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Ghana

Republik Ghana

 Basisdaten    Chronik


Geografie
Das Land
Ghana liegt in der Nähe des Äquators in Westafrika. Im Süden grenzt es mit einer 535 km langen Küste an den Golf von Guinea, im Westen des Landes befindet sich die Republik Elfenbeinküste, im Norden Burkina Faso, im Osten Togo. Mit einer Staatsfläche von 238.535 qkm ist das Land etwa so groß wie Großbritannien. In Ghana liegt der mit 8482 qkm größte Stausee der Welt, der durch den Akosombo-Damm aufgestaute Voltasee. Der an seinem Unterlauf aufgestaute Volta ist zugleich Hauptstrom des Landes, er entsteht aus dem Schwarzen und Weißen Volta sowie den Nebenflüßen Afram und Oti und mündet östlich der Hauptstadt Accra (1,5 Mil. Einwohner) in den Golf von Guinea. Weitere große Städte des Landes sind Kumasi, Tamale und Tema.
Nach einer bis zu 25 km breiten Küstenregion, die wenig gegliedert und im Osten durch Lagunen gekennzeichnet ist, folgen unterschiedliche Hochebenen. Diese werden von zahlreichen Tälern durchzogen und sind im Südosten zwischen Accra und dem Volta vom Akwapimrücken, östlich des unteren Volta und des Oti vom Togo-Atakora-Gebirge begrenzt. Im Zentrum des Landes und im Norden liegt ein Hügelland, das Aschanti genannt wird und das durch die Nebenflüsse des Volta auf verschiedenen Ebenen liegt. Höchster Berg des Landes ist der Afadjoto mit 885 m, der an der Grenze zu Togo östlich des Voltasees steht.

Klima
Im Süden des Landes herrscht tropisches, feuchtheißes Klima mit zwei Regenzeiten von Mai bis Juni sowie Oktober bis November. Im Norden gibt es dagegen nur eine Regenzeit, die von Juli bis September dauert, das Klima ist hier heiß und trocken. Die mittleren Temperaturen liegen in der Hafenstadt Accra im Januar bei durchschnittlich 28°C, im Juli bei 25°C. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt in Accra 725 mm. Dieses Klima geht mit einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit einher, die vor allem an der Küste bis etwa 80% beträgt. Im Norden liegt die Luftfeuchtigkeit dagegen in der Regenzeit um 65%, in der Trockenzeit kann sie tagsüber bis auf 35% fallen. Das Klima der nördlichen Landesteile ist geprägt von Einflüssen aus der Sahara. Typisch ist hier der trocken-heiße Wüstenwind Harmattan, der vor allem von Januar bis März vorkommt.

Flora und Fauna
Ein Großteil der natürlichen Flora des Landes ist durch Rodungsmaßnahmen zur Landgewinnung für den Ackerbau vernichtet worden. Im Südwesten findet sich nahe dem Äquator noch immergrüner tropischer Regenwald mit bis zu 50 m hohen Stämmen, Mahagonibäumen und Zedern sowie regengrüner Feuchtwald. Entlang der Meeresküste herrscht eine Strand- und Lagunenvegetation mit wenigen Mangroven sowie Küstengrasland vor. Der trockenheiße Norden, der etwa zwei Drittel des Landes einnimmt, ist von Savannen bedeckt, Graslandschaften mit vereinzelten Bäumen, die in Richtung Norden immer trockener werden.
Auch der Lebensraum für die Tierwelt wurde stark eingegrenzt. Das Meer hat einen reichen Bestand an Fischen, darunter Barrakudas, Thunfische und Haie, im Inland gibt es in den Flußgebieten und dem Stausee zahlreiche Süßwasserfische. In den Lagunen und Flüssen lebt auch das Manati, eine Seekuhart, die über 3 m lang wird. Die feuchten Gebiete an der Küste bieten sowohl einheimischen Vögeln als auch Zugvögeln eine reichhaltige Lebensgrundlage. Besonders in den Wäldern sind 200 Vogelarten, vom Papagei bis zum Eisvogel, sowie über 500 Schmetterlingsarten bekannt. Kolonien verschiedener Affenarten finden sich im Naturreservat in Buabeng-Fiema in Brong Ahafo, auch Restbestände der Riesenantilopenart, Bongo genannt. Reptilien kommen sehr zahlreich vor, u.a. Kobras, Pythons, Vipern und Nattern. Krokodile gibt es an Flußläufen über das ganze Land verteilt. Der trockenheiße Norden bietet Elefanten und Löwen gute Lebensbedingungen in freier Wildbahn, wenn auch die meisten Exemplare heute nur noch in Naturreservaten vorkommen.


Kultur und Gesellschaft
Bevölkerung
In Ghana leben rund 17,7 Millionen Einwohner, etwa zwei Millionen leben und arbeiten meist im benachbarten Ausland. Über 99% der Bevölkerung aus Ghana sind Schwarzafrikaner, die über 50 verschiedenen Volksgruppen angehören. Die Akan (Ashanti, Fanti) stellen dabei mit 52% Bevölkerungsanteil die Mehrheit der afrikanischen Ethnien dar, Mossi und Dagomba (16%) und Ewe (12%) sind die zwei nächstgrößeren Gruppen. Europäer bilden mit einem Bevölkerungsanteil von 0,2% nur eine sehr kleine Minderheit. Wie in vielen anderen afrikanischen Ländern auch ist die Bevölkerungsentwicklung von Aids geprägt, betroffen sind vor allem junge Erwachsene.
Englisch ist offizielle Landessprache, daneben sind seit 1962 neun afrikanische Sprachen als Schulsprachen je nach Region und Ethnie zugelassen (Akuapem-Twi, Asante-Twi, Dagbani, Dangbe, Ewe, Fanti, Ga, Kasem und Nizima). 62% der Bewohner des Landes sind Christen, etwa ein Viertel gehören traditionellen Naturreligionen an, 17% sind Moslems.

Geschichte
Die ältesten Siedlungsspuren in Ghana sind etwa 30.000 bis 40.000 Jahre alt und wurden in der Nähe von Tema an der Küste entdeckt. Weitere archäologische Funde in der Brong-Ahafo-Region nahe des Flußes Schwarzer Volta weisen auf eine Kultur hin, die etwa von 1700 bis 1500 v.Chr. existierte und die Kintampo-Kultur genannt wird. Im 14. Jhd. bestand im Norden Ghanas das Königreich der Mossi, das im 16. Jahrhundert vom Königreich der Gondja abgelöst wurde. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts entstand aus einem Zusammenschluß von Akan-Stämmen das mächtige Aschanti-Reich (bis zur Unterwerfung durch die Briten Ende des 19. Jahrhunderts).
Als 1471 die Portugiesen als erste Europäer an der Atlantikküste landeten, nannten sie den Landstrich entsprechend dem Anlaß ihrer Anwesenheit Goldküste. Der Goldhandel zog auch andere europäische Länder an und im Verlauf der nächsten Jahre und Jahrzehnte wurden zahlreiche Handelsstützpunkte gegründet, die bald ihre Geschäfte auf den lukrativen Bereich des Menschenhandels ausweiteten. Dieser florierte bis zu seinem Verbot im Jahre 1807. Wenige Jahre nach dem Verbot übernahm die britische Regierung die privaten britischen Handelsgesellschaften und gründete 1874 die Kronkolonie Goldküste. In heftigen Kämpfen wurden die aufständischen Aschanti-Stämme im nördlichen Hinterland im Jahr 1900 nach 30 Jahren Krieg endgültig niedergekämpft, ihr Herrscher Kwaku Dwa III. wurde gefangengenommen. Die Ashanti-Gebiete wurden an das Land angeschlossen, 1922 kam das ebenfalls kolonialisierte West-Togo hinzu.
Bis 1957 dauerte die Fremdherrschaft, dann befreite sich Ghana unter Präsident Kwame Nkrumah als erstes unabhängiges Land in Kolonialafrika und 1960 wurde ebenfalls durch ihn die Republik Ghana ausgerufen. Seine Herrschaft dauerte bis 1966, als Nkrumah durch einen Militärputsch entmachtet wurde. Eine Reihe von Zivil- und Militärregierungen lösten sich in den folgenden 15 Jahren ab, ohne die wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes lösen zu können. 1981 übernahm Jerry Rawlings mit Hilfe des Militärs zum zweiten Mal nach 1979 die Macht. 1983 leitete er ein wirtschaftliches Sanierungsprogramm ein, das teilweise Erfolg hatte, z.B. durch die Senkung der Inflationsrate. Nachdem Rawlings 1981 zunächst alle Parteien verboten hatte, begann zu Beginn der 90er Jahre ein langsamer Demokratisierungsprozess. Dennoch kam es wiederholt zur Unterdrückung Andersdenkender und Oppositioneller. 1992 wurde Rawlings zum Präsidenten gewählt und blieb für zwei Amtsperioden bis ins Jahr 2000 im Amt. Dann hob er das Parteienverbot auf und Ghana erhielt eine neue Verfassung.
Bei freien und geheimen Wahlen wurde im Dezember 2000 der bisherige Oppositionsführer John Kufuor zum neuen Präsidenten des westafrikanischen Landes gewählt. Zum ersten Mal in der Geschichte des Staates gab es einen demokratischen Wechsel.

für aktuelle Angaben siehe  Basisdaten    Chronik


Politisches System
Laut der Verfassung von 1992 ist Ghana eine präsidiale Republik. Ein Mehrparteiensystem wird maßgeblich von den Parteien NDC (National Democratic Congress), NPP (New Patriotic Party), PCP (People's Convention Party), NCP (National Convention Party) und PNC (People's National Convention) gebildet. Der direkt gewählte Präsident ist gleichzeitig Staatsoberhaupt und oberster Führer der Exekutive. Er beruft das Kabinett ein, das dem Parlament verantwortlich ist. Die 200 Abgeordneten des Parlaments werden für vier Jahre gewählt. Das Land ist in zehn Regionen unterteilt, das Gerichtssystem basiert auf dem britischen Rechtssystem.


Wirtschaft
Ghana ist eines der wirtschaftlich am weitesten entwickelten Länder im tropischen Afrika. Für mehr als die Hälfte der Bevölkerung sind die Landwirtschaft, der Fischfang und die Forstwirtschaft Grundlage für den täglichen Lebensunterhalt. Mais, Hirse, Maniok, Jamswurzeln, Zuckerrohr, Reis, Erdnüsse und Gemüse werden primär für den Eigenbedarf angebaut. Bananen, Kaffee, Kakao und Palmöl sind dagegen wichtige landwirtschaftliche Exportgüter und damit Devisenbringer für das Land. Deren Ausfuhr erfolgt zumeist über den Hafen von Takoradi. Viehzucht ist vor allem im Norden des Landes anzutreffen. Trotz rückläufiger Exporte ist die Waldwirtschaft durch die Ausfuhr von Mahagoni und anderer Harthölzern weiterhin ein wichtiger Arbeitsbereich in den südwestlichen Regenwaldgebieten. Daneben spielt der Fischfang am Meer und im Voltasee eine wichtige Rolle für den Binnenmarkt. Ein Wasserkraftwerk am Akosombo-Damm versorgt den größten Teil der heimischen Industrie mit Strom und liefert zudem einen Überschuß, der an die Nachbarländer verkauft werden kann. Neben diesen Ländern sind die Haupthandelspartner Ghanas innerhalb der EU Deutschland, Großbritannien und die Niederlande, auch mit den USA wird Handel getrieben.
Ghana ist reich an Bodenschätzen. Reiche Vorkommen an Gold, Diamanten, Mangan und Bauxit sind gute Voraussetzungen für eine wirtschaftlich positive Entwicklung. Bauxit wird im bedeutendsten Industrieunternehmen des Landes in der Hafenstadt Tema zu Aluminium geschmolzen. Tema ist durch die Erdölraffinerie ein wichtiger Industriestandort und der führende Einfuhrhafen des Landes. Weitere Industriezweige stellen zum einen die kleine, aber hochwertige Glasindustrie sowie einige Zementwerke dar. Der Internationale Flughafen des Landes liegt in Kotoka bei Accra. Der Tourismus spielt zunehmend eine Rolle in der Wirtschaft Ghanas. Hotels in Accra, Tema, Takoradi und Kumasi sowie am Voltasee belegen die zunehmende Beliebtheit des Landes als Reiseziel.

 Quelle: Areion Weltalamanach

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