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Islamische Republik IranChronik Überblick Basisdaten
Ab 1500 v. Chr. Aus Zentralasien stammende indo-arische Volksstämme wandern in das bereits seit einigen Jahrtausenden besiedelte Hochland des heutigen Iran ein (altpersisch Arynam, mittelpersisch Eran – „das Land der Arier“). Im Laufe der Jahrhunderte entstehen mehrere kleine Königreiche, wobei die westlichen jedoch bald unter die Oberherrschaft der in Mesopotamien (Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris) ansässigen Assyrer gelangen. (In Feldzugsberichten der Assyrer werden die Perser ab 843 und die Meder ab 835 erwähnt.) Um 810 v. Chr. Die zunächst im Nordwesten des heutigen Iran lebenden Perser wandern (wahrscheinlich unter assyrischem Druck) nach Süden ab. Ihr neues Siedlungsgebiet nennen die Vorfahren der Achämeniden-Dynastie (um 700-300) „Parsua“ (griechisch Persis; heute die Provinz Fars). 728 v. Chr. Die im Gebiet des heutigen Westiran ansässigen Meder befreien sich aus der Oberherrschaft der Assyrer. Hauptstadt ihres Reiches ist Ekbatana, das heutige Hamadan. 612 v. Chr. Die Meder erobern (mit Hilfe der Babylonier) das Reich der Assyrer. 550 v. Chr. Mit der Eroberung des Mederreiches durch den persischen Achämenidenkönig Kyros II. beginnt die eigentliche Geschichte Persiens bzw. des heutigen Iran. Ab 546 v. Chr. Kyros II. unterwirft die in Anatolien (Türkei) herrschenden Lyder, erobert 539 Babylonien und wenig später ganz Syrien und Palästina sowie im Norden den südlichen Teil der heutigen Staaten Turkmenistan, Usbekistan und Tadschikistan. Sein gestecktes Ziel, die Unterwerfung Ägyptens, kann er vor seinem Tod im Jahre 528 allerdings nicht mehr verwirklichen. Dies gelingt erst seinem Sohn und Nachfolger, Kambyses II., im Jahre 525 v. Chr. Ab 521 v. Chr. Unter den Königen Dareios I. (bis 486 v. Chr.) und Xerxes (485-465) erreicht das Achämenidenreich mit den Hauptstädten Susa und Parsa (nördlich des heutigen Shiraz/Südwestiran) seine Blütezeit. Es erstreckt sich von Ägypten im Südwesten und vom Gebiet der heutigen Türkei im Nordwesten bis zum Indus im Osten einschließlich der heutigen Staaten Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, Kasachstan und Kirgisistan im Norden. Der Versuch, längerfristig auch auf dem europäischen Festland Fuß zu fassen, wird von den Griechen in den „Perserkriegen“ allerdings vereitelt (u.a. Vernichtung der persischen Flotte 480, Verlust der Insel Zypern 478). 465 v. Chr. Xerxes und sein älterer Sohn Dareios kommen bei einer Palastrevolte in Susa ums Leben. Xerxes' jüngerer Sohn Artaxerxes wird neuer König des durch anhaltende Niederlagen gegen die Griechen geschwächten Perserreiches und bemüht sich um einen dauerhaften Frieden mit den Griechen. 424 v. Chr. Der Tod von Artaxerxes I. führt in Persien zu Thronwirren und Aufständen: Artaxerxes' Sohn und Nachfolger Xerxes II. wird nach nur 45 Tagen von seinem Halbbruder Sogdianos ermordet. Die Herrschaft von Dareios II. (423-404) ist von Korruption und Intrigen gekennzeichnet und leitet den allmählichen Niedergang des persischen Großreiches ein. Ab 404 v. Chr. Nach dem Tod von Dareios II. wird sein Sohn Artaxerxes II. neuer Perserkönig. Er unterzeichnet 386 v. Chr. einen Friedensvertrag mit Athen, wodurch die griechischen Städte in Kleinasien erneut unter persische Oberhoheit gelangen. Nach seinem Tod im Jahre 359 besteigt sein Sohn als Artaxerxes III. den Thron und regiert bis 337. Ab 336 v. Chr. Der Makedonier Alexander der Große erobert in raschem Siegeszug bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahre 323 fast das gesamte Großreich der Achämeniden. Die Hauptstadt Parsa wird 330 eingenommen und zerstört – von nun an wird sie Persepolis („Ruinenstadt“) genannt. Perserkönig Dareios III. wird auf der Flucht von einem seiner Provinzherrscher ermordet. Ab 323 v. Chr. Nach dem plötzlichen Tod Alexanders des Großen (er stirbt im Alter von erst 33 Jahren am 13. Juni in Babylon am Fleckfieber) werden die von ihm eroberten Gebiete zum Streitobjekt zwischen seinen Feldherren, den „Diadochen“ (griechisch „Nachfolger“). Die bedeutendsten von ihnen sindPtolemaios und Seleukos, die sich (zeitweise) verbünden und so die übrigen „Kandidaten“ nach und nach ausschalten. Während Ptolemaios die Verwaltung Ägyptens, Palästinas und des südlichen Syrien übernimmt, sich im Jahre 305 v.Chr. als Ptolemaios I. Soter (griechisch „Retter“) zum König von Ägypten macht und sein Reich u.a. 294 v.Chr. um die Insel Zypern erweitert, übernimmt Seleukos die Macht in Mesopotamien, von wo aus er zusammen mit seinem Sohn Antiochos zunächst die persischen Ostgebiete und schließlich fast ganz Vorderasien einschließlich Anatolien und der Kaukasusregion unter seine Kontrolle bringt. Er gründet insgesamt über 70 Städte, u.a. im Jahre 301 v. Chr. in Nordwest-Syrien als Seleukos I. Nikator (griechisch „Sieger“) die Stadt Antiochia (heute in der Türkei), die von seinen Nachfolgern zur Hauptstadt des mächtigen Seleukidenreiches gemacht wird. Ab 281 v. Chr. Unter den nachfolgenden Seleukiden zerfällt das Reich allmählich wieder in mehrere Teilstaaten. Um 250 v. Chr. Der vom indogermanischen Nomadenvolk der Parner abstammende Arsakes gründet nach dem Zerfall des Seleuikiden-Großreiches in Parthien, das sich über die Gebiete des heutigen Nordostiran und des heutigen südlichen Turkmenistan erstreckt, die griechisch-orientierte Arsakidendynastie, die ihre Macht allmählich über den größten Teil Zentralasiens sowie bis zum Indus im Osten bzw. zum Euphrat im Westen ausdehnen kann und vor allem die wichtigen Handelsrouten (Seidenstraße) kontrolliert. Ab 130 v. Chr. Die Parther liefern sich mit den von Anatolien vorrückenden Römern blutige Kriege. 92 v. Chr. einigen sie sich auf den Euphrat als Reichsgrenze. Doch bis Anfang des 3. Jahrhunderts v. Chr. unternehmen die Parther immer wieder Eroberungszüge in die römischen Provinzen im Westen und Nordwesten und dringen dabei sogar bis nach Jerusalem und West-Anatolien vor. Ab 226 n. Chr. Der letzte Partherkönig Artaban IV. wird von Ardaschir, Abkömmling eines seit Anfang des Jahrhunderts aufstrebenden persischen Kleinfürstentums nahe Persepolis, besiegt und getötet. Ardaschir läßt sich zum König der Sassanidendynastie krönen und errichtet innerhalb weniger Jahre zusammen mit seinem Mitregenten und Nachfolger Schapur I. ein zweites persisches Großreich. Die Grenzen im Norden und Osten sind in etwa dieselben wie zur Zeit der Achämeniden (ohne das Gebiet der heutigen Türkei), während es im Westen und Südwesten nur noch den Ostteil des heutigen Irak (Mesopotamien) und die am Persischen Golf gelegenen Küstengebiete der Arabischen Halbinsel umfaßt. Hauptstadt ist das von den Parthern gegründete Ktesiphon (heute Ruinenstätte südwestlich von Bagdad/Irak). Die bisher von den Parthern unterdrückte Lehre des altpersischen Propheten Zarathustra (630-553 v. Chr.; griechisch Zoroaster - daher Zoroastrismus) wird zur Staatsreligion erklärt. In den nächsten vier Jahrhunderten können die nachfolgenden Sassaniden-Könige das Perserreich erfolgreich gegen sämtliche Eroberungsversuche der Römer verteidigen (auch nach der Teilung des Römischen Reiches in ein West- und ein Ostreich im Jahre 395) bzw. sogar wieder nach Westen ausdehnen (z.B. nimmt Chosrau I. 540 vorübergehend das syrische Antiochia ein und deportiert die Bevölkerung als Sklaven nach Persien; Chosrau II. besetzt 611 Antiochia erneut, 612 die anatolischen Provinzen Kappadokien und Kilikien und 614 auch einen Großteil Palästinas samt Jerusalem; er wird erst 622 von den Byzantinern aus Kleinasien und 630 endgültig auch aus Palästina und Syrien vertrieben). Ab 636 Das durch zahlreiche Kriege und innenpolitische Machtkämpfe geschwächte Sassanidenreich kann dem Ansturm der islamischen Araber nicht standhalten: Nachdem Abu Bakr (nach dem Tode des Propheten Mohammed zu dessen Nachfolger [Chalifa] bestimmt) bereits erste kleinere Feldzüge gegen das Oströmische Reich und das Sassanidenreich unternommen hat, erobert der zweite Kalif Omar I. (Umar ibn Abd al-Chattab) bis zu seinem Tod im Jahre 644 in seinem „Jihad“ („Heiliger Krieg“/Dschihad) nicht nur die byzantinischen Gebiete Syrien, Palästina und Ägypten, sondern auch nahezu das gesamte Perserreich. Ab 661 Persien, dessen Bevölkerung sich mittlerweile größtenteils zum schiitischen Islam bekennt untersteht der Oberherrschaft des arabisch-islamischen Kalifats von Damaskus (Omaijaden-Dynastie). (Der Islam ist inzwischen in drei Konfessionen gespalten; es gibt Charidjiten, Schiiten und Sunniten, die wiederum bereits in mehrere Sekten unterteilt sind. Der absolute Monotheismus – Verehrung eines einzigen Gottes [Allah] in bildlosem Kult auf der Grundlage des Koran [arabisch „Lesung“], dem in 114 Kapitel [Suren] unterteilten heiligen Buch, das die Offenbarungen des Propheten Mohammed enhält – ist jedoch allen Glaubensrichtungen des Islam gemein; Mekka, der Geburtsort des Propheten Mohammed, mit der siebentürmigen Großen Moschee und der schwarzverhängten Kaaba mit dem in der Südostecke eingemeißelten Hadjar, dem heiligen Schwarzen Stein, ist für alle Moslems [muslinum = Unterwürfige] – auch heute noch – der Hauptwallfahrtsort bzw. das Hauptheiligtum; jeder Gläubige ist dazu verpflichtet, wenigstens einmal im Leben eine Pilgerreise [Hadj] nach Mekka [und Medina] zu machen, sofern er körperlich und finanziell dazu in der Lage ist.) Ab 762 Persien untersteht der Oberherrschaft des arabisch-islamischen Kalifats von Bagdad (Abbasiden-Dynastie). Ab 9. Jahrhundert Das Araberreich beginnt langsam zu zerfallen. In Persien, das sich trotz des jahrhundertelangen kulturellen Einflusses der Araber seine Sprache bewahren konnte, entstehen nach und nach Statthalterdynastien, die mit dem Kalifat von Bagdad nur noch lose verbunden sind (z.B. die Tahiriden-, die Saffariden-, die Bujiden- und die Ghasnawidendynastie). Ab 1040 Die aus Zentralasien stammenden, jedoch bereits (sunnitisch-)islamisierten (turksprachigen) Seldschuken, dringen in Persien ein. Ab 1256 Die Mongolen, inzwischen Herren über weite Teile Zentralasiens, erobern unter Möngkä und Hülagü (Enkel Dschingis-Khans) innerhalb von zwei Jahren ganz Persien (und Vorderasien) und gründen 1259 das (bis 1335 bestehende) Reich der Ilkhane, deren Herrschaft für Persien eine Zeit wirtschaftlicher und kultureller Blüte bedeutet. 1382 Unter Timur-Leng erobern und verwüsten die Mongolen bis 1393 Persien ein weiteres Mal. Unter der Oberherrschaft seiner Nachfolger, den Timuriden, erlebt jedoch vor allem der Norden Persiens eine weitere kulturelle Blüte. Ab 11. März 1502 Ismail Safawi, dem Führer eines turkmenischen religiös-militanten Ordens und Gründer der Safawiden-Dynastie, gelingt die Errichtung eines dritten Perserreiches, das auch den Westteil des heutigen Afghanistan umfaßt. Hauptstadt ist Tabriz (ab 1547 Isfahan). Als Schah (König) Ismail I. (bis 1524) erklärt er den schiitischen Islam zur Staatsreligion. Bei seinem Versuch, das Reich weiter nach Westen auszudehnen, verliert Ismail 1514 Mesopotamien (Irak) an den sunnitisch-islamischen Osmanen-Sultan Selim I., der 1516 auch Syrien und Palästina und 1517 Ägypten unterwirft. Den Nordosten des Perserreiches (heutige Provinz Khorasan) muß Ismail ständig gegen die Überfälle der Usbeken verteidigen, und im Süden errichten die Portugiesen ab 1515 befestigte Handelsniederlassungen entlang der Küste. (Briten, Holländer und Franzosen folgen ab 1600.) Ab 1587 Schah Abbas I. (der Große) festigt das Safawidenreich im Inneren – er sorgt u.a. für die Zentralisierung der Verwaltung und für eine wesentliche Modernisierung der Infrastruktur – und erobert mit Hilfe Rußlands und des christlichen Westens im Jahre 1623 Bagdad und bis zu seinem Tod im Jahre 1629 den Großteil Mesopotamiens von den Osmanen zurück. Obwohl wegen seiner Grausamkeit gefürchtet, toleriert er als islamischer Herrscher die christliche Minderheit im Reich. 1638 Schah Abbas II. verliert Bagdad und bis 1640 fast ganz Mesopotamien wieder an die Osmanen. Ab 1709 Mehrere afghanische Stämme erheben sich gegen die Safawiden, drängen diese immer weiter nach Westen ab und erobern (und zerstören) schließlich im Jahre 1722 Isfahan. Damit ist das Ende der Safawiden-Herrschaft besiegelt. Ab 1729 Der aus dem in Khorasan (heutige Provinz Nordostirans) angesiedelten Stamm der Afschar stammende Nadir unterwirft die Afghanen und erklärt sich 1736 zum Schah. In zahlreichen Feldzügen erweitert er das Perserreich ein weiteres Mal bis nach Indien, wo er 1739 den Großmogul besiegt, Delhi plündert und dabei u.a. den monströsen „Pfauenthron“ sowie den Riesendiamanten „Kohinoor“ (bedeutet auf Hindustani „Berg des Lichts“; der 108-Karäter gelangt später in den Besitz der Briten) erbeutet. 1747 Schah Nadir, der sich durch die Absetzung des schiitischen Islam als Staatsreligion und die geplante Einführung der sunnitischen Glaubensrichtung viele Feinde geschaffen hat, wird von religiösen Fanatikern ermordet. Noch im selben Jahr macht sich Afghanistan unabhängig, und auch das übrige Perserreich zerfällt wieder in mehrere Teilstaaten. Ab 1794 Der turkstämmige Kadschare Agha Mohammed kann das Perserreich durch mehrere Feldzüge in etwa im Umfang der Safawidenzeit (ohne Afghanistan) wieder einen. Teheran wird Hauptstadt der bis 1925 herrschenden Kadscharen-Dynastie. Ab 1813 Unter Schah Fath Ali (1797-1834), dem Neffen Agha Mohammeds, verliert Persien im Krieg gegen die nach Süden vorrückenden Russen (der Zar möchte einen direkten Zugang zum Indischen Ozean) Georgien und nach einer weiteren Niederlage (1828) auch Armenien sowie das nördliche Aserbaidschan. Ab 1834 Schah Mohammed (bis1848), ein Enkel Fath Alis, muß sich vor allem mit Aufständen der Babisten (Anhänger des Babismus, einer neuen islamischen Lehre) auseinandersetzen. Ab 1848 Schah Nasir od-Din (bis 1896), der Sohn von Schah Mohammeds, der vor seiner Inthronisierung mehrmals nach Europa gereist war, will Persien modernisieren. Er holt Fachleute aus Rußland und Europa (vor allem Briten) ins Land, die allerdings zumeist nur an der Vergabe von Monopolen und Schürfrechten interessiert sind und schon bald rücksichtslos in die eigene Tasche wirtschaften. Somit gerät der Norden Persien allmählich in eine halbkoloniale Abhängigkeit vom russischen Zarenreich, während im Süden der Einfluß der Britisch-Ostindienkompanie ständig zunimmt. 1890 Im inzwischen hochverschuldeten Persien kommt es zu einer ersten (erfolglosen) Massen-Protestbewegung der (städtischen) Bevölkerung und der Geistlichkeit (Ulama) gegen das Schah-Regime. Ab 1896 Nach der Ermordung von Schah Nasir od-Din besteigt sein Sohn, Mosaffar od-Din, den Pfauenthron. Wenig später werden in Persien die ersten Erdölquellen entdeckt, und der Schah vergibt den Großteil der Förder-Konzessionen an die Briten. 1905 Erneute Massenaufstände führen in Persien zur Gründung eines Parlaments (Madjlis), dessen Mitglieder eine Verfassung ausarbeiten, die Schah Mosaffir od-Din am 30. Dezember 1906 unterzeichnet. 1. September 1907 Großbritannien und Rußland unterzeichnen ein Abkommen, das Persien in eine russische, eine britische und eine neutrale Zone aufteilt. Die russische „Interessensphäre“ umfaßt Nord- und Zentral-Persien mit Teheran und Isfahan, die britische den Südosten, und die neutrale Zone unterliegt der Kontrolle beider Großmächte. Juli 1909 Schah Mohammed Ali, erst seit 1907 an der Macht, muß zugunsten seines Sohnes Ahmed abdanken und das Land verlassen. (Er stirbt 1930 in Paris). Ab 1914 Während des Ersten Weltkriegs (bis Anfang Oktober 1918) ist das wehrlose Persien, dessen Bevölkerung von Hungersnöten bedroht ist, nicht nur den russischen und britischen Besatzern, sondern auch den türkisch-deutschen Truppen, die vom Irak aus gegen die Briten und Russen operieren, hilflos ausgesetzt. August 1919 Großbritannien erzwingt von Persien die Unterzeichnung eines Protektoratsvertrages. Juni 1920 Die persischen Provinzen Gilan und Aserbaidschan, von der sowjetischen „Roten Armee“ besetzt, erklären sich als „Persische Sozialistische Sowjetrepubliken“ für unabhängig. Februar 1921 Reza Khan, General der von der sowjetischen „Roten Armee“ zerschlagenen, von den Briten aber wieder aufgebauten Kosaken-Brigade, wird von den Briten zum Kriegsminister ernannt. Innerhalb kürzester Zeit gelingt es ihm, die Einheit Persiens wieder herzustellen. Gleichzeitig erklärt er den britisch-persischen Protektoratsvertrag für ungültig und schließt einen neuen Vertrag mit der RSFSR (Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik) ab, in dem Rußland auf alle während der Zarenzeit zustandegekommenen Konzessionsverträge und Anleihen verzichtet. Dadurch sieht sich Großbritannien genötigt, seine Truppen aus Persien abzuziehen. Oktober 1923 Reza Khan, der inzwischen eine schlagkräftige Armee aufgebaut und verschiedene Provinzaufstände (z.B. in Khorasan) niedergeschlagen hat, wird Ministerpräsident und errichtet in Teheran eine starke persische Zentralregierung. 12. Dezember 1925 Das Parlament setzt den seit 1923 im Ausland lebenden Schah Ahmed endgültig ab und erklärt Reza Khan zum Herrscher von Persien und Begründer der neuen Erb-Dynastie Pahlawi. Ab 1926 Schah Reza Pahlawi, der jegliche Oppositionsbewegung sofort im Keim erstickt, beginnt nach dem Vorbild der türkischen Reformbewegung mit der Modernisierung Persiens. Innerhalb weniger Jahre sorgt er (vor allem mit britischer, deutscher und US-amerikanischer Hilfe) u.a. für einen raschen Fortschritt in der Erdölgewinnung, für den Ausbau des Straßennetzes und den Bau der transiranischen Eisenbahn, für umfangreiche Reformen im Finanz-, Bildungs- und Justizwesen sowie für die Emanzipation der Frauen (er verbietet 1936 das Tragen des Tschador [Schleier] und ermöglicht den Frauen den Einstieg ins Berufsleben). Gerade damit zieht er sich den Unwillen der Geistlichkeit zu. Die durchgeführte Landreform, die den Großgrundbesitz fördert (durch die Enteignung seiner politischen Gegner wird der Schah-Clan selbst zum größten Großgrundbesitzer des Landes), geht zumeist auf Kosten der überwiegend bäuerlichen Bevölkerung, die er sich dadurch ebenfalls zum Feind macht. 1934 Der mit dem Deutschen Reich sympathisierende Schah Reza Pahlawi benennt Persien offiziell in Iran um. Damit soll der arische Ursprung betont werden. 1935 In Teheran wird die Universität eröffnet. August 1941 Während des Zweiten Weltkriegs verhält sich Iran neutral. Doch nach dem Einmarsch der Deutschen in Rußland verlangen sowohl Großbritannien als auch Rußland die Ausweisung aller Deutschen aus dem Iran. Nachdem der Schah dies ablehnt, besetzen britische und russische Truppen das Land. Schah Reza Pahlawi muß zugunsten seines erst 22jährigen Sohnes, Mohammed Reza, abdanken und wird in die Verbannung nach Südafrika geschickt, wo er 1944 im Alter von 66 Jahren stirbt. Trotz Unterzeichnung eines Vertrages, der die Souveränität des Iran garantiert, verbleiben die russischen Truppen bis nach Kriegsende im Nordiran stationiert, während die Briten im Süden Anfang 1942 durch US-amerikanische „Berater“ ausgetauscht werden. Dezember 1945 Die 1941 im Iran ins Leben gerufene kommunistisch orientierte Tudeh-(„Massen“)Partei errichtet in der nordwestlichen Provinz Aserbaidschan (überwiegend türkischstämmige Bevölkerung) mit Hilfe der Sowjets eine autonome Regierung. Gleichzeitig proklamieren die Kurden unter der Führung von Mustafa Barsani in Mahabad, ebenfalls mit russischer Unterstützung, eine sozialistische Kurdenrepublik. Mai 1946 Nachdem der Versuch der Sowjets, die nordwestliche Provinz Aserbaidschan vom Iran abzuspalten, durch ein Eingreifen von UN-Truppen gescheitert ist, zieht Moskau die seit 1941 im Nordiran stationierten russischen Truppen ab. Ab Mitte 1946 Mohammed Reza Pahlawi setzt die Modernisierungspolitik seines Vaters nahezu unverändert fort. Außenpolitisch lehnt er sich eng an die USA an. (Bis 1960 erhält der Iran von den USA fast eine Milliarde Dollar Wirtschafts- und Militärhilfe.) April 1951 Nachdem sich nach schweren innenpolitischen Krisen der Führer der 1939 gegründeten antibritischen Nationalen Front, Mohammed Mossadegh, zum Ministerpräsidenten gemacht hat, verstaatlicht er nun die „Anglo-Iranian Oil Company“. Dies bringt ihm zwar große Sympathien unter der Bevölkerung, führt jedoch zu Spannungen zwischen dem Iran und Großbritannien und schließlich zu einem internationalen Ölboykott, der den Iran in eine schwere Wirtschaftskrise stürzt. 12. Mai 1951 Nachdem seine erste Ehe mit der ägyptischen Prinzessin Fawzia wegen Ausbleiben eines Thronfolgers bereits 1949 geschieden worden war, heiratet Schah Mohammed Reza Pahlawi die 18jährige Soraya Esfandiari Bachtiar, Tochter eines persischen Stammesführers und einer deutschen Mutter. Die prunkvolle Trauungszeremonie findet im Elfenbeinsaal des königlichen Palastes in Teheran statt. Staatsoberhäupter der ganzen Welt gratulieren dem Paar. Der sowjetische Diktator Stalin schenkt der Braut einen kostbaren Zobelmantel, US-Präsident Truman schickt eine wertvolle Kristallvase, deren Gegenstück Prinzessin Elizabeth von Großbritannien zu ihrer Trauung mit dem Herzog von Edinburgh erhielt. Juli 1953 Nach einem fehlgeschlagenen Umsturzversuch gegen den westlich orientierten Schah wird Ministerpräsident Mohammed Mossadegh mit Hilfe der US-amerikanischen „Berater“ und der schahtreuen Armee (sie befürchtet bei einer Absetzung des Schahs den Verlust ihrer Privilegien) seinerseits gestürzt und zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. (Nach seiner Entlassung lebt er bis 1979 unter Hausarrest.) Der Schah übernimmt nun selbst das Amt des Ministerpräsidenten und handelt mit Großbritannien einen neuen Ölvertrag aus, der dem Iran die Hälfte der Gewinne garantiert. März 1959 Der Iran unterzeichnet ein Verteidigungsabkommen mit den USA. 21. Dezember 1959 Nachdem auch seine zweite Ehe mit Soraya wegen Kinderlosigkeit im Vorjahr geschieden worden war, heiratet Schah Mohammed Reza Pahlawi nun die 21jährige Studentin Farah Dibah. Im Fall einer erneuten Scheidung sieht der Heiratskontrakt eine Entschädigung von umgerechnet 300.000 DM für Farah vor. (Farah bringt 1960 den ersehnten Thronfolger zur Welt.) 14. September 1960 Zur Wahrung ihrer Interessen schließen sich die erdölexportierenden Länder Iran, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela in Bagdad zur OPEC (Organization of the Petroleum Exporting Countries) zusammen. Ziel ist es, zu einer gemeinsamen Erdölpolitik gegenüber den Verbraucherländern zu kommen, die Weltmarktpreise für Rohöl zu stabilisieren sowie den Förderländern stabile und garantierte Einkünfte zu sichern. 1963 Eine Volksabstimmung billigt ein radikales Reformprogramm des Schahs. Mit Hilfe der Einnahmen aus dem Ölverkauf wird die „Weiße Revolution“ zur weiteren Modernisierung des unterentwickelten Iran nach westlichem Vorbild eingeleitet (Großgrundbesitzaufteilung an landlose Bauern, Industrialisierung, Frauenstimmrecht, Alphabetisierung, Gesundheitsvorsorge usw.). Eine weitere Demokratisierung lehnt der Schah jedoch entschieden ab. Kritiker des Regimes werden vom Geheimdienst „SAVAK“ (übersetzt: Amt für Information und Sicherheit des Landes) verfolgt und inhaftiert oder des Landes verwiesen. So wird z.B. der hohe geistliche Würdenträger (Ayatollah) und Führer der schiitisch-islamischen Fundamentalisten, Ruhollah Mussawi Khomeini, der bereits seit dem Zweiten Weltkrieg gegen die „Verwestlichung“ durch den Schah wettert, nach Niederschlagung einer von ihm angezettelten Unruhewelle in die Türkei abgeschoben. Doch auch aus dem Exil schürt Khomeini, der die Gründung eines vom Kommunismus und westlichem Kapitalismus unabhängigen islamischen Gottesstaates durchsetzen will, den Widerstand gegen das Schahregime, wobei er nicht nur beim einfachen Volk, sondern vor allem unter den modernisierungsfeindlichen Mullahs (islamische Gelehrten), die durch die Bodenreform um ihre Besitztümer gebracht wurden und somit von den Spenden der Gläubigen abhängig sind, viele Anhänger findet. 1966 Cha Bahar wird zur größten Marine- und Luftbasis am Persischen Golf ausgebaut. Die USA rüsten den Iran zur stärksten Militärmacht am Persischen Golf aus. 26. Oktober 1967 An seinem 48. Geburtstag krönt sich in Teheran der seit 1941 regierende Schah Mohammed Reza Pahlawi selbst zum Kaiser des Iran. Anschließend setzt der „Schahinschah-i Iran, Aryamehr“ (König der Könige, Licht der Arier), seiner Ehefrau Farah Dibah ebenfalls die Kaiserkrone auf. Höhepunkt der insgesamt einwöchigen Feierlichkeiten, zu denen keine ausländischen Gäste geladen wurden, ist der Zug von der Herrscherresidenz zum historischen Golestan-Palast. 15.000 Soldaten stehen dem rund 17 Kilometer langen Krönungszug Spalier. 1971 Mohammed Reza Pahlawi, „Schahinschah-i Iran, Aryamehr“ (König der Könige, Licht der Arier), läßt das 2.500jährige Jubiläum der iranischen Monarchie mit großem Pomp feiern. 1972 Der Iran und die UdSSR unterzeichnen ein umfangreiches Abkommen über wirtschaftliche Zusammenarbeit. 1975 Schah Mohammed Reza Pahlawi löst die zwei noch bestehenden politischen Parteien (Mardom und Iran-i Novin), die ohnenhin nur noch ein Schattendasein führten, auf und gründet die Einheitspartei „Rastakhiz“ (Auferstehung). Ein neues Grenzabkommen zwischen dem Iran und dem Irak verbessert das seit langem gespannte Verhältnis zwischen den beiden Staaten. Hauptstreitpunkt war die Grenzziehung im Schatt al-Arab (Unterlauf und Mündungsgebiet von Euphrat und Tigris). Bei dem Vertrag erklärt sich der Irak mit den iranischen Forderungen einverstanden (u.a. erhält der Iran drei weitere Inseln im Persischen Golf), und der Iran gibt im Gegenzug die Unterstützung der Kurden im Nordirak auf, die seit Jahren mit Waffengewalt ihre Unabhängigkeit von Bagdad erzwingen wollen. 1976 Der Schah nutzt die seit 1972 sprunghaft angestiegenen Öleinnahmen (derzeit jährlich rund 22 Milliarden US-Dollar) zu umfangreichen Rüstungskäufen (vor allem in den USA, aber auch in der UdSSR), wodurch sich die sozialen Spannungen noch verschärfen. (Trotz beachtlicher Verbesserungen im Sozialwesen und fortschreitender Industrialisierung lebt das Gros der Iraner, vor allem die Landbevölkerung, in bitterster Armut.) Januar 1978 Die Ermordung des Sohnes des seit 1963 im Exil (bis 1965 in der Türkei, danach im Irak und ab 1970 in Paris) lebenden Ayatollah Ruhollah Mussawi Khomeini ist der Auslöser für landesweite Trauerkundgebungen, die wenig später von Tabriz ausgehend in ganz Persien aufstandsähnlichen Charakter annehmen. Islamische Fundamentalisten und sozialrevolutionäre Gruppen fordern den Sturz des diktatorisch regierenden Schah. 16. September 1978 In der Region Tabaz (Westiran) kommen bei einem schweren Erdbeben mindestens 25.000 Menschen ums Leben. (Genaue Zahlen werden nie bekannt gegeben.) Ende 1978 Obwohl der Schah inzwischen einer weiteren Demokratisierung des Iran zugestimmt, alle politischen Gefangenen freigelassen, die Bekämpfung der Korruption im Lande versprochen und auch den Islamisten Zugeständnisse gemacht hat (z.B. Wiedereinführung des islamischen Kalenders, Schließung aller Spielcasinos), verstärken sich die landesweiten blutigen Unruhen und Massenrevolten zusehends. Ein Generalstreik legt das gesamte öffentliche Leben und die Ölproduktion lahm. Zehntausende ausländische Fachleute verlassen nach der Verhängung des Kriegsrechts fluchtartig das Land. Anfang Januar 1979 Schapur Bakhtiar, Führer der „Nationalen Front“, wird neuer iranischer Ministerpräsident. Er hebt u.a. sofort das Kriegsrecht auf und kündigt Presse- und Versammlungsfreiheit sowie Neuwahlen an, löst den SAVAK auf und geht gegen die allgegenwärtige Korruption vor. Ayatollah Ruhollah Mussawi Khomeini, der inzwischen in Paris mit radikalen Anhängern der „Nationalen Front“ zur Errichtung einer „Islamischen Republik Iran“ die „Iranisch-Islamische Nationalbewegung“ gegründet hat, ruft zum Kampf gegen den „schahfreundlichen“ und „unfähigen“ Schapur Bakhtiar auf. 16. Januar 1979 Schah Mohammed Reza Pahlawi verläßt auf „Empfehlung“ seiner amerikanischen „Berater“ mit seiner Familie den Iran und geht ins Exil nach Ägypten. (Die USA und andere westliche Industrienationen, die um ihre Wirtschaftsinteressen im Iran fürchten, erhoffen sich dadurch eine Beruhigung der revolutionären Lage.) 1. Februar 1979 Schiitenführer Ayatollah Ruhollah Mussawi Khomeini kehrt triumphierend aus dem Exil in den Iran zurück. 11. Februar 1979 Die iranische Armeeführung gibt ihre Neutralität bekannt, d.h. sie distanziert sich sowohl vom Schah als auch von Ministerpräsident Schapur Bakthtiar. Daraufhin lösen sich die Streitkräfte auf und übergeben ihre Waffen an islamische bzw. kommunistische Milizen. Schapur Bakhtiar tritt zurück und geht ins Exil nach Paris (wo er später von „Unbekannten“ ermordet wird). Mehdi Basargan wird zum neuen Ministerpräsidenten einer provisorischen Regierung ernannt, die nun die Islamische Republik verwirklichen soll. Mitte Februar 1979 Revolutionsgerichte beginnen im Iran, Todesurteile über Schahanhänger und „Gotteslästerer“ auszusprechen. 31. März 1979 In einer Volksbefragung entscheiden sich (angeblich) 99 Prozent der über 16jährigen Iraner für die Abschaffung der Monarchie und die Gründung einer „Islamischen Republik“. 1. April 1979 Ayatollah Ruhollah Mussawi Khomeini ruft die „Islamische Republik Iran“ aus. Juni 1979 Der Entwurf für eine neue Verfassung, die den Iran in eine auf dem Koran beruhende islamische Theokratie umwandelt, d.h. der Geistlichkeit die führende Stellung im Staatsapparat einräumt, wird vom Volk gebilligt. Dadurch wird Ayatollah Ruhollah Mussawi Khomeini zur höchsten Staatsautorität. Als „Vali-e-Faghik“ („der herrschende Gottesgelehrte“) steht ihm in allen kirchlichen und weltlichen Fragen die letzte Entscheidungsbefugnis zu. Von nun an geht das Regime in Teheran gegen die oppositionellen Kräfte und gegen sogenannte „Feinde des Islam“ mit brutaler Härte vor; innerhalb kürzester Zeit werden Zehntausende von Todesurteilen gefällt und vollstreckt. September 1979 Im Nordwestiran wird ein Aufstand der überwiegend sunnitisch-islamischen Kurden – sie fordern Selbstbestimmung – blutig niedergeschlagen. 4. November 1979 Iranische Studenten stürmen die US-Botschaft in Teheran, nehmen das gesamte Personal (52 Personen) als Geiseln und fordern die Auslieferung des Schahs, der sich derzeit wegen einer Krebs-Operation in den USA aufhält, an den Iran. Dies wird von den USA abgelehnt, die ihrerseits die sofortige Freilassung der Geiseln fordern. In Teheran tritt daraufhin Minsterpräsident Mehdi Basargan zurück, und der Revolutionsrat übernimmt die Regierung. 6. November 1979 Die iranische Revolutionsregierung dementiert die Behauptung der Studenten, sie hätten die US-Botschaft in ihrem Auftrag besetzt, nicht und unternimmt auch nichts zur Befreiung der US-amerikanischen Geiseln. Die bisher guten Beziehungen zwischen den USA und dem Iran verschlechtern sich dadurch zusehends. Der Iran schränkt seine Öllieferungen drastisch ein. Dies führt zu einer Energiekrise in den USA, die wiederum ihre Marineeinheiten im Persischen Golf verstärken. Dezember 1979 Teheran reagiert nicht auf die Aufforderung des UN-Sicherheitsrats und des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag, die US-amerikanischen Geiseln sofort freizulassen. Januar 1980 Der als gemäßigt geltende Abolhassan Bani-Sadr wird zum iranischen Staatspräsidenten gewählt. 21. Januar 1980 Beim Absturz einer iranischen Verkehrsmaschine nahe Teheran kommen 128 Menschen ums Leben. April 1980 Eine US-amerikanische Militäraktion zur Befreiung der Geiseln, die seit Anfang November 1979 in der US- amerikanischen Botschaft in Teheran festgehalten werden, scheitert. Mai 1980 Die streng religiöse Islamisch-Republikanische Partei (IRP) geht bei den Parlamentswahlen im Iran als absoluter Sieger hervor. Der Revolutionsrat wird aufgelöst. Javad Bahonar wird neuer Ministerpräsident. 27. Juli 1980 Der iranische Schah Reza Pahlawi stirbt im Exil in Kairo. 22. September 1980 Mit der Invasion irakischer Truppen in der iranischen Provinz Khuzistan (Südwestiran am Persischen Golf; überwiegend arabische Bevölkerung) beginnt der iranisch-irakische Krieg, den Bagdad mit alten Grenzstreitigkeiten begründet. Ayatolla Khomeini startet sofort eine Gegenoffsive und erklärt den Krieg zum „Heiligen Krieg“ gegen das sunnitische Regime im Irak (er hegt auch persönliche Rachegefühle gegen den irakischen Staatschef Saddam Hussein, da dieser als Vizepräsident 1970 sein Asyl im Irak nicht mehr verlängerte und er sich gezwungen sah, nach Paris überzuwechseln). Im Grunde geht es jedoch beiden Seiten vorrangig um wirtschaftliche (Öl-) Interessen. 20. Januar 1981 Am Tag der Amtsübernahme des neuen Präsidenten der USA, Ronald Reagan, werden die seit November 1979 in Teheran festgehaltenen 52 Geiseln endlich freigelassen und in die USA ausgeflogen. Die Beendigung des Dramas war nach Zugeständnissen Washingtons an die iranische Revolutionsregierung möglich geworden. Die USA geben eingefrorene iranische Guthaben frei und heben Wirtschaftssanktionen gegen Iran auf. 10. Juni 1981 Mit Zustimmung von Ayatollah Khomeini wird Irans Staatspräsident Abolhassan Bani-Sadr gestürzt und flieht ins Ausland. Mohammed Ali Rajaj wird sein Nachfolger. 28. Juni 1981 Bei einem Bombenanschlag auf das Hauptquartier der Islamisch-Republikanischen Partei in Teheran kommen 75 Menschen, darunter auch Parteiführer Ayatollah Beheschti ums Leben. Die Regierung macht dafür oppositionelle Volksmujahedin (Glaubenskämpfer - zumeist Sunniten) verantwortlich. 29. August 1981 Irans Staatspräsident Mohammed Ali Rajaj kommt bei einem Bombenattentat ums Leben. Ali Khamenei wird sein Nachfolger. 2. Oktober 1981 Irans Ministerpräsident Javad Bahonar wird bei einem Bombenanschlag getötet. Mir Hossein Moussavi wird sein Nachfolger. Juli 1981 Bei einem schweren Erdbeben in der Provinz Kerman (Westiran) kommen mindestens 2.300 Menschen ums Leben. 1982 Aufgrund der massiven Gegenoffensiven des Iran fordert der Irak einen Waffenstillstand. Teheran lehnt jedoch jegliche Verhandlungen entschieden ab. 23. April 1982 Rund 200 bewaffnete Anhänger des iranischen Revolutionsführers Ayatolla Khomeini überfallen regimekritische iranische Studenten in einem Mainzer Studentenheim. 36 Iraner und acht Polizisten werden verletzt. Die Mainzer Polizei nimmt fast 100 Angreifer fest. Ab 1983 Die USA verstärken im Persischen Golf zum Schutz der kuwaitischen Öltanker ihre Marinepräsenz. Kuwait, Saudi-Arabien wie auch die übrigen arabischen Golfstaaten unterstützen den Irak finanziell und militärisch im Krieg gegen den Iran, seit dieser mehrfach kuwaitische Tanker bombardiert hat. (Kuwait hatte 1970 nach der Ausweisung Ayatollah Khomeinis aus dem Irak seinen Asylantrag abgelehnt.) 1985 Massenaufstände der Kurden in der iranischen Provinz West-Aserbaidschan (Grenzgebiet zum Irak), die Autonomie fordern, werden von Regierungstruppen gewaltsam beendet (rund 40.000 Tote). (Über die Herkunft des nicht-arabischen Bauern- und Hirtenvolks der Kurden mit einer dem Persischen verwandten Sprache ist wenig bekannt. Wahrscheinlich ist es indogermanischen Ursprungs und ab dem 5. Jahrhundert n. Chr. in die Gebirgslandschaft zwischen dem Armenischen Hochland und dem nördlichen Mesopotamien eingewandert. Von Anfang an standen die in Stammesverbänden lebenden Kurden unter der Oberhoheit der Perser [Achämeniden- bzw. Safaniden-Dynastie] und ab Anfang des 16. Jahrhunderts der Osmanen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde den überwiegend sunnitisch-islamischen Kurden von den alliierten Siegermächten zunächst ein eigener Staat in Aussicht gestellt, doch letztendlich wurde ihr als „Kurdistan“ bezeichnetes Siedlungsgebiet auf die Territorien der Türkei, Syriens, Armeniens, des Iran und des Irak aufgeteilt, wo man sie zwar als ethnische Minderheit anerkannte [außer in der Türkei, wo man sie als „Bergtürken“ bezeichnete und zudem ihre kurdische Sprache verbot], ihnen jedoch kaum politische Rechte zugestand. Heute leben von den insgesamt 20 bis 22 Millionen Kurden [geschätzt; Volkszählungen hat es nie gegeben] rund 40-50% im Südosten der Türkei [teilweise nach Zwangsumsiedlung auch im Westen und Norden], 20-25% im Nordirak [auch hier hat es Deportationen in den Süden des Landes gegeben], rund 20% im Nordwestiran, 3-4% in Syrien und 1-2% in Armenien. Seither versuchen die Kurden [mit Gewalt] Autonomierechte zu erlangen. Doch, abgesehen von einer kurzlebigen Kurdenrepublik 1945/46 im seinerzeit von russischen Truppen besetzten Nordwestiran und einer teilweisen Selbstverwaltung bzw. Beteiligung an der Zentralregierung im Irak 1970-74, sind die Bemühungen, die unzählige Tote gefordert haben [geschätzt: mindestens 100.000], bis heute ohne Erfolg geblieben, nicht zuletzt dadurch, daß sich die zahlreichen Stämme [rund 100] auch immer wieder untereinander bekriegen.) 31. Juli 1987 Auseinandersetzungen zwischen iranischen Pilgern und saudi-arabischen Sicherheitskräften während der jährlichen Wallfahrt in Mekka enden in einem Massaker mit rund 400 Toten (300 Pilger und 100 Polizisten). Irans Parlamentspräsident Ali Akbar Hashemi Rafsanjani ruft daraufhin zum Sturz des saudiarabischen Königshauses auf, das er für das Blutbad verantwortlich macht. 1987 Der Iran erleidet im Golfkrieg schwere Rückschläge (Bagdad operiert u.a. mit Giftgas) und ist nun zu Waffenstillstandsverhandlungen bereit. 3. Juli 1988 Ein US-amerikanisches Kriegsschiff schießt im Persischen Golf (irrtümlich) eine iranische Passagiermaschine mit 290 Menschen an Bord ab. 20. August 1988 Der seit 1980 andauernde irakisch-iranische Krieg, der allein vom Iran zwischen 200.000 und 600.000 Tote gefordert hat (weder Bagdad noch Teheran nennen Zahlen) wird durch einen von UN-Truppen überwachten Waffenstillstand beendet. Februar 1989 Ayatollah Khomeini verhängt über den britischen Schriftsteller Salman Rushdie, den er wegen seines 1988 erschienenen Buches „Die Satanischen Verse“ der Gotteslästerung beschuldigt, die „Fatwa“ (religiöses Gutachten), was einem Todesurteil gleichkommt, und fordert weltweit alle gläubigen Moslems zur Vollstreckung auf. Großbritannien bricht daraufhin die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. 3. Juni 1989 Der religiöse und politische Führer Ayatollah Khomeini stirbt im Alter von fast 87 Jahren. Der bisherige iranische Staatspräsident Ali Khamenei wird sein Nachfolger. Juli 1989 Der vom Volk gewählte 55jährige Ali Akbar Hashemi Rafsanjani wird neuer iranischer Staatspräsident und ist, nach einer Verfassungsänderung, zugleich Regierungschef. Obwohl er einer der Führer der Revolution von 1979 war und als religiös-politischer „Ziehsohn“ von Ayatollah Khomeini großen Anteil an der Einrichtung des islamischen Gottesstaates hatte, versucht er nun eine vorsichtige innenpolitische Liberalisierung sowie eine außenpolitische Öffnung gegenüber dem Westen, vor allem zu den USA. 21. Juni 1990 Ein schweres Erdbeben der Stärke 7,7 auf der nach oben offenen Richterskala fordert in Norwest-Iran zwischen 30.000 und 50.000 Tote und etwa 100.000 Verletzte. Zentrum der verheerenden Verwüstungen ist die Küste des Kaspischen Meeres um Rasht. April 1992 Der Iran annektiert die bisher gemeinsam mit den Vereinigten Arabischen Emiraten verwaltete Insel Abu Musa im Persischen Golf, weist die nichtiranische Bevölkerung aus und errichtet auf der Insel mehrere Raketenabschußrampen. Mai 1992 Bei den Parlamentswahlen im Iran erringt die „Vereinigung der religiösen Kämpfer“ (Ruhaniat-e-Mubarez) von Präsident Ali Akbar Hashemi Rafsanjani drei Viertel der insgesamt 270 Sitze. September 1992 Der Abschluß eines Sicherheitsabkommens zwischen dem Iran und der Türkei sieht u.a. den gemeinsamen Kampf gegen Terrorismus vor. Oktober 1992 Der Iran und die Türkei vereinbaren während des Iranbesuchs des türkischen Regierungschefs Süleyman Demirel verstärkte wirtschaftliche Beziehungen. Januar 1993 Irans Staatschef Ayatollah Ali Khamenei bekräftigt die 1989 von Ayatollah Khomeini über den britischen Autor Salman Rushdie verhängte „Fatwa“. (Der Schriftsteller lebt seither unter Polizeischutz.) Februar 1993 Die UN-Menschenrechtskommission klagt den Iran wegen häufiger Menschenrechtsverletzungen an. In den Gefängnissen seien Auspeitschungen und Folter an der Tagesordnung, und die Todesstrafe werde vielfach ohne triftigen Grund verhängt. Darüber hinaus wird die Führung in Teheran bezichtigt, im Exil lebende iranische Oppositionelle durch Terrorkommandos „beseitigen“ zu lassen. 8. Februar 1993 Beim Zusammenstoß eines Passagierflugzeugs der Iran Air Tours mit einem Militärflugzeug kommen westlich von Teheran alle 132 Insassen ums Leben. April 1993 Das im Jahr zuvor in Peking zwischen dem Iran und der Volksrepublik China vereinbarte Zusammenarbeitsabkommen zur (friedlichen) Nutzung von Atomenergie tritt in Kraft. Mitte 1993 Als Geste des „guten Willens“ läßt die Führung in Teheran einige Hundert irakische Kriegsgefangenen frei. Die Freilassung der rund 20.000 Iraki, die seit Ende des iranisch-irakischen Krieges 1988 im Iran gefangen gehalten werden, macht Teheran von der Rückkehr der im Irak inhaftierten iranischen Soldaten abhängig. Juni 1993 Irans Staatschef Ali Akbar Hashemi Rafsanjani wird bei Präsidentschaftswahlen im Amt bestätigt. September 1993 Iranische Oppositionelle rufen in London eine Exilregierung aus. Dem „Nationalen Widerstandsrat Iran“ gehören 235 Mitglieder an. Davon sind die Hälfte Frauen. November 1993 Das iranische Parlament erläßt ein Gesetz, das Regierungsangestellten künftig nichtgenehmigten Kontakt mit Ausländern streng untersagt. Darüber hinaus verschärft die Regierung die Kleidungsvorschriften: Allen Frauen, die ohne Tschador (Umhang der den Körper von Kopf bis Fuß sowie das Gesicht verschleiert) erwischt werden, drohen die Auspeitschung und hohe Geldstrafen. (Seit dem Tod von Ayatollah Khomeini hatten sich die strengen Vorschriften etwas gelockert, und die Frauen konnten mit Kopftüchern und Mänteln auf die Straße gehen.) Anfang 1994 Die Auslandsverschuldung des Iran beträgt rund 30 Milliarden US-Dollar. April 1994 Die iranische Regierung ordnet die landesweite Demontage aller Satelliten-Antennen an. 20. Juni 1994 Bei einem Bombenanschlag auf eine Moschee in Meshed (wichtigster Wallfahrtsort der Schiiten im Nordosten des Iran) kommen mindestens 25 Menschen ums Leben, rund 80 werden z.T. lebensgefährlich verletzt. Die Führung in Teheran macht die oppositionellen Mujahedin-Guerillas verantwortlich, die 1981 ihren bewaffneten Widerstand gegen die „Islamische Republik“ aufgenommen haben. Diese bestreiten jedoch, etwas mit dem „abscheulichen“ Attentat zu tun zu haben. 18. Juli 1994 In Buenos Aires/Argentinien kommen bei einem Bombenanschlag auf ein jüdisches Zentrum fast 90 Menschen ums Leben, weitere 150 werden z.T. lebensgefährlich verletzt. Die argentinische Regierung bezichtigt die iranische Führung in Teheran als Auftraggeber. August 1994 In Ghazwin kommen bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen rund 50.000 Demonstranten - sie fordern für die Stadt die von Teheran bisher abgelehnte Abspaltung von der Provinz Zanjan - und Sicherheitskräften mindestens 30 Menschen ums Leben. Mehrere Hundert werden verletzt. 13. Oktober 1994 Der Iran und Turkmenistan unterzeichnen ein Wirtschaftsabkommen, das u.a. den Bau neuer Pipelines und einer neuen Eisenbahnverbindung zwischen beiden Ländern vorsieht. Dezember 1994 Der prominente iranische Autor und Regimekritiker Ali Akbar Saidi-Sirjani stirbt nach mehrmonatiger Haft im Gefängnis angeblich an einem Herzinfarkt. Die Regierung hatte ihn der Spionage für die USA, der Homosexualität, des Rauschgifthandels und der Kinderschänderei bezichtigt. Im Oktober hatten über 60 Autoren vergeblich um seine Freilassung gebeten, und zuvor hatten 134 iranische Schriftsteller, nachdem der bekannte Autor Ahmad Mir Aalaii tot aufgefunden worden war, in einer gemeinsamen Petition das Regime aufgefordert, die Meinungs- und Gewissensfreiheit und die Menschenrechte zu achten. (Derzeit wird die Zahl der politischen Gefangenen im Iran auf rund 19.000 geschätzt. Selbsternannte „islamische Komitees“ zur Wahrung der öffentlichen Sitten bedrohen und verfolgen Regimekritiker, und in den Moscheen fordern Geistliche die Gläubigen z.B. immer wieder auf, gegen jene zu handeln, die kritische Dinge schreiben.) 8. Mai 1995 Der Iran und Armenien unterzeichnen ein Abkommen, in dem sich Teheran für 20 Jahre zu Erdgas- und Stromlieferungen an Armenien verpflichtet. Juni 1995 Die USA, die der Führung in Teheran massive Menschenrechtsverletzungen, die Herstellung von Massenvernichtungswaffen sowie weltweite Terroranschläge gegen Nichtmoslems (vor allem Juden) vorwerfen, verhängen ein Handelsembargo gegen den Iran (u.a. ist US-amerikanischen Konzernen ab sofort der Handel mit iranischem Erdöl untersagt). September 1995 Iran und Rußland unterzeichnen ein Wirtschaftsabkommen (u.a. will sich Rußland am Bau eines neuen iranischen Atomkraftwerks in Bushir/Südwestiran beteiligen). November 1995 Irans Staatschef Ali Akbar Hashemi Rasfansjani bezeichnet die Ermordung des israelischen Regierungschefs Izchak Rabin (4. November) als eine „gerechte Strafe Gottes“. (Der Iran erkennt den Staat Israel nicht an und unterstützt die islamischen Terrororganisationen Hamas und Hisbollah.) Ende 1995 Der Iran weist 500.000 der insgesamt 1,5 Millionen Flüchtlinge aus Afghanistan aus. Juli 1996 Die Türkei schließt mit dem Iran ein Abkommen zur Lieferung von iranischem Erdgas in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar (unterzeichnet vom türkischen Ministerpräsidenten Necmettin Erbakan und dem iranischen Präsidenten Ali Akbar Hashemi Rafsanjani) sowie einen Vertrag über den Bau einer Gaspipeline in die Türkei. 22. August 1996 Der ehemalige iranische Staatspräsident Abolhassan Bani-Sadr beschuldigt im Berliner Prozeß um das „Mykonos“-Attentat von 1992 (in dem Berliner Lokal „Mykonos“ wurden am 17. September 1992 vier iranische Oppositionelle [Kurden] erschossen) das Regime in Teheran, weltweit mindestens 60 Terroranschläge in Auftrag gegeben zu haben. Dezember 1996 In der überwiegend von Sunniten bewohnten westiranischen Provinz Kermanjah kommt es nach der Ermordung des sunnitischen Geistlichen Mohammed Rabii zu schweren Unruhen. Der Mullah soll im Auftrag der Führung in Teheran ermordet worden sein. Anfang Februar 1997 Der Schriftsteller und Regimekritiker Faradsch Sarkuhi wird verhaftet, da er angeblich den Iran illegal verlassen wollte. 5. Februar 1997 Zwei leichtere Erdbeben im Nordosten des Iran kosten fast 100 Menschen das Leben und zerstören Dutzende von Dörfern. Ende Februar 1997 Im Iran wird das Kopfgeld zur Ermordung des britischen Schriftstellers Salman Rushdie um eine halbe Million US-Dollar auf 2,5 Millionen US-Dollar erhöht; Präsident Ali Akbar Hashemi Rafsanjani betont jedoch, daß die Aussetzung nicht von der Regierung, sondern von einer privaten Stiftung ausgehe. (Der Roman „Die Satanischen Verse“ ist inzwischen in 20 Sprachen übersetzt; zahlreiche moslemische Leser, darunter viele Schriftgelehrte, haben es für gut befunden, und in Damaskus soll es in Schulen sogar auf dem Lehrplan stehen.) 28. Februar 1997 Bei einem Erdbeben der Stärke 6 auf der nach oben offenen Richterskala kommen im gebirgigen Nordwest-Iran fast 3.000 Menschen ums Leben (von offizieller Seite wird von „nur“ 965 gesprochen). 10. April 1997 In Berlin wird mit dem Urteilsspruch im sogenannten Mykonos-Prozeß die iranische Staatsführung für die Ermordung von vier kurdischen Oppositionspolitikern im September 1992 in dem Berliner Restaurant Mykonos verantwortlich gemacht. Gleichzeitig erklärt die deutsche Bundesregierung, daß man den deutschen Botschafter aus Teheran abberufen und vier Mitarbeiter iranischer Vertretungen aus Deutschland ausweisen werde. Wenig später schließt sich die gesamte Europäische Union an und fordert alle Mitglieder auf, ihre Diplomaten aus Teheran zurückzurufen. Die Regierung in Teheran, die das Urteil als „grundlos, feindlich gesinnt und politisch motiviert“ bezeichnet, will im Gegenzug vier deutsche Diplomaten aus dem Iran ausweisen. 11. April 1997 Nachdem Irans Staatspräsident Ali Akbar Hashemi Rafsanjani das Urteil im Berliner Mykonos-Prozeß scharf krititisiert hatte, demonstrieren vor der deutschen Botschaft in Teheran Zigtausende Iraner. Eine Stürmung des Gebäudes kann nur durch den Einsatz eines starken Polizeiaufgebots verhindert werden. 13. April 1997 Über 100.000 Iraner demonstrieren erneut vor der deutschen Botschaft in Teheran gegen das Berliner Mykonos-Urteil. 14. April 1997 Ein Polizeiaufgebot von rund 1.000 Mann kann den Sturm radikaler iranischer Studenten auf die deutsche Botschaft in Teheran nur knapp verhindern. 15. April 1997 Vierzehn der fünfzehn Mitgliedstaaten der Europäischen Union (ohne Griechenland) ziehen ihre Botschafter aus dem Iran ab und erklären den „kritischen Dialog“ mit Teheran für beendet. 1. Mai 1997 Nachdem die EU ihren Botschaftern die Rückkehr in den Iran genehmigt hat, den „kritischen Dialog“ mit Teheran jedoch weiterhin für beendet erklärt, verweigert das iranische Außenministerium auf Anweisung von Religionsführer Ayatollah Ali Khamenei dem deutschen und dem dänischen Botschafter die Einreise 2. Mai 1997 Die EU-Staaten zeigen sich mit Dänemark und Deutschland solidarisch und verschieben die Rückkehr ihrer Botschafter in den Iran bis auf weiteres. 10. Mai 1997 Ein Erdbeben der Stärke 7,3 auf der nach oben offenen Richterskala fordert im Nordost-Iran nahe der Grenze zu Afghanistan offiziellen Angaben zufolge mindestens 2.500 Todesopfer, unzählige Verletzte und macht etwa 100.000 Menschen obdachlos. Die iranische Regierung bittet um internationale Hilfslieferungen, weist jedoch den Einsatz von ausländischen Rettungskräften zurück. 23. Mai 1997 Fast 70 Prozent der Wähler entscheiden sich für den als liberal geltenden früheren Kulturminister Mohammed Chatami als neuen iranischen Staatspräsidenten. 16. Juni 1997 Ein erneutes Erdbeben erschüttert den Nordosten des Iran. Teheran gibt jedoch keine Einzelheiten über die Zahl der Opfer bekannt. 23. Juni 1997 Bei einer Explosion in einem Kohlebergwerk im Nordiran kommen 20 Arbeiter ums Leben und zahlreiche weitere Bergleute erleiden z.T. schwere Verletzungen. 3. August 1997 Der neue iranische Staatspräsident Mohammed Chatami tritt sein Amt an und lädt alle EU-Botschafter zur Rückkehr nach Teheran ein. 12. August 1997 Der neue iranische Staatspräsident Mohammed Chatami stellt dem Parlament (Madjlis) seine neue Regierungsmannschaft vor. Er besetzt 17 der 22 Ministerposten neu. Das bisher „jüngste Kabinett des Iran (die Minister sind im Durchschnitt 45 Jahre alt) besteht nun überwiegend aus „gemäßigten“ Politikern. 13. August 1997 Nachdem ein zum Tode verurteilter neunfacher Frauenmörder in Teheran tagelang mit insgesamt über 200 Schlägen öffentlich ausgepeitscht worden ist, wird er vor rund 10.000 Schaulustigen gehängt. 23. August 1997 Präsident Mohammed Chatami ernennt die in den USA ausgebildete Chemikerin Massumeh Ebtekar zur Vizepräsidentin. Damit wird erstmals in der Geschichte des Iran eine Frau in eines der höchsten politischen Ämter des islamischen Landes berufen. 29. September 1997 Iranische Flugzeuge bombardieren zwei Stützpunkte der iranischen Widerstandsorganisation Volksmujahedin auf irakischem Gebiet. Dabei kommen in den Lagern südöstlich bzw. nordöstlich von Bagdad mehrere Menschen ums Leben. Die irakische Regierung protestiert energisch gegen die Verletzung des irakischen Luftraums. 13. November 1997 Sieben Monate nach dem Abzug der EU-Botschafter aus dem Iran, kehren die Diplomaten - einschließlich des deutschen Botschafters - nach Teheran zurück. 9. Dezember 1997 In Teheran beginnt das dreitägige Gipfeltreffen der Islamischen Konferenz (OIC), zu dem zum ersten Mal seit der Revolution vor 18 Jahren auch Vertreter der damals massivem iranischen Druck ausgesetzten arabischen Golfstaaten angereist sind (z.B. der saudische Kronprinz Abdullah). Während Revolutionsführer und geistliches Oberhaupt der iranischen Schiiten Ayatollah Ali Khamenei in seiner Eröffnungsrede dem Westen die „Verleumdung des Islam“ vorwirft und vor allem über die „teuflische Rolle der Amerikaner“ herzieht, spricht Staatspräsident Mohammed Chatami kurz darauf davon, daß es keinen Konflikt zwischen dem Islam und dem Westen gebe und setzt sich für gegenseitige Respektierung ein. Von Israel fordern sowohl Khamenei als auch Chatami im Namen aller 55 OIC-Mitgliedstaaten den Stop des Siedlungsbau auf arabischem Boden einschließlich des Ostteils von Jerusalem. 10. Dezember 1997 Der türkische Staatspräsident Süleyman Demirel bricht seine Teilnahme am Gipfeltreffen der Islamischen Konferenz in Teheran ab, nachdem er wegen der kürzlich beschlossenen türkisch-israelischen Zusammenarbeit auf militärischem Gebiet gerügt worden war. Dagegen zeichnet sich nach einem Gespräch zwischen dem saudischen Kronprinzen Abdullah und Ayatollah Ali Khamenei eine Annäherung zwischen Iran und Saudi-Arabien ab. Abdullah wie auch Khamenei betonen vor der Presse, man wolle die seit 1979 stark unterkühlten zwischenstaatlichen Beziehungen künftig wieder verbessern. 14. Dezember 1997 Der iranische Präsident Mohammed Chatami sagt auf einer Pressekonferenz in Teheran, daß er sich für die nahe Zukunft „einen Dialog mit dem amerikanischen Volk“ wünsche. Dieses offensichtliche Gesprächsangebot des liberalen Geistlichen wird von den europäischen Diplomaten im Iran als die „bislang deutlichste Absichtserklärung der iranischen Führung der letzten 18 Jahre zur Normalisierung der seit 1979 abgebrochenen Beziehungen mit den USA“ gewertet. Anfang Januar 1998 In Teheran findet erstmals seit dem Ende des iranisch-irakischen Krieg vor zehn Jahren ein Treffen zwischen den Außenministern des Iran und des Irak statt. U.a. wird bei den Gesprächen ein Austausch von Kriegsgefangenen vereinbart. 7. Januar 1998 Der iranische Präsident Mohammed Chatami spricht sich in einem Interview für den US-Sender CNN erneut für bessere Beziehungen seines Landes zu den USA aus. U.a. würde er zunächst den Austausch von Intellektuellen und Touristen befürworten. 4. April 1998 Alle 120 Einwohner von zwei Bergdörfern im Südwestiran werden von durch heftigen Regen ausgelösten Schlammlawinen lebendig begraben. 21. Juni 1998 Der als Reformer geltende iranische Innenminister Abdullah Nuri wird von einer konservativen Parlamentsmehrheit seines Amtes enthoben. Präsident Mohammed Chatami ernennt daraufhin den nicht minder reformorientierten Mostafa Tadschzadeh zum neuen Innenminister und überträgt Nuri den neugeschaffenen Posten eines Vize-Präsidenten für Entwicklung und Soziales. Die iranische Nationalmannschaft besiegt am Abend bei einem Vorrundenspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich den politischen Erzrivalen USA mit 2:1. Hunderttausende Iraner feiern daraufhin in den Straßen Teherans die ganze Nacht ausgelassen ihre „Helden“ – ohne jegliche anti-amerikanische Parolen. 22. Juli 1998 Die iranische Führung in Teheran gibt den erfolgreichen Test einer Mittelstreckenrakete mit einer Reichweite von 1.300 Kilometer bekannt. 27. Juli 1998 Der reformfreundliche Teheraner Bürgermeister Gholamhossein Karbaschi wird wegen (angeblicher) Korrruption und „schlechter Amtsführung“ zu fünf Jahren Haft, einer Geldstrafe von umgerechnet mehr als einer halben Million DM und zu einem 20jährigen politischen Betätigungsverbot verurteilt. 8. August 1998 In Afghanistan werden bei der Einnahme der Stadt Masar-i-Sharif durch sunnitisch-islamische Taliban-Milizen neun iranische Diplomaten ermordet. (Im afghanischen Bürgerkrieg unterstützt Pakistan die sunnitischen Taliban-Milizen, während der Iran deren Gegner, die größtenteils schiitische nordafghanische Bürgerkriegsallianz unterstützt.) Daraufhin versetzt der oberste geistliche Führer des Iran, Ayatollha Ali Khamenei, die iranischen Streitkräfte in Alarmbereitschaft und läßt entlang der iranisch-afghanischen Grenze rund 200.000 Soldaten und 70.000 Revolutionswächter aufmarschieren. 24. September 1998 Die iranische Regierung distanziert sich erstmals von dem auf den britischen Schriftsteller Salman Rushdie ausgesetzten Kopfgeld. Wirklich sicher kann sich Rushdie, der seit 1989 unter Polizeischutz steht, jedoch nicht fühlen, da sich nur die politische Spitze in Teheran von dem iranischen Todesurteil gegen ihn distanziert. Tatsächlich aufgehoben werden kann es nur durch den obersten geistlichen Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei. 1. Januar 1999 Im Iran (mit 1,65 Millionen Quadratkilometern mehr als viereinhalb mal so groß wie Deutschland) leben mittlerweile rund 66 Millionen Menschen (1976 rund 33 Millionen). Damit weist das Land eine der höchsten Bevölkerungswachstumsraten der Welt auf (seit 1979 sind Verhütungsmittel strengstens verboten), wodurch trotz eines stetig steigenden Wirtschaftswachstums eine Verringerung der hohen Arbeitslosigkeit (offiziell 11%, geschätzt 30-40%) und eine Verbesserung der sozialen Lage kaum möglich sind. 15. Januar 1999 Nach der Ermordung von fünf iranischen Oppositionellen durch Agenten des Geheimdienstes im November und Dezember 1998 befürchten liberale Politiker einen Mordanschlag auf den für Rechtsstaatlichkeit eintretenden Staatspräsident Mohammed Chatami, dem es vor kurzem gelungen ist, ein „Netzwerk von Mördern“ im Geheimdienstministerium zu identifizieren. Zehn als „unverantwortlich“ beschriebene Agenten, denen „gräßliche Taten“ angelastet werden, wurden inzwischen inhaftiert. Doch anstatt die Morde restlos aufzuklären und die politisch Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, bemüht sich die Polizei und Justiz kontrollierende Fraktion der Konservativen darum, die Affäre zu verschleiern. Deshalb ist es sehr fraglich, ob die Mordverdächtigen je vor Gericht gestellt werden. 16. Januar 1999 Ein Erdbeben der Stärke 5,3 auf der nach oben offenen Richter-Skala erschüttert den Nordwesten des Iran. Angaben über Opfer liegen nicht vor. 1. März 1999 Aus den ersten Kommunalwahlen im Iran seit der Revolution vor 20 Jahren gehen bei einer Wahlbeteiligung von rund 65 Prozent (25 Millionen Stimmabgaben) die Reformer von Präsident Mohammed Chatami landesweit als Sieger hervor und erringen die Mehrheit der insgesamt 200.000 Ratssitze. 11. März 1999 Während eines Staatsbesuchs des iranischen Präsidenten Mohammed Chatami in Italien, der ersten Reise eines iranischen Staatsoberhaupts in ein westliches Land seit 1979 überhaupt, findet auch ein Treffen zwischen ihm und Papst Johannes Paul II. statt. Chatami will damit sein Eintreten für einen Dialog zwischen den beiden Weltreligionen zum Ausdruck bringen. Vom Vatikan wird die 25 Minuten dauernde Privataudienz als Anfang eines „verstärkten Dialogs zwischen Christen und Moslems” gewertet. 10. April 1999 Der deutsche Geschäftsmann Helmut Hofer, der wegen einer verbotenen sexuellen Beziehung zu einer moslemischen Iranerin im September 1997 im Iran verhaftet und Anfang 1998 zum Tode verurteilt worden war, wird gegen Kaution aus der Haft entlassen. Das Oberste Gericht in Teheran hat mittlerweile das Urteil aufgehoben und eine Neuverhandlung angeordnet. Der 57jährige, der seine Schuld stets bestritten hat, darf den Iran jedoch nicht verlassen. 7. Mai 1999 Ein Erdbeben der Stärke 6,5 auf der nach oben offenen Richter-Skala zerstört in der Provinz Fars im Süden des Iran ein Dutzend Dörfer. Knapp 30 Menschen kommen beim Einsturz ihrer Häuser ums Leben, mindestens 100 weitere werden verletzt. 9. Juni 1999 In der irakischen Hauptstadt Bagdad kommen bei der Detonation einer ferngezündeten Autobombe sieben Funktionäre der oppositionellen iranischen Volksmujahedin ums Leben. Für das Attentat macht ein Sprecher der Volksmujahedin den iranischen Geheimdienst VAVAK verantwortlich. 7. Juli 1999 Nach Verabschiedung eines verschärften Pressegesetzes durch das iranische Parlament werden mehrere liberale Zeitungen verboten. Bei den dadurch ausgelösten massivsten Studentendemonstrationen für mehr Demokratie und Pressefreiheit seit 20 Jahren werden in Teheran mindestens 1.000 Personen verhaftet. Mehrere Menschen kommen bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften, die mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vorgehen, ums Leben und zahlreiche werden verletzt. Vertreter der iranischen Opposition im Exil äußern die Hoffnung auf ein baldiges Ende des konservativen Mullah-Regimes in Iran. Der in Paris lebende Ex-Staatspräsident Abolhassan Bani-Sadr glaubt, daß sich die demokratischen Kräfte um den reformorientierten Präsidenten Mohammed Chatami „sehr bald“ durchsetzen werden. 14. Juli 1999 In Teheran folgen mehrere hunderttausend Menschen, hauptsächlich Anhänger der islamischen Revolution, dem Aufruf der Mullahs zu einer Gegendemonstration. Damit gewinnen in Iran offensichtlich die konservativen Kräfte wieder die Oberhand. 1. August 1999 Nach dreieinhalb Monaten Haftverschonung wird der deutsche Geschäftsmann Helmut Hofer wieder festgenommen und in ein Teheraner Gefängnis gebracht. Das Gericht begründet die Maßnahme damit, daß er Kontakte zu „verdächtigen ausländischen Elementen“ gehabt habe und deshalb Fluchtgefahr bestehe. 27. November 1999 Ein Teheraner Gericht verurteilt den früheren Innenminister und Vize-Präsidenten Abdullah Nuri wegen Verunglimpfung des Islam zu fünf Jahren Haft und Zahlung einer Geldstrafe von 5.000 US-Dollar. Darüber hinaus wird seine reformorientierte Zeitung „Chorad“ geschlossen. Präsident Mohammed Chatami kritisiert das Urteil scharf und verlangt eine Überprüfung des Schuldspruchs. 23. Dezember 1999 In Teheran wird der deutsche Geschäftsmann Helmut Hofer gegen eine Kaution von 60.000 aus der Haft entlassen. Zuvor hatte das Gericht die Anklage gegen ihn wegen einer verbotenen sexuellen Beziehung zu einer Moslemin überraschend fallengelassen. Hofer muß sich nun allerdings ab Mitte Januar in einem weiteren Prozeß wegen Beamtenbeleidigung verantworten. 20. Januar 2000 Der Hamburger Geschäftsmann Helmut Hofer wird in Teheran wegen Beleidigung eines Polizisten zur Zahlung von 20 Millionen Rial (rund 13.000 DM) verurteilt und aus der Haft entlassen, nachdem die deutsche Botschaft die Strafe bezahlt hat. Wenige Stunden später besteigt Hofer ein Flugzeug in Richtung Deutschland. 2. Februar 2000 Bei der Kollision einer Frachtmaschine des iranischen Militärs mit einem iranischen Passagierflugzeug auf der Rollbahn des Teheraner Flughafens kommen mindestens zehn Menschen ums Leben. 20. Februar 2000 Bei der ersten Runde der Parlamentswahlen erringen die Reformer um Präsident Mohammed Chatami mit 60 Prozent der abgegenen Stimmen einen klaren Sieg über die konservative iranische Geistlichkeit, die allerdings weiterhin die Regierung sowie den Justiz- und Sicherheitsapparat kontrolliert. 21. Februar 2000 Irans Präsident Mohammed Chatami eröffnet die erste U-Bahn-Linie in Teheran. Nach einer Bauzeit von vierzehn Jahren soll die „Metro“ nun zur Entlastung des chaotischen Teheraner Straßenverkehrs beitragen. 12. März 2000 Said Hajarian, einer der engsten Vertrauten von Präsident Mohammed Chatami und Mitglied des Teheraner Stadtrates, wird in Teheran vor dem Rathaus auf offener Straße von Unbekannten niedergeschossen und schwer verletzt. Hajarian, vormals stellvertretender Geheimdienstminister, hatte die Morde an sechs iranischen Intellektuellen und Oppositionellen im Herbst 1998 aufgedeckt und die Auftraggeber – konservative Agenten des Geheimdienstes – überführt. 30. Mai 2000 Das neugewählte iranische Parlament in Teheran – auch aus der zweiten Wahlrunde am 5. Mai gingen die Reformer um Präsident Mohammed Chatami als Sieger über die konservative Geistlichkeit hervor und verfügen nun über 189 von insgesamt 290 Sitzen – wählt den Reformpolitiker Mehdi Kharroubi zum Parlamentspräsidenten. 5. Juli 2000 Der iranische Präsident Mohammed Chatami kündigt an, im Mai kommenden Jahres für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. 10. Juli 2000 Irans Präsident Mohammed Chatami trifft zu einem dreitägigen Deutschlandbesuch in Berlin ein. Deutschland und Iran wollen eine Wiederbelebung ihrer derzeit „stark unterkühlten“ politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen. Während die Visite Chatamis in Frankreich im Oktober vergangenen Jahres von erheblichen Protestaktionen gegen das Regime in Teheran begleitet war, verläuft der dritte Besuch des iranischen Präsidenten in einem westlichen Land weitgehend störungsfrei. 28. September 2000 In der venezolanischen Hauptstadt Caracas findet das zweite Gipfeltreffen der elf Staats- und Regierungschefs der OPEC (Organization of the Petroleum Exporting Countries/Organisation der Erdölexportierender Staaten) in der 40jährigen Geschichte des Kartells statt. Die Organisation wehrt sich angesichts des dramatisch gestiegenen Ölpreises gegen den Vorwurf der Preistreiberei. Gastgeber Hugo Chávez Frías sagt: „Wir sind Opfer, die Schuldigen sind andere.“ OPEC-Präsident Ali Rodríguez glaubt an ein mittelfristiges Sinken des Ölpreises von derzeit knapp 30 US-Dollar auf unter 28 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) aufgrund einer Erhöhung der Förderquote ab Oktober und den Verkauf von 30 Millionen Barrels der strategischen Ölreserve der USA ab November. Darüber hinaus verspricht Saudi-Arabien eine Stabilisierung des Ölpreises. (Gründungsstaaten waren 1960 in Bagdad: Irak, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela; heute gehören der Organisation, die ihren Sitz in Wien hat, Algerien, Indonesien, Irak, Iran, Katar, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Venezuela an; Gabun war bis 1996, Ecuador von 1973-92 Mitglied;) 13. Oktober 2000 Erstmals seit 1990 besucht mit Kamal Kharazi ein iranischer Außenminister den Irak. Hauptthemen während seines dreitägigen Aufenthalts sind das Kriegsgefangenenproblem und die gegenseitige Unterstützung der jeweiligen Exil-Opposition. 22. Oktober 2000 Die iranische Guerilla-Gruppe „Mujahedin Chalk“ beschießt in Teheran zwei Quartiere der Eliteeinheit „Revolutionäre Garden“ mit Granatwerfern. Mehrere Soldaten kommen ums Leben. 28. Dezember 2000 In Teheran vereinbaren der russische Verteidigungsminister Igor Sergejew und sein iranischer Amtskollege Ali Schamchani die Wiederaufnahme der Militärkooperation Rußlands mit Iran. Man werde die militärische Zusammenarbeit an der Stelle wieder aufnehmen, an der sie 1995 nach einem Geheimabkommen zwischen Rußland und den USA – Rußland hatte seine Waffenlieferungen an Iran eingestellt und war im Gegenzug von den USA von Wirtschaftssanktionen ausgenommen worden – unterbrochen wurde. 13. Januar 2001 In Teheran werden sieben prominente Reform-Intellektuelle zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, darunter ein Journalist, dessen Reportagen die Mordserie vom Sommer 1998 mit aufgeklärt hatten. Ihnen war die Teilnahme an einer Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin im April des Vorjahres zur Last gelegt worden, wo sie ant-islamische Propaganda verbreitet und die nationale Sicherheit gefährdet hätten. 17. Januar 2001 Die elf OPEC-Staaten (Algerien, Indonesien, Irak, Iran, Katar, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Venezuela) beschließen – wie bereits seit einigen Wochen angekündigt – in Wien einstimmig die Drosselung ihrer Ölförderung um fünf Prozent bzw. um 1,5 Millionen Barrel täglich ab 1. Februar, um so den Weltmarktpreis auf einem Niveau zwischen 22 und 28 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) zu halten. (Während ein Barrel Öl im November 2000 noch über 31 US-Dollar kostete, stürzte der Ölpreis im Dezember auf zeitweise unter 22 US-Dollar ab und lag am Vortag bei 24,59.) 28. Januar 2001 Wegen der Serienmorde an iranischen Intellektuellen Ende 1998 verhängt das Militärgericht in Teheran gegen 15 Mitarbeiter des iranischen Geheimdienstes harte Urteile. Drei der Angeklagten werden zum Tode verurteilt, fünf zu lebenslanger Haft und sieben zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und zehn Jahren. Iranische Reformer vertreten jedoch die Ansicht, daß in dem Prozeß nicht die wahren Schuldigen vor Gericht standen und bringen führende Politiker und Kleriker mit den Morden an den Intellektuellen in Verbindung. 23. Februar 2001 Mary Robinson, die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, beschuldigt in Genf den Iran öffentlich, dauernd und systematisch Menschenrechte zu verletzen, u.a. durch die jährliche Hinrichtung von mehreren hundert Menschen. In den letzten Jahren seien Hunderte von Regimegegnern ermordet worden. Folter und Mißhandlung bei Verhören seien alltäglich. 12. März 2001 Während des ersten Besuchs eines iranischen Staatsoberhaupts in Rußland seit 1979 unterzeichnen Irans Präsident Mohammed Chatami und Rußlands Staatschef Wladimir Putin in Moskau ein umfassendes Kooperationsabkommen, das trotz des Widerstands der USA vor allem eine verstärkte militärische Zusammenarbeit und umfangreiche Waffenlieferungen Rußlands an Iran beinhaltet. 17. April 2001 Saudi-Arabien und Iran unterzeichnen in der iranischen Hauptstadt Teheran nach mehrjährigen Verhandlungen das erste Kooperationsabkommen seit 1979. Der Vertrag sieht die gemeinsame Bekämpfung von grenzüberschreitender Kriminalität, Terrorismus, Drogenhandel und Geldwäsche, jedoch keine militärische Zusammenarbeit vor. 6. Mai 2001 In Sari rund 250 Kilometer südöstlich von Teheran stürzt während eines Fußballspiels das Tribünendach des mit fast 25.000 Menschen völlig überfüllten Stadions ein. Mindestens 20 Menschen kommen ums Leben und mehrere hundert werden z.T. schwer verletzt. 8. Juni 2001 Bei der Präsidentenwahl erringt der 58jährige Amtsinhaber Mohammed Chatami, der versprochen hatte, sich für eine weitere Stärkung der Demokratie im Iran einzusetzen, einen überwältigenden Sieg. Er erzielt 77 Prozent der Stimmen. 8. August 2001 Nach seiner Vereidigung zu seiner zweiten Amtsperiode kündigt Staatspräsident und Regierungschef Mohammed Chatami die Fortsetzung seiner vier Jahre zuvor begonnenen, immer wieder von den konservativen Kräften behinderten Reformpolitik an. Er spricht sich gegen religiösen Fundamentalismus aus und wirbt für seine Vorstellung einer islamischen Demokratie in Iran. 12. August 2001 Die Regierung in Teheran gibt bekannt, daß bei den schwersten Überschwemmungen seit 200 Jahren im Nordosten des Iran zahlreiche Dörfer überflutet wurden und bis zu 350 Menschen ums Leben gekommen sind. 16. September 2001 Iran, wo in Auffanglagern derzeit rund zwei Millionen Afghanen leben, die ihr Land wegen der dürrebedingten Hungersnot oder/und aus Furcht vor einem Vergeltungsschlag der USA wegen der Terroranschläge von New York und Washington am 11. September mit mehreren tausend Toten verlassen haben, schließt seine 900 Kilometer lange Grenze zu Afghanistan mit der Begründung, keine weiteren Flüchtlinge mehr verkraften zu können. Teheran hatte die Terrorangriffe wegen der Nichtvereinbarkeit mit dem Islam scharf verurteilt, sich aber zugleich (wie die meisten arabischen und islamischen Staaten) gegen „übereilte“ Militäraktionen der USA gegen sein Nachbarland Afghanistan ausgesprochen, obwohl der Iran seit Jahren ein erbitterter Gegner des afghanischen Taliban-Regimes ist und die afghanische Nordallianz finanziell und mit Waffen unterstützt. 9. Oktober 2001 Irans Präsident Mohammed Chatami fordert die USA auf, ihre zwei Tage zuvor begonnenen Luftangriffe gegen Afghanistan einzustellen. Unter dem Vorwand des Kampfes gegen den Terrorismus dürften nicht Tausende Menschen getötet werden. Ein unschuldiges und unterdrücktes Volk sollte nicht Opfer einer Aggression werden. Gleichzeitig verurteilt Chatami den unter dem Schutz des afghanischen Taliban-Regimes stehenden Moslemextremisten Osama bin Laden, da dieser den Islam als Vorwand für seine terroristischen Aktivitäten mißbrauche. 5. Februar 2002 Israel warnt Iran vor einem eventuellen Raketenangriff, versichert gleichzeitig jedoch, daß man nicht die Absicht hege, Iran anzugreifen. Zuvor hatte die iranische Regierung Israel mit einem Angriff gedroht, falls es wagen sollte, im Bau befindliche iranische Atomanlagen zu zerstören. Israel wiederum hatte Iran bezichtigt, Tausende von Kurzstreckenraketen an die schiitische Hisbollah-Miliz in Süd-Libanon geliefert zu haben, die israelische Städte bedrohten. 6. Februar 2002 Die Regierung in Teheran weist Anschuldigungen der USA, Iran gewähre Taliban-Kämpfern und Mitgliedern der moslemischen Terrororganisation El-Kaida Unterschlupf und stelle Massenvernichtungswaffen her, entschieden zurück, schließt jedoch nicht aus, daß Taliban- und El-Kaida-Anhänger von Afghanistan nach Iran geflohen sein könnten, da es trotz großer Anstrengungen nicht möglich sei, die 900 Kilometer lange Grenze vollständig zu kontrollieren. 11. Februar 2002 In der iranischen Haupstadt Teheran folgen mehrere hunderttausend Menschen dem Aufruf von Staatspräsident Mohammed Chatami und des obersten Religionsführers der iranischen Schiiten, Ayatollah Ali Khamenei, und demonstrieren während der Feiern zum 23. Jahrestag der islamischen Revolution gegen die USA. Anlaß waren Äußerungen von US-Präsident George W. Bush, wonach Iran Mitgliedern des Terrornetzwerks El-Kaida Unterschlupf gewähre und Massenvernichtungswaffen herstelle. In seiner Rede zur Lage der Nation hatte Bush gesagt, Iran bilde mit dem Irak und Nordkorea eine „Achse des Bösen“. Präsident Chatami sagt auf der Veranstaltung, daß sich die USA als „Hüter der Welt“ betrachten und erwarten, daß sich alle Staaten dieser Politik fügen. Iran werde dies jedoch nicht tun und weiter seine Unabhängigkeit verfolgen. Die USA sollten die Terroranschläge vom 11. September auch als Folge ihrer eigenen falschen Politik betrachten und nicht nur andere Nationen dafür anklagen, meint er. 12. Februar 2002 Alle 118 Menschen an Bord einer Tupolew 154 der Iran Air Tours kommen ums Leben, als die aus Teheran kommende Maschine während des Landeanflugs auf Chorramabad (Hauptstadt der westiranischen Provinz Lorestan) an einem Berg zerschellt. Der letzte große Absturz eines Passagierflugzeugs in Iran hatte sich 1993 ereignet. Damals hatte der Zusammenstoß einer Tupolew der Iran Air Tours mit einem iranischen Militärjet 134 Menschenleben gefordert. 24. April 2002 Eine zweitägige Konferenz der Staats- und Regierungschefs der fünf Anrainerstaaten des Kaspischen Meers in der turkmenischen Haupstadt Aschgabad endet ohne nennenswertes Ergebnis, d.h. man erzielt keine Einigung über den seit der Auflösung der UdSSR im Jahre 1991 umstrittenen Rechtsstatus des weltweit größten Binnenmeeres, wo große Öl- und Gasvorkommen liegen: Rußland, Kasachstan, Turkmenistan und Aserbaidschan stimmen grundsätzlich überein, daß die Gewässeroberfläche gemeinsam verwaltet und genutzt werden soll (Kaviar-Produktion), während der Meeresboden und damit die Bodenschätze proportional zur Küstenlinie aufgeteilt werden. Iran hingegen, das danach nur knapp dreizehn Prozent erhalten würde, fordert für jeden Staat ein Fünftel der Fläche und betrachtet Erdölvorkommen, mit deren Erschließung Aserbaidschan bereits begonnen hat, als seine eigenen. 21. Mai 2002 Das US-Außenministerium veröffentlicht einen Bericht unter dem Titel „Paten des Terrors“, in dem neben 33 nichtstaatlichen Terrororganisationen sieben Staaten als aktive Unterstützer des Terrorismus angeprangert werden: Iran, Irak, Kuba, Libyen, Nordkorea, Syrien und Sudan. Als „aktivster“ Förderer wird Iran wegen der fortgesetzten Unterstützung exremistischer Palästinensergruppen hervorgehoben, obwohl das Land mit den Anschlägen vom 11. September in den USA nicht in Verbindung gebracht werden konnte und bei der politischen Neugestaltung in Afghanistan kooperierte. Als „Herbergsländer“ des Terrorismus werden in dem Bericht neben Syrien, Sudan und Libyen auch Jemen und Somalia aufgeführt. 22. Juni 2002 Ein Erdbeben der Stärke 6,3 auf der nach oben offenen Richter-Skala fordert in den nordwestiranischen Provinzen Qazvin und Hamadan mindestens 230 Tote, 1.500 Verletzte und zehntausende Obdachlose. Mindestens zehn Dörfer werden völlig zerstört, etwa 100 stark beschädigt. 10. Juli 2002 Das Ringen zwischen Konservativen und Reformern setzt sich in Iran mit dem spektakulären Rücktritt des prominenten Ajatollahs Jalaleddin Taheri aus Isfahan fort. Taheri bezeichnet den herrschenden Klerus sowie die nicht abwählbaren Organe des Wächterrats, dessen Kontrolle jede Gesetzgebung unterliegt, und der religiösen Stiftungen als „Mafia-Bande“. Er wirft ihnen vor, wesentlich für die Verarmung der Bevölkerung und für die Korruption im Land verantwortlich zu sein. Der Nationale Sicherheitsrat untersagt den Medien umgehend jegliche weitere Berichterstattung über den Fall. 10. Februar 2003 Die Führung in Teheran kündigt eine Ausweitung des iranischen Atomprogramms an. Staatspräsident Mohammed Chatami erklärt, daß man die Herstellung von Kernbrennstäben und Urananreicherung im eigenen Land beschlossen habe, versichert jedoch gleichzeitig, daß man eng mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) zusammenarbeiten werde und das iranische Nuklearprogramm ausschließlich der friedlichen Nutzung diene. Die Brennstäbe sollen in zwei Atomanlagen in Isfahan und Kashan aus den im Land vorhandenen Uranabkommen produziert werden. Die USA, die Iran zusammen mit Irak und Nord-Korea zu einer „Achse des Bösen“ zählen, beschuldigen die iranische Regierung seit längerem, den internationalen Terrorismus zu unterstützen und an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Eine Anlage zur Urananreicherung in der Stadt Natans und ein Schwerwasserreaktor bei Arak seien mit den zivilen Bedürfnissen Irans nicht zu rechtfertigen, hieß es zuletzt aus Washington. 17. Februar 2003 Die iranische Regierung in Teheran erhebt am Internationalen Gerichtshof in Den Haag Anklage gegen die USA wegen Unterstützung des Irak Ende der 80er Jahre und fordert Schadenersatz für die Zerstörung von drei Ölplattformen im Persischen Golf in den Jahren 1987 und 1989. Washington habe dem Irak gefährliche Chemikalien und tödliche Viren für die Kriegsführung geliefert und damit den Irak im Krieg gegen Iran unterstützt, erklärt der Vertreter Irans zu Beginn der Verhandlung. Die Darstellung der Amerikaner, daß es sich um eine Verteidigung gegen Raketenangriffe Irans auf Schiffe unter US-Flagge gehandelt habe, werde von Teheran nicht akzeptiert. Die USA hätten auf jeden Fall gegen den Freundschaftsvertrag verstoßen, den beide Länder 1955 unterzeichnet hatten. Dieser Vertrag bildet für das oberste Gericht der Vereinten Nationen die Rechtsgrundlage für das Verfahren. 19. Februar 2003 Beim Absturz eines iranischen Militärflugzeugs in einer unwegsamen und verschneiten Gebirgsregion im Zentraliran kommen alle 302 Insassen – 18 Besatzungsmitglieder und 284 Soldaten der paramilitärischen Revolutionsgarden ums Leben. Der russische Militärtransporter vom Typ Iljuschin-76 prallte während eines Inlandflugs von Sahedan nach Kerman gegen einen Berg. 31. März 2003 In Teheran fährt ein mit großen Benzin- und Ölfässern beladener Kleinlaster gegen die Mauer des Haupttors der britischen Botschaft und explodiert. Der 35 Jahre alte Fahrer kommt ums Leben, weitere Tote oder Verletzte gibt es nicht. Die iranische Regierung spricht von einem Unfall, und auch die Briten erklären, es gebe keine Hinweise für einen Terrorakt. Ein Augenzeuge hingegen meint, wenn das Fahrzeug wegen überhöhter Geschwindigkeit versehentlich von der Hauptstraße abgekommen wäre, wäre es mit den Metallbarrieren vor der Botschaft kollidiert. Da der Wagen jedoch bis zur Mauer gekommen ist, „sieht die Sache nach einen Selbstmordanschlag aus“. Wenige Tage zuvor waren die Straßen vor der britischen Botschaft Schauplatz einer Demonstration gegen den Feldzug der USA und Großbritanniens gegen den Irak gewesen. Die iranische Regierung versucht zwar offiziell eine neutrale Position einzunehmen, die öffentliche Meinung jedoch richtet sich gegen Amerikaner und Briten. Das iranische Außenministerium erklärte, daß der Iran bezüglich des Irak-Kriegs nicht Partei ergreifen wird. Zudem haben die Grenzbeamten offenbar Anweisung erhalten, Freiwillige, die sich den Kämpfern des irakischen Präsidenten Saddam Hussein anschließen wollen, nicht passieren zu lassen. Zuvor hatten die USA die iranische Führung gewarnt, sie werde zur Verantwortung gezogen, falls sich iranische Kämpfer an dem Krieg beteiligen sollten. 15. Juni 2003 Nach mehrtägigen Zusammenstößen in Teheran und anderen iranischen Großstädten zwischen gegen die konservative geistliche Führung protestierenden Studenten und Anhängern des Klerus, die nach Behördenangaben einen Toten gefordert haben, werden nicht nur zahlreiche Oppositionelle verhaftet, die für die Organisation der Demonstrationen verantwortlich sein sollen, sondern auch militante Gefolgsleute des geistlichen Führers Ayatollah Ali Khamenei. Sie sollen in Teheran Studentenwohnheime überfallen und rund zwei Dutzend Bewohner verschleppt haben, woduch die Protestaktionen offenbar ausgelöst wurden. Die Demonstranten hatten nicht nur die Freilassung aller inhaftierten Dissidenten, (erstmals) den Rücktritt von Präsident Mohammed Chatami, dem sie das Scheitern seines Reformkurses vorwarfen, und eine Volksabstimmung über das politische System verlangt, sondern hatten auch Khamenei als „heuchlerisch und anmaßend“ beschimpft und sogar seinen Tod gefordert („Khamenei, der Verräter soll hängen“), obwohl Kritik an dem geistlichen Führer mit dem Tod bestraft werden kann. Die Führung in Teheran wirft den USA vor, hinter den Protesten zu stehen. Der frühere Präsident Ali Akbar Hashemi Rafsanjani (1989-97) bezeichnet die Demonstranten als von den USA geförderte „antirevolutionäre Elemente“. 30. Juni 2003 Irans Staatspräsident Mohammed Chatami sagt ein entschiedenes Vorgehen gegen die im Lande inhaftierten mutmaßlichen Mitglieder der Terrororganisation „El-Kaida“ zu. In einem Gespräch mit dem britischen Außenminister Jack Straw in Teheran betont er jedoch, daß Iran von den westlichen Staaten ein ebensolches Vorgehen gegen andere terroristische Gruppen erwarte. Er bezieht sich damit auf die Inhaftierung von oppositionellen iranischen Volksmudschaheddin zwei Woche zuvor in Frankreich. Im Streit mit den USA um das iranische Atomprogramm betont Chatami, Iran sei ausschließlich an der friedlichen Nutzung der Kernenergie interessiert und grundsätzlich bereit, dem Zusatzprotokoll der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) beizutreten, das unangekündigte Inspektionen von Atomanlagen erlaubt, erwarte dafür aber Gegenleistungen. 16. Juli 2003 Die iranische Regierung hat zugegeben, daß eine kanadisch-iranische Journalistin in einem Teheraner Gefängnis zu Tode geprügelt wurde. Die 54jährige Fotoreporterin aus Québec war am 23. Juni verhaftet worden, weil sie Fotos von Studentenprotesten gemacht hatte. Zunächst hatten die Behörden als Todesursache einen Schlaganfall angegeben. Freunde von ihr hatten sie allerdings kurz vor ihrem Tod am 11. Juli im Krankenhaus besucht und angegeben, daß sie Schnitte und Prellungen am Kopf und im Gesicht aufwies. Erst dann räumte ein Regierungssprecher ein, daß sie „an Hirnblutungen in Folge von Schlägen“ gestorben sei. Die Schuldigen sollen nun zur Verantwortung gezogen werden. 22. Juli 2002 Ein Erdbeben der Stärke 6,1 auf der nach oben offenen Richterskala erschüttert den Nordwesten Irans. 305 Menschen kommen ums Leben und rund 95.000 Menschen werden obdachlos. 10. Oktober 2003 Das norwegische Komitee in Oslo spricht der 56jährigen iranischen Menschenrechtlerin Schirin Ebadi den mit zehn Millionen schwedischen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierten Friedensnobelpreis zu. Der Ausschuß, der erstmals eine moslemische Frau und einen iranischen Staatsangehörigen würdigt, teilt mit, man wolle damit den Einsatz für Menschenrechte im Iran und in der moslemischen Welt stärken, da die „Einhaltung der Menschenrechte wichtiger ist als alles andere“. „Ihre Stimme als Anwältin, Richterin, Dozentin, Autorin und Aktivistin ist in ihrem eigenen Land Iran und weit über ihre Heimat hinaus klar und deutlich erklungen. Sie ist mit professionellem Gewicht sowie großem Mut aufgetreten und hat vor Gefahren für eigene Sicherheit niemals zurückgescheut“, heißt es aus Oslo. Frau Ebadi war als erste Frau Richterin im Iran, mußte ihr Amt aber 1979 nach der islamischen Revolution wieder abgeben. Seitdem vertrat sie als Anwältin zahlreiche politisch Verfolgte, setzte sich öffentlich für eine Demokratisierung Irans sowie für die Rechte von Frauen und Kindern ein und mußte dafür selbst Haft sowie Hausarrest und andere Repressalien hinnehmen. 21. Oktober 2003 Der Iran macht im seit Monaten schwelenden Konflikt um sein Atomprogramm weitgehende Zugeständnisse an die internationale Gemeinschaft: Die Führung in Teheran erklärt sich bereit, die Anreicherung von Uran und die Wiederaufbereitung von Brennstäben auszusetzen. Zudem will man das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag unterzeichnen, wodurch Inspekteure der Internationalen Atomenergie-Behörde IAEO uneingeschränkten Zugang zu allen Atomanlagen des Iran bekommen. Im Gegenzug wird Iran die friedliche Nutzung der Atomenergie zugebilligt. 26. Dezember 2003 Ein Erdbeben der Stärke 6,5 auf der nach oben offenen Richterskala fordert im Südost-Iran mindestens 26.000 Menschenleben und rund 20.000 Verletzte. Die an der alten Seidenstraße auf 1.062 Meter Höhe liegende, 2.000 Jahre alte Oasenstadt Bam (rund 100.000 Einwohner) aus der Sassaniden-Zeit in der Provinz Kerman, bislang wegen ihrer Altstadt mit einer aus Lehmziegeln gebauten Häusern und einer gewaltigen Zitadelle eine Attraktion für Archäologen und Touristen aus aller Welt sowie eine der wichtigsten Stätten des Weltkulturerbes der UNESCO, wird fast völlig zerstört. 29. Dezember 2003 Zwei Deutsche und ein Ire, die Anfang Dezember im Südosten Irans während einer Fahrradtour von einer Kriminellenbande verschleppt worden waren, werden unverletzt befreit. Die nach Angaben der iranischen Regierung gefaßten und inhaftierten Entführer gehören zu den berüchtigten Drogenbanden der Region. Sie hatten ein Lösegeld von fünf Millionen Euro und die Freilassung von inhaftierten Bandenmitgliedern verlangt. Die Regierung in Teheran hatte beide Forderungen strikt abgelehnt. Über die Umstände der Befreiung oder etwaige Lösegeldzahlungen wird nichts bekanntgegeben. 31. Dezember 2003 Die USA haben aus humanitären Gründen ihre seit 25 Jahren bestehenden Sanktionen gegen Iran gelockert. Um die Hilfe für die Opfer des schweren Erdbebens vom 26. Dezember mit bis zu 40.000 Toten, rund 30.000 Verletzten und fast 100.000 Obdachlosen zu ermöglichen, wurde vor allem die Möglichkeit zu Überweisungen gelockert. Zudem können bis März 2004 Amerikaner für Organisationen spenden, die zur Katastrophenhilfe und zum Wiederaufbau beitragen. Erlaubt ist auch der Export von bestimmten Fahrzeugen, Funk-Telefonen, Computern und Radios. 12. Januar 2004 Nach heftigen Protesten von Reformpolitikern deutet der iranische Wächterrat ein Einlenken im Streit um den Ausschluß von Kandidaten für die Parlamentswahl am 20. Februar an. Man sei bereit, die Streichung der rund 80 Abgeordneten von der Kandidatenliste zu überprüfen. Allerdings müsse in jedem Fall eine Beschwerde eingereicht werden, erklärt der Sprecher des zwölfköpfigen Wächterrats, der insgesamt fast 3.600 Bewerbern die Teilnahme an der Wahl untersagte. Der Rat ist ein von der konservativen Geistlichkeit beherrschtes Kontrollgremium, das alle Kandidaten auf ihre Treue zu den islamischen Prinzipien überprüft. Nach der jüngsten Entscheidung hatten reformorientierte Abgeordnete eine Parlamentssitzung in Teheran verlassen und Sitzstreiks veranstaltet. Auch die wichtigste Reformpartei, die IIPF von Mohammed-Resa Chatami organisierte eine Protest-Kundgebung. Der Partei-Vorsitzende gehört selbst zu den ausgeschlossenen Kandidaten. Auch sein Bruder, Staatspräsident Mohammed Chatami, hatte die Entscheidung des Wächterrats kritisiert und eine Überprüfung angemahnt. Im Iran greifen das Justizwesen und der Wächterrat, deren Mitglieder aus dem erzkonservativen Klerus auserwählt und nicht abwählbar sind, schon beim Ansatz einer weltlichen Tendenz konsequent durch, um der Gefahr vorzubeugen, daß das islamische System unterminiert wird. Aus diesem Grund wurden u.a. etwa 80 liberale Zeitungen und Zeitschriften geschlossen. Auch die Ablehnung progressiver Gesetze des reformorientierten Parlaments etwa zu Frauenrechten, poltischen Gefangenen und Folter sind unter diesem Aspekt zu sehen. Allerdings wird der Ruf nach mehr Demokratie und einem neuen System im ganzen Land immer lauter. Viele sind der Meinung, nur demokratisch gewählte Staatsorgane sollen künftig das Sagen haben und nicht länger Kleriker, und fordern deshalb eine Volksabstimmung, in dem die Generation, die nach der Revolution von 1979 heranwuchs, entscheiden soll, was sie möchte. Über 75 Prozent von rund 67 Millionen Iranern waren damals noch nicht geboren oder Kleinkinder. „Wir tragen nicht länger die Entscheidungen unserer Väter“, rufen die Studenten immer öfter auf Kundgebungen. (Ende Januar lenkt der Wächterrat teilweise ein und läßt 260 zuvor disqualifizierte Kandidaten wieder für die Parlamentswahlen zu. Trotzdem will die Regierung die Abstimmung verschieben, und die größte Reformpartei erklärt, sie werde die Wahl boykottieren, sollte sie stattfinden. Zuvor hatten 124 reformorientierte Abgeordnete von insgesamt 290 Parlamentariern ihr Mandat niedergelegt, womit sie das Parlament lahmlegten, das laut Verfassung ohne eine Zwei-Drittel-Mehrheit nicht tagen kann. Auch zehn der engsten Mitarbeiter im Kabinett von Präsident Chatami haben bereits ihren Rücktritt erklärt, und auch die 27 Gouverneure des Landes sehen „keinen Sinn“ mehr in ihrer Arbeit.) 9. Februar 2004 Prinz Charles besucht die am 26. Dezember 2003 fast völlig zerstörte südostiranische Stadt Bam. Zuvor war er Teheran mit Staatspräsident Mohammed Chatami zusammengetroffen. Es war die erste Begegnung zwischen einem Mitglied des britischen Königshauses und einem Regierungsvertreter der Islamischen Republik Iran. Beide Seiten betonten nach dem Treffen, der Besuch von Prinz Charles sei rei humanitär, nicht politisch. 18. Februar 2004 50 mit Treibstoff, Chemikalien und Dünger beladene Waggons eines in einem nordostiranischen Bahnhof abgestellten Güterzuges machen sich selbständig, entgleisen nach rund 20 Kilometer Fahrt und explodieren. Die Detonationen fordern mindestens 320 Tote und fast 500 Verletzte. Fünf Dörfer werden bei dem Feuerinferno fast völlig zerstört. 20. Februar 2004 Trotz eines vorprogammierten Siegs der Konservativen hat sich die Parlamentswahl im Iran noch zu einem Kräftemessen mit der Reformbewegung entwickelt. Zwar standen nach dem Ausschluß von rund 2.400 liberalen Kandidaten durch den Wächterrat und dem Rückzug weiterer aus Protest für zahlreiche der insgesamt 290 Sitze nur noch konservative Kandidaten zur Wahl, doch die Reformer hofften auf eine nur geringe Wahlbeteiligung als Zeichen fehlender Unterstützung für die Hardliner. Im Internet und über SMS-Botschaften per Handy hatten die liberalen Kräfte die 46,3 Millionen Wähler zum Boykott der Abstimmung aufgerufen, da dies ein Zeichen öffentlicher Unterstützung für die Reformbewegung und ein Schlag für die konservativen Hardliner sei. Unmittelbar vor der Wahl hatte die konservative Justiz auch die beiden letzten großen Reformzeitungen verboten, nachdem sie Auszüge einer Erklärung von Reformpolitikern veröffentlicht hatten. Die konservative Geistlichkeit hingegen hatte sich bemüht, die Wähler über staatliche Medien zu mobilisieren. Tatsächlich bleiben über die Hälfte der Wahlberechtigten den Urnen fern, in der Hauptstadt Teheran sogar 72 Prozent. Bei der Wahl im Jahr 2000, als die Reformer mit einem Erdrutschsieg das Parlament erobert hatten, hatte die Wahlbeteiligung noch bei 67 Prozent gelegen. 28. Mai 2004 Ein Erdbeben der Stärke 6,2 auf der nach oben offenen Richterskala zerstört oder beschädigt in den iranischen Nord-Provinzen Masandaran und Kaswin am Kaspischen Meer zahlreiche Häuser in rund 120 Dörfern und fordert mehrere Dutzend Tote und zahlreiche Verletzte. 25. Juni 2004 Rund 100 Kilometer östlich der ostiranischen Stadt Bam fährt ein Tanklastwagen an einer Kontrollstelle in eine Wagenkolonne und explodiert. Bei dem Feuerinferno kommen mindestens 120 Menschen ums Leben. 21. September 2004 Allen Forderungen der internationalen Gemeinschaft zum Trotz hat der Iran mit den Arbeiten zur Anreicherung von Uran begonnen. Drei Tage nach der Resolution der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) erklärt die Regierung in Teheran, daß es erste erfolgreiche Tests zur Umwandlung von Natururan in das gasförmige Uranhexafluorid gegeben habe. Dieses Material kann in Zentrifugen so konzentriert werden, daß es entweder als Brennstoff für Atomkraftwerke oder aber auch für den Bau von Atomsprengsätzen verwendet werden kann. Die iranische Regierung ist entschlossen, an dem Atomprogramm festzuhalten und will dafür auch ein Ende der Zusammenarbeit mit der IAEA in Kauf nehmen. Diese hatte den Iran aufgefordert, alle Aktivitäten zur Anreicherung von Uran einzustellen. Andernfalls will die Behörde den Konflikt vor den UN-Sicherheitsrat bringen. Für diesen Fall will der Iran die Inspektoren der IAEA nicht mehr in seine Atomanlagen lassen. 19. November 2004 Iran erklärt sich bereit, die Uran-Anreicherung „vorübergehend auszusetzen“, will aber nicht dauerhaft darauf verzichten. „Iran wird unter unter keinen Umständen auf sein legitimes Recht auf friedliche Nutzung der Atomtechnik, einschließlich der Uran-Anreicherung, verzichten. Auch ein Militärschlag der USA kann das Atomprogramm nicht stoppen, da die Atomanlagen über das Land verstreut sind,“ heißt es aus Teheran. Quelle: Areion Weltalamanach Literatur zu Iran...Schah (König) Abbas I. von Iran (der Große) Schah (1587-1629) geboren: 27.01.1571 gestorben: 19.01.1629 Literatur... Mohammed Chatami Geistlicher, Staatspräsident von Iran (seit 1997) geboren: 1943 (Ardakam) Literatur... König Dareios I. von Persien (der Große) König (521-486 v. Chr.) geboren: 550 v. Chr. gestorben: 486 v. Chr. (Parsa (Persepolis)) Literatur... Schirin Ebadi Juristin geboren: 1947 (Teheran) Nobelpreis für Frieden 2003 Literatur... 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