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Vereinigtes Königreich Großbritannien und NordirlandChronik Überblick Basisdaten
Ab 9. Jahrhundert v. Chr. Die keltischen Briten wandern auf die nach ihnen benannten Inseln ein und vermischen sich mit den dort beheimateten Volksgruppen. Ab 55 v. Chr. Die Römer landen unter der Führung von Gaius Julius Caesar, der bereits das Gebiet des heutigen Frankreich, Belgien und der Niederlande bis zum Rhein unterworfen hat, 55 und 54 v. Chr. zweimal im Süden des heutigen England und dringen bis zur Themse vor. Ab 43 n Chr. Die Römer beherrschen mittlerweile fast den ganzen Süden der britischen Hauptinsel, erklären das Gebiet zu ihrer Provinz „Britannia“ und gründen London (Londinium), die heutige Hauptstadt Großbritanniens. Ab 122 Der römische Kaiser Hadrian läßt im Norden der Provinz Britannia zum Schutz gegen die einfallenden Schotten den „Hadrianswall“ errichten. Ab 449 Mit der Invasion der Sachsen und den ihnen nachfolgenden Angeln und Jüten brechen die Reste der römischen Herrschaft in Britannia zusammen. Es bildet sich der Volksstamm der Angelsachsen, die die Herrschaft über das Land übernehmen und die Kelten in Randbereiche in Wales, Devon, Cornwall und Nordschottland abdrängen. Die Missionierung des Landes erfolgt von Irland und Rom aus. 7. Juni 793 n. Chr. Wenn man dem Bericht des Mönches Alcuin Glauben schenkt, beginnt mit diesem Tag die „Wikingerzeit“: Heidnische „Nordmänner“ landen mit ihren hochseetüchtigen Schiffen auf Holy Island vor der nordenglischen Küste, plündern das Kloster Lindisfarne und versklaven die Mönche. (Über den Ursprung der Bezeichnung „Wikinger“ für die „Männer des Nordens2, den Altnordisch sprechenden Vorfahren der Norweger, Schweden und Dänen, gibt es verschiedene Meinungen. Sicher ist nur, daß der Begriff ab Ende des 8. Jahrhunderts bis zum Ende des 11. Jahrhunderts mit „Seeräuber“ gleichgesetzt wurde. Es gab damals in Skandinavien – dieser Name stammt von Plinius, der das unbekannte Land jenseits von Jütland als „Scatinavia“ bezeichnete – so viele umherziehende germanische Stämme und Heiraten unter den Häuptlingsfamilien, daß von nationaler Identität im heutigen Sinne keine Rede sein konnte. Der schwedische Professor Jan Ivarsson sagte einmal: „Die Wikinger waren kein Volk, sondern ein Beruf. Während eines Teils des Jahres betätigten sich die „Nor[d]mannen“ als Bauern, Handwerker und hervorragende Schiffsbauer und während der übrigen Zeit eben als „Wikinger“, d.h. als Entdecker und Eroberer von Ländern und Meeren sowie als Kaufleute und Söldner.“ Grob gesehen kann man sagen, daß die Wikinger, die über Land nach Rußland, wo sie von den dort lebenden Slawen „Waräger“ genannt wurden, und schließlich bis nach Konstantinopel vordrangen, vorwiegend „Schweden“ gewesen sein müssen, während die „Norweger“ gen Westen nach Schottland und Irland segelten, um schließlich über die Orkney-, Shetland- und Faröer Inseln nach Island und Grönland und sogar bis nach Amerika vorzudringen. Die „Dänen“ hingegen beschränkten sich auf Deutschland, England, Frankreich [„Normandie“], Spanien, Sizilien und Süditalien.) 879 Dänische Wikinger unternehmen jährliche „Sommerfahrten“ entlang der Küsten Westeuropas und gründen u.a. im Osten Britanniens das Königreich Danelaw. Ab 986 Dänenkönig Sven Tveskaeg (Gabelbart) beginnt mit der Eroberung „Anglias“ (Englands), die sein Sohn Knut (der Große) 1016 vollendet. 14. Oktober 1066 In der Schlacht bei Hastings besiegt der französische Normanne Wilhelm, seit 1047 Herzog der Normandie, den letzten angelsächsischen König Harald II. Godwinson und läßt sich am 25. Dezember in Westminster (London) zum König Englands krönen (Wilhelm I. der Eroberer; bis 1087). Er führt auf der Insel normannische Lehnsverfassung und Sitte ein und stattet seine Gefolgsleute reichlich mit angelsächsischem Landbesitz aus. Auch die Kirche unterstellt sich Wilhelm durch Neubesetzungen von Bistümern und Abteien und Reformen nach normannischem Vorbild. Durch Teilung unter seine Söhne löst er die Personalunion zwischen England und der Normandie. Nachfolger Wilhelms I. in England wird nach seinem Tod im Jahre 1087 sein Sohn Wilhelm (II. Rufus). 1140 Die Public-School in Eton wird gegründet. 19. Dezember 1154 Nach dem Aussterben des normannischen Königshauses kann sich mit König Heinrich II. (Kurzmantel; bis 1189) das Haus Plantaganet durchsetzen und herrscht von London aus bis 1399 über England, Irland, Wales, sowie den Westen und Südwesten Frankreichs. In diese Ära fällt die Errichtung von zivilen Gerichtshöfen. Es bildet sich das „Common Law“ aus. 1169 Ein englisches Heer landet an der Küste Irlands, nimmt Dublin ein und erobert weite Landstriche. Dies ist der Beginn des bis heute andauernden englisch-irischen Konflikts. (Bereits Anfang des 13. Jahrhunderts befindet sich etwa die Hälfte Irlands in englischen Händen.) 15. Juni 1215 Der englische König Johann (ohne Land) erläßt auf Druck der Barone die „Magna Carta liberatum“, die dem Adel Rechte und Freiheiten verbrieft und den König an geltendes Recht bindet. Sie stellt die Grundlage des Verfassungsrechts und des parlamentarischen Systems, sowie der Pressefreiheit dar. Das Einlenken Johanns liegt in den derzeitigen außenpolitischen Schwierigkeiten Englands begründet. 1213 erlitt Johann im Konflikt mit Papst Innozenz III. eine Niederlage und mit der Niederlage in der Entscheidungsschlacht von Bouvines am 27. Juni 1214 gegen das Heer von Philipp II. August verlor er alle seine Besitzungen auf dem Festland an Frankreich. 20. Januar 1265 Unter Führung von Simon de Montford beruft die Opposition der Barone gegen König Heinrich III. (1216-72) ein Parlament nach London, dem neben dem Hochadel erstmals Repräsentanten der Bürgerschaft angehören. Das Parlament ist Ausdruck der zunehmenden wirtschaftlichen und politischen Bedeutung der Bürger in den Städten Englands. Ab 1282 Die Engländer erobern bis 1285 Wales endgültig. Versuche, Schottland zu unterwerfen, scheitern allerdings sowohl 1286 als auch 1314. Ab 1337 England führt den „Hundertjährigen Krieg“ mit Frankreich. Gründe für den mit Unterbrechungen bis 1453 dauernden Krieg sind der englische Anspruch auf den französischen Thron sowie die Kontrolle Flanderns (Belgien) zur Sicherung des englischen Wollexports. Allerdings gehen mit der Schlacht von Castillon im Jahre 1453 alle auf dem Festland eroberten Gebiete bis auf Calais, das noch bis 1559 in Händen der Engländer bleibt, verloren. 1338 Das Parlament in London wird in Ober- und Unterhaus aufgeteilt. 26. August 1346 Der englische König Eduard III. siegt auf dem Festland in der Schlacht bei Crécy mit nur 16.000 Soldaten über ein 30.000 Mann starkes Ritterheer von Philipp VI. von Frankreich, da dieses überwiegend aus Bogenschützen besteht, während die Engländer Schußwaffen zur Verfügung haben. Ein Jahr später setzen sich die Engländer in der Hafenstadt Calais fest. 8. Mai 1360 Der „Friede von Brétigny“ (bei Chartres) beendet die erste Phase des seit 1337 andauernden „Hunderjährigen Krieges“ zwischen Frankreich und England: Der englische König Eduard III. verzichtet auf die französische Krone und erhält die Souveränität über Calais, Poitou und den Südwesten Frankreichs. 22. Februar 1371 Robert Stuart wird König von Schottland. Bis 1688 stellt das Haus Stuart alle schottischen Könige und von 1603 bis 1688 auch die von England. 29. September 1399 Der englische König Richard II. aus der Dynastie der Plantagenet wird vom späteren König Heinrich IV. aus dem Hause Lancaster unter Zustimmung des Parlaments zum Rücktritt gezwungen. Richard, der 1389 die Regierung übernahm, führte seit 1397 ein willkürliches Regiment. Nach seiner Absetzung wird er gefangengenommen und am 14. Februar 1400 wahrscheinlich auf Pontefract Castle ermordet. 1415 Heinrich V. von England schlägt auf dem Festland ein französisches Heer bei Azincourt und besetzt, von Burgund unterstützt, Paris sowie ganz Nordfrankeich. 8. Mai 1429 Das lothringische Bauernmädchen Jeanne d'Arc erzwingt als Befehlshaberin eines französischen Heeres den Abzug der Engländer aus Orléans. (1430 gerät die „Jungfrau von Orléans“ in englische Gefangenschaft und wird am 30. Mai 1431 in Rouen als Ketzerin und Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt.) 1455 Streitigkeiten um die Thronfolge zwischen dem Haus York und dem Haus Lancaster führen zu den bis 1485 andauernden sogenannten „Rosenkriegen“. (York – weiße Rose; Lancaster – rote Rose) 22. August 1485 Heinrich Tudor aus dem Haus Lancaster beendet mit seinem Sieg über König Richard III. in der Schlacht bei Bosworth die seit 1455 andauernden „Rosenkriege“ und wird noch auf dem Schlachtfeld als Heinrich VII. zum König von England gekrönt. (Richard fällt im Kampf.) Er heiratet die Tochter Eduards IV. aus dem Haus York, um die Thronansprüche beider Häuser zu vereinigen, und begründet die Tudor-Dynastie, die bis 1603 an der Macht bleibt. 1497 Der italienische Seefahrer Giovanni Caboto erkundet die Küste Neufundlands und Labradors im Auftrag des englischen Königs Heinrich VII. Auch Caboto ist wie der Entdecker Amerikas, Christoph Columbus, der irrigen Meinung, eine neue Westroute gefunden zu haben und wähnt sich an der Ostküste Chinas. 1498 Seine zweite Amerikafahrt im Auftrag des englischen Königs Heinrich VII. führt den italienischen Seefahrer Giovanni Caboto bis hinunter zum heutigen US-Bundesstaat South Carolina. Von dieser Reise kehrt Caboto jedoch nicht zurück. Die englische Krone erhebt nun Anspruch auf die von Caboto entdeckten Küstengebiete Nordamerikas. 22. April 1509 Nach dem Tod Heinrichs VII. besteigt sein 18jähriger Sohn Heinrich (Henry VIII.) den englischen Thron. In seine Regierungszeit (bis 1547) fällt 1533 die Loslösung von der Kirche in Rom, nachdem Papst Klemens VII. die Scheidung des Monarchen von Katharina von Aragón (1485-1536) ), die ihm nur eine Tochter geboren hatte, nicht gestattete, und die Gründung der Anglikanischen Staatskirche (Church of England). Insgesamt heiratet er sechsmal. Seine zweite Ehefrau, Anne Boleyn, läßt er 1536 wegen Ehebruchs enthaupten; ebenso 1542 seine dritte Gattin, Catherine Howard. 1541 erklärt sich Heinrich VIII. zum König von Irland. (Nachfolger waren sein einziger legitimer Sohn Edward VI. [geb. 1547, gest. 1553; Mutter: Jane Seymour] und nach einem nur neuntägigen Interregnum von Lady Jane Grey seine Töchter Mary I., die Katholikin bzw. die Blutige [geb. 1516, gest. 1558; Mutter: Katharina von Aragón], und Elizabeth I., die Jungfräuliche [geb. 1533, gest. 1603; Mutter: Anne Boleyn]). Ab 17. November 1558 In die Regierungszeit Elizabeths I. (bis 1603), der Tochter Heinrichs VIII. und seiner zweiten Gemahlin Anna Boleyn, fällt der Aufstieg Englands zur Seemacht, die mit dem Sieg über die spanische Armada 1588 ihren Ausgang nimmt. Neue Handelsmärkte in Übersee werden erschlossen, Handelsgesellschaften wie die East India Company gegründet. Das Land erlebt eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte. Calais, Englands letzte Besitzung auf dem westeuropäischen Festland geht allerdings bereits 1558 an die Franzosen verloren. Drei große Aufstände der Iren gegen die Landnahme der Engländer (1569-73, 1579-93, 1594-1603) werden blutig niedergeschlagen. Innenpolitisch besiegt Elizabeth ihre katholische Rivalin Maria II. aus Schottland, die sie gefangennehmen und hinrichten läßt. 1567 In London wird die erste Warenbörse eröffnet. 1571 Die Public-School in Harrow wird gegründet. Ab 1576 Der Engländer Martin Frobisher sucht zwei Jahre lang vergeblich unter größten Strapazen einen nördlichen Seeweg nach Asien und gelangt bis zur Baffin-Insel am nördlichen Polarkreis. 1583 Sir Humphrey Gilbert segelt mit knapp 300 Auswanderern (Abenteuerer, Glaubens- oder Wirtschaftsflüchtlinge) von England nach Neufundland, um eine Kolonie zu gründen. Auf der Rückfahrt geht sein Schiff unter, und auch über den Verbleib der Kolonisten ist nichts bekannt. Sie können ebensogut bei einem Indianerüberfall wie durch eine ausgebrochene Epidemie ums Leben gekommen sein. Ab 1584 Verschiedene Kolonisierungsversuche der Engländer in Nordamerika bis 1606 scheitern. 8. Februar 1587 Die seit 19 Jahren von ihrer Cousine, Elizabeth I., gefangengehaltene ehemalige schottische Königin Maria Stuart wird auf Schloß Fotheringhay (Northamtponshire) enthauptet. Maria hatte mit Hilfe Frankreichs versucht, ihren Anspruch auf den englischen Thron durchzusetzen. 31. Dezember 1600 Die 1599 von Londoner Kaufleuten gegründete „East India Company“ erhält durch ein königliches Privileg das Monopol im Ostindienhandel. (Es wird 1609 „auf immer“ erweitert.) Ab 24. März 1603 Als Elizabeth I. kinderlos stirbt, wird der schottische König als Jakob (James) I. (Haus Stuart) König von England und Schottland. Seit dieser Zeit sind die beiden Länder unter derselben Dynastie vereinigt. Die gemeinsame Flagge wird der Union Jack. 1605 Der „Gunpowder Plot“, mit dem Katholiken das Parlament in London in die Luft sprengen wollen, wird rechtzeitig entdeckt. Der Anführer der Verschwörer, Guy Fawkes, wird gefangengenommen und hingerichtet. 1607 Englische Kaufleute gründen, ausgestattet mit einem Freibrief von König James I., mit Jamestown am James River die erste dauerhafte Siedlung der Engländer in Nordamerika und beginnen bald darauf mit dem Anbau von Tabak. Daraus entsteht die Kolonie Virginia, benannt nach der (jungfräulichen) Königin Elizabeth I. 1620 Die Pilgerväter, Angehörige einer unterdrückten puritanischen Separatistengruppe, verlassen Europa auf dem Weg nach Amerika. 10. März 1629 König Karl (Charles) I. löst das Unterhaus auf (und beruft bis 1640 kein Parlament mehr ein), nachdem die Abgeordneten seine eigenmächtige Verteilung von Pfründen an anglikanische Geistliche scharf verurteilt haben. Die Spannungen zwischen dem König und den Ständen verschärfen sich und münden 1642 in einen Bürgerkrieg. 23. Oktober 1641 In Ulster (Nordirland) werden Tausende englischer und schottischer Neusiedler während eines Aufstands katholischer Iren gegen die britische Krone getötet. Ab 1642 Im einem Bürgerkrieg kämpfen die „Cavaliers“ (Royalisten, Adelige) gegen die „Roundheads“ (Angehörige der Mittelschicht und Landadel streng puritanischen Glaubens). In der Schlacht im Moor von Marston 1644 behalten die Royalisten zunächst die Oberhand, werden jedoch dann 1645 von den Truppen Oliver Cromwells, dem Anführer der Roundheads, vernichtend geschlagen. König Karl (Charles) I. flieht im April 1646 nach Schottland, wird aber Anfang 1647 von den Schotten für 400.000 Pfund an das englische Parlament ausgeliefert. Januar 1649 Nach einer „Säuberung“ des Parlaments verbleiben nur noch etwa 60 radikale Mitglieder, die König Karl I. auf Betreiben Oliver Cromwells wegen Tyrannei und Anzettelung eines Bürgerkriegs vor Gericht stellen. Er wird zum Tode verurteilt und am 30. Januar geköpft. England wird zur Republik und „freien Commonwealth“ erklärt, „regiert durch die Repräsentanten des Volkes im Parlament, ohne König und Oberhaus.“ 9. Oktober 1651 Oliver Cromwell verkündet zur Förderung der englischen Schiffahrt die „Navigationsakte“. Das Gesetz soll die englische Handelsflotte insbesondere gegenüber der niederländischen Konkurrenz schützen. Es schreibt vor, daß ausländische Waren nur auf englischen Schiffen bzw. auf Schiffen des Ursprungslandes nach England importiert werden dürfen. Ab 16. Dezember 1653 Oliver Cromwell wird nach Verkündung des „Instrument of Government“, einer geschriebenen Verfassung, „Lordprotector“ des Commonwealth und damit zum Alleinherrscher. Er führt ein blutiges Regiment. Zudem versucht er, auch den Iren den puritanischen Glauben aufzuzwingen, womit er den Grundstock zu den bis heute andauernden religiösen Auseinandersetzungen in Irland legt. 3. September 1658 Nach dem Tod Oliver Cromwells wird sein Sohn Richard Lordprotector, der jedoch bereits 1659 wegen Unfähigkeit gestürzt wird. Nach Bildung eines neuen, royalistisch orientierten Parlaments gelangt im Mai 1660 der Sohn von Karl I. als Karl (Charles) II. wieder auf den Königsthron und damit das Haus Stuart. Die Anglikanische Kirche wird wieder Staatskirche. Puritaner werden aus allen Staatsämtern entfernt. 7. September 1666 London wird durch eine am 2. September ausgebrochene Feuersbrunst zu 80 Prozent zerstört, darunter auch die Saint Paul’s Cathedral und weitere 88 Kirchen. Nach dem Brand beschließen die Stadträte ein großzügiges Aufbauprogramm. 1667 Im Tausch gegen seine Besitzungen im nördlichen Südamerika (Guayana, Suriname) erhält England von den Niederländern die Kolonie Niew-Amsterdam, die sie in New York umbenennen und die Kolonien New Jersey und Delaware davon abtrennen. In London fordert die Pest fast 100.000 Tote. 1670 In London wird die „Hudson's Bay Company“ (HBC) gegründet, und man beginnt mit der Einrichtung von Pelzhandels-Niederlassungen entlang der Hudson Bay (Kanada). 12. Juli 1679 Die „Habeas-Corpus-Akte“ wird erlassen. Seither ist in Großbritannien die persönliche Sicherheit der Bürger unter den Schutz der Gerichtsbarkeit gestellt. Niemand darf ohne Angabe von Gründen festgenommen werden und ohne gerichtliche Untersuchung inhaftiert bleiben. 30. Juni 1688 Wilhelm III. von Oranien beendet durch die unblutige „Glorious Revolution“ den Streit um die Nachfolge des katholischen Jakob (James) II. und verhindert den Sieg des Katholizismus über den Protestantismus. Das englische Parlament hatte den niederländischen Statthalter sowie Neffen und Schwiegersohn Jakobs gegen dessen Katholisierungspolitik zu Hilfe gerufen. Jakob wird abgesetzt und Wilhelm besteigt am 13. Februar 1689 den Thron von England. 15. Februar 1689 Die „Bill of Rights“ wird zwischen dem König und dem Parlament geschlossen. Sie sichert die Rechte des Parlaments gegen die Willkür des Königs und stellt die Grundlage der Gewaltenteilung in Großbritannien dar. Mit ihr vollzieht das Land den Übergang von der absoluten zur konstitutionellen Monarchie. 1694 In London wird die „Bank of England“ gegründet. Ab 1701 Mit der „Act of Settlement“ wird die protestantische Erbfolge festgelegt. Mit Georg I. gelangt 1714 der erste König aus dem Haus Hannover auf den Thron von England. Die Parteien als Willensträger der Politik entstehen. 3. August 1704 Eine englische Flotte bemächtigt sich der Halbinsel Gibraltar im Süden Spaniens durch einen Handstreich unter Führung Georgs von Hessen-Darmstadt. 29. April 1707 Das schottische Parlament wird mit der britischen Volksvertretung vereinigt. Das „Vereinigte Königreich von England und Schottland“ erhält die amtliche Bezeichnung „Großbritannien“. Die Einigung vollzieht sich auf der Basis der Gleichberechtigung. Schottland behält sein eigenes Rechtssystem und seine eigene Kirche. 11. April 1713 Der „Friede von Utrecht“ beendet den seit 1701 wütenden „Spanischen Erbfolgekrieg“: Der Bourbone Philipp V. erhält Spanien und die spanischen Kolonien. Österreich muß sich mit den europäischen Nebenländern der spanischen Habsburger begnügen (Neapel, Mailand, Sardinien, Spanische Niederlande). Großbritannien werden Gibraltar und umfangreicher französischer Kolonialbesitz in Nordamerika zugesprochen. (Die Auseinandersetzungen um das spanische Erbe begannen nach dem Tod des letzten spanischen Habsburgers Karl II. [1. November 1700] zwischen Frankreich [verbündet u.a. mit Bayern] und Österreich [verbündet u.a. mit Großbritannien und den Niederlanden]). 1. August 1714 Nach dem Tod der erst 46jährigen britischen Königin Anna tritt das neue Thronfolgegesetz in Kraft: Kurfürst Georg Wilhelm von Hannover wird als Georg I. König von Großbritannien und Hannover. Ab 1754 Die Spannungen zwischen den englischen und französischen Kolonisten in Nordamerika führen schließlich zum bis 1763 dauernden französisch-britischen See- und Kolonialkrieg („French und Indian War“), der seine Fortsetzung in Ostindien findet und nahezu zeitgleich mit dem „Siebenjährigen Krieg“ in Europa verläuft, bei dem Engländer und Preußen ab 1756 gegen Franzosen, Österreicher und Russen kämpfen. Ab 1760 Technische Errungenschaften führen zum Ausgang des 18. Jahrhunderts zur industriellen Revolution. Neue Produktionsmethoden verändern das Wirtschaftsleben gravierend und führen zu sozialen Umwälzungen. Die Menschen verlassen in Scharen das Land, um in der Städten Arbeit zu finden. In den explosionsartig wachsenden Städten verarmen und verelenden die Massen. 1763 Im „Frieden von Paris“ muß das unterlegene Frankreich fast alle seine Besitzungen in Nordamerika und Ostindien an Großbritannien bzw. Spanien abtreten. Die Briten erhalten Kanada und die Gebiete östlich des Mississippi. 1764 Großbritannien will sich seine hohen Kriegsausgaben z.T. von seinen Kolonien in Nordamerika zurückholen und erläßt neue Steuer- und Zollgesetze. Diese Maßnahme und auch das Expansionsverbot in Richtung Westen führen nach und nach zum geschlossenen Widerstand gegen das Mutterland. Anfänglich fordern die Kolonisten lediglich Vertreter im britischen Parlament. Da London dies jedoch ablehnt, streben sie die Unabhängigkeit an. 28. April 1770 Captain James Cook, der 1768 im Auftrag der englischen Krone Kap Hoorn, die äußerste Südspitze Südamerikas, umfuhr und über Tahiti nach Neuseeland gelangte, das er 1769 für England in Besitz nahm, erreicht als erster Europäer die Ostküste Australiens. Bei der Weiterfahrt in Richtung Norden gerät er in einen Sturm und seine „Endeavour“ läuft auf ein Korallenriff auf. Die Reparatur des Schiffes dauert mehrere Monate. Diese Zeit nutzt Cook für die Erkundung des australischen Hinterland. Am 23. August 1770 nimmt Cook die gesamte Ostküste Australiens für die britische Krone in Besitz und gibt ihr den Namen „New South Wales“. 1774 Mit dem „Regulation Act“ wird die „East India Company“ der Kontrolle der britischen Regierung unterstellt. Warren Hastings wird erster General-Gouverneur von „British-India“. (Er wird nach seiner Rückkehr nach London im Jahre 1785 von dem Oppositionspolitiker Edmund Burke vor dem britischen Unterhaus wegen Brutalität gegen die indische Bevölkerung, Erpressung und Bereicherung angeklagt, allerdings 1795 freigesprochen.) 1775 Der Konflikt zwischen Großbritannien und seinen 13 alten nordamerikanischen Kolonien führt zum „Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg“. Oberbefehlshaber der Kolonisten ist George Washington. 1783 Der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg endet nach wechselvollen Kämpfen durch das Eingreifen Spaniens und Frankreichs mit dem Sieg der „Amerikaner“. Im „Frieden von Paris“ zwischen Frankreich, Großbritannien und Spanien erkennt Großbritannien die Unabhängigkeit der 13 alten Kolonien an. Die Grenze der „Vereinigten Staaten“ bilden im Norden die Großen Seen und im Westen der Mississippi. Der Rest der Kolonie Quebec verbleibt als „British North America“ im Empire und erlebt in den folgenden Jahren einen weiteren Zustrom von „Royalisten“ aus den USA. 1786 Nach der Niederlage im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und dem damit verbundenen Verlust seiner Kolonien in Nordamerika braucht England nicht nur dringend eine neues Exil für seine Strafgefangenen, die bisher in großer Zahl in die Strafkolonien Georgia und Maryland deportiert wurden, sondern auch neue Waldgebiete zur Sicherung der Holzlieferungen für den Schiffbau. Lord Sydney, als Innenminister auch für den Strafvollzug verantwortlich, entscheidet, das waldreiche Neusüdwales (Australien) zur Strafkolonie zu machen und schickt die ersten Gefangenen auf die Reise. Die Schiffe mit rund 1.400 Sträflingen kommen am 26. Januar 1788 in Australien an. 1. Februar 1792 In London erscheint unter dem Titel „Fashionable Court Guide“ der erste Stadtplan mit Straßenverzeichnis. 1795 Nach einem Aufstand der Buren geht die Vorherrschaft der Holländisch-Ostindienkomponie in Südafrika zu Ende. Gleichzeitig besetzen die Briten bis 1802 das Kapland. 14. Mai 1796 Der britische Arzt Edward Jenner führt mit Rinderpockenlymphe erstmals Pockenschutzimpfungen durch, nachdem er herausfand, daß Rinderpocken zwar auf den Menschen übertragbar, aber ungefährlich sind und trotzdem gegen die „richtigen“ Pocken immunisieren. 14. Februar 1797 Die britische Flotte unter Admiral Horatio Nelson siegt vor Kap St. Vincent über die spanische Flotte. 1. Januar 1801 Mit der sogenannten Unionsakte wird das „Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland“ geschaffen. Das irische Parlament wird aufgelöst. 100 Unterhaus- und 32 Oberhausmitglieder – bis 1829 ausschließlich Protestanten – vertreten Irland ab sofort im Londoner Parlament in Westminster. 1802 Die Insel Ceylon (heute Sri Lanka) wird eigenständige britische Kronkolonie. 21. Oktober 1805 Unter dem Kommando von Admiral Horatio Viscount Nelson besiegt die britische Flotte in der Seeschlacht bei Trafalgar im Krieg gegen Napoléon Bonaparte die französisch-spanische Flotte und legt das Fundament für eine weitere Ausdehnung des Empire. Nelson fällt in der Schlacht. 1806 Die USA unterzeichnen mit Großbritannien einen Handelsvertrag. In Südafrika übernehmen die Briten erneut die Kontrolle. 1810 Die Briten gründen mehrere Niederlassungen auf Madagaskar und beginnen mit der Christianisierung der einheimischen Bevölkerung. 12. August 1812 Im britischen Middleton wird die erste, nach einem Patent von John Blenkinsop entwickelte, Zahnradbahn der Welt in Betrieb genommen. Die Lokomotiven mit dem neuartigen Antrieb – die Räder der Dampflok sind mit aufgeschweißten Metallhaken versehen, die hinter auf die Schienen geschweißte Eisenzähne einhaken, die Kraftübertragung effektiver gestalten und so die Lokomotive vorwärtsziehen – eignen sich besonders zur Überwindung von steil ansteigenden Strecken. 13. August 1814 Das Kapland (Südafrika) wird offiziell britisch. Dezember 1814 Der „Frieden von Gent“ beendet den seit 1812 wütenden britisch-amerikanischen Krieg, in dem die Amerikaner in zahlreichen Feldzügen versucht hatten, den Briten Kanada abzuringen (für kurze Zeit waren die Briten sogar bis nach Washington vorgedrungen und hatten u.a. das Kapitol und das Weiße Haus zerstört), und stellt den Status quo ante wieder her, d.h. die Grenzen zu Kanada sind wieder dieselben wie vor dem Krieg. 18. Juni 1815 In der Schlacht bei Waterloo (nahe der belgischen Hauptstadt Brüssel) wird Napoléon I. Bonaparte von den Briten unter Arthur Wellesley Herzog von Wellington und den Preußen unter Gebhard Leberecht von Blücher endgültig geschlagen, womit seine „Herrschaft der 100 Tage“ beendet ist. Er wird gefangenengenommen und auf die Atlantik-Insel St. Helena verbannt, wo er 1821 52jährig stirbt. 1824 Die Niederlande verzichten auf ihre Niederlassungen auf der Malaiischen Halbinsel zugunsten der British East India Company. Diese wiederum tritt ihre Besitzungen auf den indonesischen Inseln an die Niederlande ab. 1826 Die Briten annektieren nach einem zweijährigen Krieg gegen Burma (heute Myanmar) die Provinzen Assam und Arakan (und in zwei weiteren Kriegen bis 1886 ganz Burma.) 1829 Durch die „Catholic Emancipation Act“ erhalten die Katholiken in Großbritannien politische Gleichberechtigung. 1832 Durch die erste Wahlrechtsreform erhält die bürgerliche Mittelschicht Großbritanniens politischen Einfluß. 1833 Großbritanien annektiert die Falkland-Inseln (Islas Malvinas) rund 500 Kilometer vor der Ostküste Argentiniens im Südatlantik und erklärt sie 1837 zur britischen Kronkolonie. (Erstmals entdeckt wurden die Inseln Ende des 16. Jahrhunderts, gerieten jedoch wieder in Vergessenheit; französische Seefahrer aus St. Malo gaben ihnen den Namen Iles Malouines, und die Briten nannten sie Ende des 17. Jahrhunderts nach dem Schatzmeister der Marine, Lord Falkland, Falkland-Isles; nach einer Aufteilung zwischen Frankreich und Großbritannien fielen die Inseln 1774 an Spanien und werden seit 1811 von Argentinien beansprucht). 1. August 1834 Das Verbot der Sklaverei im gesamten britischen Kolonialreich tritt in Kraft. Ab 20. Juni 1837 In der Regierungszeit von Königin Victoria (bis 1901) erlebt das Bürgertum seine größte Machtfülle. Neue Strömungen wie die Frauenbewegung und Gewerkschaften werden erbittert bekämpft. Gleichzeitig werden erste Gesetze zum Schutz der arbeitenden Bevölkerung, besonders von Frauen und Kindern, erlassen. Die beginnende Industrialisierung bringt den Übergang zur großkapitalistischen Wirtschaft mit sich. Die Expansionspolitik in den Kolonien wird forciert, vor allem auf dem afrikanischen Kontinent. 1839 Die chinesische Regierung läßt die britischen Opiumvorräte in Kanton vernichten und die Engländer ausweisen. Dies löst den bis 1842 dauernden „Opiumkrieg“ aus, in dessen Verlauf die Briten mehrere Küstenstädte einschließlich Shanghais erobern und die Kapitulation Chinas erreichen. 6. Mai 1840 In Großbritannien kommt die erste, von Frederik Heath in Stichtiefdruck produzierte Briefmarke der Welt heraus. Die „Schwarze One-Penny“ zeigt das Portrait von Queen Victoria. 16. November 1840 Großbritannien erklärt Neuseeland zur Kronkolonie. 29. August 1842 Mit dem Vertrag von Nanking beginnt die Reihe der „ungleichen Verträge“ mit denen sich die ausländischen Mächte in China durchsetzen. Chinas Handelsmonopol wird abgeschafft, es muß mehrere Häfen öffnen und Hongkong an die Briten abtreten. 1843 Die Briten erobern Sind (heute Südpakistan) und bis 1849 den seit 1792 von den Sikhs beherrschten Pandschab (Nordpakistan). Damit stehen etwa drei Fünftel des gesamten indischen Subkontinents unter direkter britischer Herrschaft, der Rest, d.h. über 500 Fürstentümer, wird weiterhin von indischen Fürsten regiert, die allerdings ihre Hoheitsrechte in der Außen- und Verteidigungspolitik an die Briten abgetreten haben. 10. Dezember 1845 Der Londoner Ingenieur R. W. Thompson meldet die ersten luftgefüllten Reifen zum Patent an. Die Pneus werden an schweren Pferdewagen getestet und verbessern die Kraftübertragung vom Rad auf die Straße um bis zu 60 Prozent. 1850 Großbritannien erläßt den „Australian Colonies Government Act“, der seinen Kolonien auf dem fünften Kontinent weitgehende Autonomie durch eigene Parlamente und Verfassungen einräumt. 1. Mai 1851 In London wird die erste Weltausstellung (Expo) eröffnet. Hauptattraktion ist der von Joseph Paxton konstruierte Kristallpalast aus Eisen und Glas. 11. Februar 1852 Neun Tage, nachdem in der Londoner Fleet Street die erste öffentliche Bedürfnisanstalt eröffnet wurde, richten die Behörden in der Bedford Street auch für Frauen eine Toilette ein. Ab 1854 Im sogenannten „Krimkrieg“ kämpft Großbritannien gemeinsam mit Frankreich und der Türkei gegen Rußland, um die Ausbreitung der russischen Vormacht ins östliche Mittelmeer, das den Zugang zur Landroute nach Indien darstellt, zu verhindern. Nachdem Sewastopol nach zweijähriger Belagerung erobert werden kann, endet der Krieg 1856 mit dem Frieden von Paris, in dem Rußland auf seinen Vormarsch auf die Dardanellen verzichten muß. 1. Januar 1858 Die britische Ostindien-Kompanie wird aufgelöst, und die britische Regierung übernimmt nun auch formell die Herrschaft in „Britisch Indien“. Der neue General-Gouverneur erhält den Titel eines Vizekönigs. 24. November 1859 Der britische Naturforscher Charles Darwin veröffentlicht seine Evolutionstheorie. 1861 Die „Conservative and Unionist Party“ wird in London gegründet. 10. Januar 1863 In London nimmt die erste Untergrundbahn (Metro) der Welt ihren Betrieb auf. Mit der Verbannung der dampfgetriebenen Stadteisenbahn unter die Erde sollen die überfüllten Straßen der Millionenmetropole entlastet werden. Allerdings herrscht in den Tunneln der U-Bahn Smog, da die Luftschächte den Dampf kaum bewältigen können. 28. September 1864 In London wird auf einer internatioanlen Arbeiterversammlung die „Internationale Arbeiter-Assoziation“ (IAA) gegründet. Einer der maßgeblichen Führer ist Karl Marx, der in den Zentralrat gewählt wird. (Nach internen Auseinandersetzungen wird die IAA 1876 wieder aufgelöst.) 1872 Unter Premierminister William Ewart Gladstone wird mit dem sogenannten „Ballot Act“ in England das geheime Wahlrecht eingeführt. 1. Januar 1877 Königin Victoria läßt sich in Delhi vom derzeitigen Vizekönig in Britisch-Indien, Edward George Bulwer-Lytton, zur Kaiserin von Indien ernennen. Ab 1879 Ägypten muß aufgrund der hohen Staatsverschuldung die Finanzkontrolle Frankreichs und Großbritanniens anerkennen und die ägyptischen Anteile am 1869 eröffneten Suezkanal letztendlich an Großbritannien verkaufen. 7. Februar 1880 Innerhalb einer Woche sind in London knapp 1.600 Menschen an Erkrankungen der Atemwege gestorben. Sie wurden Opfer einer giftigen Mischung von Nebel und Rauchgasen aus Hunderten von kohlegefeuerten Industriebetrieben. 1889 Das Gebiet des heutigen Simbabwe wird mit Genehmigung von Königin Victoria von der Britisch-Südafrikanischen Gesellschaft in Besitz genommen. Cecil Rhodes wollte für Großbritannien die „Große Straße nach Norden“, d.h. eine unter britischer Kontrolle stehende Landverbindung von Südafrika bis hinauf ins Nildelta am Mittelmeer schaffen. Er nennt das an Bodenschätzen (Gold, Diamanten) reiche Gebiet zwischen den portugiesischen Kolonien Angola und Mosambik „Südrhodesien“. 1891 Nach Abschluß von Verträgen mit den lokalen Häuptlingen wird das Gebiet des heutigen Malawi unter der Bezeichnung „Zentralafrika“ britisches Protektorat. 1894 Nach achtjähriger Bauzeit ist eines der Londoner Wahrzeichen, die „Tower Bridge“ über die Themse mit ihren zwei Zugbrücken und den zwei 66 Meter hohen Türmen fertiggestellt 1898 Die Britisch-South-African-Company und weiße Siedler dringen von Südrhodesien in nordwestlicher Richtung vor und schließen weitere Gebiete zu „Nordrhodesien“ (dem heutigen Sambia) zusammen. Großbritannien pachtet Hongkong von China auf 100 Jahre. 20. Juni 1900 Während des sogenannten Boxeraufstandes in China – Nationalisten richten ihren Haß gegen die Ausländer – wird der deutsche Gesandte Klemens von Ketteler ermordet. Daraufhin greift die Armee der „Vereinigten acht Staaten“ (USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Österreich und Rußland) China an und nimmt Peking ein. 16. Oktober 1900 Mit dem „Jangtse-Abkommen“ verpflichten sich das Deutsche Reich und Großbritannien, den Grundsatz ungehinderten Handels in China gegenseitig zu achten und auf Gebietserwerbungen in China zu verzichten. 1. Januar 1901 Die britischen Kolonien Neusüdwales, Victoria, Queensland, Westaustralien, Südaustralien, Tasmanien schließen sich mit einer an Großbritannien und den USA orientierten, außergewöhnlich liberalen Verfassung zum „Australischen Bund“ (Federal Commonwealth of Australia) zusammen und erhalten damit de facto die Selbständigkeit. Offizielles Staatsoberhaupt der parlamentarischen Monarchie ist weiterhin die britische Königin Victoria, vertreten durch einen von ihr ernannten Generalgouverneur 22. Januar 1901 Victoria, seit 1837 Königin von Großbritannien und Irland, seit 1877 Kaiserin von Indien, stirbt 81jährig (geboren am 24.5.1819 in London) auf Schloß Osborne (Isle of Wight), und ihr Sohn und Nachfolger Edward VII. (eines von neun Kindern) besteigt bereits 60jährig den britischen Thron. Die feierliche Krönung findet am 9. August 1902 statt. 8. April 1904 Mit der „Entente cordiale“ schließen Großbritannien und Frankreich ein Abkommen, das ein „friedliches Einvernehmen“ der beiden Kolonialmächte weltweit gewährleisten soll. Frankreich erkennt u.a. die britische Herrschaft in Ägypten an, Großbritannien gibt Frankreich freie Hand in Marokko. 12. August 1905 Großbritannien und Japan schließen einen Vertrag über ihre Einflußgebiete und den Erhalt ihrer gemeinsamen Interessen in Ostasien. Großbritannien erkennt die japanischen Rechte in Korea an. Im Gegenzug verpflichtet sich Japan, die Rechte Großbritanniens in Indien zu respektieren. 1906 Die Labour Party wird in London gegründet. 26. September 1907 Der Australische Bund erhält den Dominionstatus und damit die nahezu vollständige Unabhängigkeit vom Mutterland Großbritannien. 27. April 1908 In London werden die insgesamt bis zum 31. Oktober dauernden IV. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit eröffnet. Eiskunstlaufen ist hier zum ersten Mal im Programm. 2.035 Sportler (36 Frauen) aus 22 Ländern nehmen an 110 Wettbewerben in 24 Sportarten teil. Das eigens für Olympia erbaute Stadion (mit erstem 50-m-Schwimmbecken sowie einem Sprungturm) erweist sich als äußerst zweckmäßige und neuzeitliche Konstruktion, womit erstmals allen Anforderungen der modernen Wettkampfära Rechnung getragen wird. Um einen Teil der enormen Kosten für diesen Mehrzweckbau wieder erwirtschaften zu können, veranstalten die Briten eine französisch-englische Ausstellung. 21. Juni 1908 Im Londoner Hydepark versammeln sich mehr als 250.000 Menschen, in der Mehzahl Frauen. Die von britischen Frauenrechtlerinnen unter der Leitung von Emmeline Pankhurst organisierte Demonstration fordert die Einführung des Frauenwahlrechts. 1909 London gewährt Britisch-Indien neben dem britischen Vizekönig ein indisches Parlament, kann den wachsenden Nationalismus jedoch nicht mehr aufhalten. 1910 Mit rund 6,5 Millionen Einwohner ist London derzeit die größte Stadt der Welt. 18. Januar 1912 Der britische Polarforscher Robert Falcon Scott (geboren 1868) erreicht als zweiter Mensch (vier Wochen nach dem Norweger Roald Amundsen) den Südpol. Auf dem Rückweg jedoch kommen er und seine vier Begleiter ums Leben. 15. April 1912 Rund 150 Kilometer vor der Küste Neufundlands kollidiert der von seinen Konstrukteuren als unsinkbar erklärte britische Luxusdampfer „Titanic“ auf seiner Jungerfernfahrt von Southampton nach New York mit einem Eisberg und sinkt. Die bislang größte Katastrophe in der Zivilschiffahrt kostet 1.503 von insgesamt 2.206 Passagieren und Besatzungsmitgliedern das Leben. 10. März 1913 Anhängerinnen des Frauenstimmrechts legen in der Londoner Bahnstation Saunderton einen Brand, der den Bahnhof völlig zerstört. 28. Juni 1914 In Sarajevo (heute Hauptstadt des souveränen Staates Bosnien-Herzegowina) werden der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin von einem bosnischen Serben getötet. Dies führt zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. 1. August 1914 Das Deutsche Reich erklärt Rußland den Krieg, zwei Tage später auch Frankreich und Großbritannien. 19. Januar 1915 Beim ersten großen Luftangriff in der Geschichte kommen Luftschiffe zum Einsatz: Deutsche Zeppeline bombardieren bei Nacht die britische Hauptstadt London. 10. Dezember 1916 Der bisherige Kriegsminister David Lloyd George wird Nachfolger des am 5. Dezember zurückgetretenen Premierministers Herbert Asquith. Der „Hardliner“ George verfolgt die völlige Unterwerfung des Deutschen Reiches. 19. Juni 1917 Das britische Unterhaus stimmt für das Wahlrecht der Frauen. Seit Jahren kämpften die Frauenrechtlerinnen unter Führung von Emmeline Pankhurst für dieses Recht. Nun können Frauen ab dem Alter von 30 bei den Parlamentswahlen ihre Stimme abgeben. 17. Juli 1917 König George V. (seit 1910) ändert während des Ersten Weltkriegs den Namen seiner Dynastie von „Sachsen-Coburg-Gotha“ in „Haus Windsor“ nach dem bei New Windsor gelegenen Stammschloß und der Sommerresidenz des britischen Königshauses. Mit der Umbenennung will er die letzten äußeren Zeichen einer Verbindung zwischen der britischen Königsfamilie und dem deutschen Adel tilgen. 6. Februar 1918 In Großbritannien erhalten Frauen das Wahlrecht. Ab Juni 1918 Die USA entsenden rund zwei Millionen Soldaten (davon finden etwa 113.000 den Tod) nach Frankreich und sorgen damit für eine Kehrtwende im Ersten Weltkrieg, der schließlich zum militärischen Zusammenbruch des Deutschen Reichs führt. 11. November 1918 In einem Eisenbahnwagon im Wald von Compiègne unterzeichnen der Leiter der deutschen Waffenstillstandskommission, Matthias Erzberger, und der französische Marschall Ferdinand Foch die Waffenstillstandsbedingungen der alliierten Sieger des Ersten Weltkriegs. Deutschland muß nicht nur alle Gebiete in Frankreich und Belgien räumen, die es in den letzten vier Jahren eroberte, sondern auch die linksrheinischen Gebiete, die nun von französischen, belgischen, britischen und US-amerikanischen Truppen besetzt werden. Darüber hinaus muß Deutschland seine Flotte und große Mengen an sonstigem Kriegsmaterial, Waffen und Munition den bisherigen Feindmächten übergeben. Großbritannien kann durch die Niederlage der Deutschen bis dahin deutsche Kolonien in sein Weltreich eingliedern. Mit der Schutzherrschaft über afrikanische und westasiatische Gebiete erreicht das Empire seine größte Ausdehnung. 14. Dezember 1918 In Großbritannien dürfen Frauen erstmals an Unterhauswahlen teilnehmen. Als einzige Frau unter 17 Bewerberinnen schafft die irische Gräfin Constance Markievicz den Sprung ins Parlament. Sie nimmt ihren Sitz jedoch nie ein. 28. April 1919 Auf der Friedenskonferenz in Paris unterzeichnen die alliierten Siegermächte des Ersten Weltkriegs die Satzung des Völkerbundes. Die Mitglieder der internationalen Organisation verpflichten sich zu gegenseitiger Hilfe bei Angriffen, zu einer Reduzierung der Rüstung und zu offener Diplomatie. Bei zwischenstaatlichen Konflikten unterwerfen sie sich dem Schiedsspruch des Internatioanlen Gerichtshofs in Den Haag. Der Völkerbund leistet in der Folgezeit zwar Bedeutendes auf humanitärem Gebiet, ist allerdings wegen der gebotenen Einstimmigkeit der Beschlußfassung auf seinem Hauptgebiet, der Friedenssicherung, meistens zur Untätigkeit verurteilt, wenn Interessenskonflikte auftreten. 21. Juni 1919 Im britischen Flottenstützpunkt Scapa Flow bei den Orkney-Inseln wird die deutsche Hochseeflotte auf Befehl ihres Kommandanten, Konteradmiral Ludwig von Reuter, versenkt. Insgesamt 72 Schiffe gehen in den Fluten unter. Aufgrund der Waffenstillstandsbedingungen vom 11. November 1918 muß das Deutsche Reich fast die gesamte Flotte an Großbritannien ausliefern. Während die deutschen U-Boote im Ärmelkanalhafen Harwich vor Anker gehen, wird die Hochseeflotte Ende 1918 zu den Orkney-Inseln geleitet. Dort läßt Reuter von den verbliebenen Besatzungsmitgliedern die Flutventile öffnen, damit die Schiffe nicht in die Hände Großbritanniens fallen. 28. Juni 1919 Im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles wird der Friedensvertrag zwischen dem Deutschen Reich und den alliierten Siegermächten des Ersten Weltkriegs unterzeichnet. Deutschland muß nicht nur Gebiete an Frankreich (Elsaß-Lothringen), Polen und die Tschechoslowakei abtreten, sondern verliert auch alle seine bisherigen Kolonien und wird, da es die Alleinschuld am Ausbruch des Krieges übernehmen muß, zu extem hohen Reparationsleistungen verpflichtet. 5. Oktober 1921 In London gründen auf Initiative der englischen Schriftstellerin Catherine Amy Dawson-Scott 41 Autoren den internationalen Schriftsteller- und Dichterverband PEN. Der Name steht für die Abkürzung der Wörter „poets“ (Lyriker), „play-wrighters“ (Dramatiker), „essayists“ (Essayisten), „editors“ (Herausgeber) und „novellists“ (Romanschriftsteller). Januar 1922 Nach anhaltender Untergrundtätigkeit der irischen Freiheitsbewegung erkennt Großbritannien die Selbständigkeit Irlands an. Irland erhält Dominion-Status im britischen Commonwealth, muß allerdings die sechs nördlichen Provinzen (Ulster/Nordirland) abtreten. 22. Februar 1922 Aufgrund anhaltender schwerer Unruhen in ganz Ägypten sehen sich die Briten gezwungen, das Land in die Unabhängigkeit zu entlassen, behalten sich jedoch weitgehende Rechte vor (u.a. die Sicherung des Suezkanals, die Landesverteidigung und den Schutz ausländischer Interessen). 1923 Südrhodesien wird britische Kronkolonie mit innerer Selbstverwaltung. Die Britisch Southafrican Company tritt ihr Land an die britische Krone ab, behält vorerst aber die Schürfrechte in den Minen. Obwohl es offiziell „Rassengleichheit“ gibt, bleibt die Teilnahme am politischen Leben jedoch auf die weiße Minderheit beschränkt, die sich innerhalb weniger Jahre vier Fünftel des Landes aneignet. Die Schwarzen werden größtenteils in Reservaten untergebracht und haben zu den Städten der Weißen keinen Zutritt. 22. Januar 1924 Zum ersten Mal wird eine Regierung der Labour Party gebildet. James Ramsey MacDonald, seit 1906 Chef der Partei, leitet mit Unterstützung der Liberalen ein Minderheitskabinett. Im Dezember hatten Labour und Liberale die Unterhauswahl überraschend gewonnen. Februar 1924 Großbritannien erkennt als erster Staat die UdSSR völkerrechtlich an. 1927 Die vom Staat unabhängige Rundfunkgesellschaft „British Broadcasting Corporation“ (BBC) wird gegründet. 27. August 1928 Auf Inititative des französischen Außenministers Aristide Briand und seines US-amerikanischen Kollegen Frank Billings-Kellog wird in Paris von 15 Nationen ein Kriegsächtungspakt unterzeichnet, dem sich auch das Deutsche Reich anschließt. Der Friedenspakt erklärt den im nationalen Interesse geführten Angriffskrieg für völkerrechtswidrig. Davon ausgenommen bleibt das Recht auf Selbstverteidigung und die Teilnahme an Sanktionen des Völkerbundes. An die Stelle bewaffneter Auseinandersetzungen soll fortan eine internationale Schiedsgerichtsbarkeit treten. 31. August 1929 In Den Haag beschließen Belgien, Großbritannien und Frankreich die endgültige Räumung des Rheinlandes bis spätestens Ende Juni 1930. Voraussetzung für den Truppenabzug ist die Zahlung des Deutschen Reiches der neu festgesetzten Reparationsleistungen von jährlich rund zwei Milliarden Goldmark über einen Zeitraum von 59 Jahren. 11. Dezember 1931 Das Britsche Kolonialreich („Empire“) wird durch das vom britischen Parlament verabschiedete „Westminsterstatut“ zum „British Commonwealth of Nations“ transformiert. Fast alle Kolonien erhalten im Lauf der nächsten Jahrzehnte ihre Selbständigkeit. Wirtschaftliche Interessen und politische Traditionen, sowie die gemeinsame englische Sprache bilden die Gemeinsamkeiten der im Commonwealth zusammengeschlossenen, innen- und außenpolitisch souveränen Staaten. Manche Mitglieder erkennen König George VI. bzw. Königin Elizabeth II. (ab 1952) von Großbritannien als Oberhaupt ihres Staates an, vertreten durch einen Gouverneur (z.B. Australien, Kanada und Jamaika), die anderen betrachten sie nur als „Haupt des Commonwealth“. Das Commonwealth vereinigt 49 Staaten in allen Erdteilen, umfaßt weltweit etwa ein Viertel des Festlandes und zählt ungefähr eine Milliarde Einwohner. Als gemeinsame Ziele betrachten diese Staaten die Förderung und Stabilisierung des Weltfriedens und Erreichung der Gleichberechtigung der Menschen aller Rassen und Religionen. Ab 1933 Auf die Machtübernahme Adolf Hitlers in Deutschland reagiert die britische Regierung zunächst mit der Haltung des „Appeasement“ (Prinzip der Beschwichtigung). 2. Oktober 1934 Ein Grubenunglück in Cresford (Wales) fordert 260 Menschenleben. 11. Dezember 1936 Nur elf Monate nach seiner Thronbesteigung dankt König Edward VIII. ab, um die bürgerliche und zweifach geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson heiraten zu können und geht ins Exil nach Frankreich. Sein Bruder wird als George VI. neuer König von Großbritannien. 1. Juli 1937 Irland erklärt sich zur Republik „Eire“ (ohne Nordirland.) 29. September 1938 Das Deutsche Reich, Großbritannien, Italien und Frankreich unterzeichnen in München ein Abkommen, das die Tschechoslowakei verpflichtet, die überwiegend von deutschen bewohnten Sudetengebiete an das Deutsche Reich abzutreten. Zwei Tage später marschieren dort deutsche Truppen ein. 26. April 1939 In Großbritannien wird die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. 3. September 1939 Großbritannien und Frankreich erklären dem Deutschen Reich den Krieg. Ab 1940 Deutsche Luftangriffe fordern in London und anderen südenglischen Städten zahlreiche Menschenleben und richten schwere Verwüstungen an. Um einer Invasion der Deutschen zuvorzukommen, besetzt Großbritannien die zu Dänemark gehörende, strategisch wichtige Insel Island sowie die Faröer Inseln. 1941 werden die Briten auf Island durch die USA abgelöst. 23. Juni 1941 Großbritannien unterzeichnet ein Beistandsabkommen mit der UdSSR und den USA. 8. November 1942 Um 1.00 Uhr Ortszeit beginnt in Französisch-Nordwestafrika die Operation „Torch“, die Landung US-amerikanischer und britischer Streitkräfte in einer Stärke von 107.000 Mann bei Casablanca an der marokkanischen Küste sowie bei Algier und Oran in Algerien. Von der britischen Presse wird die Eröffnung dieser, von der UdSSR seit langem geforderten zweiten Front als Höhepunkt der westalliierten Strategie begrüßt, da sie den Auftakt zu einer direkten Offensive gegen das Deutsche Reich bildet. 1943 Dank des gewaltigen Waffen- und Soldatenpotentials der USA gewinnen die Alliierten (USA, Großbritannien, Frankreich, China, UdSSR und weitere 21 Staaten) im Zweiten Weltkrieg auf allen Kriegsschauplätzen allmählich die Oberhand. 14. Januar 1943 Der britische Premierminister Winston Churchill und der US-amerikanische Präsident Franklin Delano Roosevelt treffen in Casablanca/Marokko zu einer Geheimkonferenz zusammen, um weitere Strategien gegen Japan, Deutschland und Italien auszuarbeiten. September 1943 Britische und amerikanische Truppen erobern Sizilien. Daraufhin gibt Italien seine Kapitulation bekannt. Ein weiteres Vorrücken der Alliierten in Richtung Norden gestaltet sich jedoch angesichts einer starken deutschen Verteidigungsfront als äußerst schwierig. 28. November 1943 US-Präsident Franklin Delano Roosevelt, der britische Premier Winston Churchill und der sowjetische Partei- und Regierungschef Josef Stalin treffen sich in der iranischen Hauptstadt Teheran erstmals persönlich, um über den weiteren Kriegsverlauf und die Zukunft Europas bzw. Asiens nach dem Kriege zu verhandeln. (Weitere Konferenzen der „Großen Drei“ finden in der ägyptischen Hauptstadt Kairo und Jalta [Februar 1945] auf der Krimhalbinsel statt, wobei Roosevelt und Churchill den Wünschen Stalins weit entgegenkommen.) Ab 6. Juni 1944 Die ersten amerikanischen und englischen Truppeneinheiten gehen unter dem Oberkommando von General Dwigth David Eisenhower in der Normandie an Land und drängen die Deutschen immer weiter zurück, während die sowjetische „Rote Arme“ von Osten her nachrückt. 4. Februar 1945 In Jalta auf der Schwarzmeerhalbinsel Krim treffen sich hinsichtlich des zu erwartenden Kriegsendes US-Präsident Franklin Delano Rooesevelt, der britische Premier Winston Churchill und der sowjetische Diktator Josef Stalin, um über die Maßnahmen gegenüber Deutschland und seinen Verbündeten und die Machtverteilung in Europa nach dem Sieg der Alliierten sowie über die Gründung der Vereinten Nationen zu beraten. 8. Mai 1945 Die sowjetische „Rote Armee“ marschiert in Berlin ein, hißt auf der Ruine des Berliner Reichstagsgebäudes die sowjetische Flagge und nimmt die bedingungslose Kapitulation Deutschlands entgegen. Damit ist der Krieg in Europa beendet. Die Alliierten Streitkräfte der USA, Frankreichs, Großbritanniens und der UdSSR übernehmen, entsprechend früherer Absprachen, mit der „Vier-Mächte-Erklärung von Berlin“ die Regierungsgewalt in Deutschland. Ab Mitte 1945 Im Zweiten Weltkrieg gehörte Großbritannien zwar unter der Führung Churchills zu den Siegermächten, kann sich aber von den hohen Kriegsschulden nicht erholen. Wirtschaftliche Rezession, Arbeitslosigkeit und hohe Inflationsraten prägen die folgenden Jahre, und Großbritannien verliert seine wirtschaftliche Vorrangstellung an die USA. Großbritannien ist Gründungsmitglied der UNO. (In San Francisco unterzeichnen am 26. Juni 1945 die USA zusammen mit 49 weiteren Staaten [einschließlich der UdSSR] die Charta der Vereinten Nationen.) Juli 1945 Die Vertreter der drei Siegermächte Großbritannien, UdSSR und USA verhandeln in Potsdam über die Zukunft des besiegten Deutschlands, wobei der neue US-Präsident Harry S. Truman – Franklin Delano Roosevelt ist am 12. April im Alter von 63 Jahren gestorben – erstmals das Ausmaß des sowjetischen Machtanspruchs in Europa und in Asien erkennt. Clement Atterlee von der Labour Party wird Wahlsieger. Unter ihm werden in England wichtige Wirtschaftszweige (Kohle und Stahl) verstaatlicht und soziale Reformen durchgeführt. 4. März 1947 Frankreich und Großbritannien unterzeichnen einen auf 50 Jahre angelegten Bündnis- und Beistandsvertrag, dessen Hauptziel die Sicherung vor einer Wiederaufnahme deutscher Angriffspolitik ist. 12. August 1947 Die USA, Großbritannien, die UdSSR und China teilen per Losverfahren den Überrest der japanischen Kriegsflotte untereinander auf. 15. August 1947 Der letzte britische Vizekönig, Lord Mountbatten, entläßt die Kronkolonie British-India im Rahmen des Commonwealth in die Unabhängigkeit. Gemäß des von der Moslemliga und der Kongreßpartei gebilligten Teilungsplans erfolgt die Trennung in den Hindustaat Indien und den Moslemstaat Pakistan, der wiederum aus West- und Ostpakistan (Ost-Bengalen/Bangladesh - ab 1971 souveräner Staat) besteht, 1.700 Kilometer voneinander getrennt. November 1947 Neuseeland nimmt das vom britischen Parlament bereits im Jahre 1931 für alle seine Dominions verabschiedete „Westminsterstatut“ endgültig an, und wird damit souveräner Staat innerhalb des British Commonwealth of Nations. Januar 1948 Großbritannien entläßt Burma (ab 1989 Myanmar) endgültig in die Unabhängigkeit. Im Februar folgt die Insel Ceylon (ab 1972 Sri Lanka) im Rahmen des britischen Commonwealth of Nations 29. Juli 1948 Bis zum 14. August finden in London die XIV. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit statt. 4.099 Sportler (385 Frauen) aus 59 Ländern nehmen an insgesamt 151 Wettbewerben in 18 Sportarten teil. Deutschen und Japanern ist die Mitwirkung an den ersten Spielen nach dem Zweiten Weltkrieg untersagt. 10. Januar 1949 In London findet die erste Generalversammlung der Vereinten Natinen statt. 4. April 1949 In Washington gründen die USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Italien, Portugal, Dänemark, Norwegen und Island das NATO-Verteidigungsbündnis (North Atlantic Treaty Organization). (NATO-Hauptquartier wird 1966 die belgische Hauptstadt Brüssel.Griechenland und die Türkei treten der NATO 1952, die Bundesrepublik Deutschland 1955 und Spanien 1982 bei.) 6. Januar 1950 Großbritannien nimmt als erster westlicher Staat diplomatische Beziehungen zu der im Jahr zuvor von Mao Tsetung ausgerufenen Volksrepublik China auf. 1. März 1950 In London wird der deutsche Atomphysiker Klaus Fuchs wegen Spionage für die UdSSR zu vierzehn Jahren Zuchthaus verurteilt. 1951 Die Konservativen unter Winston Churchill übernehmen die Regierung. Verstaatlichungen werden rückgängig gemacht. Großbritannien entläßt das Sultanat Oman endgültig in die Unabhängigkeit. 6. Februar 1952 Nach dem Tod von König George VI. wird seine älteste Tochter als Elizabeth II. (geboren 1926; seit 1947 verheiratet mit Philip Mountbatten, dem Herzog von Edinburgh) Königin von Großbritannien und Nordirland. Die offiziellen Krönungsfeierlichkeiten finden am 2. Juni 1953 im Beisein von Vertretern aus aller Welt in der Westminster Abbey von London statt. 6. September 1952 Bei Flugvorführungen in der britischen Stadt Farnborough stürzt ein Düsenflugzeug in die mit 120.000 Menschen besetzte Zuschauertribüne. 30 Menschen kommen ums Leben, 70 werden verletzt. 3. Oktober 1952 Großbritannien zündet auf dem Montebello-Archipel vor Australien seine erste Atombombe zu Versuchszwecken. 1954 Ein britisch-ägyptischer Vertrag vereinbart den Abzug der britischen Truppen aus Ägpyten. 8. September 1954 In Manila/Philippinen gründen die USA, Thailand, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Frankreich, Pakistan und die Philippinen die SEATO (Southeast Asia Treaty Organization; wird 1977 wieder aufgelöst). 5. April 1955 Der 80jährige Premier, Historiker und Literaturnobelpreisträger von 1953, Sir Winston Spencer Churchill, der Großbritannien mit eisernem Duchhaltewillen siegreich aus dem Zweiten Weltkrieg geführt hatte, tritt aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt als Regierungschef zurück. Nachfolger wird der bisherige Außenminister Sir Anthony Eden, der die Parlamentswahlen am 26. Mai für sich entscheiden kann. 1. Januar 1956 Großbritannien erklärt den Sudan zur unabhängigen Republik. 17. Oktober 1956 Queen Elizabeth II. eröffnet in Calder Hall das weltweit erste Großkernkraftwerk zur kommerziellen Stromgewinnung. 6. März 1957 Großbritannien entläßt die „Goldküste“ in Westafrika als erstes schwarzafrikanisches Land im Rahmen des Commonwealth unter dem Namen „Ghana“ in die Unabhängigkeit. 15. Mai 1957 Großbritannien zündet in der Nähe der Weihnachtsinseln im Pazifik seine erste Wasserstoffbombe zu Testzwecken. 30. August 1957 Die südliche Malaiische Halbinsel wird als Malaya unabhängig. (1963 schließen sich Malaya und Singapur sowie Sabah [einschließlich der Insel Labuan] und Sarawak auf Nordborneo mit Billigung Großbritanniens zum Staatenbund Malaysia zusammen. 1965 trennt sich Singapur ab und wird souveräner Staat.) 10. Oktober 1957 Bei einem Brand in der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield (County Windscale) entweichen große Mengen Radioaktivität. (Nach offiziellen Angaben sterben an den Folgen 40 Menschen.) 6. Februar 1958 Nach einem mißlungenen Start auf dem Flughafen München-Riem rammt die britische Chartermaschine der „British European Airways“ (BEA) ein Haus, fängt Feuer und bricht auseinander. 23 Flugzeuginsassen finden den Tod, darunter sieben Spieler der Fußballmannschaft von Manchester United, die auf dem Heimflug vom siegreichen Europacup-Rückspiel im jugoslawischen Belgrad war. Der Pilot hatte zwei Startversuche auf der schneebedeckten Piste abgebrochen. Beim dritten Versuch war die mit 38 Passagieren und sechs Crewmitgliedern besetzte Maschine über die Bahn hinausgeschossen. 1. Dezember 1959 Auf Initiative der USA unterzeichnen in Washington zwölf Staaten (Argentinien, Australien, Belgien, Chile, Frankreich, Großbritannien, Japan, Neuseeland, Norwegen, Südafrika, UdSSR, USA) einen Vertrag, der eine ausschließlich friedliche Nuztung der Antarktis vorsieht, wo alle Unterzeichnerstaaten bereits Forschungsstationen eingerichtet haben. Das am 23. Juni 1961 in Kraft tretende Abkommen hat eine Laufzeit von 30 Jahren und ist die erste internationale Vereinbarung zur Einschränkung von Kernwaffen-Tests. 4. Januar 1960 Großbritannien, Dänemark, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden und die Schweiz (Finnland assoziiert sich) gründen als Gegengewicht zur „Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft“/EWG (BRD, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande, Belgien) die „European Free Trade Association“ (EFTA). 16. August 1960 Großbritannien entläßt die Insel Zypern am 16. August in die Unabhängigkeit und am 1. Oktober auch das schwarzafrikanische Nigeria im Rahmen des Commonwealth. 2. Dezember 1960 Als erstes Oberhaupt der anglikanischen Kirche besucht der Erzbischof von Canterbury, G. B. Fisher, das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, Papst Johannes XXIII., in Rom. 27. April 1961 Sierra Leone in Westafrika erreicht die volle Souveränität, bleibt jedoch Mitglied des Commonwealth. 19. Juni 1961 Nach Aufhebung des britischen Protektoratsvertrags von 1899 und dem Abzug der in Kuwait stationierten britischen Truppen erreicht das kleine Emirat am Persischen Golf seine volle Souveränität. August 1962 Nach Auflösung der Westindischen Föderation werden die Karibik-Insel Trinidad und Tobago sowie Jamaika in die Unabhängigkeit entlassen, verbleiben jedoch im britischen Commonwealth. 5. August 1963 In Moskau schließen die USA, Großbritannien und die UdSSR ein Abkommen über eine teilweise Einstellung der Atomwaffenversuche; wenig später unterzeichnen weitere 103 Staaten (ohne Frankreich und der VR China) den Vertrag. 8. August 1963 Bei einem generalstabsmäßig geplanten und mit größter Präzision ausgeführten Überfall auf den Postzug Glasgow-London erbeutet eine Bande von 15 Männern 2,63 Millionen Pfund Sterling (rund 30 Millionen DM). In den nächsten Monaten gelingt der Polizei zwar die Festnahme von 13 Beteiligten am bislang größten Geldraub der Kriminalgeschichte, doch zwei Posträuber und auch der größte Teil der Beute bleiben verschwunden. 12. Dezember 1963 Kenia wird im Rahmen des Commonwealth in die Unabhängigkeit entlassen. 5. Mai 1964 Die Mittelmeerinsel Malta wird im Rahmen des Commonwealth in die Unabhängigkeit entlassen. 6. Juli 1964 Njassaland im südlichen Afrika wird als Mitglied des Commonwealth unter dem Namen Malawi in die Unabhängigkeit entlassen. Nordrhodesien folgt am 24. Oktober unter dem Namen Sambia. 16. Oktober 1964 Harold Wilson (Labour-Party) wird neuer Regierungschef Großbritanniens. 11. November 1965 Ian Smith, Regierungschef von Rhodesien, erklärt die Unabhängigkeit vom Mutterland. Dies wird von Großbritannien und der UNO nicht anerkannt. 18. Februar 1965 Das afrikanische Gambia wird innerhalb des Commonwealth of Nations in die Unabhängigkeit entlassen. 26. Juli 1965 Die Malediven erlangen völlige Souveränität, treten aus dem britischen Commonwealth of Nations aus und werden 117. Mitglieder der UNO. 26. Oktober 1965 Die Mitglieder der erfolgreichen Popgruppe „The Beatles“, John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr, werden von Queen Elizabeht II. im Buckingham-Palast mit dem Orden „Member of the British Empire“ ausgezeichnet. Zahlreiche konservative Ordensträger geben daraufhin ihre Auszeichnungen aus Protest zurück. 1966 Die britische Fußballnationalmannschaft wird Fußballweltmeister. 26. Mai 1966 British-Guayana in Südamerika wird im Rahmen des Commonwealth endgültig in die Unabhängigkeit entlassen. 4. Oktober 1966 Unter dem Namen „Lesotho“ wird Basutoland in Südafrika in die Unabhängigkeit entlassen. 21. Oktober 1966 Eine Abraumhalde verschüttet das walisische Dorf Aberfan. 144 Menschen, darunter 116 Kinder, kommen ums Leben. 30. November 1966 Die Karibik-Insel Barbados wird im Rahmen des Commonwealth in die Unabhängigkeit entlassen. 1967 Im britischen Teil der Nordsee wird mit der Förderung von Erdgas begonnen. Das arabische (Süd-)Jemen wird nach dem Abzug der britischen Truppe endgültig unabhängig (und vereinigt sich 1990 mit dem Nordjemen zur Republik Jemen.) 27. Januar 1967 Großbritannien, die UdSSR und die USA unterzeichnen einen Vertrag, der die Tätigkeiten der Unterzeichnerstaaten im Weltall regelt. Ziel ist die friedliche Nutzung und Erforschung des Weltraums einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper. 18. März 1967 Der Großtanker „Torrey Canyon“ läuft vor der englischen Südwestküste auf ein Riff auf. Ein Großteil der 118.000 Tonnen Erdöl läuft aus. 24. März 1967 Das britische Unterhaus beschließt die Umstellung der Währung auf das Dezimalsystem für das Jahr 1971. 31. Januar 1968 Die nur 21,4 Quadratkilometer große Insel Nauru im Westpazifik wird im Rahmen des Commonwealth unabhängige Republik und ist damit nach dem Vatikan und Monaco der drittkleinste Staat der Erde. 12. März 1968 Innerhalb des Commonwealth wird Mauritius im Indischen Ozean (zusammen mit der östlich gelegenen Insel Rodrigues und den nordöstlich gelegenen Inselgruppen Agalega und Cargados-Carajos) in die Unabhängigkeit entlassen. 6. September 1968 Das Königreich Swasiland in Südafrika wird als letztes Land auf dem afrikanischen Kontinent (außer Rhodesien) in die Unabhängigkeit entlassen, bleibt aber Mitglied des Commonwealth. Ab 1969 Die Unruhen in den nordirischen Provinzen verstärken sich bis hin zum Bürgerkrieg zwischen der katholischen Bürgerrechtsbewegung und protestantischen Radikalen. Mit dem Einsatz von Truppen versucht die britische Regierung, Herr der Lage zu werden. 10. Dezember 1969 Das britische Unterhaus stimmt für die Abschaffung der Todesstrafe. 4. Juni 1970 Das Königreich Tonga wird im Rahmen des Commonwealth souveräner Insel-Staat im Pazifik. 10. Oktober 1970 Die Fidschi-Inseln im Pazifik werden im Rahmen des Commonwealth in die Unabhängigkeit entlassen. 3. Januar 1971 Im Glasgower Fußballstadion bricht ein Tribünengeländer unter dem Druck der Zuschauermassen. 66 Menschen werden zu Tode getrampelt, über 100 z.T. schwer verletzt. 11. Februar 1971 Die Atommächte USA, UdSSR und Großbritannien unterzeichnen ein Abkommen, das die Stationierung von Atom- und anderen Massenvernichtungswaffen auf dem Meeresboden und auf dem Festlandsockel außerhalb einer Zwölf-Meilen-Hoheitszone untersagt. 15. Februar 1971 Aufgrund des bevorstehenden Beitritts Großbritanniens zur Europäischen Gemeinschaft wird die Währung auf das Dezimalsystem umgestellt: Das Pfund Sterling zählt nun 100 Pence statt 20 Shilling zu je zwölf Pence. 14. August 1971 Der Sultan des Emirats Bahrain am Persischen Golf proklamiert mit Zustimmung Großbritanniens die Souveränität. Das Emirat Katar folgt am 1. September. 2. Dezember 1971 Nach Ablauf des britischen Protektorats und dem endgültigen Abzug der britischen Truppen werden per Föderationsvertrag die Vereinigten Arabischen Emirate als unabhängiger Staatenbund gegründet, bestehend aus sechs Emiraten am Persischen Golf (Abu Dhabi, Dubai, Schardscha, Adschman, Fudschschaira und Umm al-Quaiwan). 9. Januar 1972 Im Hongkonger Hafen brennt der Luxusdampfer „Queen Elizabeth“ völlig aus und sinkt. Das Schiff sollte zu einer schwimmenden Universität ausgebaut werden. Ab 30. Januar 1972 Am 30. Januar marschiert britisches Militär in die katholischen Viertel der nordirischen Hauptstadt Belfast ein. Allein auf Seiten der Zivilisten gibt es dreizehn Tote und viele Verletzte. Am 24. März wird das nordirische Parlament aufgelöst, und London übernimmt die Regierungsgewalt in Nordirland. Dies führt zum Bombenterror der katholischen Untergrundbewegung Irisch-Republikanische Armee (IRA) in Nordirland und England, der am 21. Juni, dem „Bloody Sunday“ (IRA-Sprengsätze töten in Belfast neun Menschen), seinen ersten Höhepunkt findet. 1973 Großbritannien wird Vollmitglied der Europäischen Gemeinschaft (EG). 20. April 1973 Während des Besuchs des australischen Premierministers Edward Gough Whitlam in London wird eines der letzten kolonialen Bande zwischen Großbritannien und Australien gelöst: Das Appellationsrecht der australischen Gerichte an den Privy Council (Geheimer Staatsrat des Königs) wird aufgehoben. 10. Juli 1973 Die Bahamas in der Karibik erklären mit dem Einverständnis Großbritanniens ihre Unabhängigkeit innerhalb des britischen Commonwealth. 7. Februar 1974 Die Karibik-Insel Grenada wird im Rahmen des Commonwealth unabhängig. Zum Staatsgebiet gehören neben der rund 300 Quadratkilometer großen Hauptinsel Grenada auch die nördlich gelegenen Inseln der Südlichen Grenadinen (u.a. Carriacou [34 km²], Ronde [3 km²] und Petit Martinique [2 km²]). 28. Februar 1974 Bei den Parlamentswahlen büßen die Konservativen von Premierminister Edward Heath (seit Juni 1970) die absolute Mehrheit im Unterhaus ein. Da die Liberalen eine Koalition mit den Tories ablehnen, tritt Heath im März zurück und Labour-Chef Harold Wilson wird Führer einer Minderheitsregierung. 28. Februar 1975 Beim bislang schwersten Unglück in der Geschichte der Londoner U-Bahn sterben 41 Menschen. (Ein Zug war ungebremst in eine Wand gerast und in Flammen aufgegangen.) 16. September 1975 Papua-Neuguinea (der Ostteil der Insel Neuguinea, der Bismarck-Archipel, die Inseln Bougainville und Buka sowie 600 kleinere Inseln) wird innerhalb des Commonwealth unabhängig. 3. November 1975 Queen Elizabeth II. eröffnet die erste Unterwasserpipeline, durch die Erdöl von den Ölfeldern in der Nordsee zum schottischen Festland gepumpt wird. Das in der Nordsee geförderte Öl hat aufgrund des arabischen Ölboykotts und die dadurch ausgelöste Energiekrise 1973 an Bedeutung gewonnen, obwohl die Förderung relativ teuer ist. 29. Juni 1976 Die Seychellen im Indischen Ozean, gegliedert in die vier Hauptinselgruppen Seychelles, Amirante, Aldabra und Farquar, werden unabhängige Republik im Commonwealth. 10. Dezember 1976 Mairéad Corrigan und Betty Williams, die „Friedensfrauen“ von Belfast, erhalten den Friedensnobelpreis für ihre Bemühungen um Verständigung zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland. 1977 Die Bevölkerung in Schottland und Wales spricht sich in Referenden für die Selbstverwaltung aus. 7. Juli 1978 Der britische Teil der Salomonen im Pazifik wird im Rahmen des Commonwealth unabhängig. Die neun Atolle der pazifischen Ellice-Inseln folgen unter dem Namen Tuvalu am 1. Oktober und die Karibik-Insel Dominica am 3. November. 26. Juli 1978 In London kommt das erste außerhalb des menschlichen Körpers gezeugte Baby zur Welt. Die Entwicklung des in der Retorte befruchteten Eis sowie die Geburt des Retortenbabys – ein Mädchen – verliefen ohne Komplikationen. 22. Februar 1979 Die Karibik-Insel Saint Lucia wird innerhalb des Commonwealth unabhängig. 3. Mai 1979 Bei den Unterhauswahlen wird die seit 1974 regierende Labour Party von den Konservativen (Tories) geschlagen. Deren Vorsitzende, die Chemikerin und Juristin sowie Ex-Erziehungsministerin Margaret Thatcher, wird die erste weibliche Regierungschefin Großbritanniens (und Europas). Sie beschneidet rigoros die Macht der Gewerkschaften und kürzt staatliche Sozialleistungen, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu stärken. Während ihrer Regierungszeit (bis 1990) werden zwei Drittel des staatlichen Industriesektors privatisiert. Die Haltung der „Eisernen Lady“ zur Europäischen Gemeinschaft ist von deutlicher Distanz geprägt. Juni 1979 In den mittlerweile neun Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft (Belgien, Dänemark, Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande) ist die Beteiligung an den am 7. und 10. Juni stattfindenden ersten Direktwahlen zum Europäischen Parlament im französischen Straßburg äußerst gering. Insgesamt geben nur etwa 60 Prozent aller Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Die meisten Wähler gehen in Belgien an die Wahlurne (88%), die wenigsten in Großbritannien (31%). Sozialisten und Sozialdemokraten erringen 112 von insgesamt 410 Sitzen und stellen damit die stärkste Fraktion, gefolgt von den Christdemokraten mit 106 Mandaten. Die Kommunisten werden mit 44 Abgeordneten vertreten sein. Die ehemalige französische Gesundheitsministerin Simone Veil wird zur ersten Präsidentin des Europaparlaments gewählt. 12. Juli 1979 Die sechzehn Gilbert-Inseln, die acht Phönixinseln und acht der insgesamt elf Line-Inseln sowie die westlich gelegene Insel Banaba im Pazifik erhalten im Rahmen des Commonwealth als „Republik Kiribati“ ihre Unabhängigkeit. 27. Oktober 1979 Die Karibik-Insel St. Vincent und die südlich gelegenen Grenadinen (Bequia Island, Mustique Island, Canouan Island, Union Island und 28 weitere kleine und kleinste, z.T. unbewohnte Vulkaninseln) werden unter dem Namen „St. Vincent und die Grenadinen“ im Rahmen des Commonwealth in die Unabhängigkeit entlassen. 18. April 1980 Großbritannien entläßt das inzwischen in Simbabwe umbenannte Rhodesien endgültig in die Unabhängigkeit. 30. Juli 1980 Unter dem Namen Vanuatu werden die Neuen Hebriden im Pazifik im Rahmen des Commonwealth in die Unabhängigkeit entlassen. 21. September 1981 Das mittelamerikanische Belize wird im Rahmen des Commonwealth in die Unabhängigkeit entlassen. Der Karibik-Inselstaat Antigua and Barbuda folgt am 1. November. 14. Juni 1982 Die seit Anfang April von argentinischen Truppen besetzten Falklandinseln (Islas Malvinas) im Südatlantik, die seit über 150 Jahren Streitpunkt zwischen Großbritannien und Argentinien sind, u.a. wegen vermuteter großer Erdölvorkommen in den Gewässern um die Inseln, werden von Großbritannien zurückerobert. Bei den seit dem 21. Mai an Land und zu Wasser geführten Kämpfen fielen 255 britische und 712 argentinische Soldaten. Zudem verlor Großbritannien mehrere Kriegsschiffe. 19. September 1983 Die Karibik-Inseln St. Kitts und Nevis werden unter dem Namen „St. Christopher and Nevis“ innerhalb des Commonwealth unabhängig. 26. November 1983 Aus einem Sicherheitsdepot in der Nähe des Londoner Flughafens Heathrow erbeuten sechs maskierte und bewaffnete Räuber rund 6.800 Goldbarren im Wert von 100 Millionen DM und Diamanten im Wert von einer halben Million DM. 1. Januar 1984 Das kleine Sultanat Brunei im Norden der Insel Borneo/Kalimantan wird von Großbritannien endgültig in die Unabhängigkeit entlassen. 11. Mai 1985 Während eines Fußballspiels im englischen Bradford fängt die 77 Jahre alte Holztribüne des Stadions Feuer. Bei der Brandkatastrophe kommen 52 Zuschauer ums Leben, mehr als 200 werden z.T. schwer verletzt. 29. Mai 1985 Während des Europapokalendspiels zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool im Brüsseler Heysel-Stadion durchbrechen betrunkene britische Fußballfans eine Absperrung und prügeln auf italienische Schlachtenbummler ein. Bei der anschließenden Panik werden von einer einstürzenden Mauer 20 Menschen erschlagen, weitere 18 werden totgetrampelt und mehrere Hundert z.T. schwer verletzt. 3. März 1986 Die letzten Vollmachten für ein Eingreifen Großbritanniens in innere Angelegenheiten Australiens werden mit der Unterschrift des „Australian Act 1986“ von Königin Elizabeth II. abgeschafft. 6. November 1986 Beim Absturz eines Transporthubschraubers in der Nähe der Shetland-Inseln kommen 45 Arbeiter einer Ölplattform ums Leben. 6. März 1987 Im Hafen der belgischen Stadt Zeebrugge kentert die britische Fähre „Harold of Free Enterprise“. Mehr als 200 Menschen kommen ums Leben. Ursache des Unglücks sind nach Angaben der Fährgesellschaft offengebliebene Bugtore des Schiffes. 19. August 1987 In der englischen Kleinstadt Hungerford läuft ein 27-Jähriger Amok und erschießt 16 Menschen. 18. November 1987 Ein Schwelbrand im Londoner U-Bahnhof King’s Cross entwickelt sich zum Inferno, in dem 31 Menschen ums Leben kommen. 12. Dezember 1988 Bei einem Eisenbahnunglück im Süden Londons werden 33 Menschen getötet und 120 weitere z.T. schwer verletzt. 21. Dezember 1988 Nach der Explosion einer im Laderaum versteckten Bombe stürzt ein US-amerikanisches Flugzeug über der schottischen Stadt Lockerbie ab. Alle 259 Insassen sowie elf Bewohner des Ortes kommen ums Leben. 15. April 1989 Während eines Fußballspiels zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest im überfüllten Hillsborough-Stadion der mittelenglischen Stadt Sheffield kommt es zu einer Massenpanik. 96 Menschen werden zu Tode getrampelt, über 200 z.T. schwer verletzt. 27. November 1990 Der bisherige Schatzkanzler John Major wird Nachfolger von Margaret Thatcher –sowohl als Vorsitzender der Konservativen Partei als auch als britischer Premierminister. 1992 Die Verhandlungen über die Zukunft Nordirlands scheitern. 20. November 1992 Am 45. Hochzeitstag von Elizabeth II. und Prinz Philip zerstört ein Großbrand, verursacht durch einen Heizstrahler, mehr als 100 Räume, darunter neun Staatsräume und ein Bankettsaal, auf Schloß Windsor vor den Toren Londons. 5. November 1993 Der Vertrag von Maastricht von 1991, der die Errichtung einer „Europäischen Union“ vorsieht, wird nach erheblichen Auseinandersetzungen, auch innerhalb der konservativen Partei von Premierminister John Major, vom Parlament in London ratifiziert. 12. März 1994 In Bristol werden erstmals 32 Frauen zu Priesterinnen der anglikanischen Kirche geweiht. Aus Protest treten rund 30 anglikanische Geistliche sowie zahlreiche Gläubige zum katholischen Glauben über. 6. Mai 1994 Die britische Königin Elizabeth II. und Frankreichs Staatspräsident François Mitterrand eröffnen nach siebenjähriger Bauzeit in Cheriton bzw. Coquelles bei Calais den 50 Kilometer langen Eisenbahntunnel unter dem Ärmelkanal (davon liegen 38 Kilometer unter Wasser). August 1994 Die katholische Untergrundorganisation IRA ruft einen Waffenstillstand aus, der 17 Monate Bestand hat. Als jedoch die katholische Sinn Féin-Partei nicht zu den „Verhandlungen am runden Tisch“ zugelassen wird, kehren die Terroristen zum Kampf zurück. 18. Februar 1995 In London explodiert in einem Bus eine Bombe der katholischen Untergrundorganisation IRA; der Anschlag fordert ein Todesopfer und zehn Verletzte. 1. September 1995 Großbritannien schließt mit der katholischen Untergrundorganisation IRA ein Waffenstillstandsabkommen zur Beendigung des seit 26 Jahren andauernden Bürgerkrieges in Nordirland. 2. Dezember 1995 Der frühere Devisenhändler der britischen Baring-Bank, Nick Leeson, wird in Singapur wegen Betrugs zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Seine Fehlspekulationen mit Derivaten an der dortigen Börse hatten Anfang des Jahres zum Bankrott der Londoner Privatbank geführt. 8. Januar 1996 In Liverpool nimmt die erste europäische Pop-Hochschule den Lehrbetrieb auf. 9. Februar 1996 Die katholische Untergrundorganisation IRA verübt nach fast eineinhalbjährigem Waffenstillstand ein Bombenattentat auf ein Londoner Bürohaus, wobei zwei Menschen getötet und über 100 verletzt werden. 15. Februar 1996 Die Londoner Polizei entschärft eine Bombe der katholischen Untergrundorganisation IRA. Vor der Küste von Wales läuft ein liberianischer Tanker auf Grund und schlägt leck; über 70.000 Tonnen Rohöl ergießen sich ins Meer und verseuchen eines der wertvollsten Naturschutzgebiete der britischen Inseln. 13. März 1996 Ein Amokläufer erschießt im schottischen Dunblaine in einer Schule 15 Erstklässler, ihre Lehrerin und danach sich selbst. 20. März 1996 Die Regierung in London räumt erstmals ein, daß die Rinderkrankheit BSE durch den Verzehr von Rindfleisch auf den Menschen übertragen werden kann. Daraufhin verhängt die EU-Kommission in Brüssel ein weltweites Exportverbot für britisches Rindfleisch und fordert von London die Schlachtung und Verbrennung von über 130.000 möglicherweise infizierten Tieren. 15. Juni 1996 Bei der Explosion einer Autobombe der katholischen Untergrundorganisation IRA werden im Zentrum von Manchester über 200 Menschen schwer verletzt. August 1996 Die Ehe des britischen Thronfolgers Prinz Charles und Prinzessin Diana wird nach 15 Jahren geschieden. 7. Oktober 1996 Ein Bombenanschlag der katholischen Untergrundorganisation IRA auf das Hauptquartier der britischen Truppen in Nordirland (Lisburn) fordert ein Menschenleben und 30 Verletzte. November 1996 Die in Hongkong lebenden Chinesen, die nach Ausrufung der Volksrepublik China in die Kronkolonie geflüchtet waren, erwarten voller Angst die Rückkehr Hongkongs unter chinesische Oberhoheit am 30. Juni 1997. Die Führung in Peking hat angekündigt, sämtliche in Hongkong eingeführte demokratische Reformen wieder rückgängig zu machen; das kapitalistische Wirtschaftssystem solle allerdings bis 2047 weitergeführt werden. Dies gelte auch für Macao, das 1999 von Portugal an China zurückgegeben wird. Der neue Regierungschef der „Sonderverwaltungsregion (SAR) Hongkong“ wird in Peking bereits am 11. Dezember 1996 aus acht Kandidaten ausgewählt und zehn Tage später soll ein vorläufiges Parlament ernannt werden. Die derzeitige Führung Hongkongs bezeichnet dieses Ernennungsverfahren als Farce und undemokratisch. 18. November 1996 Bei einem Brand in einer der beiden Röhren des Eurotunnels unter dem Ärmelkanal werden 34 Menschen verletzt, wovon acht mit schweren Rauchvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Es entsteht ein Sachschaden von 200 Millionen englischer Pfund. Die Polizei schließt Brandstiftung nicht aus. 23. Februar 1997 Ein britisches Institut gibt bekannt, erstmals mit Zellen eines erwachsenen Säugetiers ein genetisch identisches Tier, ein Klon, erzeugt zu haben. Der Zellkern einer Euterzelle des Schafes „Dolly“ wurde dazu in die unbefruchtete Eizelle eines zweiten Schafes eingeplanzt und diese in die Gebärmutter einer Leihmutter, die schließlich „Dolly 2“ zur Welt brachte. 20. April 1997 Mehrere Bombendrohungen, die auf das Konto der irischen Untergrundorganisation IRA gehen, lösen in London das schlimmste Verkehrschaos seit Jahren aus. 2. Mai 1997 Bei Parlamentswahlen erreicht die zur „New Labour“ gewandelte Labour Party 419 (1992 waren es 271) von insgesamt 659 Sitzen und verdrängt somit die Konservativen, die nur noch 165 Mandate erhalten (1992 waren es 336), nach 18 Jahren aus der Regierung. Der 43jährige Labour-Chef Tony Blair wird Großbritanniens jüngster Premierminister seit 200 Jahren. Die neue Regierung sucht größere Nähe zur EG, will aber vorerst nicht der Wirtschafts- und Währungsunion beitreten. In Schottland und Wales entscheidet sich die Bevölkerung bei Referenden für die Errichtung eigener Parlamente. 11. Mai 1997 Nach verschiedenen Terroranschlägen in Nordirland – ein Polizist wurde ermordet – warnt Erzbischof Robin Eames, das Oberhaupt der Katholischen Kirche in Irland, eindringlich vor einer neuen Welle der Gewalt in Nordirland. 16. Mai 1997 Premier Tony Blair reist in die nordirische Haupstadt Belfast und bietet der katholischen Partei Sinn Féin, die von seinem Vorgänger wegen ihrer Verbindungen zur IRA (die Irisch-Republikanische Armee hatte seinen Wahlkampf wiederholt mit Bombenattentaten, die glücklicherweise glimpflich verliefen, gestört) von Nordirlandverhandlungen ausgeschlossen gewesen war, Gespräche an. 14. Juni 1997 Als Antwort auf einen erneuten Versuch des britischen Premierministers Tony Blair, die Untergrundorganisation IRA zu einem Waffenstillstand zu bewegen, werden im nordirischen Belfast zwei protestantische Polizisten erschossen. 16. Juni 1997 Das Unterhaus in London verabschiedet eines der schärfsten Waffengesetze der Welt: Ab 1. Juli 1997 ist in Großbritannien der Privatbesitz von Handfeuerwaffen mit einem Kaliber über 22 verboten. Davon betroffen sind auch die Schützenvereine, die landesweit etwa 160.000 Pistolen und Waffen dieser Art besitzen und diese nun bei der Polizei abliefern müssen. 18. Juni 1997 Der Vorsitzende der nordirischen Sinn-Féin Partei, Gerry Adams, fordert die Untergrundorganisation IRA zur Erneuerung ihres Waffenstillstandes auf. 25. Juni 1997 Auf der knapp 100 Quadratkilometer großen Karibik-Insel Montserrat (seit 1960 britische Kronkolonie) bricht in den Soufriere-Bergen ein seit zwei Jahren wieder tätiger Vulkan aus. Dabei kommen 19 Menschen ums Leben, die sich in der Sperrzone befanden. Nach dem ersten Ausbruch im Juli 1995 hatte etwa die Hälfte der 11.000 Inselbewohner Montserrat verlassen. Nachdem die Wissenschaftler erhöhte Eruptionsgefahr prophezeiten, ließ die Regierung im Februar 1997 die restlichen 1200 Bewohner des Südens in den relativ sicheren Norden evakuieren, wo sie seitdem in Notquartieren untergebracht sind. (Großbritannien besteht aus den drei Landesteilen England, Wales und Schottland. Zusammen mit Nordirland bildet es das Vereinigte Königreich. „Crown Dependencies“ [unmittelbar mit der Krone verbundene, autonome Außengebiete] sind die Kanal-Inseln Jersey, Guernsey, Alderney, Herm und Jethou vor der französischen Küste sowie die Isle of Man in der Irischen See. „Dependent Territories“ [abhängige Außengebiete mit innerer Selbstverwaltung] sind verschiedene Inseln in der Karibik [Anguilla, Britische Jungerninseln, Kaimaninseln, Montserrat, Turks- und Caicoinseln], im Atlantik [Bermuda, Falkland, St. Helena, Süd-Georgien u. Südliche Sandwichinseln] und im Pazifik [Pitcairninseln] sowie die Kronkolonie Gibraltar im Süden der Iberischen Halbinsel.) 28. Juni 1997 Die Ankündigung Pekings, sofort nach der Übergabe Hongkongs an China rund 4.000 Soldaten und zahlreiche Panzerwagen in die ehemalige Kronkolonie zu entsenden, stößt in Großbritannien auf heftige Kritik. Der britische Thronfolger Prinz Charles und Außenminister Robin Cook, inzwischen zu den Übergabefeierlichkeiten in Hongkong eingetroffen, vertrauen jedoch darauf, daß Peking seine gegebenen Versprechen hinsichtlich der Zukunft Hongkongs einhalten wird. 30. Juni 1997 Pünktlich um Mitternacht übergibt in einer feierlichen Zeremonie der britische Thronfolger Prinz Charles die Kronkolonie Hongkong an den chinesischen Staats- und Parteichef Jiang Zemin, der erneut bekräftigt, daß Hongkong in Zukunft ein hohes Maß an Autonomie erhalten und Peking an dem Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ festhalten werde. Während der Rede Zemins und der darauf folgenden Vereidigung des von Peking ernannten neuen Verwaltungschefs Tung Chee Hwa verlassen Prinz Charles und der letzte Gouverneur, Chris Patten, auf der königlichen Yacht „Brittania“ Hongkong. Kurz darauf wird das erst vor kurzem neugewählte Hongkonger Parlament aufgelöst und das neue, von Peking ernannte, vereidigt. Zur gleichen Stunde feiern in Peking auf dem Platz des Himmlischen Friedens etwa 100.000 Menschen die Rückgabe Hongkongs an China. 1. Juli 1997 Rund 4.000 schwerbewaffnete chinesische Soldaten marschieren in die Kasernen in Hongkong ein, und Peking stationiert Schützenpanzer, Hubschrauber und Kriegsschiffe in der einstigen britischen Kronkolonie. Gleichzeitig setzt das neue von der VR China ernannte Parlament Hongkongs mehrere Gesetze in Kraft, die einige Freiheiten der Hongkonger Bevölkerung beschneiden (u.a. müssen Demonstrationen in Zukunft eine Woche vorher beantragt werden und können von der Polizei verboten bzw. aufgelöst werden). Die rund 3.000 Demonstranten, die zur gleichen Zeit in einer friedlichen Kundgebung die Demokratisierung von ganz China sowie die Freilassung von derzeit in China inhaftierten Dissidenten fordern, werden jedoch nicht behelligt. 2. Juli 1997 Wie erst jetzt bekannt wird, hat Großbritannien trotz des EU-Verbots in den vergangenen Monaten über 1.700 Tonnen Rindfleisch ausgeführt. Davon wurden 900 Tonnen als belgisches Fleisch deklariert und nach Ägypten, Rußland und zu einem geringen Teil auch in Deutschland verkauft, die übrigen 700 Tonnen wurden in den Niederlanden beschlagnahmt. Mindestens 116 Tonnen sind in Deutschland zu Wurst verarbeitet worden. 6. Juli 1997 In der nordirischen Kleinstadt Portadown kommt es nach einem von den Behörden genehmigten friedlich verlaufenen Marsch von über 1.000 Mitgliedern des protestantischen „Oranier“-Ordens (die seit fast 200 Jahren alljährlich in Nordirland stattfindenden Paraden erinnern an die Siege des damaligen englischen Königs Wilhelm III. von Oranien über den katholischen König Jakob II. in Nordirland Ende des 17. Jahrhunderts und sind für die Katholiken natürlich eine Provokation) durch den katholischen Stadtteil zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Katholiken, wobei mehrere Dutzend Menschen verletzt werden. 8. Juli 1997 Bei erneuten blutigen Straßenschlachten in Nordirland zwischen Katholiken, britischen Sicherheitskräften und Protestanten, werden zwei Personen, ein Polizist und ein Protestant angeschossen, ein protestantischer Bombenbauer kommt bei der Explosion seines eigenen Sprengsatzes ums Leben. 9. Juli 1997 Wegen eines eintägigen Streiks der Flugbegleiter bei der Fluggesellschaft British Airways sitzen Tausende Urlauber und Geschäftsreisende auf den beiden Londoner Großflughäfen Heathrow und Gatwick fest. 11. Juli 1997 Der protestantische „Oranier-Orden“ sagt die für den 12. Juli angekündigten Traditions-Paraden durch Belfast und andere nordirische Städte wegen der anhaltenden Proteste entweder ganz ab oder leitet die Märsche von der geplanten Route durch katholische Viertel in nur von Protestanten bewohnte Stadtteile um. 21. Juli 1997 In Nordirland tritt der tags zuvor mit der katholischen Unergrundorganisation IRA vereinbarte Waffenstillstand in Kraft. Die Sinn Féin-Partei, der politische Arm der IRA, hatte die Waffenruhe herbeigeführt, um an den Mehrparteiengesprächen teilnehmen zu dürfen, in denen ab Mitte September über die politische Zukunft Nordirlands verhandelt wird. 31. Juli 1997 Ohne seismische Vorwarnung bricht der Vulkan auf der zu Großbritannien gehörenden Karibik-Insel Montserrat erneut aus und schleudert einen Ascheregen über die gesamte Insel, auch über den als relativ sicher geltenden Norden. Die seit April geräumte Hauptstadt Plymouth im Süden – sie hatte 1995 rund 5.000 Einwohner – wird von den pyroklastischen Strömen (glühendes Gestein, gemischt mit Gas und Asche) erfaßt und brennt fast vollkommen nieder. 6. August 1997 Gerry Adams, der Führer der IRA-nahen Sinn Féin-Partei, trifft sich mit der britischen Nordirlandministerin Mo Mowlam zu einem ersten Gespräch im nordirischen Belfast. Er bezeichnet die Teilung Irlands als Fehler der Vergangenheit, der korrigiert werden muß. 15. August 1997 Nachdem die Seismologen vor unmittelbar bevorstehenden weiteren massiven Eruptionen des Vulkans auf Montserrat gewarnt haben, stellt die britische Kriegsmarine ein Schiff zur völligen Evakuierung der Karibikinsel bereit. Die noch verbliebenen rund 4000 Bewohner sollen auf die Nachbarinsel Antigua gebracht werden. 28. August 1997 Die Regierung in London lädt die mit der IRA verbündete Sinn Féin-Partei offiziell zu den am 9. September beginnenden Friedensgesprächen für Nordirland ein. 31. August 1997 Prinzessin Diana, die seit 1996 von Thronfolger Prinz Charles geschieden ist, kommt in Paris bei einem Autounfall ums Leben. Die beiden Söhne des Paares, William (14) und Harry (12) werden künftig im Buckingham Palace leben. 3. September 1997 Die von Vulkanausbrüchen fast völlig zerstörte Hauptstadt der britischen Pazifik-Insel Montserrat soll nach ihrem Wiederaufbau nicht mehr Plymouth, sondern zu Ehren von Prinzessin Diana „Port Diana“ genannt werden. 12. September 1997 74,3 Prozent der schottischen Wähler entscheiden sich per Volksabstimmung für ein eigenes Regionalparlament mit Sitz in Edinburgh ab dem Jahre 2000. Damit kann Schottland ab der Jahrtausendwende seine Innenpolitik weitgehend selbst bestimmen. Lediglich die Außen-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik verbleiben weiterhin in London. Die schottischen Nationalisten sehen in einem eigenen Parlament jedoch einen ersten Schritt zur völligen Unabhängigkeit Schottlands von England (die Union erfolgte im Jahre 1707 mittels einer Vereinigung beider Volksvertretungen). 19. September 1997 In Wales stimmen bei einer Wahlbeteiligung von nur knapp über 50 Prozent der Wähler per Referendum für ein eigenes Parlament mit weitreichenden innenpolitischen Kompetenzen in Cardiff ab dem Jahre 2000. 23. September 1997 Bei den Nordirland-Friedensverhandlungen sitzen erstmals seit 1922 Vertreter der IRA-nahen republikanischen Sinn Féin-Partei und probritische Unionisten zusammen an einem Tisch. 13. Oktober 1997 Queen Elizabeth II. trifft nach einem mehrtägigen Aufenthalt in Pakistan zu ihrem dritten Staatsbesuch in Indien (nach 1961 und 1983) ein und wird in Neu-Dehli empfangen. Wie zuvor in Pakistan fordert sie auch hier ein Ende des Kampfes um Kaschmir und eine Aussöhnung beider Länder. 27. Oktober 1997 Schatzkanzler Gordon Brown gibt vor dem Unterhaus offiziell bekannt, daß Britannien der europäischen Währungsunion frühestens im Jahre 2002, wahrscheinlich sogar noch später, beitreten werde. 18. November 1997 Der Präsident des EU-Rechnungshofes, Bernhard Friedman, rügt die EU-Länder vor dem Europaparlament in Straßburg wegen des Verlustes von 5,3 Prozent des EU-Haushaltsvolumens von 81,8 Milliarden ECU (153 Milliarden DM) durch Mißwirtschaft und Verschwendung (z.B überhöhte Ausgleichszahlungen an Landwirte oder z.T. wenig sinnvoll angelegte Wiederaufbauhilfe für Ex-Jugoslawien). 20. November 1997 Pünktlich zum 50. Hochzeitstag von Königin Elizabeth II. und Prinz Philipp ist die rund 37 Millionen Pfund teure (hauptsächlich aus den Besucher-Eintrittsgeldern finanzierte ) Restaurierung des 1992 bei einem Brand schwer beschädigten Schloß Windsor abgeschlossen. Höhepunkte der Feierlichkeiten sind ein Dankgottesdienst in der Londoner Westminster Abbey, an dem u.a. sieben Könige, zehn Königinnen und 53 Prinzen und Prinzessinnen aus aller Welt teilnehmen), ein Essen in Downingstreet Nr. 10, dem Regierungssitz von Premier Tony Blair, mit 350 geladenen Gästen sowie ein Ball auf Schloß Windsor. 12. Dezember 1997 Ein Großbrand in der Abfertigungshalle für inländische und europäische Flüge legt den Londoner Flughafen Heathrow teilweise lahm und sorgt wegen zahlreicher gestrichener Flüge auch auf dem europäischen Festland für chaotische Zustände. Offiziellen Angaben zufolge sind jedoch keine Toten oder Verletzten zu beklagen. 13. Dezember 1997 Im nordirischen Londonderry werden bei schweren Zusammenstößen zwischen der Polizei und maskierten Jugendlichen sechs Menschen verletzt. Darüber hinaus werden bei den seit Erneuerung des Waffenstillstands durch die IRA im Juli 1997 schlimmsten Krawallen zahlreiche Autos sowie ein Warenhaus in Brand gesteckt. 28. Dezember 1997 In einem Hochsicherheitsgefängnis nahe Belfast, wo Top-Terroristen von beiden Seiten des Nordirlandkonflikts einsitzen, wird der 37jährige Billy Wright, Gründer der protestantischen paramilitärischen Organisation LVF (Loyalist Volunteer Force) von drei katholischen Häftlingen - sie gehören der INLA (Irisch Nationale Befreiungsarmee), einer Splittergruppe der IRA an - erschossen. Der Mord löst in Nordirland neue Unruhen aus, denen innerhalb von vier Wochen zehn Menschen zum Opfer fallen. Ende Dezember 1997 Schwere Winterstürme fordern in Irland, Schottland, Wales und England insgesamt 13 Menschenleben. Februar 1998 Die geplante „Hochzeit“ zwischen den Pharmakonzernen Glaxo Wellcome und Smith Kline Beecham zum weltweit größten Konzern der Branche wird aufgegeben, da man sich über die Fusionsbedingungen nicht einig wird. 10. April 1998 Die Teilnehmer der Allparteiengespräche einigen sich in Belfast nach 21 Monaten Verhandlungsdauer auf einen Friedensplan, der für Nordirland einen halb-autonomen Status vorsieht. Im künftigen nordirischen Parlament soll die Macht zwischen Protestanten und Katholiken geteilt sein. Das 67 Seiten umfassende Abkommen legt erstmals auch eine Zusammenarbeit zwischen Nordirland und der Republik Irland fest. 18. April 1998 Die IRA schließt mit dem britischen Premier Tony Blair ein Friedensabkommen. Die britischen Truppen werden teilweise aus Nordirland abgezogen. 22. April 1998 Die Parlamente in Dublin (Republik Irland) und London geben mit ihrer Zustimmung zur Änderung der Verfassung bzw. zu einem neuen Nordirland-Gesetz den Weg für eine diesbezügliche Volksabstimmung frei. 26. April 1998 Ungeachtet der Friedensvereinbarung zwischen Protestanten und Katholiken verüben terroristische Splittergruppen in Nordirland erneut zwei Anschläge: In Crumlin (Grafschaft Antrim) wird ein katholischer Student auf offener Straße erschossen, und in Killmore nahe der Stadt Armagh explodiert in einer Gaststätte, die einem Katholiken gehört, eine Bombe. Hier wird niemand verletzt. Hinter beiden Anschlägen wird die protestantische LVF (Loyalist Volunteer Force) vermutet. 22. Mai 1998 Mit jeweils großer Mehrheit wird in Nordirland und in der Republik Irland der Friedensplan vom April per Referendum gebilligt: In Ulster (Nordirland) sagen 71,1 Prozent Ja zum Frieden, und in der Republik Irland sprechen sich 94,4 Prozent für eine Verfassungsänderung aus, mit welcher ein Gebietsanspruch auf Nordirland aufgegeben wird. Anfang Juni 1998 Die britischen Nobelautomarken Rolls-Royce und Bentley werden für 1,27 Milliarden DM an die deutsche Volkswagen AG verkauft, womit der letzte unabhängige britische Automobilhersteller in ausländische Hand gerät. Die Namensrechte gehen jedoch für 120 Millionen DM an die „Bayerischen Motorenwerke“ (BMW), die für mehrere der englischen Modelle die Motoren liefern. VW darf den Namen Rolls-Royce nur noch bis Ende 2002 benutzen. 25. Juni 1998 Bei der Wahl zum 108köpfigen Parlament in Nordirland erringen die Befürworter des Friedensabkommens vom April einen klaren Sieg. 1. Juli 1998 David Trimble von der UUP (Ulster Unionist Party) tritt sein Amt als First Minister von Nordirland an. Sein Stellvertreter ist der Katholike Seamus Mallon, womit der erste Schritt in Richtung einer gemeinsamen Regierung zwischen Protestanten und Katholiken getan ist. 2. Juli 1998 In Nordirland werden zehn katholische Kirchen durch gelegte Brände zerstört oder schwer beschädigt. Die Behörden machen die protestantische Terrorgruppe Loyalist Volunteer Force (LVF) für die Brandstiftungen verantwortlich. 6. Juli 1998 Nachdem sich die Paradenkommission für ein diesjähriges Verbot des traditionellen Sieges-Marschs des protestantischen Oranierordens durch ein katholisches Viertel in Portadown entschlossen hat, kommt es in ganz Nordirland, vor allem jedoch in Belfast und Londonderry zu schweren Ausschreitungen militanter Protestanten. Bei den Krawallen werden zahlreiche Polizisten z.T. schwer verletzt und ganze Straßenviertel verwüstet. Nach tagelangen Unruhen genehmigt das Paradengremium schließlich einen Marsch durch ein katholisches Wohnviertel von Belfast. London entsendet fast 2.000 zusätzliche Soldaten zu den bereits 16.000 stationierten nach Nordirland. 12. Juli 1998 Bei einem Brandanschlag auf das Haus einer gemischt-konfessionellen Familie im nordirischen Ballymoney kommen drei Kinder ums Leben. 23. Juli 1998 Auf einer in Lissabon stattfindenden Konferenz zum Schutz der Meere einigen sich die Umweltminister von 15 europäischen Staaten auf eine drastische Reduzierung radioaktiver Einleitung und ein weitgehendes Verbot der Versenkung von ausgedienten Ölplattformen im Nordatlantik und in der Nordsee. Von der Neuregelung betroffen sind über 700 Plattformen Großbritanniens und Norwegens, die in den nächsten vier Jahrzehnten ausgemustert werden. Die Bohrinseln müssen künftig an Land entsorgt werden. 2. August 1998 Bei der Explosion einer Autobombe im überwiegend von Protestanten bewohnten Banbridge in Nordirland werden 35 Personen verletzt. 11. August 1998 Der britische Ölkonzern BP (British Petroleum) und der US-amerikanische Ölgigant Amoco geben ihre für Ende des Jahres geplante Fusion bekannt. BP Amoco wird dann mit einem Jahresumsatz von rund 110 Milliarden US-Dollar der drittgrößte Ölkonzern der Erde sein (nach Exxon und Shell). 15. August 1998 Im nordirischen Omagh kommen bei der Explosion einer Autobombe 28 Menschen ums Leben – darunter 14 Frauen und neun Kinder; weitere 220 Personen werden z.T. schwer verletzt. Verantwortlich für den schwersten Anschlag in 30 Jahren Bürgerkrieg ist die seit 1997 existierende „Real IRA“ (Wahre IRA), eine aus etwa 150 Personen bestehende Splittergruppe der Irisch-Republikanischen Armee (IRA), die sich, im Gegensatz zur offiziellen IRA, dem Friedensprozeß widersetzt und über große Mengen Sprengstoff verfügen soll. Die Regierungschefs von Großbritannien und der Republik Irland, Tony Blair und Bertie Ahern, kündigen daraufhin die rückhaltlose Verfolgung der Täter an. Auch Gerry Adams, der Führer der IRA-nahen Sinn Féin, verurteilt den Anschlag aufs schärfste. 3. September 1998 US-Präsident Bill Clinton appelliert in einer Rede vor dem nordirischen Parlament in Belfast an Katholiken und Protestanten, das Friedensabkommen vollständig umzusetzen. 8. September 1998 Die „Real IRA“ erklärt eine unbefristete Feuerpause. 10. September 1998 David Trimble, der Führer der größten nordirischen Protestantenpartei „Ulster Unionist Party“ (UUP), und der Chef der irisch-nationalistischen Sinn Féin, treffen erstmals zu Gesprächen zusammen. 15. September 1998 Die Europäische Kommission unterzeichnet in Brüssel die Freigabe der Potenzpille Viagra für die gesamte Europäische Union. Somit kann der US-amerikanische Hersteller Pfizer nun das verschreibungspflichtige Medikament in allen fünfzehn EU-Staaten vermarkten. Oktober 1998 Ex-Diktator Augusto Pinochet Ugarte, der sich am 9. Oktober in einer Londoner Klinik einer Bandscheibenoperation unterzogen hatte, wird am 16. Oktober von den britischen Behörden aufgrund eines von Spanien (unter den während der Pinochet-Diktatur in Chile ermordeten Oppositionellen sollen 91 spanische Staatsbürger gewesen sein) gestellten Auslieferungsantrags unter Polizeiaufsicht gestellt. Während die Verhaftung Pinochets von den Exil-Chilenen sowie von Menschenrechtsorganisationen mit Genugtuung aufgenommen wird, gibt es in Chile äußerst unterschiedliche Reaktionen. In der Hauptstadt Santiago kommt es zu tätlichen Auseinandersetzungen zwischen Pinochet-Gegnern und -Anhängern. Die Regierung weist Großbritannien darauf hin, daß Pinochet als Senator diplomatische Immunität genießt, und fordert seine unverzügliche Freilassung. Am 28. Oktober hebt das oberste Zivilgericht in London den Haftbefehl gegen Pinochet zunächst auf, nimmt diese Entscheidung jedoch am 25. November (nach dem Einspruch Spaniens) zurück. Doch auch dieser Beschluß wird am 17. Dezember wegen (angeblicher) Befangenheit eines Richters revidiert, und das Verfahren beginnt von vorn. Bis zur endgültigen Entscheidung, die frühestens für Ende Januar 1999 erwartet wird, bleibt Pinochet in Großbritannien unter Arrest. 6. Oktober 1998 Zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Großbritannien und der VR China reist Tony Blair als erster britischer Premier seit 1991 nach Peking. 10. Dezember 1998 Der Führer der nordirischen „Social Democratic and Labour Party“ (SDLP), John Hume, und der Chef der „Ulster Unionist Party“ (UUP), David Trimble, erhalten im norwegischen Oslo den Friedensnobelpreis. Beide waren maßgeblich am Zustandekommen der Friedensübereinkunft beteiligt, die im April zwischen den Konfliktparteien (katholischen Nationalisten und protestantischen Unionisten) unterzeichnet wurde. 16. Dezember 1998 Die USA beginnen mit massiven Luftangriffen auf militärische Ziele im Irak und reagieren damit auf die Weigerung der irakischen Regierung, mit den Waffeninspektoren der Vereinten Nationen zusammenzuarbeiten. US-Präsident Bill Clinton begründet die Aktion mit dem „nationalen Interesse der USA“. Unterstützt wird der amerikanische Angriff („Operation Wüstenfuchs“) von britischen Flugzeugen. Insgesamt haben die USA im Persischen Golf derzeit 22 Kriegsschiffe und 201 Kampfflugzeuge stationiert. Großbritannien hat 22 Kampfflugzeuge in der Region. Sowohl die USA als auch Großbritannien sind der Ansicht, daß es für den Angriff auf Irak keines weiteren Beschlusses des UN-Sicherheitsrats bedurfte, da die Regierung in Bagdad schon wiederholt die UN-Resolutionen nicht eingehalten hatte und ihr für diesen Fall schon Militärangriffe angedroht worden waren. Frankreich, China und Rußland hingegen sind der Ansicht, daß es eines neuen Beschlusses bedurft hätte, und fordern die sofortige Einstellung der Angriffe. 17. Dezember 1998 Obwohl die US-amerikanischen und britischen Luftangriffe auf militärische Ziele in Irak unter den Verbündeten in Europa und im UN-Sicherheitsrat zwiespältige Reaktionen ausgelöst haben und alle arabischen Staaten des Nahen- und Mittleren Ostens, darunter auch Kuwait, ein sofortiges Ende der „Operation Wüstenfuchs“ fordern, starten die USA und Großbritannien eine zweite Angriffswelle auf Irak. Währenddessen ruft der irakische Präsident Saddam Hussein die 22 Millionen Iraker zum Durchhalten gegen „eine arrogante Aggression im Namen der Feinde Allahs“ auf. Gott werde den Irakern Triumph und ihren Feinden Schande schenken, so sagt er weiter. Ziel des Angriffs sei es, die gesamte arabische Welt und deren Führer in die Knie zu zwingen 18. Dezember 1998 Trotz wachsender internationaler Kritik setzen die USA und Großbritannien ihre Militäraktion gegen Irak fort. Nach Monaten des Stillstands einigen sich die Konflikparteien in Nordirland nach einem 18stündigen Verhandlungsmarathon über die Zusammensetzung der künftigen Regionalregierung in Belfast. Gleichzeitig händigt erstmals eine Terrorgruppe, die protestantische Miliz „Loyalist Volunteer Force“ (LVF) einer internationalen Entwaffnungskommission Sprengsätze und Waffen aus. 19. Dezember 1998 US-Präsident Bill Clinton gibt im Weißen Haus in Washington das Ende der Luftangriffe gegen Irak bekannt, wertet die „Operation Wüstenfuchs“ jedoch gleichzeitig als „vollen Erfolg“ und droht der Führung in Bagdad mit weiteren Angriffen falls der irakische Staatschef Saddam Hussein seinen schwer beschädigten Rüstungsapparat wieder aufbaue. Saddam Hussein hingegen erklärt in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme nach dem Ende der amerikanisch-britischen Militäraktion das irakische Volk zum Sieger des Konflikts. Der stellvertretende irakische Ministerpräsident Tarik Asis teilt mit, daß bei den Angriffen 62 Angehörige der Elitetruppe „Republikanische Garden“ ums Leben gekommen und 180 verletzt worden seien. Die Zahl der Toten und Verletzten unter der Zivilbevölkerung sei „sehr viel“ höher. Anfang Januar 1999 Eine Grippe-Epidemie bringt das staatliche britische Gesundheitswesen (NHS) an den Rand des Zusammenbruchs. In England und Wales, wo knapp 100.000 Menschen an Grippe erkrankt sind, sind derzeit nur noch 16 Betten in Intensivstationen frei. Aber auch in Schottland sind die Krankenhäuser überlastet. Dabei ist mit etwa 200 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner der Rekordwert der bisher schwersten Grippe-Epidemie von 1989 noch nicht einmal zur Hälfte erreicht. Bisher sind in Großbritannien mehr als 3.000 Menschen an Krankheiten im Zusammenhang mit der Grippe gestorben, davon allerdings nur 123 an den eigentlichen Grippe-Symptomen. Bagdad bekräftigt erneut, ausländische Militärmaschinen über irakischem Luftraum abzuschießen und erklärt zudem, daß britische und amerikanische Mitarbeiter des UN-Hilfsprogramms „Öl für Lebensmittel“ nicht mehr erwünscht seien und man nach den amerikanischen und britischen Luftangriffen auf Irak für ihre Sicherheit im Land nicht mehr garantieren könne. Insgesamt sind derzeit etwa 420 humanitäre Mitarbeiter der Vereinten Nationen in Irak tätig. 10. Januar 1999 Der britische Premierminister Tony Blair droht während eines Besuchs in Kuwait dem Irak mit neuen militärischen Angriffen: „Wenn es zu irgendwelchen Aktionen gegen alliierte Truppen oder deren Verbündete kommen sollte, werden wir sehr schnell darauf antworten“. Etwa zur selben Zeit läuft im britischen Hafen Portsmouth der Flugzeugträger „Invincible“ in Richtung Persischer Golf aus, um die dortigen britischen Streitkräfte für den Fall einer neuen Konfrontation zu unterstützen. 18. Januar 1999 Spanien fordert von Großbritannien erneut die Auslieferung des 83jährigen Augusto Pinochet Ugarte. Der chilenische Ex-Diktator könne keine Strafimmunität beanspruchen, denn auch Staatsoberhäupter hätten kein Recht zu morden und zu foltern, sagt der spanische Prozeßbevollmächtige Alun Jones zu Beginn einer neuen Anhörungsrunde vor der obersten britischen Rechtsinstanz in London. 14. Februar 1999 Die irakische Führung droht mit Angriffen auf amerikanische und britische Militärstützpunkte in der Golfregion und fordert Saudi-Arabien und Kuwait auf, sich von den USA zu distanzieren. 15. März 1999 Kurz nach einem Bombenanschlag auf ihr Auto stirbt im nordirischen Lurgan (Grafschaft Armagh) die 40jährige Rechtsanwältin und Menschenrechtlerin Rosemary Nelson. Die Mutter von drei Kindern hatte in der Vergangenheit zahlreiche prominente nordirische Katholiken vertreten und hatte außerdem im Streit um die Protestantenparade von Drumcree bei Portadown für die katholischen Gegner des Umzuges gesprochen. Zu dem Sprengstoffanschlag bekennt sich die protestantische Splittergruppe „Red Hand Defenders“, die sich dem Waffenstillstand der Paramilitärs in Nordirland nicht angeschlossen hat. Sowohl der britische Premier Tony Blair als auch der irische Außenminister David Andrews sowie der politische Führer der nordirischen Protestanten David Trimble verurteilen den Anschlag als „barbarischen Akt“ und kündigen eine „gnadenlose Jagd“ auf die Täter an. 18. März 1999 Im nordirischen Portadown werden bei schweren Straßenschlachten zwischen Katholiken und Protestanten zahlreiche Personen verletzt, darunter allein 38 Polizisten. 19. März 1999 Der mit Öl und rund 1.750 Tonnen der hochexplosiven Chemikalie Vinylacetat beladene zypriotische Tanker „Ascania“ muß vor der schottischen Nordostküste nach einem Brand im Maschinenraum von der Mannschaft aufgegeben werden. Nach ihrer Rettung per Hubschrauber von der britischen Küstenwache gelingt es einem Spezialteam der Feuerwehr, trotz schwerer See an Bord des Schiffes zu gelangen und den Brand zu löschen. 24. März 1999 Die Law Lords (Lordrichter) im britischen Oberhaus, die letzte Instanz der britischen Justiz, entscheiden erneut, daß dem chilenischen Ex-Diktator Augusto Pinochet Ugarte außerhalb Chiles keine Immunität vor Strafverfolgung zusteht und machen damit den Weg frei für ein Verfahren zur Auslieferung an Spanien, das im September in London beginnen soll. Allerdings soll Pinochet nur noch für nach 1988 begangene Straftaten angeklagt werden können. Die NATO beginnt am Abend mit ihren tags zuvor angekündigten Luftangriffen gegen serbische Militärziele in der Bundesrepublik Jugoslawien, nachdem der jugoslawische Präsident nochmals kategorisch die Stationierung einer Friedenstruppe im Kosovo abgelehnt hatte und inzwischen in Jugoslawien den Kriegszustand erklärt hat. US-Präsident Bill Clinton sagt zur Begründung der Operation, sie solle eine Demonstration der Stärke des westlichen Militärbündnisses sein sowie den jugoslawischen Präsidenten von weiterer Gewaltanwendung gegen die Kosovo-Albaner, die sich derzeit zu Hunderttausenden auf der Flucht vor den Serben befänden, abhalten. An der von den NATO-Fliegerbasen Aviano und Istrano in Norditalien aus gestarteten ersten Luftoffensive von rund 100 Kampfflugzeugen beteiligen sich alle Mitgliedsländer außer Griechenland, Island, Luxemburg, Polen, Tschechien und Ungarn, wobei die USA das Ha |