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FrankreichFranzösische Republik Basisdaten Chronik
![]() Geografie Das Land Mit einer Fläche von 543.965 qkm ist die Republik Frankreich das größte Land Westeuropas. Sowohl die Nord-Süd- als auch die Ost-West-Ausdehnung beträgt ungefähr 1000 km. Zum Staatsgebiet gehört auch die Insel Korsika. Im Norden grenzt das Land an den Ärmelkanal, im Nordosten an Belgien und Luxembourg, im Osten bilden der Rhein, der Jura und die Alpen eine natürliche Grenze zu den Ländern Deutschland, Schweiz und Italien. Im Süden Frankreichs liegt das Mittelmeer, hier grenzt das Land an das Fürstentum Monaco. Der Gebirgszug der Pyrenäen bildet die Grenze zu Andorra und Spanien, im Westen des Landes liegt der Atlantische Ozean. Für die Landschaft Frankreichs sind vor allem Beckenlandschaften und Mittelgebirge charakteristisch, zudem hat das Land Anteil an den Hochgebirgssystemen der Alpen und der Pyrenäen. Die Länge der Küste, die insgesamt rund 3120 km beträgt, ist unterschiedlich geformt: der nördliche Teil der Atlantikküste (Ärmelkanal) ist von Sanddünen und weißen Kalkfelsen gekennzeichnet, die Westküste ist in ihrem nördlichen Teil eine buchtenreiche Steilküste, in Richtung Süden folgen die Trichtermündungen der Flüsse Loire und Gironde, gefolgt von der Dünenlandschaft der „Landes“ mit Haffzonen und Strandseen im Süden (hier ist Europas größte Düne, Dune de Pyla mit 115 m). Die Mittelmeerküste weist im Bereich des breiten Rhône-Deltas sumpfige Gebiete auf, in Richtung Osten folgt Felsenküste mit kleinen Buchten und steil ansteigendem Hinterland. Rund 60% der Landesfläche liegen unterhalb von 250 m über der Meereshöhe. Den Kernraum des Landes bildet das Pariser Becken mit einer Fläche von rund 100.000 qkm, hier liegt auch die Haupstadt Paris. Im Nordosten und Osten schließen sich die Mittelgebirge der Ardennen und Vogesen an, hier werden Höhen von ca. 300 m bzw. 1424 m erreicht (Vogesen: Grand Ballon). Im Südwesten liegt das Aquitanische Becken (Garonne-Becken) mit Kalksteinplateaus und fruchtbaren Tälern, Zentrum ist die Weinstadt Bordeaux. Im Süden Aquitaniens liegen die Pyrenäen (Höhen bis zu 2884 m, Pic du Midi d’Ossau), im Osten das Zentralmassiv (Massif Central, Mont Dore, 1886 m). Dritte große Beckenlandschaft ist die von Nord nach Süd verlaufende Rhône-Saône-Senke, die östlich des Zentralmassivs und westlich der Alpen liegt. In den Alpen im Südosten des Landes an der Grenze zu Italien liegt der höchste Berg Frankreichs und ganz Europas, der Mont Blanc mit einer Höhe von 4807 m. Die bedeutendsten Flüsse Frankreichs sind die Loire mit einer Länge von 1020 km, die Seine mit 776 km und die Rhône, die nach 523 km in das Mittelmeer mündet. Klima Entsprechend seiner geographischen Lage zwischen Atlantik, Mittelmeer und europäischem Festland ist das Klima in Frankreich je nach Region verschieden. Das flache Land im Westen und Norden steht unter dem Einfluß des ozeanischen Klimas, typisch sind kühle Sommer und milde Winter. Die durchschnittlichen Temperaturen in Brest in der Bretagne im Nordwesten Frankreichs liegen im Januar bei 6°C, im Juli bei 16°C. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge im Jahr liegt bei 1125 mm, typisch sind langanhaltender Sprühregen und kräftige Winde. Im Südwesten sind die Sommer etwas wärmer. Im Pariser Becken herrschen kontinentale Klimaeinflüsse vor mit ausgeprägteren Temperaturunterschieden, die Sommer sind trockener und wärmer (mittlere Julitemperaturen von 19°C), die Winter kälter (Januar 3°C). Die Niederschlagsmenge in Paris liegt bei rund 620 mm. An der Mittelmeerküste und im südlichen Teil der Rhône-Senke (Provence) herrscht mediterranes Klima mit trockenen, heißen Sommern und feuchten und milden Wintern (Marseille: Juli 23,5°C, Januar 5,5°C). Die Niederschlagsmenge liegt bei 545 mm. Eine klimatische Besonderheit ist der sog. Mistral, ein starker Fallwind, der aus Richtung Norden im Rhône-Tal kalte Luftmassen in Richtung Mittelmeer bringt. In den Höhenlagen der Gebirge sind die Temperaturen entsprechend niedriger und die Niederschlagsmengen höher. Im französischen Teil der Alpen gibt es Regionen mit Gletschern und ewigem Eis. Flora und Fauna Entsprechend den verschiedenen Klimazonen unterscheiden sich auch die Vegetationsformen in Frankreich. Allgemein liegt Frankreich im Laubwaldgürtel der gemäßigten Zone. Für die flachen Landstriche im Westen und Norden sind heute ausgedehnte Heidelandschaften mit Ginster und Heidekraut charakteristisch, ursprünglich gab es hier große Bestände an Eichenwäldern. In den Beckenlandschaften Frankreichs finden sich Bestände an Laubwald (Eichen, Buchen, Ahorn, Eschen, Platanen) und Nadelwäldern (vor allem Kiefern). In den Gebirgslagen liegt die Baumgrenze zwischen 1800 m und 2300 m. Darüber finden sich alpine Matten, bis 1800 m kommt vor allem Nadelwald vor. An der Mittelmeerküste herrschen Hartlaubgewächse (Macchie) und Felsheiden (Garrigue) vor. Zur Mittelmeervegetation gehören weiter Steineichen, Pinien, Zypressen, Korkeichen und Aleppokiefern. In den Dünenlandschaften im Südwesten Frankreichs (Landes) wurde durch intensive Aufforstung ein über 800.000 Hektar großes Waldgebiet geschaffen (überwiegend Kiefern). In ganz Frankreich gibt es Natur- und Nationalparks, die einen geschützten Lebensraum für viele Tierarten bieten. In den Gebirgen finden sich Adler, Geier, Murmeltiere und Gemsen, in den Pyrenäen auch vereinzelt Braunbären und Luchse. In den Flüssen leben Biber und Fischotter, die in manchen Gegenden neu angesiedelt wurden. Typisch für das Rhône-Delta (Camargue) sind die bekannten rosa Flamingos (Bestand von ca. 50.000 Tiere) und die halbwild lebenden Pferde und Stiere. Auf den Inseln vor der Atlantikküste finden sich seltene Vogelarten wie Gerfalke, Papgeientaucher und Großer Schlammläufer. Kultur und Gesellschaft Bevölkerung Die Bevölkerung Frankreichs umfaßt rund 58,9 Millionen Menschen. 94% sind Franzosen, rund 3% Afrikaner. Knapp 80% der Bevölkerung sind Katholiken, größte Minderheit mit 5% sind Anhänger des Islams, die meist aus den ehemaligen französischen Kolonien stammen, weitere religiöse Gruppen sind die rund 800.000 Protestanten und etwa 700.000 Juden im Land. Die Bevölkerungsdichte ist mit 106 Einwohnern pro Quadratkilometern im Vergleich zu anderen europäischen Staaten relativ gering. Größtes Ballungszentrum ist der Großraum Paris, jeder sechste Franzose lebt hier. Weitere größere Zentren sind Marseille (808.000 Einwohner) und Lyon (422.000 Einwohner). Insgesamt leben über 70% der Franzosen in Städten. Die Landessprache ist Französisch, in Elsaß und Lothringen wird als Umgangssprache auch Deutsch gesprochen, in der Bretagne Bretonisch, im Südwesten Katalanisch (Roussillon) und Baskisch, auf Korsika korsisch. Sowohl die katalanischen Minderheiten an der spanischen Grenze als auch die Flamen und die Bretonen fordern kulturelle Autonomie, im Baskenland und auf Korsika bestehen ebenfalls Forderungen nach mehr Autonomie, die hier auch durch gewalttätige Gruppen vertreten werden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die Bevölkerung des Landes sprunghaft von 40 auf 55 Millionen Menschen an, heute beträgt das Bevölkerungswachstum nur noch etwa 0,5%. Immer noch wandern aus den ehemaligen Kolonien vermehrt politische Flüchtlinge ein, die überwiegend in der Hauptstadt Paris und in Südfrankreich leben. 1993 wurde ein Gesetz erlassen, das die Einwanderung erschwert, noch immer gilt aber in Frankreich das Gesetz, daß jeder in Frankreich Geborene das Recht auf Einbürgerung hat. Der Lebensstandard in Frankreich ist hoch, Gesundheits- und Sozialwesen sind umfassend ausgebaut. Für Kinder von 6 bis 16 besteht Schulpflicht, eine Besonderheit bei den weiterführenden Schulen sind die sog. „grandes écoles“, Eliteschulen, in denen gezielt der Führungsnachwuchs für Staat und Wirtschaft ausgebildet wird. Rund 1,2 Millionen Studenten besuchen eine der über 70 Universitäten. Älteste Universität des Landes ist die Pariser Sarbonne, die 1257 gegründet wurde. Geschichte Das Gebiet zwischen Rhein, Alpen, Pyrenäen und Atlantik war seit dem 1. Jahrhundert v.Chr. römische Provinz, Julius Cäsar hatte die dort seit etwa 400 v.Chr. ansässigen keltischen Volksstämme unterworfen (Alesia 52 v.Chr.). Im 5. Jahrhundert n.Chr. eroberten einwandernde Germanenstämme (Franken) das Gebiet, es entstand das Reich der Merowinger. Im 8. Jahrhundert lösten die Karolinger das Geschlecht der Merowinger ab, unter Karl dem Großen (768-814, ab 800 Kaiser) entstand ein großes Reich, das das heutige Frankreich, große Teile Deutschlands und Teile von Italien umfaßte. Nach der Teilung dieses Fränkischen Reiches (Vertrag von Verdun, 843) entstand ein West- und ein Ostfränkisches Reich, Vorläufer des späteren Frankreich bzw. Deutschland. Im Westfränkischen Reich regierte bis zum 10. Jahrhundert das Karolinger-Geschlecht, unter denen sich ein starkes Feudalsystem entwickelte, das das Königtum schwächte. Hugo Capet (987-996) begründete die Kapetinger-Dynastie, die die Karolinger als herrschendes Königshaus ablösten. Im 12. Jahrhundert war die Hälfte Frankreichs unter der Herrschaft des englischen Königshauses Anjou-Plantagenet (durch Heirat Eleonore von Poitou mit Heinrich II. von England). Im 13. Jahrhundert stieg Frankreich unter Philipp IV. (1285-1314) zur stärksten Macht in Europa auf. Ihm gelang es auch, die einzelnen Adelsgeschlechter zugunsten des Königtums zu schwächen und das Papsttum zum Werkzeug seiner Politik zu machen (ab 1309 residierte der Papst in Avignon). Nach dem Aussterben des Kapetinger-Geschlechts 1328 kam es im Zusammenhang mit der Thronfolge zum sog. Hundertjährigen Krieg (1337-1453), als der englische König Eduard III. Ansprüche anmeldete. Englische Truppen eroberten große Teile Frankreichs, dazu kamen Aufstände von Bürgern und Bauern in verschiedenen Regionen gegen die Krone. Die Wende zugunsten Frankreichs trat 1429 ein, als die Bauerntochter Jeanne d’Arc das französische Heer bei Orléans anführte, letzte Schlacht in diesem Krieg war der Sieg der Franzosen bei Castillon. England verlor seine Besitzungen in Frankreich (bis auf Calais). In der Mitte des 15. Jahrhunderts begann der langjährige Konflikt Frankreichs mit den Habsburgern, die seit 1440 die deutschen Kaiser stellten. Burgund war nach dem Tode Herzog Karls des Kühnen 1477 an die durch Heirat erbberechtigten Habsburger gefallen. Frankreichs König Karl VIII. führte ab 1483 mehrere Eroberungszüge gegen Gebiete in Italien, die von den Habsburgern beansprucht wurden. Im 16. Jahrhundert erschütterten die erbitterten Religionskriege zwischen den protestantischen Hugenotten und den Katholiken bzw. den katholischen Königen das Land. Bekanntes Zeugnis dafür war die sog. Bartholomäusnacht im Jahr 1572, als in Paris knapp 4000 Hugenotten ermordet wurden. Unter König Heinrich IV., der selbst ursprünglich Protestant war, zur Erlangung der Krone aber zum Katholizismus übertreten mußte (1593), beruhigte sich die Lage und den Protestanten wurde Religionsfreiheit gewährt (Edikt von Nantes). Das Königtum wurde wieder zum Symbol nationaler Einheit. Unter König Ludwig XIII. hatte dessen Kardinal Richelieu (1624-42) die politische Macht inne, er und sein Nachfolger Mazarin (1643-61) leiteten den Umbau Frankreichs hin zu einem absolutistisch geführten Staat ein, den der „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. (1643-1715) schließlich vollendete: zugunsten des Königs wurde der Adel vollkommen entmachtet. Der französische Hof in Versailles wurde zum Vorbild der höfisch-aristokratischen Gesellschaft in Europa. Die Kunst des Barock, der klassischen Literatur, der Philosophie und der Malerei erlebte eine außergewöhnliche Blüte. Auf der anderen Seite hob Ludwig XIV. das Edikt von Nantes auf, worauf über eine halbe Million Hugenotten außer Landes flüchteten. Die Expansionspolitik Ludwigs XIV. führte zu einer Ausweitung der französischen Kolonien in Nordamerika und des Staatsterritoriums in Europa (z.B. 1667 Frieden von Aachen, Gewinn von Lille; 1678 Friede von Nimwegen, Gewinn von Burgund und Teilen der Niederlande). Damit geriet Frankreich zwangsläufig in Konflikt mit allen anderen Großmächten. 1714 unterlag Frankreich im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges einer Allianz europäischer Mächte und verlor seinen Hegemonialanspruch. Versuche, verlorene Gebiete wieder zu gewinnen, scheiterten im Verlauf des 18. Jahrhunderts. 1763 verlor Frankreich auch seine Kolonien in Nordamerika (Friede von Paris als Ende des „Siebenjährigen Krieges“). Prunksucht der Herrscher und die teure Kriegsführung führten dazu, daß die Staatsfinanzen bis 1788 gänzlich ruiniert waren. Zudem kam eine hohe Steuerbelastung für das aufstrebende Bürgertum und eine Priveligierung des Adels. Das führte zu harter Kritik der französischen Aufklärer (u.a. Montesquieu, Voltaire, Rousseau) am Gesellschaftssystem. Mit dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 brach die Französische Revolution aus, die vom Bürgertum getragen wurde und den Untergang des Absolutismus darstellte. Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, die Abschaffung des Adelsstandes und die Enteignung des Klerus gehörten zu den ersten Maßnahmen, die die neue Nationalversammlung beschloß. Da die Geschehnisse in Frankreich drohten, auf die umliegenden europäischen Länder überzugreifen, versuchte eine Allianz österreichischer, preußischer und englischer Truppen im Land zu intervenieren, scheiterten aber an dem von den Revolutionären aufgebauten Volksheer (Levée en masse). 1792 wurde in Frankreich das Königtum abgeschafft, das Land wurde zur Republik (Erste Republik). Intern konkurrierten verschiedene Gruppierungen, die unterschiedlich radikale Vorgehensweisen forderten und in der Diktatur des Jakobiners Robespierre eine ihre blutigsten Ausprägungen erlebten. Napoleon Bonaparte beendete 1799 durch einen Staatsstreich die Unruhen im Land: Unter seiner diktatorischen Führung (1804 ließ er sich zum „Kaiser der Franzosen“ krönen) wurde eine bürgerliche Gesellschaftsordnung geschaffen, deren Grundlagen (Gleichheit vor dem Gesetz, liberale Wirtschaftsordnung) im Code Napoléon festgeschrieben waren. Unter Napoleon gerieten große Teile des europäischen Kontinents unter französische Herrschaft. Die Wende brachte der Rußlandfeldzug Napoleons 1812 und die ein Jahr später folgenden Befreiungskriege, die zum Zusammenbruch des Napoleonischen Frankreichs führten (1815 Schlacht bei Waterloo). Eine Phase der Restauration folgte, die bourbonischen Könige kehrten auf den französischen Thron zurück. Im Gegenzug führte die Februarrevolution 1848 zur Errichtung der Zweiten Republik. 1852 bestieg Louis Napoléon Bonaparte als Kaiser Napoleon III. den französischen Thron, wurde aber 1870 nach der Niederlage Frankreichs im Deutsch-Französischen Krieg wieder entthront. Im August 1871 wurde in Frankreich die Dritte Republik ausgerufen (bis 1940). Die Dritte Republik war gekennzeichnet durch Krisen im Inneren (z.B. Aufstand der Pariser Kommune 1871, Dreyfuß-Affäre 1894-99) und eine expansive Kolonialpolitik, die u.a. Indochina, Tunesien, Madagaskar und den Kongo in französischen Besitz brachte. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs stand Frankreich an der Seite von Rußland und Großbritannien gegen das deutsch-österreichisch-ungarische Bündnis. Auf französischem Boden fand ein verlustreicher Stellungskrieg statt, der erst durch das Eingreifen der Amerikaner beendet werden konnte. Im Friedensvertrag von Versailles 1919 wurden Frankreich Elsaß und Lothringen zugesprochen, die es 1871 an Deutschland hatte abgeben müssen. Das deutsch-französische Verhältnis blieb weiter angespannt, auch wenn nach Betreiben der Außenminister beider Staaten (Stresemann und Briand) im Vertrag von Locarno 1925 ein Ausgleich erzielt wurde. Innenpolitisch kam es auch in Frankreich durch die Folgen der Weltwirtschaftskrise zu einem Ansteigen des Links- und Rechtsradikalismus. Gegenüber dem rasch aufrüstenden Deutschland unter Adolf Hitler verhielt sich die französische Regierung zunächst abwartend und nahm den Anschluß Österreichs und die Annexion des Sudetenlands durch deutsche Truppen hin. Die Wende brachte der deutsche Angriff auf Polen im September 1939 und damit der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Frankreich erklärte dem Deutschen Reich den Krieg. 1940 wurden in nur sechs Wochen große Teile Frankreichs von deutschen Truppen besetzt. Die französische Regierung Vichy unter Marschall Pétain zog sich in den noch unbesetzten Südteil des Landes („Ètats Français“) zurück und wurde dort von Deutschland, mit dem sie zusammenarbeitete, geduldet. In London bildete sich unter General Charles de Gaulle eine Exilregierung, von dort aus wurde auch die französische Widerstandsbewegung „Résistance“ unterstützt. Im August 1944 wurde Paris von amerikanischen und französischen Truppen befreit, Charles de Gaulle rief am 3. September die IV. Republik aus. 1949 trat Frankreich dem Nordatlantischen Verteidigungsbündnis (NATO) bei. In den Folgejahren lösten sich aufgrund der großen Parteienvielfalt immer wieder verschiedene Koalitionsregierungen ab, durch die Auflösung des französischen Kolonialreiches und die sich daraus ergebenden Konflikte (Indochinakrieg 1946-54, Algerienkrise ab 1958) war die Vierte Republik von sowohl politischer als auch wirtschaftlicher Instabilität gekennzeichnet. 1958 wurde Charles de Gaulle Ministerpräsident Frankreichs und begründete die V. Republik mit einer neuen Verfassung, in der die Stellung des Staatspräsidenten gestärkt wurde. Erster Staatspräsident der neuen Republik wurde de Gaulle 1959. 1960 entließ Frankreich unter Führung de Gaulles (gegen den Widerstand rechtsgerichteter Kreise) einen Großteil seiner Kolonien in die Unabhängigkeit (z.B. Tschad, Kongo, Zentralafrikanische Republik, Algerien 1962). In seinen Regierungsjahren (bis 1969) gelang de Gaulle eine neue Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik Deutschland und dessen Bundeskanzler Konrad Adenauer, beide Staaten sah er als wichtige Akteure in einem zukünftigen selbständigen Europa (unter französischer Führung). Durch den teilweisen Austritt aus der NATO versuchte de Gaulle, sich von der Vorherrschaft Amerikas zu lösen. Unter de Gaulles Nachfolgern (1969-1974 Georges Pompidou, 1974-1981 Valérie Giscard d'Estaing, 1981-1995 François Mitterand, seit 1995 Jacques Chirac) und verschiedenen Koalitionsregierungen, bei denen sich Gaullisten und Sozialisten als Regierungschefs ablösten, baut Frankreich seinen Kurs eines selbständigen, starken Frankreichs innerhalb eines geeinten Europas weiter aus. Schwerpunkte bleiben weiter das Interesse an einer eigenständigen europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik, wobei sich die französische Regierung für eine Osterweiterung der NATO und der EU ausspricht. Das französisch-amerikanische Verhältnis ist geprägt von Skepsis gegenüber der amerikanischen Vormachtsstellung und teilweise angespannt durch unterschiedliche Standpunkte in Punkten wie z.B. Welthandel und Klima. In den Vereinten Nationen gehört Frankreich zu den tragenden Mitgliedern (sowohl auf diplomatischer als auch auf militärischer Ebene). In der Politik gegenüber den Staaten Afrikas konnte sich der grundsätzliche Verzicht auf eine Interventionspolitik durchsetzen. für aktuelle Angaben siehe Basisdaten Chronik
Politisches System Die Republik Frankreich ist eine Parlamentarische Präsidialdemokratie. Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident (seit Mai 1995 Jacques Chirac, RPR), der für sieben Jahre direkt gewählt wird. Der Staatspräsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und hat weitreichende Machtbefugnisse, er ernennt den Ministerpräsidenten (seit Juni 1997 Lionel Jospin, PS) und kann das Parlament auflösen. Die Legislative liegt beim Parlament, das aus zwei Kammern besteht: die 577 Abgeordneten der Nationalversammlung werden für fünf Jahre gewählt, die 320 Mitglieder des Senats werden durch Wahlmänner für eine Amtsdauer von neun Jahren gewählt. Beide Kammern haben an der Gesetzgebung gleichen Anteil. Zu den wichtigsten Parteien im Land gehören die Regierungsparteien Parti Socialiste (PS), Parti Radical-Socialist (PRS, früher MRG), Parti Communiste (PC), Mouvement des Citoyens (MdC) und Verts (Grüne). Zu den Oppositionsparteien gehören die Neo-Gaullisten (Rassemblement pour la République, RPR), die Union pour la Démocratie française (UDF-Alliance) und die Démocratie Libérale (DL). Frankreich ist in 22 Regionen mit eigener Selbstverwaltung aufgeteilt, diese wiederum in 96 Départements. Neben der Insel Korsika gehören noch zahlreiche Überseegebiete zum Land, die in Überseedepartements, Gebietskörperschaften und Territorien mit beschränkter Selbstverwaltung eingeteilt sind. Dazu gehören Französisch-Guayana (91.000 qkm, rund 150.000 Einwohner), Guadeloupe (1702 qkm, 420.000 Einwohner), Martinique (1102 qkm 375.000 Einwohner), Réunion (2510 qkm, 642.000 Einwohner), Mayotte (374 qkm, 105.000 Einwohner) und Saint-Pierre-et-Miquelon (242 qkm, 6400 Einwohner). Beschränkte Selbstverwaltung, aber Wahlrecht für das französische Parlament haben Französisch-Polynesien (4167 qkm, 212.000 Einwohner), Neukaledonien (18.575 qkm, 178.000 Einwohner) und Wallis und Futuna (274 qkm, 13.700 Einwohner). Frankreich erhebt weiter Anspruch auf einige Inseln im Indischen Ozean, die weitgehend unbewohnt sind (insgesamt rund 7500 qkm) und Gebiete in der Antarktis (Adélie-Land, 430.000 qkm). Wirtschaft Frankreich gehört zu den führenden hochentwickelten Industrienationen, gemessen am Bruttosozialprodukt nimmt das Land nach den USA, Japan und Deutschland den vierten Platz ein. Die Arbeitslosenquote lag am Anfang des Jahres 2001 bei etwa 9%, das Wirtschaftswachstum war in den letzten Jahren stabil und im EU-Vergleich relativ hoch. Bestimmend ist die Tendenz zur Liberalisierung in allen Wirtschaftsbereichen, seit Mitte der 80er Jahre, verstärkt in den 90er Jahren, wurden viele der ehemals staatlichen Großunternehmen privatisiert. Traditionell ist die Landwirtschaft von großer Bedeutung in Frankreich, obwohl sie nur rund 2% zum Bruttosozialprodukt beiträgt. Rund 6% aller Erwerbstätigen sind hier beschäftigt, über die Hälfte der Staatsfläche wird landwirtschaftlich genutzt. Frankreich ist nach den USA der größte Nahrungsmittelexporteur weltweit. Wichtigste Produkte im Ackerbau sind Getreide (vor allem Weizen, Hauptanbaugebiet Ile-de-France), Kartoffeln und Futterpflanzen, weiter werden Gemüse und Obst (vor allem in der Normandie) angebaut. Eine besondere Bedeutung hat der Anbau von Wein, wichtige Anbaugebiete liegen im Elsaß, in der Champagne, in Burgund, im Bordelais, im Loire-Tal und im Languedoc. Französische Weine gelten als besonders qualitätsvoll und werden weltweit gekauft. Auch die Viehaltung hat große Bedeutung, vor allem in der Bretagne, aus der auch ein Großteil der Fischereiprodukte stammt. Die Industrie in Frankreich hat sich in den letzten Jahren von den traditionellen Bereichen der Kohle- und Stahlindustrie sowie der Textilherstellung umorientiert hin zum Aufbau einer Hightechindustrie. Immer noch sind einige Regionen von den schweren Einbrüchen im Kohle- und Stahlbereich besonders betroffen, was sich in hohen Arbeitslosenzahlen ausdrückt (z.B. Lothringen). Zentrum der Industrie ist der Großraum Paris, die Schwer- und Metallindustrie ist vor allem in Nordfrankreich angesiedelt (Dünkirchen). Wichtige Branchen der hochspezialisierten Industrie sind der Maschinen- und Fahrzeugbau, der Flugzeugbau (Airbus-Produktion bei Toulouse), Chemie, Elektrotechnik, Elektronik, Nahrungs- und Genußmittelindustrie und die Erzeugung von Textilien und Luxuswaren. Rund 80% der Elektrizität in Frankreich wird in Kernkraftwerken erzeugt, alternative Energien (Solar- und Windenergie) spielen bis jetzt eine untergeordnete Rolle. Große Bedeutung hat auch der Tourismus in Frankreich, dem Urlaubsland Nummer Eins in Europa. An die 15 Milliarden Französische Francs betragen die Deviseneinnahmen pro Jahr. Wichtigste Handelspartner Frankreichs sind die EU-Länder, allen voran Deutschland mit fast 20% Anteil am Export und Import. Frankreich verfügt über 805.000 km gut ausgebaute Straßen mit einer sehr guten Anbindung der Ballungsgebiete, wobei die nur dünn besiedelten Gebiete vernachlässigt sind. In Frankreich verkehren seit Anfang der 80er Jahre Hochgeschwindigkeitszüge. Seit 1994 besteht der Eurotunnel, der unter dem Ärmelkanal eine Verbindung zu Großbritannien darstellt. Die wichtigsten Häfen des Landes sind in Marseille und Le Havre. Quelle: Areion WeltalamanachDruckversion dieser Seite |