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Brunei DarussalamChronik Überblick Basisdaten
Ab 2500 v. Chr. Ursprünglich aus Hinterindien und Südchina stammende Völker (Proto-Malaien) dringen per Kanu auf die von dichten Regenwäldern bedeckte malaiische Inselwelt im Indischen Ozean beiderseits des Äquators vor, wozu auch Borneo, mit fast 755.000 Quadratkilometern nach Grönland und Neuguinea drittgrößte Insel der Erde, zählt. Die Einwanderer vermischen sich allmählich mit den bereits vor Jahrtausenden über eine damals noch fast vollständig existierende Landbrücke zwischen Asien und Australien eingewanderten dunkelhäutigen Pygmäen bzw. drängen diese ins Innere der Inseln ab. Ab 3. Jahrhundert n. Chr. Wie alle Inseln Südostasiens steht auch Borneo unter dem Einfluß Indiens: Kaufleute und Missionare aus Vorderindien bringen den Hinduismus bzw. ab Mitte des 6. Jahrhunderts den Buddhismus sowie indische Verwaltungs- und Bewässerungsmethoden. 7. Jahrhundert Die inzwischen auf Borneo entstandenen kleinen Königtümer, darunter auch das hinduistische Reich Brunei im Norden der Insel, werden Vasallen des buddhistischen Großreiches von Srivijaya (auf Sumatra). 14. Jahrhundert Das Reich Brunei wird Vasall der inzwischen von Java aus über einen Großteil der Inselwelt Südostasiens herrschenden hinduistischen Majapahiten. 1410 Nachdem der ab etwa dem 10. Jahrhundert durch arabische Kaufleute in die Inselwelt Südostasiens gelangte Islam auch in den Küstengebieten der Insel Borneo zur Hauptreligion geworden ist, erklärt sich das Königreich Brunei zum unabhängigen islamischen Sultanat. Innerhalb weniger Jahrzehnte kann es seinen Machtbereich auf nahezu die gesamte Insel Borneo ausweiten und steigt schließlich sogar zur dominierenden Handelsmacht im Südchinesischen Meer auf. 1580 Nachdem die Kolonisationszeit der Europäer in Südostasien mit der Eroberung von Malacca auf der Malaiischen Halbinsel durch die Portugiesen im Jahre 1511 begonnen hatte, nehmen die Spanier Teile des Sultanats Brunei auf Borneo ein, werden jedoch nach kurzer Zeit wieder vertrieben. Anfang 17. Jahrhundert Die neugegründete Holländisch-Ostindien-Kompanie beginnt, die südostasiatischen Inseln für die Niederlande zu kolonialisieren. Anhand von Monopol- und Schutzverträgen mit den untereinander verfeindeten einheimischen Sultanen gelingt es den Holländern, die portugiesische, spanische und britische Konkurrenz auf den südostasiatischen Inseln innerhalb weniger Jahre nahezu völlig auszuschalten. Auch die Insel Borneo gelangt, mit Ausnahme der Nordküste, dem Ursprungsgebiet des Sultanats Brunei, allmählich in den Machtbereich der Holländer. 1841 Der Sultan von Brunei schenkt dem britischen Seefahrer und Abenteurer James Brookes die Provinz Sarawak als Dank für dessen Unterstützung beim Kampf gegen rebellische Untertanen. 1846 Der Sultan von Brunei überläßt die vorgelagerte Insel Labuan den Briten zur Bekämpfung des im Südchinesischen Meer überhandnehmenden Piratentums. 1877 Der Sultan von Brunei verkauft der britischen Handelsgesellschaft „North Borneo Company“ die Provinz Sabah. 1888 Das Restsultanat Brunei stellt sich unter britischen Schutz. Es behält zwar seine alte Herrschaftsform, untersteht jedoch der Kontrolle eines britischen Residenten, an dessen Weisung sich der Sultan zu halten hat. 1929 Auf dem Territorium des Sultanats Brunei wird Erdöl entdeckt. Ende 1941 Während des Zweiten Weltkriegs wird nahezu ganz Südostasien - auch die Insel Borneo - von den Japanern besetzt. Ab 1945 Nach der bedingungslosen Kapitulation der Japaner werden Sarawak, Sabah und das Restsultanant Brunei (zusammen mit der südlichen Malaiischen Halbinsel) wieder britisches Verwaltungsgebiet. Das übrige Borneo (mehr als zwei Drittel der Gesamtfläche) jedoch wird unter dem Namen „Kalimantan“ Teil der neugegründeten „Republik der Vereinigten Staaten von Indonesien“, deren Souveränität 1949 auch von den Niederlanden anerkannt wird. 1946 Sarawak und Sabah auf Nordborneo erhalten den Status eigenständiger britischer Kronkolonien mit beschränkter Selbstverwaltung. 1948 Die Sultanate der südlichen Malaiischen Halbinsel (ohne Singapur) werden zur „Föderation Malaya“ mit innerer Selbstverwaltung zusammengefaßt. 30. August 1957 Nach jahrelangen Verhandlungen mit Großbritannien wird Malaya in die Unabhängigkeit entlassen. 1959 Singapur und das Sultanat Brunei auf Borneo erhalten im Rahmen des Commonwealth beschränkte innere Selbstverwaltung. In Brunei wird eine erste Verfassung verabschiedet. 1962 Ein Aufstand von Mitgliedern der oppositionellen Volkspartei, die die Unabhängigkeit Bruneis innerhalb einer Nordborneo-Föderation (zusammen mit Sarawak und Sabah) erreichen will, während die Regierung nur die Selbständigkeit Bruneis zum Ziel hat, wird mit Hilfe britischer Truppen niedergeschlagen. 16. September 1963 Malaya, Singapur, Sabah und Sarawak schließen sich zum Staatenbund Malaysia zusammen. Das inzwischen durch die Erdölförderung zu großem Reichtum aufgestiegende kleine Sultanat Brunei, von Großbritannien ursprünglich als Unions-Mitglied vorgesehen, lehnt den Beitritt ab. (Singapur tritt nach rassenpolitischen Unruhen 1965 wieder aus dem Staatenbund Malaysia aus und wird ebenfalls ein unabhängiger Staat.) 1965 Eine Verfassungsänderung sieht für Brunei einen Ministerrat unter Vorsitz des Sultans vor, der praktisch über die absolute Macht verfügt. 1968 Muda Hadschi Hassanal Bolkiah (geboren am 15. 7. 1946) wird nach dem Tode seines Vaters, Omar Ali Saifuddin, zum neuen Sultan von Brunei gekrönt. 1971 Das Sultanat Brunei erhält die volle innere Autonomie, bleibt auf eigenen Wunsch jedoch weiterhin britisches Protekorat. 1. Januar 1984 „Brunei Darussalam“ wird von Großbritannien endgültig in die Unabhängigkeit entlassen und wird Mitglied des 1967 gegründeten ostasiatischen Staatenverbundes „ASEAN“ (Association of Southeast Asian Nations). Hauptstadt des nur 5.765 Quadratkilometer großen Staates ist Bandar Seri Begawan. Die Feierlichkeiten zur Staatsgründung finden im neuen, etwas außerhalb der Stadt für rund 450 Millionen US-Dollar erbauten Sultanspalast statt, der mit knapp 1.800 Räumen und einer Tiefgarage für 800 Autos – der Sultan selbst besitzt etwa 120 Nobelkarossen – der größte bewohnte Palast der Welt ist. (Wenig später gibt Sultan Muda Hadschi Hassanal Bolkiah einen weiteren Palast für seine zweite Frau Mariam, eine frühere Stewardess, in Auftrag. Dieser fällt zwar wesentlich kleiner und intimer aus, kostet aber trotzdem etwa 120 Millionen US-Dollar.) 21. September 1984 Brunei wird als 159. Mitglied in die UNO aufgenommen. 1985 Brunei schließt mit Australien einen Vertrag über militärische Zusammenarbeit. In der Hauptstadt Bandar Seri Begawan werden eine Universität und die Omar-Ali-Saifuddin-Moschee (geschätzte Baukosten mindestens 150 Millionen US-Dollar) eingeweiht. 1988 Sultan Muda Hadschi Hassanal Bolkiah erläßt ein Gesetz, das die Gründung von politischen Parteien untersagt. 4. April 1997 Sultan Muda Hadschi Hassanal Bolkiah erteilt der Bremer Werft Lürssen den Auftrag, die „größte Yacht der Welt“ zu bauen. Bislang besitzt König Fahd von Saudi-Arabien mit der 146 Meter langen „Abdullah Asis“ das größte Luxusschiff der Erde. 14. August 1997 Die ehemalige „Miß USA“, die 27jährige Shannon La Rhea Marketic, zeigt den Sultan von Brunei, Muda Hadschi Hassanal Bolkiah, wegen sexueller Belästigung an. Obwohl sie sich vertraglich nur zur Teilnahme an Werbeveranstaltungen in Brunei verpflichtet habe, hätte man sie über einen Monat in seinem Palast gefangengehalten, unter Drogen gesetzt und zu Liebesdiensten gezwungen. Das Gericht in Los Angeles weist ihre Klage jedoch mit der Begründung zurück, daß der Sultan Herrscherimmunität genieße und nicht belangt werden könne. 15. September 1997 Aufgrund der seit Wochen wütenden Waldbrände – Brandrodungen waren wegen starker Winde außer Kontrolle geraten – auf den Inseln Borneo, Sulawesi und Sumatra sowie Neuguinea erreicht die Luftverschmutzung in den südostasiatischen Staaten Singapur, Malaysia, Indonesien, Thailand, Brunei, Papua Neuguinea sowie auf den Philippinen gesundheitsgefährdende Rekordwerte. Örtlich beträgt die Sicht nur noch zwischen zehn und 50 Meter; Millionen Menschen leiden bereits an Entzündungen der Atemwege; viele Schulen, Fabriken und Behörden müssen vorübergehend geschlossen werden. Ein Ende der Brandkatastrophe wird erst mit Beginn der Regenzeit Anfang November erwartet. 15. November 1997 Der alljährliche Monsunregen löscht die meisten der seit Monaten wütenden Waldbrände auf den Inseln Borneo, Sulawesi, Sumatra und Neuguinea und sorgt damit für die Auflösung der dichten Smog-Wolke, die seit Monaten über dem gesamten südostasiatischen Raum hing. 31. Dezember 1999 Das von Muda Hadschi Hassanal Bolkiah faktisch allein regierte islamische Sultanat Brunei – es existieren ein von ihm ernannter und geleiteter elfköpfiger Ministerrat sowie ein 21köpfiger Legislativrat mit allerdings nur beratender Funktion – zählt dank seiner reichen Erdöllager zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Obwohl in den letzten Jahren viel Geld für das für alle Brunesen kostenlose Gesundheits- und Bildungswesen sowie für den Bau von Straßen, Wohnungen und des hochmodernen Airports nahe der Hauptstadt ausgegeben wurde, das Land fast 80 Prozent der Nahrungsmittel und die meisten Konsumgüter einführen muß (nur knapp 3% der Landesfläche werden agrarisch genutzt, und außer einer Gasverflüssigungsanlage und einer Raffinerie gibt es kaum Industrie) und die Bevölkerung Steuerfreiheit genießt, verfügt Brunei noch immer über schätzungsweise rund 60 Milliarden US-Dollar (gutangelegter) Währungsreserven. Allerdings werden die Erdölvorkommen bis zum Jahre 2015 nahezu erschöpft sein. Der Sultan – mit einem Privatvermögen von etwa 38 Milliarden US-Dollar gilt er als reichster Mann der Erde – bemüht sich seit einigen Jahren, die Abhängigkeit vom Öl durch die Erschließung der ebenfalls großen Erdgasvorräte vor der Küste und den Ausbau des Luxustourismus zu verringern. 17. März 2000 Ein Gericht in Brunei setzt das Taschengeld von Prinz Jefri, des Bruders von Sultan Muda Hadschi Hassanal Bolkiah, auf monatlich umgerechnet 600.000 DM fest. Der ehemalige Finanzminister des Sultanats, der wegen Mißbrauchs staatlicher Gelder vor Gericht stand, hat innerhalb von zehn Jahren rund sechs Milliarden Mark aus der Staatskasse für sein Privatvergnügen ausgegeben. Der Prinz hat vier Frauen und 35 Kinder und besitzt 2.000 Autos, 17 Flugzeuge und eine Luxus-Yacht. Dieser Lebensstil sei selbst für einen Prinzen zu kostspielig, befand das Gericht. 26. November 2000 Am zweiten Tag des vierten, in Singapur stattfindenden informellen Gipfeltreffens des „Verbands Südostasiatischer Staaten“ (ASEAN), nehmen neben den Staats- und Regierungschefs der zehn Mitgliedsstaaten (Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam) auch die Regierungschefs der VR China, Japans und Südkoreas teil („Asean-+3-Forum“). Hauptthemen der Konferenz sind die Schaffung der Freihandelszone (AFTA) bis 2010 und die möglichst rasche Integration der vier ärmsten Mitgliedsstaaten Kambodscha, Laos, Myanmar und Vietnam. Singapur will Ausbildungszentren für Informationstechnologie in den vier Ländern einrichten und Stipendien für Studenten aus diesen Staaten bereitstellen. Zur Beschleunigung des Fortschritts in der Region sollen die Städte Singapur, Kuala Lumpur, Bangkok, Shanghai, Tokyo und Seoul zu einem „Asiatischen E-Gürtel“ vernetzt werden. Zudem soll bis 2006 die transasiatische Eisenbahn von Singapur nach Kunming, die sieben ASEAN-Staaten mit Süd-China verbindet, gebaut werden. 9. September 2004 Kronprinz Muhtadee Billah (30) heiratet eine Bürgerliche, die 17 Jahre alte Sarah Salleh. Mehrere tausend geladene Gäste aus aller Welt wohnen den prunkvollen und umgerechnet rund vier Millionen Euro teuren Hochzeitsfeierlichkeiten bei. Muhtadee Billah hatte in Oxford Diplomatie, Recht, Politik und Wirtschaft studiert und war 1998 offiziell zum Kronprinz von Brunei ernannt worden. Er soll einmal als 30. König Nachfolger seines Vaters Sultan Muda Hadschi Hassanal Bolkiah werden. Seine Frau, deren Mutter offenbar aus einem kleinen Ort in der Schweiz stammt, besucht eine Universität in Brunei. Quelle: Areion Weltalamanach Literatur zu Brunei... Quelle: Areion WeltalamanachDruckversion dieser Seite |