Pisa und Florenz, aber auch Mailand in Landesinneren, entwickelten sich zu eigenständigen Handelsstaaten, die ihr Zentrum am Mittelmeer hatten. Bereits seit dem 11. Jahrhundert waren von den oberitalienischen Städten die Grundlagen erfolgreicher kapitalistischer Handlungs- und Denkweise gelegt worden. Geldverkehr, Börsen und moderne Buchhaltung verbanden sich mit den ersten Universitätsgründungen in Parma und Bologna. Der Versuch Barbarossas, die kaiserliche Herrschaft nochmals durchzusetzen, mißlang ebenso wie die Bemühungen Kaiser Friedrichs II., der in Sizilien einen hochorganisierten Staat begründet hatte. Mit dessen Tod im Jahr 1250 endete entgültig die Zeit der staufischen Vorherrschaft in Italien und ein Jahrhundert französischer Vorherrschaft begann, während das Papsttum von 1309-1376 nach Avignon übersiedelte. Machtkämpfe zwischen päpstlich gesinnten Guelfen und kaisertreuen Ghibellinen verhinderten zudem, daß eine neue Zentralmacht entstehen konnte. Territorialfürstentümer lösten die mächtig gewordenen Stadtrepubliken ab, so besaßen Genua und Venedig im 14. Jahrhundert weitgehend selbständige Adelsrepubliken, Piemont wurde von den Herzögen von Savoyen regiert. In Mittelitalien war 1354 der Kirchenstaat wiederhergestellt worden, Sizilien war mit Neapel vereinigt.
Neben dem wirtschaftlichen Wohlstand wurde Italien im 15. Jahrhundert auch zum Zentrum von Humanismus und Renaissance. 1440 war in Florenz die Platonische Akademie gegründet worden, Pico della Mirandola entwarf ein Weltbild aus christlichen, antiken und jüdischen Kulturbestandteilen. In Rom gründete sich die Vatikanische Bibliothek und ein philologischer Humanismus mit Text- und Bibelkritik begann. Das humanistische Studium („studia humanista“) mit den Basisfächern Rhetorik, Grammatik und Poetik wurde sowohl an Schulen als auch an Universitäten gelehrt. Kunst und Wissenschaften vereinigten sich und ein neues Lebensgefühl drückte sich durch ein verändertes Weltbild aus: der Pilger zur himmlischen Heimat „Viator mundi“ war zum „Faber mundi“, dem Schöpfer und Beherrscher der Welt geworden.
Nach Beginn der Neuzeit, die durch die Entdeckung Amerikas symbolisiert wird, begannen sich die Handelsströme vom Mittelmeerraum zum Atlantik hin zu verschieben. Dies bedeutete Machtverlust und schließlich das Ende der einst florierenden Territorialfürstentümer. Zum wiederholten Male stritten sich ausländische Mächte um die Vorherrschaft in Italien. Nach der Niederlage Frankreichs gegen Habsburg kamen Mailand, Sardinien und Neapel-Sizilien zu Spanien, das damit die Vorherrschaft in Italien erwarb, auch wenn es Frankreich 1659 gelungen war, in Oberitalien an Einfluß zu gewinnen. Anfang des 18. Jahrhunderts kam es in Italien zu einer Neuverteilung der Macht. Innerhalb weniger Jahrzehnte starben sämtliche einheimischen Dynastien mit Ausnahme der savoyischen aus und ein Ringen zwischen dem französischen Herrscherhaus der Bourbonen und der deutsch-österreichischen Linie der Habsburger um das spanische Erbe in Italien begann. Dieses wurde im Spanischen Erbfolgekrieg zugunsten der neuentstandenen Macht Österreich entschieden. Mailand, Neapel und Sardinien kamen unter österreichische Vorherrschaft, Korsika wurde an Frankreich verkauft. Im Rahmen der Revolutionskriege gelang es Napoleon, die Österreicher für kurze Zeit zu verdrängen und sich 1805 in Mailand zum italienischen König krönen zu lassen. Doch die Französische Vorherrschaft währte nur kurz: nach dem Wiener Kongreß 1815 wurden Kirchenstaat und österreichische Vorherrschaft in Norditalien wiederhergestellt.
Die Zeit zwischen 1815 und 1870 war vom sogenannten „risorgimento“ (italienisch für Wiedererstehung) des Bewußtseins geprägt, das nach einem politisch geeinten und kulturell wieder bedeutsamen Italien strebte. Damit einher gingen Widerstandsbewegungen gegen die restaurative österreichische Hegemonie, doch die von Mazzini geleiteten Aufstände in den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts schlugen fehl. Erst nachdem sich Italien 1848 der Revolution in Europa anschloß, gelang es den Freiheitskämpfern, die Österreicher aus Venedig und Mailand zu vertreiben. Mazzini und Garibaldi riefen in Rom die italienische Republik aus. Doch die Unabhängigkeit währte nur kurz. Französische Hilfscorps des Papstes eroberten die befreiten Regionen Stück für Stück zurück und mit dem Fall Venedigs zog die Reaktion in Form österreichischer Truppen wieder im nördlichen Italien ein. Nur der sardisch-piemontische König, der in den Kämpfen auf Seiten der Republikaner gestanden hatte, behielt eine parlamentarisch verfaßte Republik bei und wurde gemeinsam mit seinen Ministerpräsidenten C. Benso Graf Cavour zum Führer im weiteren Kampf für einen geeinten italienischen Nationalstaat. Innerhalb einiger Jahre gelang es Sardinien, italienische Republikaner zu sammeln. Als der französische König Napoleon III. durch Gebietszusagen von Savoyen und Nizza auf ihre Seite gebracht war, wurden die Österreicher abermals angegriffen und 1858 mehrfach besiegt. Im Frieden von Zürich ging die Lombardei an Piemont, Venetien blieb bei Österreich. In der Toskana, in Parma und Modena waren zwischenzeitlich die Herrscher vertrieben worden und auch die Romagna hatte sich aus der päpstlichen Vorherrschaft gelöst.
Im Jahr 1860 gelang es G. Garibaldi mit dem „Zug der Tausend“, die Bourbonenherrschaft in Neapel-Sizilien zu stürzen. Nach Volksabstimmungen gliederten sich diese Gebiete Piemont an und nach ersten Parlamentswahlen wurde 1861 das Königreich Italien unter König Viktor Emanuel II. ausgerufen. Da französische Truppen Rom besetzt hielten, wurde Florenz für eine kurze Zeit italienische Hauptstadt. 1866 wurde Venetien mit preußischer Hilfe befreit, 1870 Rom als Hauptstadt sowie der übrige Teil des Kirchenstaats nach Abzug der Franzosen in die italienische Republik integriert. Der politisch entmachtete Papst empfand sich als Gefangener im Vatikan und rief die katholischen Italiener dazu auf, den Parlamentswahlen fernzubleiben.
Gegensätze zum einstigen Verbündeten Frankreich ließen Italien mit dem Dreibund Anschluß an Österreich-Ungarn und Deutschland suchen. Außenpolitisch begann in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts auch Italien nach kolonialen Besitzungen zu streben. Eritrea und die Somaliküste wurden besetzt. Der Versuch, auch Äthiopien zu erobern, scheiterte jedoch mehrmals. Innenpolitisch setzte sich nach sozialen Unruhen und Umbrüchen mit dem liberalen G. Giolitti ein Reformpolitiker durch, der mit Unterbrechungen von 1903 bis 1921 Ministerpräsident war und u.a. in der Sozial- und Arbeitsgesetzgebung, aber auch im Wahlrecht umfassende Reformen einleitete.
Im ersten Weltkrieg verhielt sich Italien vorerst neutral, trat dann jedoch, nachdem es in Geheimverträgen mit England und Frankreich Gebietsgewinne versprochen bekam, in den Krieg gegen Österreich (23.5.1915) und Deutschland (28.8.1916) ein. Der gewonnene Krieg brachte u.a. mit Südtirol, dem Trentino, Görz und Triest nur einen Teil der versprochenen territorialen Zugewinne. Die Enttäuschung drohte in einen Bürgerkrieg zwischen radikalen linken und rechten Gruppen zu münden. Dies nutzte die bereits 1919 durch den einstigen Sozialisten Mussolini gegründete Faschistische Bewegung aus und zwang durch den „Marsch auf Rom“ den König dazu, Mussolini 1922 an die Spitze einer Koalitionsregierung zu berufen. Terror und Machtmißbrauch brachten in den folgenden Jahren der faschistischen Minderheit die Alleinherrschaft, die Demokratie wurde totalitär umgebaut.
Anfangs standen sich italienischer und deutscher Faschismus ablehnend gegenüber, doch nach dem gemeinsamen Einsatz im Spanischen Bürgerkrieg wurde 1936 eine Annäherung erzielt und in Folge die Achse Berlin-Rom gebildet. Italien trat aus dem Völkerbund aus, verabschiedete antisemitische Rassengesetze und ging 1939 mit Deutschland und Japan ein Militärbündnis ein. Am 10.6.1940 griff Italien auf deutscher Seite in den Zweiten Weltkrieg ein.
Bereits 1943 verstärkte sich jedoch die antifaschistische Stimmung in der Bevölkerung, es kam zu Streiks und am 24.7.1943 wurde Mussolini vom König gefangen gesetzt und die faschistische Partei aufgelöst. P. Badoglio gelang es nach Geheimverhandlungen im September 1943, einen Waffenstillstand mit den Alliierten auszuhandeln. Doch Hitler-Deutschland reagierte mit der Entwaffnung und Gefangennahme der italienischen Truppen in den von Deutschland besetzten Gebieten, befreite noch im gleichen Monat Mussolini und setzte ihn als Führer der von Deutschen besetzten italienischen Regionen ein. Der König und Badoglio flohen nach Sizilien und ein Partisanenkrieg gegen die deutsche Besatzung begann. 1944 wurde Rom befreit und eine Übergangsregierung gebildet, am 28.4.1945 erschossen Partisanen Mussolini.
Im Pariser Friedensvertrag verlor Italien bis auf Südtirol und Triest die übrigen 1919 erlangten Gebietszugewinne. 1946 schaffte ein Referendum die Monarchie ab und der König verließ das Land mit seiner Familie. 1948 trat eine neue Verfassung in Kraft und mit dem Ministerpräsidenten Gasperi von der Democrazia Christiana (DC) kam ein Mitglied der Partei an die Macht, die bis 1994 stärkste politische Kraft in Italien bleiben sollte. Im gleichen Jahr wurde der Sardischen Autonomiebewegung die Errichtung einer mit Sonderstatut ausgestatteten Region Sardinien gestattet. Bereits 1946 hatte Sizilien das gleiche Ziel erreicht. Zahlreiche Entwicklungsprogramme versuchten in den folgenden Jahrzehnten, die durch Verquickung von Mafia und Bürokratie sowie Korruption gebeutelte Insel wirtschaftlich und politisch zu fördern.
1949 trat Italien der NATO bei und die Römischen Verträge banden 1957 Italien in die EWG ein. Der Marshallplan ermöglichte den raschen Wiederaufbau und bereits in den 50er Jahren erreichte das Wirtschaftswachstum Rekordzahlen. Zahlreiche Sozial- und Landreformen wurden verabschiedet. 1953 verlor die DC ihre absolute Mehrheit und eine Mitte-Rechts-Koalitionsregierung unter Führung der DC löste die Regierung bis 1962 ab. Auch der Kirchenstaat reformierte sich im Zweiten Vatikanischen Konzil, in dem unter anderem die Forderung nach Rückkehr der anderen Kirchen aufgegeben wurde.
Unter der Regierung Aldo Moro (1963-1968) durchlief die Republik Jahre innenpolitischer Stabilität, die Anfang der 70er Jahre von einer politischen Polarisierung abgelöst wurde, die mit einer wirtschaftlichen Krise einherging. Die Auseinandersetzungen zwischen linken und rechten terroristischen Vereinigungen gipfelten 1978 in der Ermordung von Aldo Moro durch die linksterroristischen „Roten Brigaden“. Wechselnde Regierungen konnten sich in Folge jeweils nur kurze Zeit im Amt halten und 1981 standen mit den Ministerpräsidenten Spadolini (1981-1982) und Craxi (1983-1987) erstmals nicht Mitglieder der DC einer italienischen Nachkriegsregierung vor.
Die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts waren weltpolitisch durch die Auflösung der Sowjetunion geprägt. Die Kommunisten, zweitstärkste italienische Partei, benannten sich 1991 in „Demokratische Partei der Linken“ um und entwarfen ein neues Parteiprogramm. Dem Staatspräsidenten Cossiga folgte 1992 O. L. Scalfaro nach, der aber den Vertrauensverlust in die etablierten Parteien angesichts eines unveränderten Nord-Süd-Gefälles und einer sehr hohen Staatsverschuldung nicht stoppen konnte. Die Wahl zum neuen Parlament brachte 1992 erstmals Regionalparteien, insbesondere der norditalienischen Lega Nord, zahlreiche Stimmen. Zugleich wurde das politische Establishment durch Korruptionsskandale, Mafiamorde an hohen Justizbeamten und einer vermuteten Verstrickung zwischen Politik und Mafia diskreditiert, was 1993 zu einer Staatskrise führte. In der Aktion "Saubere Hände" hatten Mailänder Staatsanwälte ein ausgeklügeltes System an Korruption zwischen Politik, Wirtschaft und organisierter Kriminalität aufgedeckt und gegen mehr als 6000 Menschen Anklage erhoben, darunter die einstigen Ministerpräsidenten Andreotti und Craxi.
Noch im gleichen Jahr wurde per Referendum eine umfassende politische Reform auf den Weg gebracht. Unmittelbare Folge war die Auflösung der DC im Jahr 1993. 1994 trat Amato zurück und die Wahlen nach neuem Wahlrecht brachten einen Wahlsieg des Rechtspopulisten S. Berlusconi, der einem Mitte-Rechts-Bündnis namens „Freiheitspol“ aus den Parteien Forza Italia, Nationale Allianz und Lega Nord vorstand. Er geriet jedoch noch im gleichen Jahr unter Korruptionsverdacht und mußte zurücktreten. Im April gewann ein Mitte-Links-Bündnis „L’Ulivo“ aus PDS, PPI, Liste Dini und Grünen und stellte mit R. Prodi bis 1998, M. D’Alema bis 2000 und Giuliano Amato den Ministerpräsidenten.
In den ersten Monaten des Jahres 2001 präsentiert sich Italien im Vorwahlkampf. Mit dem ehemaligen Römischen Bürgermeister Rutelli, der die Regierungskoalition Centrosinistra anführt, und dem Gegenkandidaten der Opposition, Berlusconi, stehen sich linkes und rechtes Lager gegenüber.

für aktuelle Angaben siehe  Basisdaten    Chronik


Politisches System
Seit 1948 ist Italien eine Republik mit einer parlamentarisch organisierten Demokratie. Der Präsident wird als Staatsoberhaupt auf sieben Jahre indirekt vom Parlament und je drei Vertretern der Regionen gewählt. Er kann das Parlament auflösen, den Ministerpräsidenten ernennen sowie durch ein aufschiebendes Veto den Gesetzgebungsprozess beeinflußen. Die Exekutive wird durch den Ministerpräsidenten und seine Regierung geleitet. Der Ministerpräsident bestimmt die Richtlinien der Politik und ist dem Parlament verantwortlich. Ein Zweikammernsystem bildet die Legislative. Sie besteht aus „Camera dei Deputati“ (Abgeordnetenkammer mit 630 Mitgliedern, die für fünf Jahre gewählt werden) und „Senato della Republica“ (Senat mit 325 Senatoren, davon 315 für fünf Jahre gewählt, 10 auf Lebenszeit ernannt). Eine Wahlrechtsreform im Jahr 1993 veränderte das Wahlrecht dahingehend, daß die Senatoren in 232 und die Abgeordneten der Kammer in 475 Wahlkreisen mit relativer Mehrheit gewählt werden. Der übrige Anteil an Sitzen wird nach dem Verhältniswahlsystem anhand von Parteilisten mit einer Sperrklausel von 4% vergeben. Der Senat vertritt die Regionen, aus denen mindestens sieben Senatoren entsandt werden: Ausnahme ist das Aostatal mit einem Senator. Die Regionen besitzen eigene legislative und exekutive Körperschaften.
Die wichtigsten Parteien Italiens sind die Demokratische Partei der Linken (PDS), die 1991 aus der Kommunistischen Partei entstand; die PPI (Italienische Volkspartei); die Liste Dini; die Grünen; die Kommunistische Erneuerung (RC); die Südtiroler Volkspartei (SVP) und die Parteien der im »Freiheitspol« miteinander verbundenen Forza Italia (FI), Nationale Allianz sowie die Lega Nord.
Italien besteht aus zwanzig Regionen. Höchstes Gericht ist das Verfassungsgericht, das sich aus fünfzehn Richtern zusammensetzt, die jeweils zu einem Drittel vom Präsidenten, vom Parlament und von den zwei anderen höchsten Gerichten gewählt werden.


Wirtschaft
Italien ist ein moderner Industriestaat. Die Unterschiede zwischen hoch industrialisiertem Norden und weniger entwickeltem Süden sind groß. Wichtigste Importgüter des Staates sind Maschinen, Kraftfahrzeuge, chemische Erzeugnisse, Rohstoffe, Metallerzeugnisse und Textilien, wichtigste Exportgüter Maschinen, Kraftfahrzeuge, Bekleidung und Chemieprodukte.
Die Beteiligung der einzelnen Wirtschaftssektoren am Bruttoinlandsprodukt verteilt sich wie folgt: Landwirtschaft 4%, Industrie 36% und Dienstleistungen 60%.
Über die Hälfte der Landesfläche wird landwirtschaftlich genutzt. Auf fast 40% des Ackerlands wird insbesondere in der Poebene Weizenanbau betrieben. Angebaut werden weiter Mais, Reis, Gerste, Tabak, Oliven, Zuckerrüben, Gemüse, und vor allem in Südtirol Kernobst. Als größter Weinerzeuger in Europa spielt der Weinbau in vielen Regionen Italiens eine wichtige Rolle. In Norditalien wird zudem Rinder- und Schweinezucht betrieben, die Forstwirtschaft deckt etwas mehr als ein Zehntel des Nutzholzbedarfs.
Die bedeutsamsten Bodenschätze des Landes sind Erdöl, Braunkohle, Eisenerz, Bleierz, Zinkerz, Kalisalz und Quecksilber. In Carrara wird Marmor gebrochen.
Die großindustriellen Anlagen finden sich vor allem in Nord- und Mittelitalien. Bekleidungs-, Holz-, Textil-, Nahrungsmittel-, Schuh- und Möbelindustrie sind oftmals mittelständisch organisiert. In Süditalien finden sich staatlich geförderte Teilfertigungsbetriebe, insbesondere Stahlwerke und petrochemische Unternehmen.
Eine Besonderheit bildet die Seidenindustrie im Großraum Como, die auf inländische Seidenraupenzucht in Venetien und der Lombardei beruht. Ebenfalls hervorzuheben sind die insbesondere in Venedig und Florenz angesiedelten zahlreichen Kunsthandwerksbetriebe. Jährlich besuchen über 55 Millionen Touristen Italien und machen den Fremdenverkehr damit zur wichtigsten Devisenquelle, insbesondere die Badeorte sowie Rom, Venedig und Südtirol sind Hauptreiseziele.
Die Energieversorgung wird durch Steinkohle, Rohöl und Erdgas, aber auch durch Wasserkraftwerke gewährleistet. Sämtliche Kernkraftwerke sind abgeschaltet.
Fast 20.000 Kilometer Eisenbahnstrecke und über 300.000 Kilometer Straße stehen zur Verfügung. Wichtigste Handelshäfen sind die Ölimporthäfen Genua und Triest. Größter Passagierhafen ist Neapel. Italien hat 24 internationale Flughäfen, die wichtigsten sind Rom, Mailand, Neapel, Turin, Venedig und Rimini. Wichtigste Handelspartner Italiens sind Deutschland, Frankreich und die USA.

 Quelle: Areion Weltalamanach

© 2000-2007 by Edition Areion®

Druckversion dieser Seite