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Republik Ghana

Chronik

 Überblick    Basisdaten


Ab 6000 v. Chr.
In den dichten Regenwäldern des heutigen Ghana leben kleine Gruppen von „Buschmännern“ (Pygmäen) ausschließlich als Jäger und Sammler.

Um 1100 n. Chr.
In das Gebiet des heutigen Ghana, das von zahlreichen kleineren negroiden Volksstämmen besiedelt ist, die von Viehzucht und (Wander-)Ackerbau leben, wandern die Völker der Akan-Sprachgruppe ein. Im Laufe der Jahrhunderte entstehen Königreiche der Mosi, Gondja, Ashanti und Fani, wobei die Ashanti allmählich die Oberhand gewinnen.

1471
Die Portugiesen gehen als erste Europäer an der Küste des heutigen Ghana an Land, das sie wegen der reichen Goldvorkommen „El Miña de Oura“ (Goldmine) nennen.

1482
Die Portugiesen gründen im heutigen Ghana die Niederlassung São Jorge da Miña und beginnen, Handelsbeziehungen zu den Eingeborenen zu knüpfen. Wichtigste Waren sind Elfenbein, Gold und aus dem Hinterland herbeigeschaffte Sklaven.

Ab 1570
Englische Kaufleute errichten entlang der Küste des heutigen Ghana mehrere Handelsniederlassungen.

17. Jahrhundert
Der straff organisierte Militärstaat der Ashanti erstreckt sich mittlerweile nahezu über das gesamte Gebiet des heutigen Ghana.

1664
Die Holländer, die nun verstärkt auf den Sklavenhandel setzen, vertreiben die Engländer aus ihren Niederlassungen entlang der Küste des heutigen Ghana.

1687
Die Portugiesen werden von den Holländern aus ihrer Niederlassung São Jorge da Miña vertrieben.

Um 1700
Entlang der Küste des heutigen Ghana gibt es bereits über 30 befestigte Handelssitze der Niederländer, Schweden, Dänen, Franzosen und Deutschen.

1807
Großbritannien untersagt den lange von ihm selbst betriebenen Sklavenhandel und entsendet Truppen zur Kontrolle nach Afrika, wo man sich jedoch wenig um das Verbot schert. Vor allem die Ashanti, die an dem Handel mit der aus dem Hinterland herbeigeschafften „menschlichen Ware“ sehr interessiert sind, ziehen wiederholt gegen die Briten in den Krieg. Nur sehr allmählich kann der Handel mit Palmöl, Palmkernen, Baumwolle und anderen Produkten den Sklavenhandel ablösen.

1821
Die Briten, inzwischen zur führenden Handelsmacht entlang der Küste des heutigen Ghana aufgestiegen, machen diese zum Protektoratsgebiet und beginnen mit der Eroberung des Hinterlandes, wo sie jedoch auf erbitterten Widerstand der Ashanti stoßen.

1874
Nach jahrzehntelangem Kampf haben die Briten den südlichen Teil des heutigen Ghana unter ihrer Kontrolle gebracht und erklären ihn unter der Bezeichnung „Goldküste“ zur Kronkolonie. Die endgültige Unterwerfung der äußerst kriegerischen Ashanti und die Einverleibung des nördlichen Teils des heutigen Ghana gelingt den Briten jedoch erst 1901.

Ab 1920
Die britische Goldküstenkolonie entwickelt sich nach dem Ersten Weltkrieg zum größten Kakaolieferanten der Welt.

1922
Der Westteil des einst deutschen Protektoratsgebietes „Togoland“ wird britisches Völkerbunds-Mandatsgebiet und der Goldküstenkolonie angegliedert.

1951
Großbritannien gewährt der Goldküstenkolonie, in der mehr als 70 verschiedene Volksstämme leben, innere Autonomie. Verwaltungssitz ist die Hafenstadt Accra. Nach ersten Wahlen wird Kwame Nkrumah, der Gründer der „Convention People’s Party“ (CPP), Premierminister.

1956
Britisch-Togo wird nach einer Volksabstimmung endgültig der Goldküstenkolonie angegliedert.

6. März 1957
Großbritannien entläßt die Goldküste als erstes schwarzafrikanisches Land im Rahmen des Commonwealth unter dem Namen „Ghana“ (hat nichts mit dem einst mächtigen Königreich Gana zwischen Niger und Senegal zu tun) in die Unabhängigkeit.

1. Juli 1960
Gemäß der neuen Verfassung ruft Kwame Nkurmah die in acht Regionen unterteilte Republik Ghana aus, deren Staatspräsident er wird.

Juli 1961
Ghana, Guinea und Mali schließen sich zur „Union Afrikanischer Staaten“ zusammen.

1962
Der kommunistisch-orientierte Präsident von Ghana, Kwame Nkurmah, erklärt die CPP nach einer Volksabstimmung zur Einheitspartei. Zahlreiche Oppositionspolitiker werden verhaftet.

1963
Die Union zwischen Mali, Ghana und Guinea zerbricht.

25. Mai 1963
Die 30 unabhängigen afrikanischen Staaten (ohne Südafrika) gründen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba die OAU (Organization for African Unity/Organisation für Afrikanische Einheit). Ziele der OAU sind u.a. die Entkolonisierung Afrikas und die Beseitigung der Herrschaft weißer Minderheiten. Der Zusammenschluß erhöht das weltpolitische Gewicht Afrikas, da die OAU-Mitglieder vor allem in der UNO geschlossen auftreten.

24. Februar 1966
Während eines Auslandsaufenthalts von Kwame Nkurmah, der sich inzwischen zum Diktator entwickelt und sein Land durch Mißwirtschaft in Zahlungsschwierigkeiten gebracht hat, putscht das Militär, und der pro-westliche General Joseph A. Ankrath übernimmt die Macht in Ghana. Nkurmah geht ins Exil nach Guinea, wo er wenig später für kurze Zeit Vizepräsident wird.

1. September 1969
General Joseph A. Ankrath muß wegen einer Korruptionsaffäre die Macht abgeben. Nach Verabschiedung einer neuen Verfassung wird der Zivilist Kofi Busia von der NLC (National Liberation Council) Premierminister von Ghana. Edward Akufo-Addo, ebenfalls ein Zivilist, wird Staatspräsident.

12. Januar 1972
Aufgrund einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage Ghanas putscht das Militär erneut, und Oberst Ignatius Acheampong übernimmt die Macht.

1974
In Ghana wird eine „Revolutionscharta“ gegen die westliche Überfremdung ausgerufen.

1978
Eine neue parlamentarische Verfassung für Ghana, die 1979 in Kraft treten soll, wird ausgearbeitet.

4. Juni 1979
Wegen überhandnehmender Korruption putscht das Militär ein weiteres Mal, und der Flieger-Hauptmann Jerry John Rawlings übernimmt die Macht in Ghana. Er läßt mehrere hochgestellte Ex-Politiker hinrichten. Kurz darauf gewinnt bei den planmäßig stattfindenden Wahlen die „People’s National Party“ (PNP) die Mehrheit der Stimmen und Hilla Limann wird neuer Staatspräsident.

31. Dezember 1981
Da auch Hilla Limann die innenpolitischen und wirtschaftlichen Probleme Ghanas nicht lösen kann, putscht Jerry John Rawlings erneut, setzt die Verfassung außer Kraft und macht sich selbst zum Staatschef.

1983
Die wirtschaftlichen Probleme Ghanas verstärken sich noch um ein Vielfaches, nachdem rund zwei Millionen Ghanaesen, die seit Jahrzehnten in Nigeria gelebt und gearbeitet hatten (die meisten illegal) von dort ausgewiesen werden und in ihrer alten Heimat integriert werden müssen.

29. Dezember 1992
Das Verbot politischer Parteien wird aufgehoben. Jerry John Rawlings wird bei Präsidentschaftswahlen formal als Staats- und Regierungschef von Ghana bestätigt. Die Opposition boykottiert geschlossen die Parlamentswahlen, bei denen der neugegründete NDC (National Democratic Congress) von Rawlings 190 der 200 Sitze erringt.

Januar 1993
Der ghanaische Staats- und Regierungschef Jerry John Rawlings, der seinen Rang als Hauptmann niedergelegt hat, um als ziviles Staatsoberhaupt fungieren zu können, vereinbart mit dem IWF (Internationaler Währungsfonds) und der Weltbank ein umfangreiches Spar- und Reformprogramm (u.a. Privatisierung von Staatsbetrieben, Abbau des überdimensionierten Verwaltungsapparates) und erhält zur Modernisierung der Wirtschaft rund eine Milliarde US-Dollar Entwicklungshilfe.

Februar 1994
Im Norden Ghanas kommt es zwischen wohlhabenden islamischen Stämmen und armen Volksgruppen, die überwiegend Naturreligionen anhängen, zu schweren Unruhen, die bis Mitte des Jahre andauern und erst durch den Einsatz von Regierungstruppen unterdrückt werden können. Dabei kommen über 2.000 Menschen ums Leben.

1995
Da der Stromverbrauch aufgrund des kontinuierlichen Wirtschaftswachstums jährlich steigt, können die beiden Wasserkraftwerke am Volta-See (mit 8.700 Quadratkilometern einer der größten Stauseen Afrikas) kaum noch den Eigenbedarf Ghanas decken. (1992 konnte noch Energie an die Nachbarländer verkauft werden.)

7. Dezember 1996
Der ghanaische Staats- und Regierungschef Jerry John Rawlings siegt bei den Präsidentschaftswahlen mit knapp 58 Prozent der Stimmen (Wahlbeteiligung rund 70%) über seinen schärfsten Konkurrenten John Agyekum Kufuor und wird somit bis Ende 2000 im Amt bleiben. (Gemäß einer Verfassungsänderung von 1993 kann er dann nicht mehr kandidieren). Seine NDC erringt bei den gleichzeitig durchgeführten Parlamentswahlen jedoch nur noch 133 der insgesamt 200 Sitze.

Anfang 1997
Ein nahe der Küste entdecktes Erdgaslager soll bereits im folgenden Jahr, spätestens jedoch ab 1999 für die Energiegewinnung genutzt werden.

1. Januar 1997
Der Ghanaese Kofi Annan wird als Nachfolger des Ägypters Boutros Boutros-Ghali siebter Generalsekretär der Vereinten Nationen.

31. Dezember 1998
Obwohl das Wirtschaftswachstum dank der relativen innenpolitischen Stabilität jährlich rund fünf Prozent beträgt – die Einnahmen für die Hauptausfuhrgüter Kakao, Holz, Gold und (Industrie-)Diamanten sind gegenüber 1995 um fast 25 Prozent gestiegen, und auch der Fremdenverkehr ist dank des relativ gut ausgebauten Verkehrsnetzes (etwa 10.000 Kilometer Teerstraßen und knapp 1.000 Kilometer Schienen) zu einer wichtigen Deviseneinnahmequelle geworden (1997 rund 320.000 Touristen) – gehört Ghana mit einem jährlichen Pro-Kopfeinkommen von ca. 430 US-Dollar und einer Auslandsverschuldung von über sechs Milliarden US-Dollar noch immer zu den ärmsten Staaten der Erde.
Allerdings konnte dank erheblicher Verbesserungen im Bildungswesen die Analphabetenrate auf 39 Prozent gesenkt werden (in Ghana gibt es zudem drei Universitäten), und auch in der medizinischen Versorgung der rasch wachsenden Bevölkerung wurden inzwischen erhebliche Fortschritte erzielt. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt jedoch noch immer bei nur 55 Jahren. Hepatitis, Malaria und andere Tropenkrankheiten sind weit verbreitet, und wie in den meisten Ländern West- und Zentral-Afrikas steigt auch in Ghana die Zahl der Aids-Infizierten kontinuierlich an.

Oktober 1999
Sintflutartige Regenfälle führen im Norden Ghanas zur schwersten Überschwemmungskatastrophe seit Jahrzehnten. In den Fluten kommen mindestens 100 Menschen ums Leben, rund 300.000 verlieren ihr Hab und Gut und sind auf die Versorgung durch internationale Hilfsorganisationen angewiesen.

28. Dezember 2000
Bei den Präsidentenstichwahlen in Ghana siegt Oppositionsführer John Agyekum Kufuor mit knapp 57 Prozent gegen den derzeitigen Vizepräsidenten John Atta Mills und wird somit Staats- und Regierungschef Jerry John Rawlings im Januar im Amt ablösen, der verfassungsgemäß nicht mehr kandidieren konnte. Kufuors NPP (Neue Patriotische Partei) hatte bereits Mitte des Monats bei den Parlamentswahlen einen deutlichen Wahlsieg errungen.

31. Dezember 2000
Trotz umfangreicher UN-Entwicklungshilfemaßnahmen zählt Ghana noch immer zu den ärmsten Ländern der Erde, und daran wird sich mittelfristig auch kaum etwas ändern, u.a. wegen des rapiden Bevölkerungswachstums trotz eines beständigen Anstiegs der HIV-Infizierten (wie in ganz Schwarzafrika). Laut Angaben von UNAIDS sind der Krankheit seit Ausbruch der Epidemie weltweit bereits 18,8 Millionen zum Opfer gefallen, darunter 3,8 Millionen Kinder. Die Zahl der Aids-Waisen wird auf 13,2 Millionen geschätzt. Von den derzeit weltweit rund 34,3 Millionen HIV-Infizierten leben 24,5 Millionen in Schwarzafrika.

7. Januar 2001
John Agyekum Kufuor wird als neuer Staats- und Regierungschef Ghanas vereidigt. Er will die derzeitige schlechte Wirtschaftssituation verbessern und die allgegenwärtige Korruption bekämpfen.

9. Mai 2001
Eine im Fußballstadion der Hauptstadt Accra ausgebrochene Massenpanik fordert 130 Tote und ebenso viele Verletzte. Zuvor hatte die Polizei gegen Randalierer Tränengas eingesetzt und die Stadiontore geschlossen.

Ende Juni 2001
Tagelange sintflutartige Regenfälle führen in der Hauptstadt Accra zu der schwersten Überschwemmung seit Jahren und machen rund 100.000 Menschen obdachlos. Die über die Ufer tretenden Flüsse verwandeln die Straßen in reißende Ströme. In den Fluten ertrinken mindestens zehn Menschen.

25. Februar 2002
Präsident John Agyekum Kufuor erreicht bei IWF (Internationaler Währungsfonds) und Weltbank einen Schuldenerlaß von 3,7 Milliarden US-Dollar. Nur allmählich hatte sich dem seit Januar 2001 amtierenden Staat- und Regierungschef die ganze Tragweite des wirtschaftlichen Niedergangs Ghanas unter seinem Vorgänger Jerry Rawlings offenbart. Dessen Plan „Ghana 2020“, mit dem das Land den Sprung in den Kreis der Staaten mit mittlerem Pro-Kopf-Einkommen schaffen sollte, mußte längst ad acta gelegt werden, da die verfehlte Wirtschafts- und Finanzpolitik der letzten zehn Jahre sowie der Preisverfall für die Hauptausfuhrgüter Kakao und Gold den einstigen Vorzeigestaat in eine tiefe Krise gestürzt hat, aus der sich Ghana nur noch mit internationaler Hilfe herausmanövrieren kann.

18. April 2002
Mindestens 50 Menschen kommen ums Leben, als auf dem Voltasee-Stausee ein mit Passagieren und Fracht völlig überladenes Schiff kentert.

15. Juni 2002
Tagelange sintflutartige Regenfälle haben in der Hauptstadt Accra sowie in der zweitgrößten Stadt Kumasi zu einer Flutkatastrophe geführt, die mehreren Dutzend Menschen das Leben gekostet und verheerende Sachschäden angerichtet hat.

 Quelle: Areion Weltalamanach


 Literatur zu Ghana...



Kofi Annan
Politiker, UN-Generalsekretär (7.; seit 1997)
geboren: 08.04.1938 (Kumasi)
Nobelpreis für Frieden 2001
Literatur...



William Edward Burghardt DuBois
Politiker, Ökonom, Schriftsteller
geboren: 23.02.1868 (Great Barrington (Bundesstaat Massachusetts))
gestorben: 27.08.1963 (Accra)
Literatur...



Kwame Nkrumah
Politiker, Regierungschef von Ghana (1951-60), Staatspräsident von Ghana (1960-66)
geboren: 21.09.1909 (Nkroful)
gestorben: 27.04.1972 (Bukarest)
Literatur...


 Quelle: Areion Weltalamanach



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