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IndienRepublik Indien Basisdaten Chronik
![]() Geografie Das Land Mit einer Landesfläche von rund 3,28 Millionen qkm ist Indien das siebtgrößte Land der Erde. Zusammen mit den Staaten Pakistan, Bangladesh und Sri Lanka nimmt es den gesamten südasiatischen Subkontinent ein, der einen eigenständigen Naturraum bildet. Im Norden stellen die hohen Gebirgsketten des Himalaja eine natürliche Barriere zum übrigen Teil Asiens dar. Rund 10% der Landesfläche werden von Hochgebirgen gebildet. Im Westen der Halbinsel liegt das Arabische Meer, im Süden der Indische Ozean, im Osten das Bengalische Meer. Landesgrenzen hat Indien im Westen mit Pakistan, im Norden mit Tibet, Nepal und Bhutan und im Osten mit Bangladesch und Myanmar. Die Landschaften in Indien sind sehr verschieden. Das Himalaya-Gebirge im Norden des Landes stellt das höchste Gebirge der Welt dar und entstand durch den Zusammenstoß von zwei Kontinentalplatten. Nur ein relativ schmaler Gebirgsstreifen gehört zu Indien, der Gangtschhendsönga ist mit 8586 m der höchste Berg des Landes und der dritthöchste Gipfel des Himalaya. Zwischen den hohen Gebirgsketten liegen breite Täler. Nach Süden hin fällt das Land ab zu fruchtbaren Schwemmlandebenen, die von Osten nach Westen das Land durchziehen. Durch diese Ebenen fließen zahlreiche Flüsse wie der Ganges und der Brahmaputra. Im Nordwesten gehört ein Teil des Punjab-Tieflands zu Indien. Etwas weiter südlich liegt die Wüste Tharr, die ebenfalls zum Indus-Tiefland gehört und die trockenste Region Indiens darstellt. Nord- und Südindien sind durch einen tektonischen Graben voneinander getrennt: Südindien, einst ein eigener Kontinent, traf durch seine Norddrift auf den eurasischen Kontinent auf, wodurch das Himalaya-Gebirge entstand. Diese Norddrift ist heute noch wirksam, was in Indien wiederholt zu schweren Erdbeben führt. Der zentrale Teil von Südindien wird durch das Hochland von Dekan eingenommen, das auf einer durchschnittlichen Höhe von ca. 800 bis 1000 m liegt. Das Hochland ist stark gegliedert durch zahlreiche Flüsse, Gebirgszüge und Hochebenen. Im Osten und Westen ist das Hochland durch Gebirgsketten begrenzt, die sogenannten Ghats (was im Sanskrit "Stufen" bedeutet). Den Ostghats, die eine durchschnittliche Höhe von rund 600 m aufweisen, ist eine breite Küstenregion vorgelagert (Coromandelküste), während die Westghats steil abfallen hin zum Arabischen Meer (Malabarküste) und Höhen bis maximal 2700 m erreichen. Im äußersten Süden des Landes vereinen sich die beiden Gebirgszüge zum Palnigebirge. Der Ganges, der heilige Fluß der Hindus, ist einer der wasserreichsten Flüsse Indiens. Er entspringt in Tibet im Himalayagebirge und mündet nach rund 2700 km in den Golf von Bengalen. Weitere bedeutende Flüsse Indiens sind der Brahmaputra und der Jamuna. Durch das mitgeführte Schmelzwasser aus dem Himalaya kommt es regelmäßig zu Überschwemmungen. Die Hauptstadt Neu-Dehli liegt im nördlichen Teil des Landes und hat rund 8,5 Millionen Einwohner. Klima Das Klima in Indien ist tropisch bis suptropisch und wird vom Monsun bestimmt. Von Mai/Juni an bis September bringt der Südwestmonsun einen Großteil der Niederschläge, die gemäß der Größe des Landes sehr unterschiedlich verteilt sind. An der Westküste Indiens werden z.B. bis über 3000 mm durchschnittlich gemessen, während es auf der Hochebene von Dekan zwischen 500 und 1000 mm sind. Am Rand des Himalaya-Gebirges werden zwischen 1000 und 2000 mm gemessen. Die heftigen Regenfälle führen in manchen Jahren zu großen Überschwemmungen, in anderen Jahren bringt der Monsun nur wenig Regen und Teile des Landes sind von Dürre betroffen. Die trockensten Gebiete in Indien sind die Wüste Tharr und die Savannen Rajasthans im Westen des Landes. In den Monaten Oktober und November dreht sich die Windrichtung allmählich, zu dieser Jahreszeit können tropische Wirbelstürme auftreten, vor allem an den Ost- und Nordostküsten. Ab Dezember bis März bringt der Nordostmonsun kalte und extrem trockene Luft aus dem Himalaya. Die Temperaturen im südlichen Teil von Indien sind ganzjährig hoch (bis auf die Höhenlagen der Gebirge). Im südlichen Teil des Landes sind die Temperaturen ganzjährig hoch und weisen nur geringe Schwankungen auf: in Trivandrum werden das ganze Jahr über Durchschnittstemperaturen von 26°C bis 28°C gemessen. In Richtung Norden wird es im Winter durch die kalten Luftströmungen aus dem Himalaya kühler, in der Hauptstadt Neu-Dehli sind es im Januar ca. 14°C, im Juli rund 31°C. Flora und Fauna Die Vegetation in Indien ist entsprechend der klimatischen Unterschiede regional verschieden. Im warmen und feuchten Süden findet sich immergrüner tropischer Regenwald, an der Ostküste finden sich Kokospalmen und Bambus. Charakteristisch für das Hochland von Dekan ist Grasland mit vereinzelten Akazienwäldern. Die fruchtbaren Ebenen im Norden des Landes sind überwiegend landwirtschaftliches Nutzgebiet, die ursprünglich vorhandenen laubabwerfenden Monsunwälder sind nur noch vereinzelt vorhanden. Insgesamt sind heute noch knapp ein Fünftel des Landes bewaldet. Die Sundarbans an der Gangesmündung stellen eines der größten Mangrovengebiete der Welt dar. In der Wüste Tharr im Nordwesten findet sich Gras- und Dornbuschsavanne. Im Himalaya unterhalb der Schneegrenze wachsen Nadelholzarten wie Tanne, Zeder und Fichte. In tieferen Lagen herrschen Laubwälder vor mit Eiche, Birke, Kastanie, Ahorn und Rhododendron. Die Tierwelt Indiens ist sehr artenreich und vielfältig, wird aber durch die schnell wachsende Bevölkerung immer mehr in ihren Lebensräumen beschnitten. Viele der Tierarten gelten inzwischen in ihrem Bestand als gefährdet, dazu gehören z.B. das Indische Panzernashorn, der Gaur (mit einer Schulterhöhe von bis über 2 m das größte Wildrind), der Sumpfhirsch, der Schneeleopard und der Bengalische Tiger. Nachdem die Zahl der Tiger in Indien bis 1972 durch Bejagung und durch die Einschränkung des Lebensraumes auf rund 2000 Exemplare gesunken war, initiierte die indische Regierungspräsidentin Indira Ghandi das "Projekt Tiger": Zum Schutz der Tiere wurden landesweit neun Reservate eingerichtet, die aus einer für Menschen verbotenen Kernzone bestanden und einer Art Pufferzone, die von den Menschen temporär betreten werden darf. Diese inzwischen zahlreichen Schutzgebiete (mehr als 15) bilden auch für zahlreiche andere Tierarten einen geeigneten Lebensraum. Zur ursprünglichen Fauna des Landes gehören u.a. verschiedene Affenarten wie z.B. der Rhesusaffe und der sog. Hulman. Dieser indische Schlankaffe gilt den Hindus in Indien als heilig (ebenso wie die Kühe) und ist oft in Tempelanlagen zu finden. An Reptilien ist u.a. das Chamäleon und die Königskobra zu finden. In den Flüssen leben u.a. der Ganges-Delphin und verschiedene Otter wie der Fisch- und der Zwergotter. Kultur und Gesellschaft Bevölkerung Indien hat über 1 Milliarde Einwohner, und die Bevölkerung wächst ständig (Wachstumsrate von ca. 1,25%). Indien zählt zu den am dichtesten besiedelten Ländern der Welt. Nach Schätzungen lebt rund die Hälfte der Einwohner an der Armutsgrenze, die Analphabetenquote liegt bei rund 50%. Rund drei Viertel der Bevölkerung Indiens lebt in Dörfern, am dichtesten besiedelt sind die fruchtbaren Ebenen und Täler in Nordindien und die Küstenebenen im südlichen Teil des Landes. Durch die verbesserte medizinische Versorgung (die Lebenserwartung liegt inzwischen bei Männern und Frauen bei ca. 62 Jahren) und die Tatsache, daß Kinderreichtum in Indien immer noch die am besten funktionierende Altersvorsorge darstellt, ist die Überbevölkerung für Indien ein schwerwiegendes Problem. Im Land leben eine Vielzahl von verschiedenen Völkern: Im Nord- und Mittelindien leben überwiegend die hellhäutigen Indiden, die indisch-arischer Abstammung sind (wie z.B. die Sikhs), im Nordosten die Melaniden, im Hochland von Dekan die Weddiden. Im Himalaya finden sich kleinere Bevölkerungsgruppen mongolischer Abstammung. Die Bevölkerungsvielfalt spiegelt sich in den Landessprachen wider: Hindi und Englisch sind Amtssprachen, offizielle Landessprachen sind weiter Assamesisch, Bengali, Gujarati, Kannada, Kashmiri, Konkani, Malayalam, Manipuri, Marathi, Nepali, Oriya, Punjabi, Sanskrit, Sindhi, Tamil, Telugu und andere. Diese Sprachen werden in ihrer jeweiligen Region an den Schulen gelehrt und auch bei Behörden usw. verwendet. Rund 80% der indischen Bevölkerung sind Anhänger des Hinduismus. Moslems sind rund 11%, Christen etwa 3%. Der Hinduismus, nach dem Christentum und dem Islam die dritte große Weltreligion, prägt durch das heute noch wirksame Kastensystem ganz wesentlich die Gesellschaft, denn alle soziokulturellen Bereich sind dadurch einem strengen Ordnungsprinzip unterworfen. Ursprünglich wurden vier hierarchisch angeordnete Kasten unterschieden: Brahmanen (Priester und Gelehrte), Kshatriyas (oder Kschatrijas, Krieger), Vaishyas (oder Waischja, Bauern und Handwerker) und Shudras (oder Schudras, Knechte). Ganz unten stehen die Parias, die "Unberührbaren". Heute gibt es im Hinduismus an die 3000 Kasten, durch die eine strenge soziale Rangordnung in der Gesellschaft festgelegt ist. Durch Geburt ist der Mensch einer dieser Kasten angehörig, in der er sein Leben lang verbleibt. Das Kastenwesen hat heute in Indien viele starke Befürworter wie z.B. die Bharatiya Janate Partei, die im indischen Parlament wiederholt die stärkste Fraktion bildete. Auf der anderen Seite wurde 1997 erstmals ein Mitglied einer niedrigen Kaste zum Staatspräsidenten gewählt (Kocheril Raman Narayanan). Geschichte Auf dem Gebiet des heutigen Indien gab es bereits im dritten Jahrtausend vor Christus eine hochentwickelte Kultur, die heute Indus- oder Harappa-Kultur genannt wurde. Etwa ab Mitte des zweiten Jahrtausends vor Christus drang vom Norden her kommend das Nomadenvolk der Arier ("arya", Edle) in das Land ein und verdrängte die Völker der Draviden nach Süden. Hier wurde der Grundstein gelegt für eine unterschiedliche kulturelle Entwicklung des Nordens und des Südens. Für das Jahr 1000 vor Christus ist erstmals das wahrscheinlich von den Ariern entwickelte vierstufige Kastensystem belegt, das u.a. dazu diente, eine Vermischung der hellhäutigen Nomaden mit den unterworfenen Völkern zu unterbinden. Eine der ältesten Quellen aus dieser Zeit sind die in Sanskrit abgefaßten Schriftensammlungen, die die Grundlagen der damaligen wedischen Religion und damit des heutigen Hinduismus darstellen. In den folgenden Jahrhunderten entstanden in Nordindien zahlreiche selbständige Fürstentümer und Königreiche. Um 560 v.Chr. wurde im Nordosten des indischen Subkontinents Siddharta Gautama geboren, der aus einer adligen Familie stammte. Als "Buddha" (der Erwachte oder der Erleuchtete) wurde er Begründer des gleichnamigen Buddhismus, in dem das Kastensystem abgelehnt und ein asketisches Leben gepredigt wird. Der Buddhismus breitete sich in weiten Teilen des heutigen Indiens aus, vor allem durch das ständig wachsende Reich des Königs Bimbisaras von Magaltha (um 540 v.Chr. geboren), der ebenfalls Anhänger dieser Bewegung war. Der Nordwesten des Subkontinents und das Tal des Indus waren seit Beginn des 6. Jahrhunderts v.Chr. unter der Herrschaft der Perser (Achämenidenreich). Um 330 v.Chr. besiegte Alexander der Große die persischen Truppen, mußte aber seinen Indienfeldzug nur wenig später abbrechen. Das erste indische Großreich entstand ab 320 v.Chr., das sog. Maurya-Reich. Unter Ashoka (268-232 v.Chr.) erlebte es seine Blütezeit und dehnte sich fast über den gesamten indischen Subkontinent aus (bis auf einige Gebiete im Süden des Landes). Zahlreiche buddhistische Klöster wurden gegründet. Nach Ashokas Tod zerfiel das Großreich wieder in zahlreiche Einzelstaaten. Der Brahmanismus und damit der Hinduismus verdrängten den Buddhismus in weiten Teilen des Landes. Erst im vierten Jahrhundert n.Chr. entstand unter Chandragupta I. ein neues Großreich im Norden des indischen Subkontinents, aber den Herrschern der Gupta-Dynastie gelang es nicht, das Reich auch auf den Südteil des Landes auszudehnen. Gegen Ende des 5. Jahrhunderts zerfiel das Reich unter dem Ansturm der aus Zentralasien stammenden nomadischen Hepthaliten, die auch die "Weißen Hunnen" genannt wurden. In den nächsten Jahrhunderten folgte die Herrschaft der Maukhari- und der Gudschara-Pratihara-Dynastien, deren Zentrum Kanauj war. Im Süden des indischen Subkontinents war ab der Mitte des 9. Jahrhunderts die Chola-Dynastie von Bedeutung. Bereits ab dem 7. Jahrhundert war es immer wieder zu Einfällen von islamischen Arabern in den Norden gekommen, die abgewehrt werden konnten. Erst unter Sultan Mahmud von Ghazni Ende des 10. Jahrhunderts drang der Islam bis nach Nordindien vor. Das um 1206 gegründete Sultanat von Delhi ließ den Islam für die nächsten Jahrhunderte zur bestimmenden Kraft in Nordindien werden. Ab 1320 gehörten auch einzelne Gebiete im südlichen Teil des Landes dazu, in weiten Teilen war hier die hinduistische Chola-Dynastie, gefolgt von der Pandja-Dynastie, die vorherrschende Macht. 1498 ging der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama in Calicut in Südwestindien an Land. Er war der erste Europäer, der Afrika umsegelte und den indischen Ozean durchquerte. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte errichteten die Portugiesen an der südindischen Küste und den vorgelagerten Inseln mehrere Handelsniederlassungen und setzten damit den Grundstein für ihre Rolle als dominierende Handelsmacht im Indischen Ozean. In der Mitte des 16. Jahrhunderts war Nordindien Teil des islamischen Mogulreiches, das von Babur von Kabul, einem Nachfahren des Timur-Leng, gegründet worden war. Seine größte Ausdehnung erreichte das Mogulreich im 17. Jahrhundert unter Kaiser Aurangseb (1658-1707), auch Südindien gehörte dazu. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Akbar (1556-1605), der sich den hinduistischen Herrschern gegenüber sehr tolerant zeigte, bekämpfte Aurangseb den Hinduismus. In den folgenden zwei Jahrhunderten lehnten sich immer mehr Völker wie z.B. die Sikhs in Punjab gegen das Mogulreich auf. Währenddessen nahm die Einflußnahme der europäischen Mächte auf dem indischen Subkontinent zu: Großbritannien hatte Portugal als führende Handelsmacht in dieser Region abgelöst und die meisten Gebietsansprüche Frankreichs und Dänemarks in Indien erfolgreich abgewehrt. Im Jahr 1600 war von britischen Kaufleuten die "East India Company" gegründet worden, die in den folgenden Jahrzehnten eine weites Netz von Handelsniederlassungen auf dem indischen Subkontinent anlegte. Britische Truppen setzten sich gegen die mächtigsten indischen Herrscher durch. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Indien offiziell von der britischen Regierung zur Kronkolonie erklärt und damit der Gewalt des britischen Monarchen unterstellt. Über die rund 500 Fürstentümer herrschte ein General-Gouverneur, der den Titel eines Vizekönigs innehatte. Großbritannien föderte die Entwicklung von Wirtschaft und Infrastruktur im Land durch den Bau von Straßen, Einführung des Telegrafen usw. Die im großen Stil abgehaltene Krönungszeremonie der britischen Königin Victoria zur Kaiserin von Indien im Januar 1877 in Dehli sollte Indien noch enger an das Empire binden. Denn ab 1885 (Gründung der überwiegend von Hindus geführten Nationalen Indischen Kongreßpartei, Indian National Congress) wurden immer mehr Stimmen laut, die politische Mitbestimmung und soziale Reformen in Indien forderten. Diese Organisation spaltete sich 1907 in einen gemäßigten und einen radikalen Flügel. Im Gegenzug zum Nationalkongreß hatten Moslems 1906 die Muslimliga (All Indian Muslim League) gegründet. Als Leitfigur des indischen Freiheitskampfes wurde Mahandas Karamchand Gandhi (1869-1948) weltweit bekannt. Sein Beiname "Mahatma" heißt übersetzt aus dem Sanskrit so viel wie "dessen Seele groß ist". Mahatma Ghandi trat für gewaltfreien und passiven Widerstand gegen die britische Vorherrschaft ein und propagierte ein friedliches Nebeneinander von Hindus und Muslimen. Auch die Abmilderung bzw. Abschaffung des Kastensystems gehörten zu Ghandis Zielen. Genau wie Jawaharlal Nehru (1889-1964) gehörte Ghandi der Nationalen Kongreßpartei an, die 1937 bei den ersten freien Wahlen in fast allen Landesteilen siegte. Im folgenden verschärfte sich der Konflikt zwischen Hindus und Moslems, als Nehru, Vorsitzender der INC, die Zusammenarbeit mit der Muslimliga ablehnte. Daraufhin forderte die Führung der Moslemliga einen eigenen islamischen Staat, der Pakistan heißen sollte. Bereits 1935 war ein Teil von Britisch-Indien von der Krone in die Unabhängigkeit entlassen worden: das überwiegend buddhistische Birma, das 1886 an die Kronkolonie angegliedert worden war. 1947 wurde Britisch-Indien von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen und in die überwiegend hinduistische Republik Indien und das islamische Pakistan aufgeteilt. Pakistan wiederum bestand aus West-Pakistan und Ost-Pakistan (Ost-Bengalen, heute Bangladesch), zwei Landesteilen, die an die 1700 km voneinander getrennt waren. In den folgenden Jahren kam es zu Massenabwanderungen (geschätzte 8 Millionen) von Moslems aus Indien nach Pakistan bzw. umgekehrt von Hindus aus Pakistan nach Indien. Immer wieder forderten blutige Auseinandersetzungen tausende von Menschenleben. Der Erste Indisch-Pakistanische Krieg (bis 1949), eine Fortsetzung der jahrhundertealten Kämpfe zwischen Hindus und Moslems, wurde durch den Einzug muslimischer Truppen in das Fürstentum Kaschmir ausgelöst. Die exponierte Lage Kaschmirs im äußerten Nordwesten mit Grenzen zu China und Rußland verlieh dieser Region ein eigenes Gewicht. Sowohl Indien als auch Pakistan beanspruchten dieses Gebiet für sich, was zu einem bis heute ungelösten Konflikt führte. Daran änderte auch die Teilung Kaschmirs in zwei Gebiete nichts. 1950 trat in Indien eine Verfassung in Kraft, die ein parlamentarisch-demokratisches System für das Land festlegte. Die Indische Union bestand aus 27 Bundesstaaten und 6 Territorien. Dominierende Partei war die Kongreßpartei INC, die bis 1977 alle Wahlen gewann. Erster Regierungschef (Premierminister) des Landes wurde Nehru (bis 1964), erster Staatspräsident Rajendra Prasad. In der Verfassung wurde u.a. festgelegt, Hindi als offizielle Amtssprache bis spätestens 1965 für das gesamte Land einzuführen, was zu wiederholten blutigen Unruhen in Südindien führte, da dort andere Sprachen dominierten. Außenpolitisch versuchte Indien unter Nehru, den Supermächten gegenüber neutral zu bleiben. Das Verhältnis zu China wurde durch den Kaschmir-Konflikt und durch die Besetzung Tibets durch China 1950 erheblich belastet. Nachdem Indien dem tibetischen Dalai Lama 1959 Asyl gewährte und die Errichtung einer tibetischen Exilregierung in Nordindien zuließ, nahmen die Spannungen weiter zu und eskalierten 1962 in eine militärische Auseinandersetzung. Der ungelöste Kaschmirkonflikt führte 1965 zum zweiten Indisch-Pakistanischen Krieg (bis 1966). Im gleichen Jahr wurde die Tochter Nehrus, Indira Ghandi, Premierministerin der Indischen Union. Sie verfolgte weiter einen blockfreien Kurs bei vorsichtiger Annäherung an die UdSSR. Im Konflikt zwischen West- und Ostpakistan (das die Unabhängigkeit von Westpakistand anstrebte) ergriff Indien für die Separatisten Partei (1972 Gründung von Bangladesch), was zum dritten Indisch-Pakistanischen Krieg führte (1971-72). 1975 annektierte Indien das Königreich Sikkim an der Nordostgrenze Indiens zu China und machte es zu einem Bundesstaat der Indischen Union. Seit 1950 war Sikkim unter indischem Protektorat gestanden. Innnenpolitisch hatte das Land immer wieder mit regionalen Konflikten zu kämpfen. Die Sikhs in Punjab forderten wiederholt einen eigenen unabhängigen Staat, im Zusammenhang damit kam es wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen indischen Regierungstruppen und den Aufständischen. Als Indira Ghandi 1984 von zwei Sikhs ermordet wurde, wurde ihr Sohn Rajiv Ghandi indischer Premierminister, nachdem er die Wahlen mit großer Mehrheit gewonnen hatte. Auch er wurde Opfer eines Attentats (1991). Weder Rajiv Ghandi noch seinem Nachfolger Narasimha Rao gelang es, den anhaltenden Konflikt in Punjab zu lösen, wo es immer wieder zu Revolten von Sikhs kam. Auch in Assam gab es separatistische Strömungen, die eine Loslösung von der Indischen Union zum Inhalt hatten. Zu den innenpolitischen Problemen des Landes gehörte u.a. die sprunghaft ansteigende Bevölkerungszahl, die zu immer mehr Armut führte. 1998 lebten rund 50% aller Inder unterhalb der Armutsgrenze. Der anhaltende Konflikt zwischen Indien und Pakistan (Friedensverhandlungen waren wiederholt gescheitert) bekam 1998 eine neue Dimension, als Indien durch eine Reihe unterirdischer Atomtests Stärke demonstrierte. Was durch Pakistan noch im gleichen Monat durch ebensolche Tests beantwortet wurde. Indien hat weder den Atomwaffensperrvertrag von 1968 noch das Teststopabkommen von 1996 unterzeichnet. Im Juli 1999 kam es erneut zu militärischen Auseinandersetzungen in Kaschmir zwischen den beiden Staaten. Nicht zuletzt dieser anhaltende Konflikt führte dazu, daß der Militäretat durch die indische Regierung für das Jahr 2000 um fast 30% erhöht wurde. Bei den Parlamentswahlen (Unterhaus) im Mai 2004 musste die seit 1999 regierende Koalitionsregierung „National Democratic Alliance“ (NDA) unter Führung der Hindu-Partei Bharatiya Janata (BJP) eine schwere Niederlage hinnehmen. Die Kongress-Partei unter Führung von Sonia Gandhi bildete eine Koalition mit mehreren kleineren Parteien und stellte mit Manmohan Singh den neuen Premierminister Indiens. für aktuelle Angaben siehe Basisdaten Chronik
Politisches System Die Republik Indien ist die bevölkerungsreichste parlamentarische Demokratie der Welt, die Verfassung stammt aus dem Jahr 1950. Staatsoberhaupt ist der Präsident (seit Juli 2002 Abdul Kalam). Der Präsident wird für 5 Jahre gewählt von einem Wahlgremium, das sich aus Mitgliedern des Parlaments zusammensetzt. Regierungschef ist der Premierminister (seit Mai 2004 Manmohan Singh). Er spricht Empfehlungen aus für Minister, die offiziell vom Staatspräsidenten ernannt werden. Der Premierminister wird von den Vertretern der stärksten Partei im Unterhaus des Parlaments (Lok Sabha) gewählt. Das Zwei-Kammern-Parlament besteht aus der Ländervertretung oder Oberhaus (Rajya Sabha) mit insgesamt 245 Mitgliedern (12 werden vom Präsidenten ernannt) und dem Unterhaus (Lok Sabha), das 545 Sitze hat. Die Mitglieder werden für 5 Jahre vom Volk gewählt. Wahlberechtigt sind Staatsbürger ab 18 Jahre. Wirtschaft Indiens Wirtschaft befindet sich deutlich im Aufschwung, dennoch gehörte der Staat zu Beginn des dritten Jahrtausends nach wie vor zu den ärmsten Ländern der Welt (schätzungsweise ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze). Ein Grund für die sich anbahnende Verbesserung waren die zunehmende Liberalisierung und Privatisierungen von Betrieben ab Mitte der 90er Jahre. Vor allem die Landwirtschaft ist nach wie vor wichtigster Wirtschaftsfaktor, hier konnte die Effektivität durch zunehmende Mechanisierung und den Einsatz von Kunstdünger erheblich gesteigert werden. Für das Jahr 2004 wurde ein Wirtschaftswachsstum von von 8,8% prognostiziert (2003: 4,4%). Rund zwei Drittel der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig, über die Hälfte der gesamten Landesfläche wird als Nutz- und Anbaufläche verwendet. Angebaut werden Reis, Kartoffeln, Mais, Baumwolle, Zuckerrohr, Jute, Tee, Kaffee, Getreide und Hülsenfrüchte. Abgesehen von ausgesprochenen Dürrejahren kann der Staat den Eigenbedarf der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln decken. Am Gesamtexport sind landwirtschaftliche Produkte mit etwa 10% beteiligt. Dazu gehören vor allem Tee (hier ist Indien weltweit führend) und Kaffee, Zuckerrohr und Baumwolle. Vor allem der Tee aus den östlichen Himalaya-Gebieten (Darjeeling) und aus Assam sind weltberühmt. Die Rinder in Indien sind heilig und werden nur gemolken. Weiter werden Wasserbüffel, Schafe, Ziegen und Geflügel gezüchtet. Der industrielle Sektor wird weiter stark ausgebaut und trägt wesentlich zum Wirtschaftswachstum bei. Die Basis dafür bildet der Rohstoffreichtum des Landes. Dazu gehören Bauxit, verschiedene Erze (Zink, Eisen, Chrom), Stein- und Braunkohle, Mangan und Gold. Den Erdölbedarf kann das Land zu rund 70% mit eigenen Vorkommen decken. Die Textilindustrie liefert in Indien weitere wichtige Exportgüter. An zweiter Stelle steht die nahrungsmittelverarbeitende Industrie. Weitere Industriesektoren sind Eisen- und Stahlindustrie, die chemische Industrie und vor allem der Hochtechnologiesektor, der die größte Wachstumsrate aufweist. Wichtigste Handelspartner sind die USA, gefolgt von Großbritannien, Deutschland und Japan. Importiert werden vor allem Investitionsgüter und Erdöl. Quelle: Areion WeltalamanachDruckversion dieser Seite |