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Französische RepublikChronik Überblick Basisdaten
Um 2700 v. Chr. Im bereits seit der Altsteinzeit besiedelten Gebiet zwischen Rhein, Alpen, Pyrenäen und Atlantischem Ozean, dem heutigen Frankreich, beginnt man mit der Verarbeitung von Bronze. Es bildet sich eine Kultur aus, die die Funktion des Kriegers und den Beruf des Händlers (Kupfer- und Zinnhandel) kennt. Es werden Grab- und Kultbauten monumentaler Form errichtet (u.a. an der Rhône und in der Bretagne). Ab 700 v. Chr. In das Gebiet des heutigen Frankreich dringen, von Osten kommend, unter der Führung von Häuptlingen und Druiden (Priester) allmählich keltische Volksstämme ein und unterwerfen die Urbevölkerung bzw. vermischen sich mit ihnen. Im Süden nördlich der Pyrenäen bleiben die Iberer unabhängig, an der Mittelmeerküste die Ligurer. Um 600 v. Chr. Ionische Griechen (Phokäer) gründen an der Rhônemündung Massalia, das spätere Marseille. Von der Hafenstadt aus gewinnt die griechische Kultur nachhaltigen Einfluß auf die Oberschicht der Kelten, der sich in Grabbeigaben der sogenannten „Hallstatt-Zeit“ dokumentiert (Hügelgräber). Um 450 v. Chr. Die Hallstatt-Kultur wird von der sogenannten „La Têne-Zeit“ abgelöst (griechisch und von Italien her etruskisch beeinflußte Kultur der Gallier). Ab 125 v. Chr. Die Römer beginnen zur Sicherung der Landverbindung zwischen dem heutigen Italien und dem heutigen Spanien mit der Eroberung der heute französischen Mittelmeerküste. Im Jahre 122 gründen sie Aquae Sextiae (Aix-en-Provence) und 121 erklären sie die Region zur „Provincia Gallia Narbonensis“ („Provence“; Verwaltungssitz ist Narbo, das heutige Narbonne im Südwesten). Ab 113 v. Chr. Germanische Kimbern und Teutonen, die aufgrund einer Klimaveränderung und verheerender Sturmfluten ihre Siedlungsgebiete in Nordwestjütland und auf den Nordwestfriesischen Inseln verlassen haben, fallen nach Überwindung der Alpen im heutigen Südfrankreich und in Oberitalien ein. 105 v. Chr. Die Kimbern und Teutonen vernichten an der Rhône zwei römische Heere. 102 v. Chr. Der römische Feldherr Gaius Marius besiegt die Teutonen bei Aquae Sextiae (Aix-en-Provence) und im Jahr darauf die Kimbern bei Vercellae (Vercelli; Oberitalien). Damit ist die „Germanengefahr“ gebannt. Ab 58 v. Chr. Nach seinem Konsulatsjahr in Rom tritt Gaius Julius Caesar sein Prokonsulat für „Gallia cisalpina und transalpina“ an und erobert innerhalb von nur sechs Jahren ganz Gallien, d.h. das Gebiet zwischen Atlantik, Mittelmeer, Pyrenäen und Rhein (Frankreich), der die römische Grenze zu „Germanien“ wird. Der letzte große Kelte, Vercingetorix, unterliegt dem römischen Heer im Jahre 52 bei Alesia. Das Land erhält eine römische Zivilverwaltung, womit die sprachliche (Vulgärlatein, die Sprache der römischen Soldaten und Beamten wird zur Grundlage der späteren französischen Sprache) und kulturelle Romanisierung der Region beginnt und sich allmählich eine gallisch-römische Kultur entwickelt. (Bedeutende Bauten der Römer sind u.a. in Nîmes und Arles erhalten.) 27 v. Chr. Unter dem ersten römischen Kaiser Augustus (30-14 v. Chr.; eigentlich Octavius; Großneffe von Caesar und von diesem testamentarisch als Erben eingesetzt) wird Gallien in vier Provinzen eingeteilt: Narbonensis/Narbonne, Aquitania/Aquitanien, Lugdunensis/Lyon, Belgica (später dazu: Germania superior und Germania inferior). 69 n. Chr. Gallien erhält römisches Bürgerrecht. Ende 2. Jahrhundert Beginn der Christianisierung Galliens. Um 300 Die Städte in Gallien erhalten neue Befestigungsanlagen. Römische Kaiser residieren zeitweilig in Lutetia (Paris). Ab 4. Jahrhundert Germanische Stämme (Vandalen, Alemannen, Westgoten, Burgunder, Franken) dringen nach Gallien vor und beenden die Vorherrschaft der Römer (und sorgen 476 für den Untergang des weströmischen Reichs). Ab 418 Bis 507 existiert in Südgallien ein Reich der Westgoten mit der Hauptstadt Tolosa (Toulouse). 443 Die von den Hunnen vom Mittelrhein vertriebenen Burgunder gründen unter römischem Schutz ein Reich im Rhôneraum. Mitte 5. Jahrhundert Die von Jüten, Angeln und Sachsen aus Britannien vertriebenen Kelten lassen sich u.a. in Westgallien nieder. Das von ihnen besiedelte Gebiet erhält später den Namen „Bretagne“. 451 Die Hunnen unter ihrem König Attila unterliegen in der Schlacht auf den „Katalaunischen Feldern“ bei Troyes dem Unionsheer der Römer, Westgoten, Franken und Burgunder und ziehen nach Osten ab. 482 Der König der salischen Franken (gleichbedeutend mit „Die Kühnen“), der Merowinger Chlodwig I. (466-511; französisch: Clovis) vereint alle Frankenstämme, erobert fast ganz Gallien und dehnt das „Frankenreich“ bis zu seinem Tode im Jahre 511 schließlich bis zu den Pyrenäen aus. Im fränkischen Staat arbeiten die verbliebenen römischen Fachbeamten loyal mit, ebenso die als gesellschaftliche und wirtschaftliche Kraft bedeutsame Kirche – Chlodwig läßt sich am 25. Dezember 498 zusammen mit 3.000 seiner Krieger in Paris taufen. Durch die Annahme des Christentums kann eine Symbiose zwischen römisch-antiker Kultur christlicher Prägung und germanischen Traditionen entstehen. Ab 511 Nach dem Tod Chlodwigs I. wird das Frankenreich unter seinen vier Söhnen aufgeteilt: Theuderich I. (Reims), Chlodomer (Orléans), Childebert I. (Paris) und Chlothar I. (Soissons). Da jedoch der Gedanke der Reichseinheit nicht aufgegeben wird, gelingt es, das Frankenreich bis nach Burgund im Norden, Thüringen im Osten und Italien im Süden auszudehnen. Ab 567 Im Frankenreich bilden sich nach wiederholten Erbteilungen drei Königreiche heraus: das germanische Austrasien (Osten) mit der Haupstadt Reims (später Metz), das romanische Neustrien (Westen) mit der Haupstadt Paris und Burgund mit der Hauptstdt Orléans. Da sich die merowingischen Könige in erbitterten Familienfehden verstricken, verlieren sie immer mehr an Einfluß, wächst die Macht der sogenannten „Hausmeier“ (lateinisch: Major domus), der höchsten Beamten. Sie entwickeln sich allmählich zu den eigentlichen Herrschern in den Teilreichen. Der bedeutendste von ihnen, Pippin von Herstal, übernimmt 687 die Macht in allen drei Königreichen, nennt sich „Princeps Francorum“ (Fürst der Franken) und vergrößert das Reich um Westfriesland. Sein Sohn, Karl Martell („der Hammer“) , besiegt 732 die aus Spanien vordringenden moslemischen Araber in einer siebentägigen Schlacht bei Tours und Poitiers und erhält von Papst Gregor III., dem er gegen die Langobarden beisteht, den Titel „Patricius Romanorum“ (Schutzherr der Römer). Pippin III. schließlich setzt mit Zustimmung von Papst Zacharias den letzten Merowingerkönig (Childerich III.) ab, läßt sich im November 751 in Soissons von Bischof Bonifatius zum König des Frankenreiches salben und begründet die Dynastie der Karolinger. (Eine zweite Salbung und damit die offizielle Anerkennung der Karolinger als Herrscher des Frankenreiches erfolgt 754 durch Papst Stephan II. Als Gegenleistung garantiert Pippin dem Papst den Besitzstand eines Kirchenstaates [Patrimonium Petri], zu dem neben dem Gebiet um Rom nach dem Sieg über die Langobarden im Jahre 756 u.a. auch das vormals byzantinische Exarchat Ravenna zählt [Pippinische Schenkung].) 24. September 764 Nach dem Tod von Pippin III. wird sein Sohn Karl I. (der Große) neuer Frankenkönig, der sich die Regentschaft mit seinem Bruder Karlmann teilt. 4. Dezember 771 Karlmann stirbt, und Karl I. (der Große) übernimmt die Alleinherrschaft, besiegt 774 den letzten Langobardenkönig, unterwirft nach zahlreichen Schlachten 785 den heidnischen Sachsenkönig Widukind und „überredet“ ihn zur Taufe, nimmt 788 das Herzogtum Bayern ein und zieht 789 im Osten gegen die heidnischen Slawen ins Feld. 25. Dezember 800 Karl der Große, dessen Reich sich mittlerweile von der Elbe bis zum Ebro erstreckt, wird von Papst Leo III. in Rom zum König der Franken und Langobarden und zum römischen Kaiser gekrönt. 817 Kaiser Ludwig I. (der Fromme), der einzige noch lebende Sohn von Karl dem Großen (gest. 28. Januar 814), verfügt mit der „Ordinatio imperi“ die Teilung des Frankenreiches unter seinen Söhnen Lothar, Pippin und Ludwig: Ludwig erhält Bayern und den Südosten des Reiches, Karl Aquitanien. Beide erhalten die Königswürde, unterstehen aber dem ältesten Sohn Lothar, dem neben dem von den Niederlanden bis Italien reichenden „Mittelreich“ nach dem Tod Ludwigs I. (20. Juni 840) auch die Kaiserkrone zufällt. Damit soll die Einheit des Frankenreiches trotz der territorialen Teilung erhalten bleiben. 10. August 843 Im „Vertrag von Verdun“ wird das Frankenreich endgültig in ein Ost-, Mittel- und Westreich geteilt, wobei das an Karl II. (den Kahlen) gehende Westfränkische Reich die Kernzelle des heutigen Frankreich bildet. (Das Ostreich wird Ludwig (dem Deutschen) zugeteilt, und Lothar (I.) behält die Kaiserkrone und residiert im Mittelreich.) Ab 857 Paris wird mehrfalls von den (aus dem heutigen Dänemark einfallenden) Normannen („Wikinger“) geplündert. 9. August 870 Nach dem Tod von Lothar II. von Lothringen teilen der ostfränkische König Ludwig der Deutsche und der westfränkische König Karl der Kahle das Gebiet im „Vertrag von Mersen“ entlang der Linie Maas-Saône unter sich auf. 6. Oktober 877 König Karl II. der Kahle stirbt. Unter seinen Nachfolgern, die allesamt nach kurzer Regentschaft sterben, fällt das Westfrankenreich in eine Periode der Schwäche und wird zum beliebten Ziel für die „Sommerausflüge“ der Wikinger. 880 Im „Vertrag von Ribémont“ wird das westliche Lothringen dem Ostfrankenreich zugesprochen. 888 Nach dem Tod von Karl dem Dicken wird Graf Odo von Paris – er hatte 885 einen Sieg gegen die Normannen (Wikinger) errungen – zum König gewäht. 1. Januar 898 Nach dem Tod von König Odo, besteigt der von ihm designierte Karl III. (der Einfältige), den Thron, der nach der Landnahme der Normannen (Wikinger) im Mündungsgebiet der Seine ihren Anführer Rollo 911 gezwungenermaßen zum Herzog Robert der „Normandie“ ernennt. In der Folgezeit verfällt die Zentralgewalt in Westfranken zunehmend, und der Feudaladel schränkt die Macht der Könige immer mehr ein. Es bilden sich die starken Herzogtümer Île-de-France (Francien), Champagne, Aquitanien, Gascogne, Toulose, Gothien, Katalonien, Bretagne, Normandie und Flandern heraus. 3. Juli 987 Nach dem Tod von Ludwig V. (22. Mai), dem letzten König der Karolinger-Dynastie, wird Hugo von Francien aus dem Hause Capet (von „cappa“ = Mäntelchen) zum König gewählt und begründet die in direkter Linie bis 1328 herrschende Kapetinger-Dynastie. (In Nebenlinien existiert sie bis 1848.) Sein Machtbereich bleibt allerdings auf sein eigentliches Hausgut, die Île-de-France (Gebiet um Paris bis Orléans), beschränkt. Noch zu Lebzeiten läßt er seinen Sohn Robert (II.) zum König krönen, um den Fortbestand der Dynastie zu sichern. Dies praktizieren auch die nachfolgenden Kapetinger-Könige und setzen damit die Erblichkeit der Krone durch. Doch sind auch sie gegen die Kronvasallen so gut wie machtlos. Ab 1096 Die Kreuzzüge zur Befreiung des „Heiligen Landes“ (Palästina) aus den Händen der moslemischen (und jüdischen) „Ungläubigen“ (bis 1270) erhalten ihren Hauptantrieb von Frankeich und werden vorwiegend von französische Adligen geführt, die zum Vorbild des europäischen Rittertums werden. Ab 1106 Herzog Wilhelm von der Normandie erobert England. Ab 3. August 1108 Ludwig VI. (der Dicke) vergößert bis zu seinem Tod im Jahre 1137 zielbewußt die kapetingische Hausmacht und gewinnt im Bund mit der Kirche und den Städten die königlichen Rechte zurück. Sein Nachfolger, Ludwig VII. (der Junge; bis 1180), gewinnt durch Heirat Aquitanien für die Krone hinzu, verliert jedoch durch seine Scheidung von Eleonore von Poitou alles wieder, da seine Ex-Frau sich nun mit Heinrich II. (Plantagenet), dem Herrn von Anjou, Maine und der Touraine, vermählt, der 1154 König von England und damit Herzog der Normandie wird sowie die Bretagne erwirbt. Damit ist die Hälfte Frankreichs in der Hand der Engländer. 27. Juni 1214 Philipp II. August (1180-1223) besiegt in der Schlacht von Bouvines die mit dem deutschen Kaiser Otto IV. verbündeten Engländer und gewinnt die meisten der an England gefallenen Kronlehen zurück. Im Innern unternimmt er die ersten Schritte zum nationalen Einheitsstaat, indem der den niederen Adel und das städtische Bürgertum fördert und den Widerstand von Adel und Geistlichkeit bricht, sie zu Abgaben verpflichtet und dem königlichen Gericht unterwirft sowie eine erste königliche Verwaltung durch absetzbare Beamte (Baillis) einführt. Ab 14. Juli 1223 Unter König Ludwig VIII. (dem Löwen; bis 1226) wird Frankreich endgültig Erbmonarchie. Ihm und seinem Nachfolger, König Ludwig IX. (dem Heiligen; bis 1270), gelingt in den Kreuzzügen gegen die Sekte der Albigenser (1209-29) die Unterwerfung des Südens (Languedoc, Provence, Toulouse), wodurch Frankreich zur ersten Macht in Europa aufsteigt. 1253 Der Domherr Sorbon gründet das theologische Internat „La Sorbonne“, die Keimzelle der Pariser Universität. 1259 Der englische König Heinrich III. erkennt die 1214 erlittenen Verluste seines Festlandbesitzes an Frankreich an und huldigt als Herzog von Guyenne dem französischen König Ludwig IX. dem Heiligen. 25. August 1270 König Ludwig IX., der den letzten (erfolglosen) Kreuzzug anführt, stirbt während der Belagerung von Tunis an einer Seuche. (Er wird 1287 heiliggesprochen.) Nachfolger wird sein Sohn Philipp (III. der Kühne; bis 1285). Ab 6. Oktober 1285 König Philipp IV. (der Schöne; bis 1314), der durch seine Ehe mit Johanna I. von Navarra gleichzeitig König über das südliche Nachbarland ist, geht aus einem Machtkampf mit der Kirche als Sieger hervor: Papst Bonifaz VIII. erklärt sich 1302 mit der Bulle „Unam Sanctam“ zum Inhaber der höchsten geistlichen und weltlichen Gewalt, der alle Herrscher ein- und absetzen könne, und untersagt durch die Bulle „Clericis laios“ die Besteuerung der französischen Geistlichkeit. Die römisch-rechtlich ausgebildeten Kronjuristen des Königs hingegen vertreten den Standpunkt, daß die weltliche Gewalt die ältere und mithin selbständig sei. Auf ihren Rat und mit Billigung der erstmals einberufenen Generalstände (Adel, Klerus, Stadtväter) läßt Philipp daraufhin den Papst gefangensetzen und sorgt nach seinem Tod 1303 für die Wahl des Erzbischofs von Bordeaux zum neuen Kirchenoberhaupt. Papst Clemens V. verlegt 1309 die Residenz von Rom nach Avignon. (Bis 1377 sind die Päpste in Avignon unter französischer Aufsicht – „Babylonische Gefangenschaft“.) 1297 König Philipp IV. läßt Flandern besetzen und fordert damit den massiven Widerstand der durch den Tuchhandel mit England zu großem Reichtum gelangten Städte heraus. Juli 1302 Die flandrischen Städte besiegen in der sogenannten „Sporenschlacht“ bei Kortrikj (Courtrai) ein französisches Ritterheer und erhalten ihre Unabhängigkeit. 1307 König Philipp IV. erwirbt die Champagne und das Erzbistum Lyon. Zudem beginnt er mit der Vernichtung des geistlichen Ritterordens der Templer, indem er ihnen Umsturzpläne vorwirft und sie als Ketzer bezichtigt. Eigentliches Ziel ist es, mit dem immensen Vermögen des Ordens die marode Staatskasse zu sanieren. Papst Clemens V., obwohl selbst Südfranzose, gewährt Philipp „Schützenhilfe“, indem er den Orden nach langem Verfahren 1312 wegen Ketzerei, Unzucht und Blasphemie aufhebt. Jacques de Molay, der letzte Großmeister der Templer, wird 1313 hingerichtet. 29. November 1314 König Philipp IV. stirbt 46jährig, und sein 25jähriger Sohn Ludwig besteigt als Ludwig X. den französischen Thron, gefolgt von Philipp V. (1317-22) und Karl IV. (dem Schönen). 1. Februar 1328 Mit dem Tod von Karl IV. erlischt die direkte Linie der Kapetinger. Die französische Krone fällt an die Nebenlinie Valois, und Philipp, ein Neffe von König Philipp IV., besteigt als Philipp VI. den Thron. Gleichzeitig erhebt König Eduard III. von England, ein Sohn einer Tochter Philipps IV., ebenfalls Anspruch auf die französische Krone. Die Erbstreitigkeiten münden schließlich 1337 in einen Krieg zwischen Frankreich und England, der mit Unterbrechungen bis 1453 dauert (sogenannter „Hundertjähriger Krieg“). 26. August 1346 Der englische König Eduard III. siegt in der Schlacht bei Crécy mit nur 16.000 Soldaten über ein 30.000 Mann starkes Ritterheer von Philipp VI. (bis 1350) von Frankreich, da dieses überwiegend aus Bogenschützen besteht, während die Engländer Schußwaffen zur Verfügung haben. Ein Jahr später setzen sich die Engländer in der Hafenstadt Calais fest. Weitere schwere Niederlagen der Franzosen unter den Nachfolgern Philipps VI. (Johann der Gute, Karl V. der Weise, Karl VI. der Wahnsinnige) führen Frankreich an den Rand des Staatsbankrotts. Schwere soziale Unruhen sind die Folge (Bauernaufstand 1356 und Erhebung der Pariser Bürger gegen die Krone 1357/58, Zerwürfnis und Bürgerkrieg zwischen den Herzogtümern Burgund und Orléans). Zudem wütet von 1347 bis 1349 die Pest im Land. 8. Mai 1360 Der „Friede von Brétigny“ (bei Chartres) beendet die erste Phase des seit 1337 andauernden „Hunderjährigen Krieges“ zwischen Frankreich und England: Der englische König Eduard III. verzichtet auf die französische Krone und erhält die Souveränität über Calais, Poitou und den Südwesten Frankreichs. 1415 Heinrich V. von England schlägt ein französisches Heer bei Azincourt und besetzt, von Burgund unterstützt, Paris sowie ganz Nordfrankeich. 10. September 1419 Johannes ohne Furcht, Herzog von Burgund seit 1404, wird, als er seinen Gegner, den französischen Thronfolger Karl VII. zu einem Versöhnungsgespräch treffen will, von Anhängern des Franzosen in Montereau-faut-Yonne ermordet. 8. Mai 1429 Das lothringische Bauernmädchen Jeanne d'Arc erzwingt als Befehlshaberin eines französischen Heeres den Abzug der Engländer aus Orléans („Jungfrau von Orléans“) und führt Karl VII. zur Krönung nach Reims. 1430 Jeanne d'Arc gerät in englische Gefangenschaft und wird am 30. Mai 1431 in Rouen als Ketzerin und Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt. (Sie wird 1456 rehabilitiert und am 30. Mai 1920 heiliggesprochen.) 1438 Die „Pragmatische Sanktion von Bourges“ sichert die Autonomie der französischen Kirche gegenüber dem Papsttum. Entstehung der „Gallikanischen (Französischen) Nationalkirche“. 1439 In Frankreich wird die „taille“, die Kopfsteuer, eingeführt, die zusammen mit der 1341 eingeführten „gabelle“, der Salzsteuer, die bedeutendste reguläre Einnahmequelle des Staates ist und u.a. die Aufstellung eines stehenden Heeres ermöglicht, das bis 1453 die Engländer aus Frankreich vertreibt. Lediglich Calais bleibt im Besitz der Briten. 19. August 1477 Erzherzog Maximilian von Österreich, Sohn des römisch-deutschen Kaisers Friedrich III., heiratet Maria, einziges Kind des im Januar gefallenen burgundischen Herzogs Karl des Kühnen. Mit dieser Heirat beginnen die Differenzen zwischen Frankreich und dem Hause Habsburg um das burgundische Erbe: Während Habsburg sein Recht auf Erbschaft geltend macht, weist König Ludwig XI. von Frankreich auf sein Recht als Oberlehnsherr hin. 30. August 1483 Nach dem Tod von Ludwig XI. besteigt sein Sohn Karl als Karl VIII. (bis 1498) den französischen Thron. Er bringt durch Heirat als letztes selbständiges Lehnsherzogtum die Bretagne an die Krone. Seinen Anspruch auf die Krone von Neapel kann er jedoch nur kurze Zeit durchsetzen. 1493 Die jahrelangen Auseinandersetzungen um das Herzogtum Burgund (Bourgogne) werden durch den militärischen Sieg des Habsburgers Maximilian beendet: Bis auf das Kernherzogtum und die Picardie fallen die Besitzungen an das Haus Habsburg. 1500 König Ludwig XII. (1498-1515) erobert das Herzogtum Mailand, muß es aber nach der Niederlage bei Novara im Jahre 1513 wieder räumen. Ab 1. Januar 1515 König Franz I. (bis 1547) gewinnt Mailand durch den Sieg bei Marignano über die Hugenotten wieder zurück. 1519 bewirbt er sich um die deutsche Kaiserkrone, kann sich aber trotz päpstlicher Unterstützung nicht durchsetzen. Von 1521 bis 1544 führt er vier Kriege gegen den spanisch-habsburgischen Kaiser Karl V., unterliegt am Ende jedoch, da sich dieser mit den Engländern verbündet, und muß sich ganz aus Italien zurückziehen. 24. Juli 1534 Der französische Seefahrer Jacques Cartier sichtet nach 85tägiger Fahrt in Richtung Nordwesten Land, fährt in das Mündungsdelta des St-Lorenz-Stromes ein und gründet auf der Halbinsel Gaspe mit der Errichtung eines Holzkreuzes Neu-Frankreich. Ab 31. März 1547 König Heinrich II. (bis 1559) kämpft weiter gegen die Habsburger und die Engländer, besetzt 1552 die deutschen Bistümer Metz, Toul und Verdun und vertreibt am 6. Januar 1558 die Briten endgültig aus Calais. 10. Juli 1559 König Heinrich II. kommt bei einem Turnier ums Leben. Von seinem Nachfolger Franz II. (bis 1560) werden in Frankreich alle Turniere verboten. Ab 1562 Zur Zeit König Karls IX. (1560-74) brechen in Frankreich die bis 1598 dauernden Religionskriege (Hugenottenkriege) aus, wobei die katholische Partei von den Herzögen von Guise angeführt wird, die der Protestanten von den Bourbonen. 24. August 1572 Die Hochzeit ihrer Tochter Margarete mit König Heinrich III. von Navarra nimmt Königinmutter und Regentin Katharina de Medici zum Anlaß, in Paris den Führer der Hugenotten, Admiral de Coligny, und mehr als 3.000 seiner Anhänger ermorden zu erlassen. Die Massaker weiten sich auch auf die Provinz aus. Heinrich III. von Navarra kann sich nur durch Abschwörung seines protestantischen Glaubens retten. Mit der „Pariser Bluthochzeit“ oder „Bartholomäusnacht“ erreichen die seit 1559 wütenden kriegerischen Auseinandersetzungen der französischen Protestanten mit der katholischen Kirche einen neuen Höhepunkt. Ihren politischen Inhalt erhielten sie durch den Gegensatz der Prinzen-Häuser Guise (Gefolgsleute des Königstums) und Bourbon (Hugenotten und andere Oppositionelle). 2. August 1589 König Heinrich III. wird ermordet. Der Bourbone Heinrich von Navarra erbt die französische Krone. Um das Land zu befrieden, tritt er 1593 zum Katholizismus über und wird kurz darauf als Heinrich IV. zum König von Frankreich gesalbt, sichert aber den Protestanten am 13. April 1598 bedingte Religionsfreiheit und politische Gleichberechtigung zu (Edikt von Nantes). 1604 Der Hugenotte Pierre de Monts gründet mit Port Royal (heute Annapolis, Neuschottland) die erste französische Siedlung in Nordamerika. 1608 Der Franzose Samuel de Champlain gründet Québec und damit die Kolonie Neu-Frankreich. Ab 1624 Unter König Ludwig XIII. (1610-43) übernimmt Kardinal Richelieu die Staatsleitung: Er entzieht den Hugenotten ihre politischen Sonderrechte (Einnahme von La Rochelle 1628), unterdrückt die Opposition des Hochadels, entwickelt den Absolutismus als Herrschaftsprinzip, zentralisiert die Staatsgewalt und beteiligt Frankreich ab 1635 am Dreißigjährigen Krieg (1618-48) in Deutschland. Ab 1627 Die Franzosen dehnen ihren Besitzanspruch in Nordamerika immer weiter aus: Nach Westen dringen sie bis zu den Großen Seen, einschließlich des Oberen Sees und des Michigan Sees vor, im Norden richten sie ihr Augenmerk vor allem auf die Hudson-Bay, und in Richtung Süden gelangen sie über den Ohio sowie den Mississippi bis hinunter zu seiner Mündung im Golf von Mexiko, wo sie die Kolonie Louisiana und die Stadt New Orleans gründen und sich mit den Spaniern in Florida gegen die Engländer verbünden. 2. Januar 1635 Der französische Minister Kardinal Richelieu, der mit Hartnäckigkeit und Brutalität die Festigung des Absolutismus und die Vorherrschaft Frankreichs in Europa anstrebt, gründet in Paris zur Pflege der französischen Sprache und Literatur die „Académie française“. (Noch heute gilt die Aufnahme in den „Kreis der Unsterblichen“ als die höchste Ehrung für einen Schriftsteller.“ Ab 14. Mai 1643 Kardinal Mazarin leitet bis 1661 die Staatsgeschäfte für den 1638 geborenen König Ludwig XIV. Die Franzosen gründen im Südosten der Insel Madagaskar vor der Ostküste Südafrikas den Stützpunkt Fort Dauphin. 1648 Im „Westfälischen Frieden“ erhält Frankreich die habsburgischen Besitzungen im Elsaß. Gleichzeitig beginnt die Revolte der Fronde (Hochadel, Parlament und Bürger von Paris), die erst 1653 niedergeschlagen werden kann. 1659 Der Krieg mit Spanien endet mit dem Sieg Frankreichs. Im „Pyrenäen-Vertrag“ gewinnt Frankreich Artois und Roussillon. Da die Macht Spaniens gebrochen ist, steigt Frankreich zur Großmacht auf. 1660 wird König Ludwig XIV. mit der Infantin Maria Theresia verheiratet. Ab 10. März 1661 König Ludwig XIV. übernimmt nach dem Tod seines Ersten Ministers, Kardinal Jules Mazarin, als absolutistischer Herrscher die Regierungsgeschäfte („L’Etat c’est moi“ – Der Staat bin ich). Unter ihm erreicht der Absolutismus seine höchste Machtentfaltung nach innen und außen. Der Hof des „Sonnenkönigs“ in Versailles wird das Vorbild der höfisch-aristokratischen Gesellschaft Europas. Die Kunst des Barock (z.B. Schloß Versaille), die klassische Literatur (u.a. Molière, La Fontaine, Corneille, Racine), Philosophie und Malerei erleben ihre Hochblüte. Doch leitet die übersteigerte Expansionspolitik (Eroberungskriege u.a. gegen Spanien und die Niederlande) und die Verschwendungssucht von Ludwig XIV. zugleich die Schwächung des Königtums ein. 1664 Die französische Westindien-Handelskompanie wird gegründet. Ab 1667 Nach dem Eroberungskrieg gegen Spanien und die Spanischen Niederlande fallen 1668 im „Frieden von Aachen“ Lille und andere niederländische Festungen an Frankreich. 9. April 1667 Im Salon du Louvre in Paris wird die erste Kunstausstellung der Welt eröffnet. Auf Wunsch von König Ludwig XIV. wird die Veranstaltung der Académie française nun jährlich wiederholt. Ab 1672 Frankreich führt bis 1678 Krieg gegen Holland. Im „Frieden von Nimwegen“ erhält Frankreich die Grafschaft Burgund und Teile der Niederlande. 1674 Die Franzosen geben ihre Stützpunkte auf Madagaskar zugunsten der weiter östlich gelegenen Insel Réunion (noch heute französisches Übersee-Department) auf. 1685 König Ludwig XIV. hebt das Edikt von Nantes auf. Etwa 500.000 Hugenotten fliehen daraufhin außer Landes. 11. April 1713 Der „Friede von Utrecht“ beendet den seit 1701 wütenden „Spanischen Erbfolgekrieg“: Der Bourbone Philipp V. erhält Spanien und die spanischen Kolonien. Österreich muß sich mit den europäischen Nebenländern der spanischen Habsburger begnügen (Neapel, Mailand, Sardinien, Spanische Niederlande). Großbritannien werden Gibraltar und umfangreicher französischer Kolonialbesitz in Nordamerika zugesprochen. (Die Auseinandersetzungen um das spanische Erbe begannen nach dem Tod des letzten spanischen Habsburgers Karl II. [1. November 1700] zwischen Frankreich [verbündet u.a. mit Bayern] und Österreich [verbündet u.a. mit Großbritannien und den Niederlanden]). 1. September 1715 König Ludwig XIV. stirbt. Er hinterläßt seinem fünfjährigen Sohn Ludwig (XV.) ein wirtschaftlich ruiniertes Land mit einer hungernden Landbevölkerung. Die Zerrüttung der Staatsfinanzen, die Verschwendungssucht der Vormundschaftsregierung des Herzogs Philipp von Orléans (bis 1723) und später die Mätressenwirtschaft am Hof Ludwigs XV. (Madame Pompadour) kann auch Kardinal Fleury, der bedeutendste Minister dieser Zeit, nicht verhindern. Ab 1733 Frankreich beteiligt sich am Polnischen Thronfolgekrieg und erringt 1738 die Anwartschaft auf das Herzogtum Lothringen, das 1766 an Frankreich fällt. Ab 1754 Die Spannungen zwischen den englischen und französischen Kolonisten in Nordamerika führen schließlich zum bis 1763 dauernden französisch-britischen See- und Kolonialkrieg („French und Indian War“), der seine Fortsetzung in Ostindien findet und nahezu zeitgleich mit dem „Siebenjährigen Krieg“ in Europa verläuft, bei dem Engländer und Preußen ab 1756 gegen Franzosen, Österreicher und Russen kämpfen. Frankreich verliert letztlich seine Kolonien in Nordamerika (Kanada, Louisiana) sowie fast alle Stützpunkte in Süd- und Ostindien und steht erneut vor dem Staatsbankrott. 1768 Frankreich kauft die Insel Korsika von den Genuesen. Ab 10. Mai 1774 Die Reformversuche der Finanzminister des neuen Königs Ludwig XVI. (Turgot, Necker, Calonne) scheitern an der Halbheit der Maßnahmen und am Widerstand der privilegierten Stände (Adel, Geistlichkeit). 22. Januar 1775 In Lyon wird der französische Physiker André Marie Ampère geboren. Er entwickelt eine Theorie des Magnetismus, welche die magnetischen Kräfte auf elektrische zurückführt, entdeckt die Wechselwirkungen zwischen elektrischen Strömen und führt die Begriffe Spannung und Stromstärke ein. Nach ihm ist heute die Einheit der Stromstärke benannt. († 10.6.1836 in Marseille) 21. November 1783 Der Physiker Jean-François Pilâtre de Rozier und der Marquis d’Arlandes unternehmen von Paris aus mit einem neuentwickelten Heißluftballon die erste bemannte Luftfahrt der Geschichte. Die zwölf Kilometer von Paris bis Butte-aux-Cailles legt die Montgolfière bei einer Flughöhe von 1.000 Metern in 20 Minuten zurück. 7. Januar 1785 Dem Franzosen Jean-Pierre Blanchard gelingt zusammen mit dem Amerikaner John Jeffries erstmals die Überquerung des Ärmelkanals von Dover nach Calais in einem Heißluftballon. 14. Juli 1789 Die Mißwirtschaft und Verschwendungssucht des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. (1643-1715) und seiner Nachfolger Ludwig XV. (1715-74) und Ludwig XVI. (seit 1774), die immer höhere Steuern erhoben sowie der Krieg gegen England (1755-83), der den Verlust erheblicher Teile Kanadas mit sich brachte, und der Siebenjährige Krieg gegen Preußen (1756-83), führen zum Ausbruch der Französischen Revolution. Mit dem Sturm auf die Bastille in Paris (Staatsgefängnis) und der Verabschiedung der 17 Artikel umfassenden Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte durch die Bürgerlichen am 24. August, die sich zur Verfassungsgebenden Versammlung erklären, liegt die Macht nun nicht mehr in Händen des Adels („Erster Stand“) und der Geistlichkeit („Zweiter Stand“), sondern beim „Dritten Stand“ (Bürgertum). Die „Déclaration des droits de l’homme et du citoyen“ – bis heute Grundlage demokratischer Verfassungen und des Völkerrechts – ist eine Weiterentwicklung der 1689 in England proklamierten „Bill of Rights“ und hat die US-amerikanische „Declaration of Independence“ (Unabhängigkeitserklärung) von 1776 zum Vorbild. Allerdings ist diese noch stark von der christlichen Ethik beeinflußt, während die französische Erklärung ganz im Zeichen der Aufklärung steht. 19. Juni 1790 Während der Französischen Revolution setzt die radikale Minderheit der Jakobiner unter Maximilien Robespierre die Abschaffung des Erbadels durch. Die Maßnahme löst eine sofortige Welle der Emigration unter den Betroffenen aus. 1791 Die Nationalversammlung arbeitet eine neue Verfassung aus, mit deren Inkrafttreten im September König Luwig XVI. weitgehend entmachtet und Frankreich zur konstitutionellen Monarchie wird. Doch verschiedene politische Bewegungen, vor allem die Jakobiner unter Maximilien Robespierre fordern die endgültige Abschaffung der Monarchie. 10. August 1792 In Paris beginnt mit dem Sturm der radikal-demokratischen Sansculotten auf die Tuilerien, der Residenz König Ludwigs XVI., die zweite Phase der Französischen Revolution. Die Monarchie wird für beendet erklärt, der König mit seiner Familie im Temple gefangengesetzt. Die Gesetzgebende Versammlung schreibt daraufhin demokratische Wahlen für einen Nationalkonvent aus. Anfang September 1792 Jean Paul Marat, Wortführer der radikalen Sansculotten, sowie Justizminister Georges Jacques Danton organisieren den „revolutionären Terror“. Sie lassen in der ersten Septemberwoche mehr als 1.100 „Konterrevolutionäre“ liquidieren. Es handelt sich dabei vor allem um Priester, die den Eid auf die demokratische Verfassung verweigern oder Kriminelle. 21. September 1792 Der neue gewählte Nationalkonvent beschließt einstimmig die Abschaffung der Monarchie, erklärt König Ludwig XVI. für abgesetzt und ruft am nächsten Tag die I. Republik aus. Ab 1792 Unter dem aus Korsika stammenden General Napoléon Bonaparte steigt Frankreich zur Hegemonialmacht auf. Innerhalb weniger Jahre gelingt ihm die Unterwerfung eines Großteils Europas und Anfang des 19. Jahrhunderts vorübergehend von Teilen Amerikas, Asiens und Nordafrikas. 27. Juli 1792 Der Jakobinerführer Maximilien Robespierre reißt die Macht an sich und verfolgt eine Politik der Rache und der Ausschaltung sämtlicher politischer Gegner. Frankreich versinkt im Chaos und im Fanatismus. Es kommt zum Bürgerkrieg und zu Massenguillotinierungen. Unter den Hingerichteten sind auch König Ludwig XVI (21. Januar 1793) und seine Gemahlin Marie Antoinette (16. Oktober 1793). 27. Juli 1794 Gemäßigte Kräfte stürzen Maximilien Robespierre - auch er entgeht dem Schafott nicht - und errichten das Direktorium, eine bürgerliche Regierung, deren Besetzung sich bis 1799 sechsmal ändert. 9. November 1799 General Napoléon Bonaparte stürzt mit Hilfe der Armee die bürgerliche Regierung, errichtet die Herrschaft der Konsuln. Neben ihm als Erster Konsul regieren bis 18. Mai 1804 Sieyès, Ducos, Cambacérès und Lebrun. 1803 Frankreich verkauft das Louisiana-Territorium zwischen dem Mississippi und den Rocky Mountains für 15 Millionen Dollar an die USA. 21. März 1804 In Frankreich tritt der „Code civil“ („Code Napoléon”) in Kraft, der nachhaltig die Gesetzgebung in Europa beeinflußt (im wesentlichen trotz zahlreicher Änderungen auch heute noch gültig). Grundgedanken sind u.a. Gleichheit eines jeden vor dem Gesetz, Trennung von Staat und Kirche durch Einführung einer obligatorischen Zivilehe sowie Anerkennung der Freiheit des Individuums. 18. Mai 1804 Napoléon Bonaparte proklamiert das „Französische Kaiserreich“ und nötigt nach der Eroberung des italienischen Kirchenstaates Papst Pius VII. zur kirchlichen Absegnung seiner Krönung zum Kaiser. 2. Dezember 1804 Napoléon Bonaparte krönt sich in der Pariser Kathedrale Nôtre-Dame in Anwesenheit von Papst Pius VII. eigenhändig zum Kaiser der Franzosen und seine Gemahlin Joséphine zur Kaiserin. 2. Dezember 1805 Während des dritten Koalitionskrieges besiegt Kaiser Napoléon I. Bonaparte die verbündete österreichisch-russische Armee von Kaiser Franz II. und Zar Alexander I.: In der „Dreikaiserschlacht“ bei Austerlitz fallen rund 27.000 Soldaten auf alliierter Seite und etwa 7.000 Franzosen. Die Vorherrschaft Napoléons auf dem europäischen Kontinent ist damit (vorerst) besiegelt. 9. Oktober 1806 Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. erklärt Frankreich den Krieg, der jedoch 1807 mit der Niederlage Preußens endet. Im „Frieden von Tilsit“ muß Preußen am 9. Juli 1807 weite Gebiete abtreten. Im Westen gründet Kaiser Napoléon I. Bonaparte das Königreich Westfalen mit seinem Bruder Jérôme als Regenten und im Osten das „Großherzogtum Warschau“, das im wesentlichen aus Preußens Anteil an der zweiten und dritten Aufteilung Polens besteht. 21. November 1806 Kaiser Napoléon I. Bonaparte verhängt eine Kontinentalsperre gegen seinen Hauptgegner Großbritannien. Alle Häfen und Küsten des europäischen Kontinents werden für den Handel mit Großbritannien gesperrt. 1807 Kaiser Napoléon I. (Bonaparte) verbündet sich mit Rußland. Juni 1812 Napoléon I. rückt ohne Kriegserklärung mit einer 600.000 Mann starken Armee gegen Rußland vor, nachdem Zar Alexander I. 1810 aus der mit Napoléon vereinbarten Kontinentalsperre ausgetreten war Am 7. September treffen die französische „Grande Armée“ und das russische Heer bei Borodino (etwa 115 Kilometer westlich von Moskau) aufeinander. Die für beide Seiten verlustreiche Schlacht (etwa 100.000 Tote an einem einzigen Tag) bringt keine Kriegsentscheidung. Napoléon rückt bis nach Moskau vor, das von seinen Bewohnern längst verlassen und niedergebrannt wurde, und muß den Rückzug nach Wilna anordnen. Von seinen ursprünglich 600.000 Mann kommen dort im November nur noch etwa 20.000 völlig erschöpfte Soldaten an. Eine von Napoléon aufgestellte neue Armee von etwa 200.000 Mann unterliegt am 19. Oktober 1813 in der viertägigen Völkerschlacht bei Leipzig dem rund 330.000 Mann starken österreichisch-russisch-preußischen Heer. Insgesamt verlieren etwa 120.000 Soldaten ihr Leben oder werden schwer verletzt, und Napoléon tritt, verfolgt von den den Koalitions-Truppen, abermals den Rückzug an. Im März 1814 zieht die siegreiche antinapoleonische Armee in Paris ein. Napoléon muß abdanken und wird auf die Insel Elba verbannt. 2. April 1814 Der Bruder des 1793 hingerichteten Ludwig XVI. wird als Ludwig XVIII. zum König von Frankreich berufen. Die Französische Revolution überdauerte der Graf von Provence in Koblenz. Nach seinem Einzug in Paris errichtet er in Frankreich eine konstitutionelle Monarchie. 30. Mai 1814 Der „Friede von Paris“ beendet die Befreiungskriege gegen das napoleonische Frankreich mit insgesamt als mild empfundenenen Bedingungen für die besiegten Franzosen: Während die gesamten Niederlande unter der Herrschaft der Oranier zu einem Königreich zusammengefaßt werden, bleiben das Elsaß, Lothringen und das Saarland entgegen den Forderungen der deutschen Nationalbewegung französisch, und Preußen, Österreich, Rußland und Großbritannien verzichten auf finanzielle Forderungen. Die maßvollen Friedensbedingungen sollen das restaurierte Königtum in Frankreich nicht allzu sehr belasten. 20. März 1815 Napoléon Bonaparte gelingt die Rückkehr nach Frankreich, wo er von der Bevölkerung jubelnd empfangen wird und erneut die Macht übernimmt. 18. Juni 1815 In der Schlacht bei Waterloo (nahe der belgischen Hauptstadt Brüssel) wird Napoléon I. Bonaparte von den Alliierten endgültig geschlagen, womit seine „Herrschaft der 100 Tage“ beendet ist. Er wird gefangenengenommen und auf die Atlantik-Insel St. Helena verbannt, wo er 1821 52jährig stirbt. König Ludwig XVIII. kehrt auf den Thron zurück. 20. November 1815 Im zweiten „Frieden von Paris“ zwischen Österreich, Großbritannien, Rußland, Preußen und dem besiegten Frankreich werden die Grenzen Frankreichs nach dem Stand von 1790 festgelegt. Darüber hinaus muß Frankreich erhebliche Reparationszahlungen leisten. 12. Januar 1816 Das Parlament verabschiedet eine Generalamnestie für Teilnehmer an der Französischen Revolution. Vom Straferlaß ausgenommen bleiben allerdings jene Häftlinge, die 1815 während der napoleonischen Interimsherrschaft ein politisches Amt bekleideten. 16. September 1824 Nach dem Tod von Ludwig XVIII. besteigt Karl X. den Thron von Frankreich. 2. August 1830 Volksaufstand in Paris im Sinne der Französischen Revolution: König Karl X., der sämtliche demokratische Errungenschaften beseitigt hatte, wird gestürzt. Die Monarchie bleibt jedoch erhalten, da die Kammer den Herzog von Orléans, Louis Philippe, zum sogenannten „Bürgerkönig“ wählt. 25. Oktober 1836 Auf der Place de La Concorde in Paris wird der 250 Tonnen schwere und 23 Meter hohe Obelisk von Luxor aufgestellt. Die ursprünglich von Pharao Ramses II. in Theben errichtete Granitsteinsäule ist ein Geschenk des ägyptischen Königs Mohammed Ali an den französischen König Louis Philippe und war bereits vor drei Jahren nach zweijähriger Transportdauer in Frankreich eingetroffen. Ab 1839 Frankreich erwirbt durch mehrere Kaufverträge bis 1843 die Gebiete an der Gabon-Flußmündung und errichtet den Marinestützpunkt Fort Aumale, in dessen Schutz mehrere Lager für befreite Sklaven gegründet werden. Diese Siedlungen verwachsen zu einer Stadt, die 1849 den bedeutungsvollen Namen „Libreville“ erhält. Von hier aus beginnen die Franzosen mit der Erforschung und Kolonisierug der heutigen Republik Gabun sowie weiterer Gebiete Äquatorialafrikas. 24. Februar 1848 Erneut Aufstand der Massen, die für die Verwirklichung der freiheitlichen Ideen von 1789 eintreten: König Louis Philippe wird gestürzt – er flieht ins Ausland –, die II. Französische Republik ausgerufen und das allgemeine Wahlrecht eingeführt. Louis Eugène Cavaignac wird Staatspräsident. 24. Juni 1848 Nachdem die französische Nationalversammlung am 21. Juni die Auflösung der unrentablen Nationalwerkstätten, eine Sozialeinrichtung für Arbeitslose, verfügte, liefern sich die Arbeiter von Paris blutige Straßenschlachten mit der Armee, die den Aufstand auf Anordnung von Staatschef Louis Eugène Cavaignac brutal niederschlägt. In der sogenannten „Junischlacht“ kommen mindestens 10.000 Menschen ums Leben. Dezember 1848 Charles Louis Napoléon Bonaparte, ein Neffe von Napoléon I. wird neuer Staatspräsident der französischen Republik. Ab Mitte 19. Jahrhundert Schaffung des französischen Kolonialreichs in Nord- und Zentralafrika und Südostasien. 2. Dezember 1851 Charles Louis Napoléon Bonaparte löst die Nationalversammlung auf und läßt sich durch ein manipuliertes Referendum diktatorische Vollmachten ausstellen. Oppositionspolitiker läßt er verhaften. 2. Dezember 1852 Charles Louis Napoléon Bonaparte sorgt für die Wiederherstellung des Erbkaisertums und besteigt als Kaiser Napoléon III. den Thron von Frankreich. März 1860 Das Königreich Sardinien tritt Savoyen und Nizza an Frankreich ab. Im Gegenzug verzichtet Frankreich auf die Toskana, Modena, Parma und die Emilia-Romagna. 1. Januar 1863 In Paris erblickt Pierre de Coubertin, der Vater der Olympischen Spiele der Neuzeit, das Licht der Welt. 2. September 1870 Im wegen Thronfolgestreitigkeiten in Spanien geführten deutsch-französischen Krieg kapituliert einen Tag nach der entscheidenden Niederlage bei Sedan an der Maas die französische Armee unter Marschall Marie Edme Patrice Maurice Graf de MacMahon vor den preußisch-deutschen Truppen, die nun auf Paris vorrücken. Der militärische Erfolg Preußens gelang dank der Pläne Generals Helmuth von Moltke, der unter Nutzung der Eisenbahn mit drei Armeen rasch nach Frankreich vordrang. Kaiser Napoléon III. dankt noch am selben Tag ab. Damit endet das zweite Französische Kaiserreich. Am 4. September rufen die republikanischen Führer Jules Favre und Léon Gambetta in Paris die III. Republik aus. Eine provisorisch gebildete „Regierung der nationalen Verteidigung“ organisiert den Volkskrieg gegen die vor den Toren von Paris stehende preußisch-deutsche Armee. Die aus regulären Soldaten und bewaffneten Zivilisten bestehenden französischen Streitkräfte können die Niederlage jedoch nicht verhindern: Am 28. Januar 1871 muß Paris kapitulieren. 16. Februar 1871 Die nach Bordeaux umgesiedelte französische Nationalversammlung wählt den gemäßigten Republikaner Adolphe Thiers zum Regierungschef. 26. Februar 1871 Der Vorfriede von Versailles beendet die Kampfhandlungen im Deutsch-Französischen Krieg. 18. März 1871 Nach monatelangem Machtkampf zwischen revolutionären Sozialisten und der republikanischen Regierung übernimmt die „Pariser Kommune“ die Macht. Die Regierung unter Adolphe Thiers flieht nach Versailles. Ziele der Kommunarden sind u.a. die Trennung von Kirche und Staat sowie eine begrenzte Sozialisierung. 10. Mai 1871 Im Friedensvertrag von Frankfurt muß Frankreich das Elsaß und einen Teil Lothringens an das Deutsche Reich abtreten sowie sich zu einer Entschädigungszahlung in Höhe von fünf Milliarden Francs verpflichten. Zudem bleibt Frankreich bis 1873 von deutschen Truppen besetzt. 21. Mai 1871 Französische Regierungstruppen unter Marschall Marie Edme Patrice Maurice Graf de MacMahon rücken in Paris ein und setzen der Kommune ein gewaltsames Ende: In der „blutigen Woche“ (bis 28.05.) werden bei heftigen Straßenkämpfen fast 25.000 Kommunarden getötet. Weitere rund 10.000 werden später von Kriegsgerichten zu Verbannung oder Gefängnis verurteilt. 31. August 1871 Die Nationalversammlung in Paris wählt Adolphe Thiers zum ersten Staatspräsidenten der Republik. 21. Januar 1875 Der monarchistisch orientierte Marschall Marie Edme Patrice Maurice Graf de MacMahon wird nach dem Rücktritt von Adolphe Thiers von der Nationalversammlung in Paris zum Staatspräsidenten der Republik gewählt. 30. Januar 1879 Der Republikaner Jules Grévy wird neuer Staatspräsident. 1880 Der französische Adlige und Afrikaforscher Pierre Savorgnan de Brazzas gründet am Ufer des Kongoflusses die nach ihm benannte heutige Kongo-Hauptstadt Brazzaville. Wenig später übernimmt Frankreich das Protektorat über das Gebiet der heutigen zentralafrikanischen Republik Kongo. 10. Juli 1880 Das Parlament beschließt eine vollständige Amnestie für Teilnehmer an der Pariser Kommune von 1871. Wenig später wird in Paris die Sozialistische Arbeiterpartei gegründet. 14. Juli 1880 Erstmals wird der Jahrestag der Erstürmung der Bastille (1789) als Nationalfeiertag begangen. Die „Marseillaise“ wird Nationalhymne. 30. Dezember 1880 Frankreich annektiert Tahiti, nachdem der letzte König der Pazifikinsel seine Hoheitsrechte gegen eine jährliche Pension an die Kolonialmacht abgetreten hat. 1883 Frankreich, auf der Suche nach neuen kolonialen Absatzmärkten, beginnt mit der Eroberung der Insel Madagaskar vor der Ostküste Südafrikas (von 1896 bis 1960 französische Kolonie). 1885 Auf der „Berliner Kongo-Konferenz“ wird der französische Protektoratsanspruch auf das Gebiet der heutigen Republik Kongo international anerkannt. 20. April 1887 In Paris wird das erste Autorennen der Welt ausgetragen. 6. Mai 1889 In Paris wird die Weltausstellung eröffnet. Hauptattraktion ist der eigens aus diesem Anlaß errichtete „Tour Eiffel“ auf dem Pariser Marsfeld. Der nach seinem Konstrukteur, dem französischen Architekten und Ingenieur Alexandre Gustave Eiffel, benannte Eisenturm gilt mit seinen 300,5 Metern lange Zeit als höchstes Gebäude der Welt (heute mit Antenne 320,8 Meter) und ist noch heute das Wahrzeichen der französischen Hauptstadt. 11. Dezember 1894 Im Palais de l’Industrie auf den Pariser Champs-Elysées wird von neun Ausstellern der erste Autosalon eröffnet. 24. Februar 1896 Der Physiker Antoine-Henri Becquerel (1852-1908) berichtet erstmals über die von ihm entdeckte radioaktive Eigenstrahlung von Uran. 20. Mai 1900 Vom 20. Mai bis 28. Oktober finden in Paris im Rahmen der Weltausstellung die II. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit statt.1.077 Sportler aus 21 Ländern nehmen daran teil, darunter elf Frauen bei den Tennisturnieren. (Für die Weltausstellung erbaute Gustave Eiffel den 300 Meter hohen „Tour Eiffel“, der heute wohl das berühmteste Wahrzeichen von Paris ist.) 20. Juni 1900 Während des sogenannten Boxeraufstandes in China – Nationalisten richten ihren Haß gegen die Ausländer – wird der deutsche Gesandte Klemens von Ketteler ermordet. Daraufhin greift die Armee der „Vereinigten acht Staaten“ (USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Österreich und Rußland) China an und nimmt Peking ein. 19. Juli 1900 Während der Pariser Weltausstellung (Expo) wird die erste Strecke der „Metro“ in Betrieb genommen. Die 10,6 Kilometer lange Strecke der Untergrundbahn zwischen Porte Maillot und Porte de Vincennes hat 16 Stationen, deren architektonische Gestaltung großes Aufsehen erregt. 8. Mai 1902 Im Norden der seit 1635 zu Frankreich gehörenden Karibik-Insel Martinique bricht am Christi Himmelfahrtstag der knapp 1.400 Meter hohe Vulkan Mont Pelée aus. Eine Wolke aus heißen Gasen und glühender Asche fegt über die Hafenstadt Saint Pierre hinweg und tötet die gesamte Bevölkerung – fast 29.000 Menschen. (Eine weitere „Nuée Ardente“ des Vulkans zerstört am 30. August 1902 den Ort Morne Rouge und fordert noch einmal 2.000 Menschenleben.) 7. Juni 1903 Nach einer Kollision zweier Handelsschiffe im Hafen von Marseile sinkt die „Libau“. 117 Menschen kommen ums Leben. 1. Juli 1903 In Paris beginnt die erste Tour de France. Organisator dieses Radrennens, das auf sechs Etappen über 2.428 Kilometer quer durch Frankreich führt, ist der Sportjournalist und Verleger Henri Desgrange, der seiner Zeitschrift „L’Auto“ aus der Krise helfen will. 60 Radprofis folgen seiner Einladung. Sieger wird der Franzose Maurice Garin. 8. April 1904 Mit der „Entente cordiale“ schließen Großbritannien und Frankreich ein Abkommen, das ein „friedliches Einvernehmen“ der beiden Kolonialmächte weltweit gewährleisten soll. Frankreich erkennt z.B. die britische Herrschaft in Ägypten an, Großbritannien gibt Frankreich freie Hand in Marokko. 1905 Gesetzliche Trennung von Staat und Kirche in Frankreich. 1. Juni 1906 Der Simplontunnel, mit knapp 20 Kilometern längster Eisenbahntunnel der Welt, wird freigegeben. Die Strecke Paris-Mailand verringert sich dadurch um 81 km. Die Tunnelröhre wurde elektrifiziert, da bei Dampfbetrieb eine Verqualmung drohen würde. 7. Februar 1907 In Frankreich wird die Einkommensteuer eingeführt. 31. Juli 1907 In Casablanca werden acht Europäer ermordet. Daraufhin entsendet Frankreich ein Geschwader und besetzt die marokkanische Hafenstadt. 10. Dezember 1907 Der französische Arzt Charles Laveran, der 1880 in einem Militärhospital im Osten Algeriens den Malaria-Erreger entdeckte, erhält den Nobelpreis für Medizin. Dank seiner intensiven Forschungen konnte der britische Arzt Patrick Manson 1897 in Indien die Anophelesmücke als Überträger des Malaria-Parasiten nachweisen und sich die Pharma-Industrie an die Entwicklung wirksamer Medikamente gegen die Krankheit machen. 25. Juli 1909 Dem französischen Flugpionier Louis Blériot gelingt als erstem Menschen, den Ärmelkanal in einem selbstkonstruierten Eindecker von Calais bis Dover zu überfliegen. Für die 33 Kilometer braucht er nur knapp eine halbe Stunde. 1910 Die französische Kolonie „Moyen-Congo“ (Mittelkongo; die heutige Republik Kongo) bildet, zusammen mit Gabun, Ubangi-Schari (heute Zentralafrikanische Republik) und Tschad, Französisch-Äquatorialafrika. Die Föderation untersteht einem französischen Generalgouverneur mit Sitz in Brazzaville. Januar 1910 Das schlimmste Hochwasser der Seine seit 1658 richtet in der französischen Hauptstadt schwere Verwüstungen an. Zigtausende Bewohner müssen evakuiert werden und verlieren Hab und Gut. Obdachlosigkeit, Armut und Krankheit sind die Folgen. Das Wasser erreicht die unterirdischen Leitungen im ganzen Stadtgebiet. Kanäle, Wasser- , Starkstrom- und Gasleitungen werden vom Sickerwasser beeinträchtigt. Die Stromversorgung bricht zusammen, und einige Tage lang kommt auch der gesamte Straßenverkehr zum Erliegen. Die Metro, die Pariser U-Bahn, muß den Betrieb einstellen. Am 27. Januar stürzt das Gewölbe der Orleans-Bahn durch den Druck der Wassermassen ein. Glück im Unglück ist nur, daß die zahlreichen Auffangbecken des Abwasser-Kanalsystems nicht überflutet werden und somit Epidemien ausbleiben. 21. August 1911 Leonardo da Vincis Gemälde „Mona Lisa“ wird aus dem Pariser Louvre gestohlen (taucht zwei Jahre später in Florenz wieder auf). 28. Juni 1914 In Sarajevo (heute Hauptstadt des souveränen Staates Bosnien-Herzegowina) werden der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin von einem bosnischen Serben getötet. Dies führt zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. 1. August 1914 Das Deutsche Reich erklärt Rußland den Krieg, zwei Tage später auch Frankreich und Großbritannien. Ab Juni 1918 Die USA entsenden rund zwei Millionen Soldaten (davon finden etwa 113.000 den Tod) nach Frankreich und sorgen damit für eine Kehrtwende im Ersten Weltkrieg, der schließlich zum militärischen Zusammenbruch des Deutschen Reichs führt. 11. November 1918 In einem Eisenbahnwagon im Wald von Compiègne unterzeichnen der Leiter der deutschen Waffenstillstandskommission, Matthias Erzberger, und der französische Marschall Ferdinand Foch die Waffenstillstandsbedingungen der alliierten Sieger des Ersten Weltkriegs. Deutschland muß nicht nur alle Gebiete in Frankreich und Belgien räumen, die es in den letzten vier Jahren eroberte, sondern auch die linksrheinischen Gebiete, die nun von französischen, belgischen, britischen und US-amerikanischen Truppen besetzt werden. Darüber hinaus muß Deutschland seine Flotte und große Mengen an sonstigem Kriegsmaterial, Waffen und Munition den bisherigen Feindmächten übergeben. 28. April 1919 Auf der Friedenskonferenz in Paris unterzeichnen die alliierten Siegermächte des Ersten Weltkriegs die Satzung des Völkerbundes. Die Mitglieder der internationalen Organisation verpflichten sich zu gegenseitiger Hilfe bei Angriffen, zu einer Reduzierung der Rüstung und zu offener Diplomatie. Bei zwischenstaatlichen Konflikten unterwerfen sie sich dem Schiedsspruch des Internatioanlen Gerichtshofs in Den Haag. Der Völkerbund leistet in der Folgezeit zwar Bedeutendes auf humanitärem Gebiet, ist allerdings wegen der gebotenen Einstimmigkeit der Beschlußfassung auf seinem Hauptgebiet, der Friedenssicherung, meistens zur Untätigkeit verurteilt, wenn Interessenskonflikte auftreten. 28. Juni 1919 Im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles wird der Friedensvertrag zwischen dem Deutschen Reich und den alliierten Siegermächten des Ersten Weltkriegs unterzeichnet. Deutschland muß nicht nur Gebiete an Frankreich (Elsaß-Lothringen), Polen und die Tschechoslowakei abtreten, sondern verliert auch alle seine bisherigen Kolonien und wird, da es die Alleinschuld am Ausbruch des Krieges übernehmen muß, zu extem hohen Reparationsleistungen verpflichtet. 12. Januar 1922 Der seit dem 16. Januar 1921 (zum vierten Mal) amtierende Regierungschef Aristide Briand erklärt seinen Rücktritt, weil seine Politik der Abrüstung und Aussöhnung mit Deutschland in Frankreich keine Zustimmung findet. Raymond Poincaré wird sein Nachfolger. 25. Januar 1924 Vom 24. Januar bis 5. Februar findet im französischen Chamonix die Internationale Wintersportwoche statt, die ein Jahr später zu den ersten Olympischen Winterspielen erklärt wird. Unter den 296 Teilnehmern befinden sich nur dreizehn Frauen. Vom 4. Mai bis 27. Juli finden in Paris die VIII. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit statt, an denen 3.075 Sportler, darunter 136 Frauen, aus 44 Ländern an 140 Wettbewerben in 18 Sportarten teilnehmen. Herausragende Leistungen erzielen der finnische Läufer Paavo Nurmi (fünf Goldmedaillen) und der US-amerikanische Schwimmer (und spätere Tarzan-Darsteller) Johnny Weissmüller (drei Goldmedaillen). 27. August 1928 Auf Inititative des französischen Außenministers Aristide Briand und seines US-amerikanischen Kollegen Frank Billings-Kellog wird in Paris von 15 Nationen ein Kriegsächtungspakt unterzeichnet, dem sich auch das Deutsche Reich anschließt. Der Friedenspakt erklärt den im nationalen Interesse geführten Angriffskrieg für völkerrechtswidrig. Davon ausgenommen bleibt das Recht auf Selbstverteidigung und die Teilnahme an Sanktionen des Völkerbundes. An die Stelle bewaffneter Auseinandersetzungen soll fortan eine internationale Schiedsgerichtsbarkeit treten. 26. Juli 1929 Der französische Ministerpräsident Raymond Poincaré tritt zurück. Sein Nachfolger wird am 29. Juli ohne Umbildung der Regierung Aristide Briand. 31. August 1929 In Den Haag beschließen Belgien, Großbritannien und Frankreich die endgültige Räumung des Rheinlandes bis spätestens Ende Juni 1930. Voraussetzung für den Truppenabzug ist die Zahlung des Deutschen Reiches der neu festgesetzten Reparationsleistungen von jährlich rund zwei Milliarden Goldmark über einen Zeitraum von 59 Jahren. 9. Oktober 1934 König Alexander I. von Jugoslawien und der französische Außenminister Jean Barthou werden in Marseille von makedonischen und kroatischen Extremisten ermordet. 1938 Die dritte Fußballweltmeisterschaft findet in Frankreich statt. Weltmeister wird Italien mit einem 4:2 gegen Ungarn. 29. September 1938 Das Deutsche Reich, Großbritannien, Italien und Frankreich unterzeichnen in München ein Abkommen, das die Tschechoslowakei verpflichtet, die überwiegend von deutschen bewohnten Sudetengebiete an das Deutsche Reich abzutreten. Zwei Tage später marschieren dort deutsche Truppen ein. 3. September 1939 Großbritannien und Frankreich erklären dem Deutschen Reich den Krieg. 22. Juni 1940 Militärischer Zusammenbruch Frankreichs: Nach nur sechswöchigem Kampf besetzen deutsche Truppen den Norden Frankreichs und die Haupstadt Paris. Die französische Regierung zieht sich nach Vichy im Süden zurück und bildet im Juli einen autoritären, von Deutschland abhängigen Reststaat. Chef des „État Français“ ist der 74jährige General Henri Philippe Pétains, der, selbst nicht von faschistischen Vorstellungen frei, mit den deutschen Nationalsozialisten zusammenarbeitet und so versucht, die Unabhängigkeit des unbesetzten Frankreich und die Integrität des französischen Kolonialreichs zu wahren. 1942 General Charles de Gaulle bildet in London eine Exilregierung, die die Widerstandsbewegung „Résistance“ in Frankreich unterstützt. 8. November 1942 Um 1.00 Uhr Ortszeit beginnt in Französisch-Nordwestafrika die Operation „Torch“, die Landung US-amerikanischer und britischer Streitkräfte in einer Stärke von 107.000 Mann bei Casablanca an der marokkanischen Küste sowie bei Algier und Oran in Algerien. Von der britischen Presse wird die Eröffnung dieser, von der UdSSR seit langem geforderten zweiten Front als Höhepunkt der westalliierten Strategie begrüßt, da sie den Auftakt zu einer direkten Offensive gegen das Deutsche Reich bildet. 1943 Dank des gewaltigen Waffen- und Soldatenpotentials der USA gewinnen die Alliierten im Zweiten Weltkrieg auf allen Kriegsschauplätzen allmählich die Oberhand. Ab 6. Juni 1944 Die ersten amerikanischen und englischen Truppeneinheiten gehen unter dem Oberkommando von General Dwigth David Eisenhower in der Normandie an Land und drängen die Deutschen immer weiter zurück, während die Armee Stalins von Osten heranrückt. 10. Juni 1944 Ein SS-Regiment ermordet als Racheakt für die Partisanentätigkeit des französischen Widerstands gegen die deutsche Besatzung in dem französischen Dorf Oradour-sur-Glane 642 Menschen. Die Männer werden erschossen , Frauen und Kinder in der Kirche eingeschlossen und diese in Brand gesteckt. 25. August 1944 US-amerikanische Einheiten und Truppen von General Charles de Gaulle rücken in Paris ein. Der deutsche Stadtkommandant Dietrich von Stolitz weigerte sich zuvor, dem Befehl Adolf Hitlers Folge zu leisten und Paris vor dem Rückzug der deutschen Truppen zu zerstören. Er übergibt Paris an General Leclerc. Am selben Tag kehrt General Charles de Gaulle persönlich in die Stadt zurück, verlegt kurz darauf den inzwischen in Algier eingerichteten Sitz der Exil-Regierung nach Paris und proklamiert am 3. September die IV. Republik, die sich nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht (8. Mai 1945) an der Besetzung Deutschlands durch die Alliierten Siegermächte beteiligt. 15. Oktober 1945 Nach einem aufsehenerregenden Prozeß in Paris wird der Chef des Vichy-Regimes, Pierre Laval, in Fresnes wegen Kollaboration mit der deutschen Besatzungsmacht hingerichtet. November 1946 Die Bombardierung des vietnamesischen Haiphong durch Frankreich und der Einmarsch der kommunistischen Vietminh in Hanoi im Dezember lösen den zermürbenden, bis 1954 dauernden Indochina-Krieg aus. 16. Januar 1947 Vincent Auriol wird Präsident der IV. Republik. Er bemüht sich um eine Stärkung der politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Frankreich und den europäischen Nachbarn. 10. Februar 1947 In Paris werden die Friedensverträge der Alliierten mit den ehemaligen Verbündeten des Deutschen Reiches unterzeichnet (Finnland, Italien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien). 4. März 1947 Frankreich und Großbritannien unterzeichnen einen auf 50 Jahre angelegten Bündnis- und Beistandsvertrag, dessen Hauptziel die Sicherung vor einer Wiederaufnahme deutscher Angriffspolitik ist. 16. April 1947 Im Hafen von Texas City/USA explodiert der französische Salpeterfrachter „Grand-Camp“. Das Unglück fordert 561 Menschenleben. 4. April 1949 In Washington gründen die USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Italien, Portugal, Dänemark, Norwegen und Island das NATO-Verteidigungsbündnis (North Atlantic Treaty Organization). (Griechenland und die Türkei treten der NATO 1952, die Bundesrepublik Deutschland 1955 und Spanien 1982 bei.) 18. April 1951 Frankreich, Belgien, Luxemburg, die Niederlande, Deutschland und Italien beschließen in Paris die Gründung der EGKS (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl). 13. Februar 1953 Das Militärgericht in Bordeaux verurteilt im sogenannten Oradour-Prozeß 45 ehemalige SS-Mitglieder zum Tod, davon 43 in Abwesenheit. Das Dorf Oradour-sur-Glane (Départment Haute-Vienne) war 1944 als Repressalie gegen die französische Widerstandsbewegung von der SS niedergebrannt worden. Dabei wurden rund 600 Personen ermordet. 16. Januar 1954 René Coty wird französischer Staatspräsident. 1. November 1954 In Algerien löst die radikale „Front de Libération Nationale“ (FLN, Nationale Befreiungsfront) mit Anschlägen auf Brücken, Fabriken und öffentliche Gebäude den bis 1962 andauernden Unabhängigkeitskampf gegen Frankreich aus, der von beiden Seiten mit äußerster Brutalität geführt wird (zeitweise setzt Frankreich bis zu einer halben Million Soldaten ein). 7. Mai 1954 Die Niederlage von Diên Biên Phu (französische Dschungel-Festung im äußersten Nordwesten Nordvietnams) bedeutet das Ende der französischen Kolonialherrschaft in ganz Indochina (Kambodscha, Laos, Vietnam). 8. September 1954 In Manila gründen die USA, Thailand, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Frankreich, Pakistan und die Philippinen die SEATO (Southeast Asia Treaty Organization; wird 1977 wieder aufgelöst). 11. Juni 1955 Beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans ereignet sich das bislang schwerste Unglück in der Geschichte des Automobilsports: Bei einem Bremsmanöver des Jaguarfahres Mike Hawthorn kommt es zum Zusammenstoß zweier nachfolgender Rennwagen: ein Mercedes rast in die Zuschauermenge und explodiert. 85 Menschen kommen ums Leben, mehr als 200 werden verletzt. Als Konsequenz aus dem Unglück zieht Mercedes seine berühmten „Silberpfeile“ aus dem Rennsport zurück. 1956 Ein Abkommen zwischen Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland vereinbart den wirtschaftlichen Anschluß des Saarlandes an die BRD für 1957 und den politischen für 1960. 1957 Frankreich ist Gründungsmitglied der EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft; Unterzeichnung des Gründungsvertrags zwischen Deutschland, Frankreich, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden und Italien am 25. März 1957 in Rom). 8. Februar 1958 Die französische Luftwaffe bombardiert das tunesische Grenzdorf Sakiet als angebliche Nachschubbasis algerischer Rebellen. Dabei kommen nach offiziellen Angaben 78 Menschen ums Leben. 1. Juni 1958 General Charles de Gaulle wird Regierungschef und mit Sondervollmachten zur Beseitigung der Algerienkrise ausgestattet. Er verstärkt zwar wegen des zunehmenden Terrors der algerischen FLN die Armee in Algerien, läßt jedoch erkennen, daß er bezüglich der Selbstverwaltung des Landes zu Verhandlungen bereit sei. 8. Januar 1959 Nach Proklamation der Verfassung der V. Republik wird Charles de Gaulle französischer Staatspräsident. Premierminister wird der „Gaullist“ Michel Debré. 1. Dezember 1959 Auf Initiative der USA unterzeichnen in Washington zwölf Staaten (Argentinien, Australien, Belgien, Chile, Frankreich, Großbritannien, Japan, Neuseeland, Norwegen, Südafrika, UdSSR, USA) einen Vertrag, der eine ausschließlich friedliche Nuztung der Antarktis vorsieht, wo alle Unterzeichnerstaaten bereits Forschungsstationen eingerichtet haben. Das am 23. Juni 1961 in Kraft tretende Abkommen hat eine Laufzeit von 30 Jahren und ist die erste internationale Vereinbarung zur Einschränkung von Kernwaffen-Tests. 13. Februar 1960 In der algerischen Sahara wird die erste französische Plutoniumbombe zu Testzwecken gezündet. 26. Juni 1960 Die Insel Madagaskar vor der Ostküste Afrikas erhält die vollständige Unabhängigkeit. Frankreich bleibt jedoch wichtigster Wirtschaftspartner. Mitte August 1960 Frankreich entläßt seine zentralafrikanischen Kolonien endgültig in die Unabhängigkeit. Es entstehen die souveränen Staaten Republik Tschad, Republik Kongo, Gabunische Republik und Zentralafrikanische Republik. 1961 Nachdem sich der französische Staatspräsident Charles de Gaulles öffentlich für eine Selbstverwaltung Algeriens ausspricht, kommt es zum Aufstand der dort lebenden Europäer und zur Gründung der „Geheimen Armeeorganisation“ (l'Armée Secrète, OAS), die um jeden Preis ein autonomes Algerien verhindern will. 8. Februar 1962 Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei fordern in Paris acht Tote und rund 300 Verletzte. 18. März 1962 Um in Algerien weiteres Blutvergießen zu verhindern (über 1 Million Algerier und rund 25.000 Franzosen sind dort seit 1954 ums Leben gekommen, und das Land ist verwüstet, schließt der französische Staatspräsident Charles de Gaulles (gegen den Willen der Algerienfranzosen und des Generalstabs) mit der GPRA (von der FLN 1958 in Kairo gebildete „Provisorische Regierung der algerischen Republik“) ein Waffenstillstandsabkommen und erklärt Algerien für unabhängig. Die OAS versucht mit beispielloser Gewalltätigkeit das Inkrafttreten des Vertrages zu verhindern, die jedoch nur Racheakte der FLN heraufbeschwört. Daraufhin verlassen von rund 1,5 Millionen Europäern über eine Million fluchtartig Algerien. 15. April 1962 Der Gaullist Georges Pompidou wird neuer französischer Premierminister. 1. Mai 1962 Frankreich führt im algerischen Hoggar-Gebirge seinen ersten Atomwaffentest durch. 3. Juli 1962 Charles de Gaulle proklamiert offiziell die Unabhängigkeit Algeriens. Frankreich wird für fünf Jahre zugestanden, mehrere Stützpunkte in der Sahara zu behalten und unterirdische Atomwaffenversuche vorzunehmen. 22. Januar 1963 Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle und der westdeutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer unterzeichnen in Paris einen Vertrag über eine enge deutsch-französische Zusammenarbeit, der die seit Jahrhunderten bestehende Rivalität zwischen den beiden Staaten beendet. 10. Februar 1965 Nahe des Wintersportorts Val d’Isère in den französischen Alpen zerstört eine Lawine ein dreistöckiges Erholungsheim. Beim bislang schwersten Lawinenunglück in Frankreich kommen 39 Menschen ums Leben. 16. Juli 1965 Nach sechsjähriger Bauzeit wird der 11,6 Kilometer lange französisch-italienische Straßentunnel durch den Montblanc für den Verkehr freigegeben. 26. November 1965 Vom Versuchsgelände Hammaguir in der algerischen Sahara startet Frankreich erfolgreich seine erste Trägerrakete „Diamant“, die einen Satelliten in die Erdumlaufbahn bringt. 26. November 1966 An der Rance-Mündung in der Bretagne wird das erste Gezeitenkraftwerk der Welt in Betrieb genommen. 26. Juli 1967 Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle besucht Kanada. Er spricht von einem „freien und französischen Québec“ und den „Franzosen beiderseits des Atlantischen Ozean“. Da ihn Premier Lester Bowles Pearson für diese Worte rügt, bricht Charles de Gaulle seinen Kanada-Besuch frühzeitig ab. 6. Februar 1968 Vom 6. bis 18. Februar finden im französischen Grenoble die 10. Olympischen Winterspiele statt. 1.293 Sportler (212 Frauen) aus 37 Ländern nehmen an insgesamt 35 Wettbewerben in sieben Sportarten teil. 3. Mai 1968 Um Studenten-Demonstrationen ein Ende zu bereiten, die sich gegen eine teilweise Schließung der Pariser Sorbonne richten, dringt die Polizei auf das Universitätsgelände vor. Damit löst sie im Studentenviertel Quartier Latin jedoch eine Straßenschlacht aus, die schließlich die völlige Schließung der Universität zur Folge hat. In den folgenden Tagen kommt es in Paris und anderen Universitätsstädten Frankreichs zu bürgerkriegsähnlichen Zusammenstößen zwischen Polizei und Studenten. Aufgrund des brutalen Vorgehens der Sicherheitskräfte rufen die Gewerkschaften zum Solidaritätsstreik für die Studenten aus. Am 20. Mai streiken bereits fünf Millionen Franzosen, das Land steht am Rande des Chaos. Staatspräsident Charles de Gaulle gibt letztendlich nach und erklärt sich zur Durchführung weitgehender sozialer Reformen und zur Neuordnung des Universitätswesens bereit. 13. Juli 1968 Der Gaullist Maurice Couve de Murville wird neuer französischer Premierminister. 27. April 1969 Staatspräsident Charles de Gaulle tritt zurück, nachdem das Volk per Referendum die von ihm vorgeschlagene Regionalisierung der Verwaltung abgelehnt hat. (Er stirbt am 9. November 1970 im Alter von 80 Jahren.) Am 15. Juni 1969 wird Georges Pompidou zum neuen französischen Staatspräsidenten gewählt. 24. Juni 1969 Nach dem Rücktritt von Maurice Couve de Murville wird Jacques Chaban Delmas (Gaullist) neuer französischer Premierminister. 6. Juli 1972 Pierre Messmer (Gaullist) wird neuer französischer Premierminister. 3. März 1974 Nördlich des Pariser Flughafens Le Bourget stürzt eine türkische Maschine ab. Alle 346 Insassen kommen ums Leben. 27. Mai 1974 Nach dem Tod von Staatspräsident Georges Pompidou (2. April) wird der Republikaner Valérie Giscard d'Estaing sein Nachfolger. Neuer französischer Regierungschef wird Jacques Chirac (Gaullist). 25. August 1976 Der Liberale Raymond Barre wird neuer französischer Premierminister. 25. Januar 1977 In den französischen Pyrenäen geht das weltweit erste kommerzielle Sonnenkraftwerk ans Netz. 31. Januar 1977 In Paris wird nach vierjähriger Bauzeit das „Centre National d’Art et de Culture Georges Pompidou“ eingeweiht. Der Entwurf für das avantgardistische Bauwerk – die Installationstechnik z.B. wurde in farbigen Rohren an der Außenseite des Gebäudes verlegt – stammt von dem italienisch-britischen Architektenduo Renzo Piano und Richard Rogers. Zahlreiche öffentliche Einrichtungen wie das Musée National d’Art Moderne oder die Präsenzbibliothek werden in dem neuen Haus untergebracht. 16. März 1978 Der unter libanesischer Flagge fahrende Großtanker „Amoco Cadiz“ läuft während eines Sturms vor der französischen Atlantikküste in der Nähe von Brest auf Grund und bricht auseinander. Das auslaufende leichte Rohöl – 220.000 Tonnen – verseucht rund 350 Kilometer der bretonischen Küste, zerstört Muschelbänke, tötet unzählige Seevögel und Fische. Juni 1979 In den mittlerweile neun Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft (Belgien, Dänemark, Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Großbritannien) ist die Beteiligung an den am 7. und 10. Juni stattfindenden ersten Direktwahlen zum Europäischen Parlament in Straßburg äußerst gering. Insgesamt geben nur etwa 60 Prozent aller Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Die meisten Wähler gehen in Belgien an die Wahlurne (88%), die wenigsten in Großbritannien (31%). Sozialisten und Sozialdemokraten erringen 112 von insgesamt 410 Sitzen und stellen damit die stärkste Fraktion, gefolgt von den Christdemokraten mit 106 Mandaten. Die Kommunisten werden mit 44 Abgeordneten vertreten sein. Die ehemalige französische Gesundheitsministerin Simone Veil wird zur ersten Präsidentin des Europaparlaments gewählt. 24. Dezember 1979 Die seit fünf Jahren von der europäischen Weltraumorganisation ESA (European Space Agency) unter französischer Führung entwickelte „Ariane“ startet von Kourou in Französisch-Guayana aus zu ihrem Jungfernflug. Mit einer Nutzlast von 900 Kilogramm kann die Trägerrakete Übertragungs- und Wettersatelliten in eine Erdumlaufbahn bis zu etwa 36.000 Kilometer Höhe befördern. 21. Mai 1981 Neuer französischer Staatspräsident wird der Sozialistenführer François Mitterand. Neuer Premierminister wird der Sozialist Pierre Mauroy. Die derzeit schlechte Wirtschaftslage Frankreichs erfordert ein Reformprogramm u.a. mit starken Kürzungen der Sozialleistungen. 11. Februar 1982 Der Verfassungsrat billigt die von der sozialistischen Regierung durchgesetzte Nationalisierung von fast 40 Banken, mehreren Industriekonzernen und zwei Finanzgesellschaften. Nach der Verstaatlichung kontrolliert der Staat ein Drittel des Industrieumsatzes und 75 Prozent des Kreditvolumens. 10. September 1982 Der fünfte Start der „Ariane“ mißglückt: Nur wenige Minuten nach dem Abheben in Kourou in Französisch-Guayana stürzt die Trägerrakete – sie sollte einen Nachrichtensatelliten in die Erdumlaufbahn bringen – wegen eines Defekts des dreistufigen Antriebssystems in den Atlantik. 18. Juli 1984 Der Sozialist Laurent Fabius wird neuer französischer Premierminister. 10. Juli 1985 Der französische Geheimdienst sprengt im Hafen von Auckland das Greenpeace-Schiff „Rainbow Warrior“ in die Luft, das von dort mehrmals in die Südsee ausgelaufen war, um gegen die französischen Atomversuche im Pazifik zu protestieren. Ein Fotograf der Umweltschutzorganisation kommt dabei ums Leben. Die Aktion führt zu einer erheblichen Verschlechterung der Beziehungen zwischen Neuseeland und Frankreich. 21. März 1986 Jacques Chirac wird ein zweites Mal französischer Premierminister. Er bildet eine Koalitionsregierung aus Sozialisten und Konservativen. 10. Mai 1988 Der Sozialist Michel Rocard wird neuer französischer Premierminister. 19. September 1989 Die Explosion einer Bombe führt zum Absturz einer französischen Verkehrsmaschine der Fluggesellschaft UTA über Nigeria. Bei dem Unglück kommen 170 Menschen ums Leben. 16. Mai 1991 Edith Cresson (Sozialistische Partei) wird erster weiblicher Premierminister Frankreichs. 8. Februar 1992 Vom 8. bis 23. Februar finden im französischen Albertville die XVI. Olympischen Winterspiele statt. 1.808 Sportler (490 Frauen) aus 64 Ländern nehmen an insgesamt 57 Wettbewerben in sieben Sportarten teil. 1992 Die Bevölkerung stimmt in einem Referendum für den Vertrag von Maastricht von 1991, der die Errichtung einer „Europäischen Union“ vorsieht. Die Nationalversammlung verabschiedet ein neues Anti-Korruptions-Gesetz. Das Rauchverbot an öffentlichen Plätzen wird per Gesetz eingeführt. Der Sozialist Pierre Bérégovoy wird nach dem Rücktritt von Edith Cresson im April neuer französischer Premierminister. 11. April 1992 Vor den Toren von Paris wird Europas größter Vergnügungspark, „Euro Disneyland“, eröffnet. 28. März 1993 Die regierende sozialistische Partei unter Pierre Bérégovoy erleidet bei der Parlamentswahl die schwerste Niederlage ihrer Geschichte: Sie erhält mit 54 Sitzen 204 weniger als bei der letzten Wahl 1988. Der Neo-Gaullist Edouard Balladur wird im März neuer Premierminister. 7. April 1994 Als erster Premier Frankreichs seit 1978 besucht Edouard Balladur die Volksrepublik China. 6. Mai 1994 Die britische Königin Elizabeth II. und Frankreichs Staatspräsident François Mitterrand eröffnen nach siebenjähriger Bauzeit in Cheriton bzw. Coquelles bei Calais den 50 Kilometer langen Eisenbahntunnel unter dem Ärmelkanal (davon liegen 38 Kilometer unter Wasser). 7. Mai 1995 Jacques Chirac wird zum Staatspräsidenten Frankreichs gewählt. Neuer Premierminister wird der Vorsitzende der RPR (Rassemblement pour la République/Neo-Gaullisten) Alain Marie Juppé. 13. Juni 1995 Staatspräsident Jacques Chirac kündigt eine Serie von Atomtests auf dem Mururoa-Atoll im Südpazifik an. Die Erklärung löst weltweite Protestaktionen aus. Das Greenpeace-Schiff „Rainbow Warrior III“ wird am 9. Juli unweit des Atolls von der franzöischen Marine geentert. 5. September 1995 Frankreich zündet trotz weltweiter Proteste auf dem Mururoa-Atoll den ersten atomaren Sprengsatz. 8. Januar 1996 Ex-Präsident François Mitterrand, der von 1981 bis 1995 die Geschicke Frankreichs lenkte, stirbt im Alter von 79 Jahren. 29. Januar 1996 Präsident Jacques Chirac gibt (zwei Tage nach dem sechsten Atomversuch im Südpazifik seit 1995) bekannt, daß Frankreich in Zukunft auf weitere Kernwaffenversuche verzichten werde. 22. Februar 1996 Präsident Jacques Chirac gibt bekannt, daß er in Frankreich ab Januar 1997 die Wehrpflicht abschaffen und eine Berufsarmee aufbauen werde. 20. März 1996 Die Regierung in London räumt erstmals ein, daß die Rinderkrankheit BSE durch den Verzehr von Rindfleisch auf den Menschen übertragen werden kann. Daraufhin verhängt die EU-Kommission in Brüssel ein weltweites Exportverbot für britisches Rindfleisch und fordert von London die Schlachtung und Verbrennung von über 130.000 möglicherweise infizierten Tieren. April 1996 Während eines viertägigen Frankreich-Aufenthalts einer Wirtschaftsdelegation aus der Volksrepublik China unterzeichnet der chinesische Ministerpräsident Li Peng eine Bestellung von 33 Airbus-Flugzeugen. 4. Juni 1996 Wenige Sekunden nach dem Start in Französisch-Guyana (Nordost-Südamerika) explodiert die mit vier Satelliten bestückte Trägerrakete Ariane 5. 23. August 1996 Eine Sondereinheit der Sicherheitskräfte stürmt im Auftrag von Premier Alain Juppé unter Einsatz von Tränengas und Schlagstöcken im Pariser Ausländerviertel die Kirche Saint-Bernard und holt 300 illegal eingewanderte Afrikaner heraus, die sich dort seit zwei Monaten aufhalten, um einer drohenden Abschiebung in ihre Heimatländer zu entgehen. 16. Oktober 1996 Präsident Jacques Chirac empfängt in Paris den deutschen Bundespräsidenten Roman Herzog zu Gesprächen. 21. Oktober 1996 Präsident Jacques Chirac besucht Israel, Jordanien und das Westjordanland, wo er u.a. zu Gesprächen mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Nethanjahu, König Hussein von Jordanien und Palästinenserchef Yasir Arafat zusammentrifft. Die Israeli fordert er auf, alles besetzte arabische Land zurückzugeben und der Gründung eines selbständigen Palästinenserstaates zuzustimmen, da dies die einzige Möglichkeit für einen dauerhaften Frieden in Nahost sei. 18. November 1996 Bei einem Brand in einer der beiden Röhren des Eurotunnels unter dem Ärmelkanal werden 34 Menschen verletzt, wovon acht mit schweren Rauchvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Es entsteht ein Sachschaden von 200 Millionen englischer Pfund. Die Polizei schließt Brandstiftung nicht aus. Ende November 1996 Nachdem ihnen Arbeitgeber und Regierung u.a. eine Vorverlegung des Rentenalters von 60 auf 55 Jahre und ein Fahrverbot an Sonntagen zugestehen beenden die französischen Lastwagenfahrer ihren zwölftägigen Streik, der an den Grenzübergängen zum Verkehrschaos und im ganzen Land zu Versorgungsengpässen geführt hatte. 3. Dezember 1996 Bei der Explosion einer Bombe in einem Pariser U-Bahnhof werden vier Menschen getötet und 91 verletzt. Der Anschlag geht wahrscheinlich auf das Konto algerischer Terroristen. Januar 1997 Palästinenserchef Yasir Arafat, der sich anläßlich eines Symposiums der UNESCO zu Ehren des vor einem Jahr verstorbenen früheren französischen Präsidenten François Mitterrand in Paris aufhält, trifft sich mit Staatspräsident Jacques Chirac zu einem Gespräch. 1. Februar 1997 Staatspräsident Jacques Chirac reist zu einem Treffen mit seinem Amtskollegen Boris Jelzin nach Moskau. 2. Februar 1997 Mit einer Serie von Bombenanschlägen vor öffentlichen Gebäuden und Banken auf der zu Frankreich gehörenden Mittelmeerinsel Korsika demonstriert die Untergrundorganisation FLNC-Canal historique ihre Stärke. Verletzt wird dabei niemand, der Sachschaden ist jedoch beträchtlich. 21. April 1997 Präsident Jacques Chirac gibt die Auflösung der französischen Nationalversammlung und als Termin für vorgezogene Parlamentsneuwahlen den 25. Mai bekannt. 23. April 1997 Aus Protest gegen verschiedene EU-Beschlüsse hinsichtlich der Fischfangquoten blockieren französische Fischer mehrere Häfen am Ärmelkanal und legen so den Fährverkehr zwischen Frankreich und Großbritannien lahm. 15. Mai 1997 Staatspräsident Jacques Chirac reist in die VR China und wird in Peking von Staats- und Parteichef Jiang Zemin empfangen. Am selben Tag wird ein Kaufvertrag über 30 Airbus-Flugzeuge im Wert von rund 1,5 Milliarden US-Dollar unterzeichnet. Dies ist als „Belohnung“ Chinas für die Haltungsänderung Frankreichs hinsichtlich seiner Menschenrechtspolitik gegenüber Peking zu werten (Frankreich erteilte Taiwan inzwischen eine Absage weiterer Waffenlieferungen und hat 1997 erstmals keine „antichinesische Resolution“ in der UN-Menschenrechtskommission angestrebt). 27. Mai 1997 Nach der feierlichen Unterzeichnung der Grundakte über Sicherheit und Zusammenarbeit zwischen Rußland und den 16 NATO-Partnern im Elysee-Palast in Paris (über die geplante und von Rußland weiterhin abgelehnte Ost-Erweiterung der NATO soll ab Juli verhandelt werden), teilt der russische Präsident Boris Jelzin mit, daß von allen auf die NATO-Ländern gerichteteten russischen Nuklearraketen die Zielcodeprogrammierung außer Kraft gesetzt wird. 1. Juni 1997 Bei Parlamentswahlen siegen die Sozialisten (Parti Socialiste, PS) über die Konservativen; der französische Premierminister Alain Juppé muß sein Amt an den sozialistischen Parteichef Lionel Jospin abgeben. 7. Juni 1997 Über Tausend französische Fallschirmspringer landen in der von Regierungstruppen und Oppositionsmilizen umkämpften kongolesischen Hauptstadt Brazzaville. Sie sollen den in der Stadt eingeschlossenen Ausländern zur Flucht verhelfen. 18. Juni 1997 Die Mehrheit im französischen Parlament spricht dem neuen Premierminister Lionel Jospin das Vertrauen aus. Kurz zuvor hatte dieser vor der Nationalversammlung eine Erklärung über die Schwerpunkte seiner Politik abgeben (in Frankreich will er u.a. den Konsum durch eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns ankurbeln und neue Arbeitsplätze durch die Einführung der 35-Stunden-Woche ohne Lohneinbußen schaffen; außenpolitisch strebt er u.a. engere Wirtschaftsbeziehungen zu den Staaten Afrikas an). 25. Juni 1997 Der weltbekannte französische Meeresforscher und Umweltschützer Jacques-Yves Cousteau stirbt in Paris im Alter von 87 Jahren. 8. Juli 1997 Die Staats- und Regierungschefs der 16 NATO-Staaten einigen sich auf dem Gipfeltreffen in Madrid auf eine Aufnahme von Polen, Tschechien und Ungarn in das westliche Verteidigungsbündnis für 1999. Der Aufnahmeantrag von Rumänien und Slowenien wird abgelehnt; die beiden Länder können jedoch durchaus damit rechnen, bei der nächsten Erweiterungsrunde aufgenommen zu werden. Frankreich, das 1966 aus der militärischen Struktur ausgeschert war, und eigentlich in Madrid die Rückkehr besiegeln wollte, hat diesen Entschluß inzwischen wegen Differenzen mit den USA über die künftige Kommandostruktur des Bündnisses vertagt. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac macht jedoch deutlich, daß Frankreich seine 1995 begonne Wiederanannäherung an das Bündnis nicht rückgängig machen wolle. 13. Juli 1997 Die EU-Kommission in Straßburg empfiehlt dem EU-Parlament die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen in die EU mit Ungarn, Polen, Tschechien, Slowenien, Estland und Zypern. Die übrigen Bewerberstaaten Slowakei, Rumänien, Bulgarien, Lettland und Litauen würden die für eine Aufnahme notwendigen politischen und wirtschaftlichen Kriterien (noch) nicht erfüllen. 14. Juli 1997 Während eines Fernseh-Interviews anläßlich des Nationalfeiertages gibt Staatspräsident Jacques Chirac bekannt, daß Frankreich 1997 sein Ziel, das Haushaltsdefizit für die gemeinsame europäische Währung auf 3,0 Prozent zu senken, nicht erreichen werde. 23. Juli 1997 Bei einem Großbrand im 1937 anläßlich der Weltausstellung erbauten Pariser Schloß „Palais de Chaillot“ gegenüber dem Eiffelturm, in dem mehrere Museen und ein Theater untergebracht sind, entsteht ein Schaden von rund 40 Millionen Francs. 25. Juli 1997 Einer der schlimmsten Brände seit fünf Jahren vernichtet in der südfranzösischen Region Marseilles rund 3.500 Hektar Wald. Ein Übergreifen auf die Stadt kann von Tausenden Feuerwehrleuten gerade noch verhindert werden. 27. Juli 1997 Jan Ulrich gewinnt in Frankreich als erster Deutscher in der 94jährigen Geschichte der „Tour de France“ die mit 4.000 Kilometern Streckenlänge bedeutendste Radrundfahrt der Welt. 4. August 1997 Jeanne Calment, die älteste Frau der Welt, stirbt im südfranzösischen Arles im Alter von 122 Jahren. Vor kurzem hatte die zwar inzwischen fast blinde und taube, aber geistig noch rege Frau erklärt, daß sie dieses „biblische“ Alter nur dem Genuß von Olivenöl und Portwein zu verdanken habe. Das Rauchen hat sie erst 1995 aufgegeben. 21. August 1997 Papst Johannes Paul II. trifft zum 12. Katholischen Weltjugendtreffen in Paris ein und wird von 500.000 Menschen unter dem Eiffelturm empfangen. Tags darauf zelebriert er anläßlich der Seligsprechung des 1853 verstorbenen französischen Sozialreformers Frederic Ozanam, der 1833 die karitativen Vinzenz-Gemeinschaften gegründet hat (heute rund eine Million Mitglieder), in der Kathedrale Notre-Dame eine Messe. In seiner Predigt plädiert das katholische Kirchenoberhaupt für eine gerechtere Gesellschaft und mehr Nächstenliebe. 28. August 1997 Premierminister Lionel Jospin reist zu seinem Antrittsbesuch nach Deutschland und wird in Bonn von seinem Amtskollegen Helmut Kohl mit militärischen Ehren empfangen. 8. September 1997 Beim Zusammenstoß eines Zuges mit einem Tanklastwagen auf einem unbeschrankten Bahnübergang in Südwest-Frankreich kommen zwölf Menschen ums Leben und über 30 weitere werden z.T. schwer verletzt (Der Tanklastzug explodierte und steckte mehrere Waggons in Brand). 24. September 1997 Beim 100. Start einer „Ariane“-Trägerrakete in Französisch-Guyana (Südamerika) (die erste „Ariane“ wurde am 24. Dezember 1979 gestartet) wird der 16. Fernmeldesatellit der Internationalen Satelliten-Telekommunikations-Organisation (Intelsat/Washington) ins All befördert. Der 3,4 Tonnen schwere „Intelsat 803“ soll fünfzehn Jahre lang die Telefon- und TV-Verbindungen zwischen Europa und Amerika sicherstellen. 9. Oktober 1997 Der französische Premierminister Lionel Jospin will per 1. Januar 2000 für Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern die wöchentliche Arbeitszeit von 35 Stunden gesetzlich festschreiben. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll ab Anfang 1998 ausgearbeitet werden. 10. Oktober 1997 Der 87jährige Maurice Papon – er war während des Zweiten Weltkriegs ein hoher Polizeifunktionär und steht wegen der Deportation von fast 1.700 französischen Juden in deutsche Konzentrationslager während der Vichy-Regierung vor Gericht – erhält aus Alters- und Gesundheitsgründen Haftverschonung. 30. Oktober 1997 17 Monate nach dem mißglückten Start der Europarakete Ariane 5 schießt die Europäische Raumfahrtagentur ESA vom Raumfahrtbahnhof Kourou (Französisch Guyana) ein nachgebessertes Exemplar mit zwei „Satellitenattrappen“ an Bord erfolgreich ins All ab. 2. November 1997 Zur Durchsetzung der geforderten Lohnerhöhungen und besseren Arbeitsbedingungen beginnen französische Fernfahrer mit landesweiten Blockadeaktionen und der Abriegelung von Treibstoffdepots. Gleichzeitig droht die EU-Kommission der Regierung in Paris mit rechtlichen Konsequenzen, falls die Grenzen nicht passierbar blieben. (Vor einem Jahr hatten die französischen Brummifahrer in einem zwölftägigen Streik den gesamten Güterfernverkehr über die französischen Grenzen hinaus lahmgelegt und dadurch der Wirtschaft in ganz Europa enorme Verluste zugefügt.) 7. November 1997 Nach einwöchigen Tarifverhandlungen einigen sich Arbeitgeber und Gewerkschaften u.a. auf eine Lohnerhöhung von rund sechs Prozent, und die französischen Fernfahrer beginnen mit dem Abbau der etwa 150 Straßenblockaden. 18. November 1997 Der Präsident des EU-Rechnungshofes, Bernhard Friedman, rügt die EU-Länder vor dem Europaparlament in Straßburg wegen des Verlustes von 5,3 Prozent des EU-Haushaltsvolumens von 81,8 Milliarden ECU (153 Milliarden DM) durch Mißwirtschaft und Verschwendung (z.B überhöhte Ausgleichszahlungen an Landwirte oder z.T. wenig sinnvoll angelegte Wiederaufbauhilfe für Ex-Jugoslawien). 30. November 1997 Frankreich genehmigt als erstes Land Europas den Anbau von Gen-Mais. Zugelassen sind drei Saatgut-Typen einer Schweizer Firma. Der Anbau anderer genveränderter Produkte ist verboten. Darüber hinaus müssen Lebensmittel, die Genmais enthalten, gekennzeichnet werden. 1. Dezember 1997 Die UN-Sonderorganisation „Unaids“ gibt anläßlich des Weltaidstages in Paris bekannt, daß die Zahl der an der Immunschwäche Aids infizierten mit weltweit rund 30 Millionen Menschen weit höher liege, als bisher angenommen. 1997 seien 2,3 Millionen Menschen an Aids gestorben, 50 Prozent mehr als 1996. Täglich würde die Zahl der HIV-Infizierten noch um etwa 16.000 ansteigen. Zu 90 Prozent sei dabei die Dritte Welt betroffen. Während sich die Lage in Westeuropa, Nordamerika, Australien und Neuseeland nicht zuletzt dank intensiver Aufklärungsarbeit inzwischen wesentlich verbessert habe, steige die Zahl der HIV-Infizierten in Entwicklungsländern rapide an. Besonders katastrophal sieht es in Schwarzafrika aus, wo die Zahl der Aidsinfizierten derzeit auf rund 21 Millionen geschätzt wird. Die meisten der Betroffenen wissen dort nichts von ihrer Infizierung bzw. haben noch nie etwas von der Krankheit gehört. Doch auch in Osteuropa, in Asien (vor allem in Süd- und Südostasien) und in Südamerika breite sich der HI-Virus wegen mangelnder Information immer stärker aus. 11. Dezember 1997 In Paris beginnt der Prozeß gegen den 48jährigen Venezolaner Ilich Ramirez Sanchez alias „Carlos“, der weltweit direkt oder indirekt für die Ermordung von 83 Menschen verantwortlich sein soll und sich selbst als „Berufsrevolutionär mit weltweitem Betätigungsfeld“ betitelt. Während er bis zu seiner Verhaftung 1994 bei den westlichen Staaten zwei Jahrzehnte lang als der meistgesuchteTerrorist galt, haben ihn die Ostblockländer und die arabischen Geheimdienste versteckt und seine Dienste in Anspruch genommen. (Er wird am 23. Dezember zu lebenslanger Haft verurteilt.) 23. Januar 1998 In den südfranzösischen Hochalpen in der Nähe von Les Orres kommen bei einem Lawinenunglück neun Schüler und zwei Erwachsene ums Leben. 21 Verschüttete der Jugendgruppe aus dem Raum Paris werden von den Rettungsmannschaften lebend, aber z.T. schwer verletzt aus den Schneemassen geborgen. 6. Februar 1998 Der Präfekt der französischen Mittelmeerinsel Korsika, Claude Erignac, wird in Ajaccio auf offener Straße von militanten Nationalisten erschossen. 2. April 1998 Der 87jährige französische Nazi-Kollaborateur und spätere Haushaltsminister Frankreichs, Maurice Papon, wird von einem Schwurgericht in Bordeaux wegen seiner Mitschuld an der Verhaftung und Deportation von fast 1.700 Juden während des Zweiten Weltkriegs zu zehn Jahren Haft verurteilt. Papon bleibt allerdings bis zur Entscheidung im Revisionsverfahren auf freiem Fuß. Mitte April 1998 Die französische Nationalversammlung billigt mit großer Mehrheit die Teilnahme Frankreichs an der Europäischen Währungsunion (EWU) sowie ein neues Ausländerrecht, das schärfere Maßnahmen gegen illegale Einwanderung vorsieht. Gleichzeitig sollen aber die Lebensbedingungen für Ausländer, die sich bereits in Frankreich aufhalten, verbessert werden. 2. Mai 1998 Der EU-Rat beschließt, daß die Europäische Währungsunion termingerecht am 1. Januar 1999 mit elf Teilnehmerstaaten beginnt (ohne Dänemark, Griechenland, Großbritannien, Schweden). Mitte Mai 1998 Das Europaparlament in Straßburg stimmt dem vom EU-Gesundheitsministerium beschlossenen Verbot für Tabakwerbung zu. Bis zum Jahr 2006 soll die Werbung für Tabakprodukte ganz eingestellt werden. 22. Mai 1998 Auf das Vorhaben Frankreichs, als bisher zweiter Staat der Europäischen Union nach Griechenland die Massaker an den Armeniern im einstigen Osmanischen Reich als „Völkermord“ anzuerkennen – die französische Nationalversammlung hat in Paris bereits einstimmig eine entsprechende Gesetzesvorlage angenommen –, reagiert die türkische Staatsführung mit Empörung und spricht von einer „Verzerrung der Geschichte“. Der türkische Staatspräsident Süleyman Demirel sagt: „Die Entscheidung nützt niemandem mehr, außer denen, die die Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Frankreich stören wollen.“ 10. Juni 1998 Der Streik der Piloten der staatlichen französischen Fluggesellschaft Air France gegen die geplante Kürzung ihrer Gehälter, der seit dem 1. Juni für erhebliche Verzögerungen im Luftverkehr gesorgt hat, wird mit einem Kompromiß beendet. Staatspräsident Jacques Chirac erklärt im Pariser Stadion „Stade de France“ vor rund 80.000 Zuschauern die 16. Fußballweltmeisterschaften für eröffnet. Das erste Spiel – Brasilien gegen Schottland – endet mit einem 2:1-Sieg für die Südamerikaner. 21. Juni 1998 Das Weltmeisterschafts-Fußballspiel zwischen Deutschland und Jugoslawien im nordfranzösischen Lens wird von Ausschreitungen deutscher rechtsradikaler Hooligans überschattet, in deren Verlauf ein französischer Polizist mit einem herausgerissenen Straßenschild niedergeschlagen wird und irreparable Hirnschäden davonträgt. Von zunächst fast 100 festgenommenen Gewalttätern verbleiben 15 in Untersuchungshaft. 12. Juli 1998 Im Endspiel um die 16. Fußballweltmeisterschaft in Saint-Denis nahe Paris schlägt Gastgeber Frankreich die brasilianische Nationalmannschaft mit 3:0. 30. Juli 1998 Vor der Küste der Bretagne kollidieren eine Regionalmaschine der Fluggesellschaft Proteus und eine private Cessna, weil beide Piloten die Route geändert hatten, um das im Hafen von Quiberon liegende Kreuzfahrtschiff „Norway“, die frühere „France“, überfliegen zu können. Bei dem Unglück kommen alle 15 Insassen der beiden Flugzeuge ums Leben. 2. August 1998 Die von Dopingskandalen überschattete Tour de France 1998 gewinnt der Italiener Marco Pantani. Der Vorjahressieger, der Deutsche Jan Ullrich, kommt auf Platz zwei. 23. August 1998 Innerhalb von 48 Stunden kommen am Montblanc-Massiv acht Bergsteiger wegen Eisregens ums Leben. 8. September 1998 In Sainte-Honorine-La-Guillaume, einem kleinen Dorf in der Normandie, nimmt die französische Polizei nach einem Hinweis des deutschen Bundeskriminalamtes (BKA) den seit über 20 Jahren gesuchten, mutmaßlichen deutschen Terroristen Hans-Joachim Klein fest, der als Mitglied der Gruppe um den Terroristen Ilich Ramirez Sanchez alias „Carlos“ (wurde 1997 zu lebenslänglicher Haft verurteilt) an Anschlägen beteiligt gewesen sein soll, u.a. bei dem Überfall auf ein Ministertreffen der OPEC-Staaten 1975 in Wien. 15. September 1998 Die Europäische Kommission unterzeichnet in Brüssel die Freigabe der Potenzpille Viagra für die gesamte Europäische Union. Somit kann der US-amerikanische Hersteller Pfizer nun das verschreibungspflichtige Medikament in allen fünfzehn EU-Staaten vermarkten. 2. November 1998 Nach landesweiten z.T. gewalttätigen Protestaktionen hunderttausender Schüler gegen Unterrichtsausfall und mangelhafte personelle sowie materielle Ausstattung der Lehranstalten beschließt das Bildungsministerium in Paris die Schaffung von rund 14.000 neuen Stellen und die Renovierung zahlreicher Schulen in ganz Frankreich bis 2002. 1. Dezember 1998 Der französische Ölkonzern Total SA übernimmt die belgische Petrofina und steigt unter dem Namen Total Fina zum sechstgrößten Ölkonzern der Erde auf. 10. Dezember 1998 Im Pariser Palais Chaillot, wo genau vor 50 Jahren die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ mit 48 Stimmen bei acht Enthaltungen angenommen und unterzeichnet worden war, begeht ein internationales Publikum, darunter zahlreiche Mitarbeiter von Menschenrechsorganisationen, eine Feier zum Gedenken an das Zustandekommen der Erklärung. Die in New York gehaltene Ansprache von UN-Generalsekretär Kofi Annan hinsichtlich des Jahrestages wird direkt in das Palais übertragen. 16. Dezember 1998 Die USA beginnen mit massiven Luftangriffen auf militärische Ziele im Irak und reagieren damit auf die Weigerung der irakischen Regierung, mit den Waffeninspektoren der Vereinten Nationen zusammenzuarbeiten. US-Präsident Bill Clinton begründet die Aktion mit dem „nationalen Interesse der USA“. Unterstützt wird der amerikanische Angriff („Operation Wüstenfuchs“) von britischen Flugzeugen. Insgesamt haben die USA im Persischen Golf derzeit 22 Kriegsschiffe und 201 Kampfflugzeuge stationiert. Großbritannien hat 22 Kampfflugzeuge in der Region. Sowohl die USA als auch Großbritannien sind der Ansicht, daß es für den Angriff auf Irak keines weiteren Beschlusses des UN-Sicherheitsrats bedurfte, da die Regierung in Bagdad schon wiederholt die UN-Resolutionen nicht eingehalten hatte und ihr für diesen Fall schon Militärangriffe angedroht worden waren. Frankreich, China und Rußland hingegen sind der Ansicht, daß es eines neuen Beschlusses bedurft hätte, und fordern die sofortige Einstellung der Angriffe. 1. Januar 1999 Beginn des „Euro-Zeitalters“ in den elf EU-Staaten Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien nach unwiderruflicher Festlegung der Wechselkurse zwischen dem Euro und den Währungen der Teilnehmerländer (1 Euro = 6,55957 Französische Francs), vorerst jedoch nur für den bargeldlosen Zahlungsverkehr. Ab 1. Januar 2002 werden Euro-Banknoten und Euro-Münzen ausgegeben, und spätestens am 1. Juli 2002 wird der Euro zum einzig gültigen gesetzlichen Zahlungsmittel. 6. Februar 1999 Auf Schloß Rambouillet bei Paris eröffnet der französische Staatspräsident Jacques Chirac die Friedensverhandlungen zwischen Serben und Kosovo-Albanern. Die Vermittler Christopher Hill (USA), Wolfgang Petritsch (EU) und Boris Majorski (Rußland) pendeln zwischen den „Lagern“, da sich die jugoslawischen Konfliktparteien weigern, an einem Tisch zu verhandeln. 9. Februar 1999 Bei einem Lawinenunglück in den französischen Alpen bei Chamonix kommen elf Menschen ums Leben, 27 können aus den Schneemassen, die ein Feriendorf unter sich begraben haben, lebend geborgen werden. 10. Februar 1999 Aus Protest gegen die Agrarreform der Europäischen Union demonstrieren tausende deutsche und französische Bauern vor dem Europaparlament in Straßburg. Nach Angaben der Polizei fuhren die Landwirte mit rund 1.700 Traktoren durch die elsässische Hauptstadt und bauten vor dem Parlament einen kleinen Bauernhof mit Kühen und Schafen auf. 13. Februar 1999 In Paris stellen Beamte der französischen Anti-Drogen-Einheit OCRTIS 1,25 Tonnen Kokain sicher und nehmen elf Personen fest. Das für den europäischen Markt bestimmte Rauschgift stammt aus Kolumbien und wurde auf der französischen Karibik-Insel Guadeloupe weiterverarbeitet. 14. Februar 1999 Erstmals seit Beginn der Friedensverhandlungen im französischen Rambouillet sind die jugoslawischen Konfliktparteien auf Druck des Westens bereit, direkt miteinander zu verhandeln. Allerdings lehnen sowohl die Kosovo-Albaner als auch die Serben weiterhin die Kernpunkte des internationalen Friedensplanes, für den am 20. Februar um 12.00 das Ultimatum abläuft, kategorisch ab. Zahlreiche Länder beginnen bereits mit dem Abzug ihrer Botschaftsangehörigen aus Belgrad. 16. Februar 1999 Im Südpazifik wird die französische Einhandseglerin Isabelle Autissier, Teilnehmerin des „Around Alone Race“ (Regatta für Einhandsegler rund um die Welt), unter dramatischen Bedingungen von einem italienischen Konkurrenten gerettet, nachdem sie auf halbem Weg zwischen Neuseeland und Kap Horn gekentert war. 17. Februar 1999 Das Parlament in Paris spricht dem knapp 20.000 Quadratkilometer großen Überseeterritorium Nouvelle Calédonie (Neukaledonien) im Pazifischen Ozean, bestehend aus der Hauptinsel Grande-Terre sowie mehreren kleineren Eilanden (u.a. Lifou, Maré, Ouvéa) weitgehende Selbstverwaltung zu. 20. Februar 1999 Kurz vor Ablauf des Ultimatums hinsichtlich der Friedensverhandlungen für die serbische Provinz Kosovo verlängert die NATO die Frist um weitere drei Tage. Bis dahin haben die Serben und die Kosovo-Albaner nun noch Zeit, dem internationalen Friedensplan endlich zuzustimmen. Hauptstreitpunkt ist weiterhin die strikte jugoslawische Weigerung, eine rund 30.000 Mann starke NATO-Truppe zur Friedenssicherung im Kosovo zuzulassen. 23. Februar 1999 Auch das zweite Ultimatum der Balkan-Kontaktgruppe zur Einigung zwischen Serben und Kosovo-Albanern verstreicht ohne Unterzeichnung des Friedensplans. Allerdings verpflichten sich beide Seiten dazu, im März zu neuen Verhandlungen an einem Ort in Frankreich zusammenzukommen und bis dahin eine Waffenruhe einzuhalten. Den Konfliktparteien wird deshalb drei Wochen Bedenkzeit bis zum 15. März eingeräumt. Gleichzeitig fordert Rußland die NATO bzw. die USA auf, ihre Drohung mit Luftangriffen gegen Serbien zurückzunehmen. Dies gelte auch für den Fall, daß es bei den neuen Verhandlungen keine Einigung geben sollte. 28. Februar 1999 In den französischen Alpen sind im Februar 18 Menschen bei Lawinenunglücken ums Leben gekommen. 2. März 1999 Die Entführung eines Flugzeuges der Air-France auf einem Inlandflug von Marseille nach Paris endet ohne Blutvergießen: Der offenbar geistig gestörte Italiener, der die Maschine in seine Gewalt gebracht und zur Landung auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle gezwungen hatte, läßt nach einigen Stunden alle Geiseln frei und ergibt sich der Polizei. 9. März 1999 Der frühere französische Premierminister Laurent Fabius und Ex-Gesundheitsministerin Georgina Dufoix werden im Prozeß um aidsverseuchte Blutkonserven – die Weitergabe HIV-verseuchter Blutkonserven hatte in den 80er Jahren zur Infizierung von bis zu 4.000 Personen mit dem Aids-Virus geführt, von denen mittlerweile rund 600 gestorben sind – in Paris freigesprochen. Im Gegensatz dazu wird Ex-Staatssekretär Edmond Hervé in zwei Fällen schuldig gesprochen, geht jedoch straffrei aus. 10. März 1999 In Paris werden sechs ehemalige Mitarbeiter des libyschen Geheimdienstes, darunter auch ein Schwager des libyschen De-facto-Staatschefs Muammar al-Gaddafi, schuldig gesprochen, den Bombenanschlag auf ein französisches Flugzeug geplant zu haben, dessen Absturz am 19. September 1989 über Nigeria 170 Menschenleben forderte, und zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt. Der libysche Staat wird zu einer Entschädigungszahlung an die Familien der Opfer in Höhe von 31 Millionen US-Dollar verpflichtet. (Libyen begleicht die Schuld im Juli.) 16. März 1999 Der französische Automobil-Konzern Renault steigt mit rund 500 Milliarden Yen (etwa 3,75 Milliarden Euro) in das angeschlagene japanische Unternehmen Nissan ein, was einer Beteiligung von knapp 40 Prozent an dem japanischen Autohersteller entspricht. Die 20köpfige EU-Kommission tritt geschlossen zurück, nachdem ein vom Europäischen Parlament eingesetzter Sachverständigenausschuß ihr tags zuvor in einem in rund sechswöchiger Arbeit erstellten Bericht Mißwirtschaft und Verantwortungslosigkeit vorgeworfen hat, bleibt jedoch zunächst geschäftsführend im Amt. Das Gremium bezichtigt darin nicht nur die Französin Edith Cresson der Vetternwirtschft, sondern kritisiert die Arbeitsweise der Behörde im allgemeinen und bezichtigt sie der Unfähigkeit. Kommissionspräsident Jacques Santer nennt seinerseits den Bericht unausgewogen und ungerechtigtfertigt. Er decke zwar Verwaltungsmängel und in einem Fall Günstlingswirtschaft auf, doch keinem einzigen Kommissionsmitglied würden Betrug, Korruption oder persönliche Bereicherung vorgeworfen. Den kollektiven Rücktritt bezeichnet Santer als eine politische Entscheidung und nicht als Schuldeingeständnis. EU-Ratspräsident, der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder, kündigt eine Rundreise durch die EU-Hauptstädte an, um Gespräche über eine umgehende Neuberufung der Kommission aufzunehmen. Vorrangiges Ziel bleibe es jedoch, die Verhandlungen über die Reformen der Agrar-, Struktur- und Finanzpolitik (Agenda 2000) wie geplant abzuschließen. Philippe Séguin, seit der Niederlage der rechtsbürgerlichen Koalition unter Alain Juppé bei den Parlamentswahlen im Sommer 1997 Vorsitzender der neogaullistischen Oppositionspartei RPR, tritt überraschend zurück und gibt zudem bekannt, daß er auch nicht mehr als Kandidat für die Europawahlen zur Verfügung stehen werde. Er wirft dem Parteigründer, Staatspräsident Jacques Chirac, vor, ihn zuwenig unterstützt und ihn darüber hinaus im EU-Wahlkampf lächerlich gemacht zu haben. 18. März 1999 Die Delegierten der Kosovo-Albaner unterzeichnen in Paris den von der Balkan-Kontaktgruppe in Rambouillet ausgearbeiteten Friedensplan für die serbische Provinz Kosovo. Darin wird ihnen weitgehende Autonomie, jedoch keine Unabhängigkeit zugestanden. Ferner sieht der Friedensplan den Abzug der serbischen Sicherheitskräfte sowie die Entwaffnung der Kosovo-Befreiungsarmee UÇK vor. Die Einhaltung der Bestimmungen soll durch eine rund 30.000 Mann starke UN-Friedenstruppe überwacht werden. Die serbische Delegation bleibt der Unterzeichnung demonstrativ fern. Der Sprecher des US-amerikanischen Außenministeriums, James Rubin, sagt: „Die Kosovo-Albaner haben einen mutigen Schritt Richtung Frieden gemacht. Die Serben haben sich offensichtlich gegen den Frieden entschieden.“ Dem jugoslawischen Präsidenten Slobodan Miloševic soll nun eine „allerletzte Bedenkzeit“ von einigen Tagen eingeräumt werden. Währenddessen bereiten sich die Serben offenbar bereits auf einen Krieg mit der NATO vor: Die jugoslawische Armee setzt ihren Truppenaufmarsch im Kosovo fort und steckt systematisch ein Dorf nach dem anderen in Brand. 24. März 1999 Die NATO beginnt am Abend mit ihren tags zuvor angekündigten Luftangriffen gegen serbische Militärziele in der Bundesrepublik Jugoslawien, nachdem der jugoslawische Präsident nochmals kategorisch die Stationierung einer Friedenstruppe im Kosovo abgelehnt hatte und inzwischen in Jugoslawien den Kriegszustand erklärt hat. US-Präsident Bill Clinton sagt zur Begründung der Operation, sie solle eine Demonstration der Stärke des westlichen Militärbündnisses sein sowie den jugoslawischen Präsidenten von weiterer Gewaltanwendung gegen die Kosovo-Albaner, die sich derzeit zu Hunderttausenden auf der Flucht vor den Serben befänden, abhalten. An der von den NATO-Fliegerbasen Aviano und Istrano in Norditalien aus gestarteten ersten Luftoffensive von rund 100 Kampfflugzeugen beteiligen sich alle Mitgliedsländer außer Griechenland, Island, Luxemburg, Polen, Tschechien und Ungarn, wobei die USA das Hauptkontingent stellen. Bei dem Angriff wird eine NATO-Maschine von der jugoslawischen Flugabwehr abgeschossen. Der Pilot kann sich mit dem Schleudersitz retten. Der NATO-Oberkommonandierende, US-General Wesley Clark, sagt in Brüssel, daß man die Luftangriffe auf Jugoslawien solange fortsetzen und systematisch verschärfen werde, bis Staatspräsident Slobodan Miloševic den Kosovo-Friedensplan akzeptiert. Der russische Präsident Boris Jelzin äußert sich über den Angriff der NATO „zutiefst empört“. Im Falle einer Ausweitung des Konfliktes behalte sich Rußland das Recht vor, „adäquate Maßnahmen, auch militärischer Art, zur Erhaltung der eigenen und allgemeinen europäischen Sicherheit“ zu ergreifen. Auch die VR China verurteilt die Intervention der NATO als völkerrechtswidrig, da sie durch keinen Beschluß des UN-Sicherheitsrats gedeckt sei. Ein in Brand geratener belgischer, mit Mehl und Margarine beladener LKW löst etwa in der Mitte des 11,6 Kilometer langen Montblanc-Tunnels zwischen Frankreich und Italien ein Inferno aus Flammen und giftigem Qualm aus, in dem 39 Menschen ums Leben kommen. Wegen der sich entwickelnden Hitze können sich die Rettungs- und Feuerwehrmannschaften erst nach drei Tagen bis zu den insgesamt 40 Fahrzeugwracks vorkämpfen und das Feuer endgültig löschen. Nach Angaben von Verkehrsminister Jean-Claude Gayssot werden die Reparaturarbeiten möglicherweise mehrere Monate in Anspruch nehmen, da bei Temperaturen von bis zu 1.000°C Asphalt und Beton geschmolzen seien. Darüber hinaus sollen die bisher bestehenden Sicherheitsmängel an dem 1965 eröffneten Tunnel so weit wie möglich behoben werden. In Paris gibt der französische Banken-Verband AFB zu, daß die französischen Bankhäuser eine Drehscheibe bei der Veruntreuung jüdischen Vermögens während des Zweiten Weltkriegs waren und kündigt an, daß man „die Gesamtheit der von den Banken gehaltenen Güter und nachrichtenlosen Konten, die Holocoust-Opfern gleich welcher Nationalität gehört haben“ zurückerstatten werden. Bei der Rückzahlung soll die Inflation berücksichtigt werden. Nur neun Tage nach dem kollektiven Rücktritt der EU-Kommission unter dem Luxemburger Jacques Santer einigen sich die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union zu Beginn ihrer Sondertagung in Berlin einmütig auf den 59jährigen früheren italienischen Ministerpräsidenten Romano Prodi als neuen Präsidenten der EU-Kommission. Die Verhandlungen über das Reformpaket Agenda 2000 kommen am ersten Tag des Sondergipfels jedoch kaum voran, da die Gespräche von den Ereignissen auf dem Balkan überschattet sind. 26. März 1999 Nach zähen Verhandlungen einigen sich die Staats- und Regierungschef der Europäischen Union auf ihrem Sondergipfel in Berlin auf die Kernpunkte für die Reformen der Agrar- und Strukturpolitik sowie die Neuordnung der EU-Finanzierung (Agenda 2000). 3. Mai 1999 Der höchste französische Beamte auf Korsika, Präfekt Bernard Bonnet, wird in Ajaccio verhaftet. Kurz zuvor war bekannt geworden |