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Republik Bosnien-HerzegowinaChronik Überblick Basisdaten
Ab 1200 v. Chr. Das Gebiet der heutigen Republik Bosnien-Herzegowina wird, wie nahezu der gesamte Balkan, von illyrischen Volksstämmen besiedelt. Ab 400 v. Chr. Die illyrischen Volksstämme im Gebiet der heutigen Republik Bosnien-Herzegowina vermischen sich mit aus Mitteleuropa einwandernden keltischen Volksgruppen. Ab 220 v. Chr. Im Gebiet der heutigen Republik Bosnien-Herzegowina bilden sich mehrere Staatsverbände unter griechischem Kultureinfluß heraus. 2. Jahrhundert v. Chr. Das Gebiet der heutigen Republik Bosnien-Herzegowina wird Teil der römischen Provinz „Illyricum“, die fast den gesamten Balkan einschließt und im 1. Jahrhundert n. Chr. in die Provinzen „Dalmatia“ und „Pannonia“ aufgeteilt wird. Ab 17. Januar 395 Nach der Teilung des Römischen Reiches durch Kaiser Theodosius kommt das Gebiet der heutigen Republik Bosnien-Herzegowina zunächst zum Weströmischen Reich und nach dessen Niedergang Ende des 5. Jahrhunderts zum Oströmischen (Byzantinischen) Reich (Hauptstadt Konstantinopel/Byzanz - heute Istanbul). Ab 600 Im Zuge der Abwanderung der Slawen aus ihrer Urheimat nördlich des Karpatenbogens gelangen sie auch nach Süden in das Gebiet der heutigen Republik Bosnien-Herzegowina und vertreiben die römisch geprägte christliche Bevölkerung bzw. vermischen sich mit ihr. 1180 Kulin gründet das Fürstentum Bosnien. Um 1205 Die griechisch-orthodoxe Sekte der Bogomilen (Bosnische Kirche) baut im Kampf gegen die römisch-katholischen Ungarn, Kroaten und Venetianer sowie gegen die Serben einen der bedeutendsten südslawischen Staaten auf. Ab 1314 Ban (König) Stjepan II. von Bosnien (bis 1353) erweitert sein Reich um das Gebiet Hum (Herzegowina). 1377 Ban Tvrtko I. (1353-91) vertreibt die Ungarn und herrscht über das gesamte Gebiet des heutigen Bosnien-Herzegowina sowie über große Teile Kroatiens und Serbiens. 1463 Bosnien wird von den Osmanen (Türken) erobert. Ein Großteil der Bevölkerung tritt zum Islam über. 1482 Das Gebiet Hum, seit Verleihung des Herzogstitels 1448 als „Herzegowina“ bekannt, gerät ebenfalls unter türkische Herrschaft. Ab 1500 Wiederholte Aufstände der Bevölkerung des heutigen Bosnien-Herzegowina gegen die Türken enden bis ins 19. Jahrhundert ergebnislos. 1580 Osmanen-Sultan Murad III. legt Bosnien und Herzegowina zur Paschalik (Provinz) Bosnien zusammen. Im Laufe der Zeit bildet sich die bis heute bestehende religiöse Dreiteilung Bosnien-Hezegowinas in eine islamische Mehrheit sowie einen orthodoxen (serbischen) und einen katholischen (kroatischen) Bevölkerungsanteil heraus. 1878 Bosnien und Herzegowina werden von Österreich-Ungarn besetzt und verwaltet. 5. Oktober 1908 Unter türkischem und russischem Protest erklärt Österreich-Ungarn die Annexion von Bosnien und Herzegowina mit dem Ziel der Einigung der Südslawen unter der Donau-Monarchie. Serbien sieht seine Pläne von einem Großserbischen Reich durchkreuzt und mobilisiert seine Truppen mit Unterstützung Rußlands. 28. Juni 1914 In Sarajevo (heute Hauptstadt des souveränen Staates Bosnien-Herzegowina) werden der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin von einem bosnischen Serben getötet. Dies führt zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Ab 1917 Angesichts der zu erwartenden Niederlage Deutschlands und Österreich-Ungarns finden in Paris Verhandlungen über einen Zusammenschluß der Südslawen zu einem gemeinsamen Staat statt, die jedoch von zwei verschiedenen Vereinigungsrichtungen belastet sind: Auf der einen Seite fordert der Vorsitzende des „Jugoslawischen Komitees“, der Kroate Ante Trumbic, die Schaffung eines bundesstaatlichen Jugoslawien (Jugo = Süd), auf der anderen Seite steht der Regierungschef des Königreichs Serbien, Nikola Pasic, der ein zentralistisch regiertes Groß-Serbien unter serbischer Führung anstrebt. 20. Juli 1917 In der „Deklaration von Korfu“ einigen sich die Vertreter der beiden jugoslawischen Richtungen auf die Schaffung eines südslawischen Nationalstaates unter der serbischen Dynastie auf der Basis der Gleichberechtigung der verschiedenen Volksgruppen nach Auflösung der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Der Gegensatz zwischen Serben und Kroaten ist damit jedoch keineswegs beseitigt. Komplizierend wirkt zudem die Zugehörigkeit der Südslawen zu verschiedenen Konfessionen (Griechisch- bzw. Serbisch-Orthodoxe, Römisch-Katholische und Moslems). 1. Dezember 1918 Nach Auflösung der österreichisch-ungarischen Monarchie werden Bosnien und Herzegowina (sowie Makedonien) als nichtautonome Provinzen in das neugeschaffene, von dem Serben Peter I. Karadjordjevic regierte „Vereinigte Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen“, dem späteren „Jugoslawien“, integriert. Vom ersten Tag an hat der junge Staat mit großen innen- und außenpolitischen Schwierigkeiten zu kämpfen: Die Kroatische Bauernpartei unter der Führung von Stjepan Radic strebt die Unabhängigkeit für Kroatien an, mit Rumänien und Ungarn gibt es Differenzen wegen der Region Banat, mit Italien wegen Fiume (Rijeka), Dalmatien und Albanien und mit Bulgarien und Griechenland wegen Makedonien. Für die Zeit bis 1991 siehe unter Jugoslawien 3. März 1992 Die „Republika Bosna i Hercegovina“ erklärt ihre Unabhängigkeit, die wenig später von den EG-Staaten anerkannt wird. Staatsoberhaupt ist der Moslem Alija Izetbegovic. 6. März 1992 In Mostar kommt es zu ersten bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Serben, Kroaten und Moslems (sie bezeichnen sich als „Bosniaken“), die sich innerhalb kürzester Zeit zum landesweiten Bürgerkrieg ausdehnen, der von allen Seiten mit äußerster Brutalität geführt wird. Ab 15. März 1992 In den jugoslawischen Bürgerkriegsgebieten werden UN-Friedenstruppen stationiert. Sämtliche Bemühungen für einen Waffenstillstand scheitern jedoch an der starren Haltung der Serben, die ihren Eroberungskrieg in Bosnien-Herzegowina und Kroatien fortsetzen. Ihr Ziel ist die Schaffung eines Großserbischen Staates, der die eroberten Gebiete in Kroatien und Bosnien-Herzegowina sowie Jugoslawien (Serbien und Montenegro) umfassen soll. 27. März 1992 Die bosnischen Serben proklamieren unter „Präsident“ Radovan Karadzic die „Serbische Republik von Bosnien-Herzegowina“ mit eigenem Parlament mit Sitz in Banja Luka. Sitz der „Staatsführung“ ist Pale nahe Sarajevo. April 1992 Die bosnischen Serben beginnen mit finanzieller und personeller Unterstützung Rest-Jugoslawiens (Serbien und Montenegro) mit der Belagerung und dem Beschuß Sarajevos, der Haupstadt Bosnien-Herzegowinas. Mitte 1992 Die ethnischen Bürgerkriegsaktivitäten nehmen ständig zu. Die bosnischen Serben (32% der Bevölkerung) weigern sich, in einem von Moslems (44%) dominierten Staat zu leben. Die bosnischen Kroaten (17%) konzentrieren sich um Mostar und an der Grenze zu Kroatien. Da die Moslems über keine eigene Armee verfügen, sind sie den Gewalttaten der Serben ausgeliefert. Es kommt zu Massenvergewaltigungen, Folterungen und Massakern. Hunderttausende werden im Zuge „ethnischer Säuberungen“ vertrieben bzw. in Konzentrationslagern interniert. Juli 1992 Die UNO richtet zur Versorgung des von Serben belagerten Sarajevos, wo rund 300.000 Menschen eingeschlossen sind, eine Luftbrücke ein. Die bosnischen Kroaten rufen im Südwesten Bosnien-Herzegowinas die eigenständige Republik „Kroatische Gemeinschaft Herceg-Bosna“ mit Mate Boban als Präsidenten aus. Dezember 1992 Eine UN-Friedenstruppe beginnt mit der Massenevakuierung aus dem völlig zerbombten Sarajevo. Der UN-Sicherheitsrat fordert die NATO auf, Pläne für eine Militärintervention in Bosnien auszuarbeiten. 31. Dezember 1992 Seit Beginn des Bürgerkriegs sind in Bosnien-Herzegowina mindestens 140.000 Menschen ums Leben gekommen. Rund 70 Prozent des Staatsterritoriums stehen unter der Kontrolle der Serben. 25. Januar 1993 Der von der UNO vorgelegte Friedensplan zur Beendigung des Krieges - vorgesehen ist eine Teilung Bosnien-Herzegowinas in zehn autonome Provinzen, wovon jeweils drei einer Volksgruppe zugeschlagen werden sollen und die zehnte, die Hauptstadt Sarajevo, soll ein gemischter, entmilitarisierter Bundesdistrikt mit Sitz der Zentralregierung sein - wird von Serbenführer Radovan Karadzic entschieden zurückgewiesen. 15. Mai 1993 Sämtliche Friedensbemühungen scheitern an der kompromißlosen Haltung von Radovan Karadzic, dem Führer der bosnischen Serben, und die Kriegshandlungen gehen mit unverminderter Härte weiter. Der UN-Sicherheitsrat erklärt Sarajevo und fünf weitere mehrheitlich von Moslems bewohnte Städte in Bosnien-Herzegowina (Bihac, Tuzla, Srebenica, Gorazde, Zepa) zu Schutzzonen und entsendet bewaffnete Truppen in diese Gebiete. 20. August 1993 Ein neuer UN-Friedensplan sieht die Aufteilung Bosnien-Herzegowinas in drei autonome Teilrepubliken vor: Die bosnischen Serben sollen 52 Prozent, die Moslems 31 Prozent und die bosnischen Kroaten 17 Prozent des Staatsterritoriums erhalten. Dieser Vorschlag wird nun wieder von den Moslems abgelehnt. 14. September 1993 Auf der Anfang des Monats in Genf unter dem Vorsitz der UN-Vermittler David Owen und Thorwald Stoltenberg begonnenen Jugoslawien-Friedenskonferenz einigen sich der bosnische Präsident Alija Izetbegovic und sein kroatischer Amtskollege Franjo Tudjman auf die Einstellung aller Feindseligkeiten, einen Gefangenenaustausch und auf ein Programm zur Normalisierung der Beziehungen zwischen ihren beiden Ländern. Trotzdem gehen die Kampfhandlungen mit unverminderter Stärke weiter. November 1993 In Den Haag konstitutiert sich das „International Tribunal for Crimes in former Yugoslavia“ (Internationale Tribunal für Verbrechen im früheren Jugoslawien/ITCY). In Mostar wird die berühmte „Türkenbrücke“ (erbaut 1566) durch Beschuß bosnischer Kroaten zerstört. 31. Dezember 1993 In Bosnien-Herzegowina sind seit Kriegsbeginn mindestens 220.000 Menschen ums Leben gekommen, 2,7 Millionen wurden aus ihren Heimatdörfern vertrieben. 31. Januar 1994 Die bosnischen Serben kontrollieren nach wie vor 70 Prozent Bosnien-Herzegowinas. 23. Februar 1994 Die bosnischen Kroaten und Moslems einigen sich auf einen Waffenstillstand. 28. Februar 1994 Zwei der NATO unterstellte Kampfflugzeuge der US-Luftwaffe schießen im Einvernehmen mit dem UN-Sicherheitsrat in Nordbosnien zwei serbische Maschinen ab. Dies ist der erste militärische Einsatz der NATO seit ihrer Gründung im Jahre 1949. Ein NATO-Luftangriff auf serbische Stellungen um die Stadt Gorazde erfolgt im April. 2. März 1994 Nachdem der im Februar ausgehandelte Waffenstillstand zwischen Kroaten und Moslems bisher weitgehend eingehalten wurde, einigen sich die beiden Parteien unter Vermittlung der USA und Rußlands auf eine moslemisch-kroatische Allianz. 18. März 1994 Vertreter der überwiegend moslemischen bosnischen Regierung und der bosnischen Kroaten unterzeichnen in Washington einen Vertrag zur Bildung der „Bosniakisch-Kroatischen Föderation“, der im Mai in Kraft tritt. Der Bundesstaat besteht aus acht Kantonen (vier moslemischen, zwei kroatischen und zwei gemischten sowie dem international konrollierten Bezirk Sarajevo). 5. Juli 1994 Auf der Grundlage der Bosniakisch-Kroatischen Föderation legt die UNO einen neuen Teilungsplan für Bosnien-Herzegowina vor, der für die Kroaten und Bosniaken 51 Prozent und für die Serben 49 Prozent des Territoriums vorsieht. Die bosnischen Serben lehnen ab und verstärken ihre Angriffe. In Mostar übernimmt der frühere Bremer Bürgermeister Hans Koschnick das Amt des EU-Verwalters für den Aufbau der zerstörten Stadt. Ihm zur Seite stehen 45 Experten und 200 Polizisten aus ganz Europa. 4. August 1994 Nach Drohungen der UNO, das Wirtschaftsembargo gegen Jugoslawien (Serbien und Montenegro) ein weiteres Mal zu verschärfen, bricht der Präsident Serbiens, Slobodan Miloševic, alle Kontakte zu den bosnischen Serben ab, schließt die Grenzen zu den Serbengebieten in Bosnien-Herzegowina und stimmt einer Überwachung der bosnisch-jugoslawischen Grenze durch internationale Beobachter zu. Damit soll sichergestellt werden, daß nur noch Lebensmittel und humanitäre Lieferungen, aber kein Kriegsmaterial nach Bosnien-Herzegowina gelangen. 31. März 1995 Der UN-Sicherheitsrat verlängert das Mandat der in Bosnien-Herzegowina stationierten Friedenstruppe UNPROFOR (etwa 25.000 Mann) um weitere acht Monate. 9. April 1995 Der Flughafen von Sarajevo wird nach Beschuß eines US-Frachtflugzeugs für den gesamten Flugverkehr gesperrt. In Sarajevo werden am 16. April zwei französische UN-Soldaten erschossen. Damit erhöht sich die Zahl der seit 1992 im jugoslawischen Krieg ums Leben gekommenen „Blauhelme“ auf 159. 25. Mai 1995 NATO-Kampfflugzeuge bombardieren ein Munitionslager der bosnischen Serben in Pale. Als Vergeltung greifen diese daraufhin erneut UN-Schutzzonen mit Granaten an. Dabei werden in Tuzla 75 Menschen getötet. Zudem nehmen die Serben insgesamt 284 UN-Soldaten als Geiseln und halten sie an strategisch wichtigen Orten fest, um weitere NATO-Luftangriffe auf serbische Stellungen zu verhindern. 29. Mai 1995 Die bosnischen Serben verkünden den Bruch aller mit der UN geschlossenen Vereinbarungen. 2. Juni 1995 In der Nähe von Banja Luka wird ein US-amerikanischer Düsenjäger während eines NATO-Aufklärungsflugs abgeschossen. Der Pilot kann sich mit dem Schleudersitz retten und wird sechs Tage später von einem Suchtrupp per Hubschrauber aus dem serbisch-besetzten Gebiet herausgeholt. 20. Juni 1995 Auf Druck des serbischen Präsidenten Slobodan Miloševic werden die UN-Geiseln wieder freigelassen. 12. Juli 1995 Die bosnischen Serben nehmen die UN-Schutzzonen Srebenica und Zepa ein und „säubern“ sie von der nicht-serbischen Bevölkerung. Das Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag erhebt Anklage gegen den bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic und seinen Armeechef Ratko Mladic wegen systematischer Vertreibung der Bosniaken (Moslems) und wegen Folterung und Ermordung Tausender von ihnen. 30. August 1995 Vom NATO-Stützpunkt Aviano in Italien und von einem US-amerikanischen Flugzeugträger gestartete Kampfflugzeuge bombardieren im bisher größten NATO-Einsatz drei Tage lang serbische Stellungen in Bosnien-Herzegowina. 12. Oktober 1995 In Bosnien-Herzegowina tritt ein am 5. Oktober vereinbarter, auf zwei Monate befristeter Waffenstillstand in Kraft. 1. November 1995 Auf der US-Luftwaffenbasis Wright-Patterson nahe Dayton (Ohio) beginnen formelle Friedensverhandlungen zwischen den Präsidenten der drei am Bosnien-Krieg beteiligten Staaten Bosnien-Herzegowina, Kroatien und der Bundesrepublik Jugoslawien. 14. Dezember 1995 Serbiens Präsident Slobodan Miloševic, Bosniens Präsident Alija Izetbegovic und Kroatiens Präsident Franjo Tudjman unterzeichnen in Paris den in Dayton (USA) ausgehandelten Friedensvertrag: Bosnien-Herzegowina bleibt als einheitlicher Staat in seinen bestehenden Grenzen erhalten, mit Sarajevo als ungeteilter Hauptstadt. Das Staatsgebiet wird aufgegliedert in die zwei autonomen Teilstaaten der „Bosniakisch-Kroatischen Föderation“ mit 51 Prozent des Territoriums und der „Serbischen Republik in Bosnien“ mit 49 Prozent. Das Land erhält innerhalb von sechs Monaten ein direkt gewähltes Bundesparlament mit Unterhaus (42 Sitze) und Oberhaus (15 Sitze), eine dreiköpfige Präsidentschaft mit je einem Kroaten, einem Serben und einem Bosniaken bei rotierendem Vorsitz sowie eine Regierung mit zwei gleichberechtigten Ministerpräsidenten, die sich wöchentlich im Amt abwechseln. Alle Konfliktparteien entlassen bis zum 19. Januar 1996 ihre Kriegsgefangenen. Innerhalb eines Monats ziehen sich die bosnischen Kriegsparteien mindestens zwei Kilometer hinter die Waffenstillstandslinien vom 5. Oktober 1995 zurück. Die bisherige UN-Friedenstruppe wird durch die unter NATO-Oberkommando stehende, bis zu 60.000 Mann starke „Implentation Force“ (IFOR) ausgetauscht. Sie wird die fristgerechte militärische Entflechtung überwachen und ein Wiederaufflammen der Kämpfe verhindern. Für die Umsetzung der nichtmilitärischen Abkommensbereiche ist der internationale Beauftragte für den Wiederaufbau, der frühere schwedische Regierungschef Carl Bildt, zuständig. 1996 Bosnien-Herzegowina erhält rund zwei Milliarden US-Dollar für den Wiederaufbau. 28. Januar 1996 Bis zu Neuwahlen übernimmt der Moslem Hasan Muratovic die Führung der Zentralregierung in Sarajevo. März 1996 Landesweit werden zahlreiche Massengräber entdeckt. Bei den Toten handelt es sich größtenteils um vermutlich von bosnischen Serben erschossene Bosniaken (Moslems). April 1996 Hans Koschnick legt sein Amt als EU-Verwalter der Stadt Mostar wegen mangelnder Unterstützung durch die EU-Diplomatie nieder. Nachfolger wird der ehemalige Bürgermeister der spanischen Stadt Valencia, Ricardo Pérez Casado, dem im Dezember der Brite Martin Carrod folgt. Mai 1996 Die Serbische Republik lehnt eine Auslieferung von Radovan Karadzic und Ratko Mladic an den Gerichtshof in Den Haag ab. Mitte 1996 Große Probleme bereitet die Rückführung der Kriegsflüchtlinge in ihre früheren Heimatorte, da diese nun meist zum Gebiet der Gegenseite gehören. Rückkehrwillige werden meistens sogleich wieder vertrieben. 14. September 1996 Bei den ersten Nachkriegswahlen erhält der seit 1990 amtierende bosniakische Staatspräsident Alija Izetbegovic die meisten Stimmen und übernimmt damit bis Ende 1998 den Vorsitz des Staatspräsidiums. Vorsitzende des Ministerrats, die sich wöchentlich als Regierungschefs abwechseln, werden der Bosniake Haris Silajdzic und der Serbe Boro Bosic. Ende September 1996 Nach den Wahlen beginnt das Staatspräsidium mit der Arbeit an gemeinsamen Projekten von Bosniaken, Serben und Kroaten. Präsident Alija Izetbegovic und seine „Kollegen“, der Serbe Momcilo Krajišnik und der Kroate Krešimir Zubak, nehmen Gespräche über die künftige Regierung und das Parlament auf. Die USA sichern Militärhilfe in Form von Waffen und Fahrzeugen zu, um ein militärisches Gleichgewicht zwischen der moslemisch-kroatischen Föderation und der Serbischen Republik herzustellen. 25. Oktober 1996 Die USA stoppen die Lieferung von 45 Panzern, 80 Militärfahrzeugen, 15 Hubschraubern und 45.000 Gewehren, die bereits auf einem Schiff im kroatischen Hafen Ploce lagern. Eine Übergabe werde erst nach dem Rücktritt des stellvertretenden Verteidigungsministers Hasan Cengic und der Unterstellung der Streitkräfte unter eine zivile Kontrolle in Bosnien erfolgen. 1. November 1996 Die Spannungen zwischen Moslems, Serben und Kroaten wachsen erneut. Immer wieder kommt es zu Handgreiflichkeiten zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen. Der bosnische Ministerpräsident Hasan Muratovic kritisiert die Europäische Union wegen angeblicher nicht eingehaltener Versprechen zum Wiederaufbau Bosniens. 11. November 1996 Nach der Entlassung des bisherigen Militärsbefehlshaber der bosnischen Serben, General Ratko Mladic, wird Generalmajor Pero Colic als sein Nachfolger vereidigt. Colic steht auf der Seite der zivilen Führung der bosnischen Serben, Präsidentin Biljana Plavšic. 12. November 1996 Staatspräsident Alija Izetbegovic fordert die EU auf, die herzegowinische Gebietshauptstadt Mostar auch 1997 zu verwalten, da Extremisten sonst die von ihnen angestrebte Teilung der Stadt durchführen könnten. 16. Dezember 1996 Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) und die westlichen Staaten verständigen sich in Genf darauf, daß ab Januar 1997 bosnische Flüchtlinge auch zwangsweise in ihre Heimat zurückgeführt werden können. 20. Dezember 1996 Die IFOR wird in Bosnien-Herzegowina durch die SFOR (Stabilization Force) als neue internationale Friedenstruppe abgelöst. Sie besteht nur noch aus Soldaten von NATO-Staaten, zählt nur noch rund 30.000 Mann und ist vom UN-Sicherheitsrat mit einem Mandat für 18 Monate ausgestattet. 10. Feburar 1997 Bosnische Kroaten eröffnen im von der internationalen Friedenstruppe (SFOR) kontrollierten Mostar das Feuer auf eine Gruppe von Moslems, wobei mindestens ein Mensch ums Leben kommt und zahlreiche weitere schwer verletzt werden. 12. Februar 1997 Trotz internationaler Proteste vertreiben bosnische Kroaten erneut moslemische Einwohner aus dem von Kroaten kontrollierten Westteil von Mostar. 21. Februar 1997 In der zwischen Moslems und Kroaten geteilten Stadt Mostar greifen Kroaten erstmals Soldaten der wegen anhaltender Gewalttaten patroullierenden internationalen Friedenstruppe SFOR an. 12. April 1997 Papst Johannes Paul II. trifft in Sarajevo ein, wo er Gespräche mit orthodoxen und moslemischen Vertretern führt und eine Freilichtmesse zelebriert. Kurz zuvor konnten auf dem Weg vom Flughafen in die Innenstadt mehrere mit Fernzündern versehene Minen von insgesamt 150 Kilogramm Sprengstoff entschärft werden, die man nur durch einen Zufall entdeckt hatte. Juni 1997 Der ehemalige spanische Außenminister Carlos Westendorp wird nach dem Rücktritt von Carl Bildt vom Amt des „Hohen Repräsentanten“ neuer internationaler Beauftragter für den Wiederaufbau Bosnien-Herzegowinas. 1. Juli 1997 Die Präsidentin der bosnischen Serbenrepublik, Biljana Plavšic, wirft der Führung der alleinregierenden Serbischen Demokratischen Partei SDS (sie wird vom einstigen Serbenführer und mutmaßlichen Kriegsverbrecher Radovan Karadzic „gelenkt“) vor, die wuchernde Kriminalität und den Schmuggel im Lande nicht nur zu dulden, sondern sogar zu fördern. 3. Juli 1997 Die Präsidentin der bosnischen Serben, Biljana Plavšic, löst das Parlament auf und setzt Neuwahlen für den 1. September an. Diese Maßnahme wird von der Volksvertretung der Serbischen Republik jedoch nicht anerkannt und als verfassungswidrig bezeichnet. 4. Juli 1997 Das offiziell von der Präsidentin der bosnischen Serben, Biljana Plavšic, die sich für die Einhaltung des Daytoner Abkommens und die Achtung der Gesetze einsetzt, aufgelöste Parlament in Pale will seinerseits die Machtbefugnisse der Präsidentin beschneiden bzw. sie ihres Amtes entheben. Gleichzeitig findet in Den Haag vor dem UN-Tribunal der Prozeß gegen den serbischen Kriegsverbrecher Slavko Dokmanovic statt, der sich selbst als unschuldig bezeichnet. Er war bereits am 26. März 1996 im Rahmen des sogenannten „Vukovar-Verfahrens“ angeklagt worden. (Im November 1991 war er Bürgermeister der Stadt Vukovar gewesen, als serbische Truppen die Stadt erobert hatten. Er soll damals daran beteiligt gewesen sein, als 260 Männer von serbischen Truppen aus einem Krankenhaus geholt und anschließend erschossen wurden.) 13. Juli 1997 US-Präsident Bill Clinton deutet während eines Aufenthalts in Dänemark an, daß durchaus die Möglichkeit bestehe, auch nach dem Ende der SFOR-Friedensmission in Bosnien weiter US-Truppen in dem Land stationiert zu lassen. 14. Juli 1997 Der bosnische Serbe Duško Tadic wird vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag nach über einjährigem Prozeß zu 20 Jahren Haft verurteilt. Mitte Juli 1997 In der bosnischen Serbenrepublik kommt es innerhalb weniger Tage zu mehreren Anschlägen auf UN-Einrichtungen, wobei ein US-amerikanischer Soldat leicht verletzt wird. 31. Juli 1997 Das vom Krieg verwüstete Bosnien-Herzegowina erhält von der Weltbank noch in diesem Jahr weitere 1,25 Milliarden US-Dollar Wiederaufbauhilfe. Die bosnische Serbenrepublik (Republika Srpska) ist von dieser Hilfe ausgeschlossen, da sie nicht mit dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zusammenarbeitet und somit den Verpflichtungen des Friedensabkommens von Dayton nicht nachkommt. Kurz zuvor hatte Staatspräsident Alija Izetbegovic auf Druck einer Untersuchungskommission den (teilweisen) Mißbrauch von internationalen Hilfsgeldern zugegeben. Anfang August 1997 Kroatische Nationalisten vertreiben Hunderte zurückgekehrte moslemische Flüchtlinge mit Gewalt aus ihren früheren Heimatdörfern und zünden ihre Häuser an. Dabei kommt mindestens ein Moslem ums Leben. 24. August 1997 Die Regierung der bosnischen Serbenrepublik in Pale bricht jede weitere Zusammenarbeit mit der in Brcko residierenden Republikspräsidentin Biljana Plavšic ab und warnt die internationalae Friedenstruppe SFOR vor einer weiteren Einmischung in die innenpolitischen Angelegenheiten der Republik. 26. August 1997 Im Machtkampf gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Radovan Karadzic gelingt es der bosnisch-serbischen Präsidentin Biljana Plavšic scheinbar nicht, wie geplant die gesamte Führung des Heeres auf ihre Seite zu ziehen. Nur vier der acht Generäle kommen zu einem von ihr einberufenen Treffen in Banja Luka. Gleichzeitig halten in Pale 45 der insgesamt 83 Parlamentsabgeordneten eine Sitzung ab und ignorieren so die von Plavšic am 3. Juli verfügte Parlamentsauflösung. 28. August 1997 Die aus der nationalistischen Karadzic-Partei ausgeschlossene Präsidentin der bosnischen Serbenrepublik, Biljana Plavšic, gründet ihre eigene Partei, den „Serbisch-Nationalen Verband der Serbischen Republik2, mit der sie bei den für September angesetzten Kommunalwahlen antreten will. Etwa zur gleichen Zeit gehen wütende Zivilisten – ein Radiosender, der zur Karadzic-Seite gehört, hatte sie zum Widerstand aufgerufen – mit Molotow-Cocktails und Steinen gegen die Soldaten der internationalen Friedenstruppe vor, die in Brcko, Bijeljina und Doboj einrückten, um gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Karadzic-Gefolgsleuten und Plavšic-Anhängern zu vermeiden und die dort stationierten UN-Polizisten zu schützen bzw. zu evakuieren. Dabei werden drei UN-Sicherheitskräfte und ein SFOR-Soldat verletzt. 3. September 1997 Der bisher dem Karadzic-Lager zugeordnete bosnisch-serbische Generalstabschef Pero Colic schlägt sich auf die Seite von Präsidentin Biljana Plavšic. 14. September 1997 Die ersten Kommunalwahlen in Bosnien-Herzegowina nach Kriegsende verlaufen bei hoher Beteiligung ohne größere Zwischenfälle. 17. September 1997 Ein UN-Hubschrauber russischer Herkunft fliegt während eines SFOR-Erkundungsfluges in dichtem Nebel westlich von Sarajevo gegen einen Berg und stürzt ab. Bei dem Unglück kommen fünf US-Amerikaner, fünf Deutsche (darunter auch der deutsche Bosnien-Beauftragte Gerd Wagner), ein Pole und ein Brite ums Leben, nur die vierköpfige ukrainische Besatzung überlebt. 19. September 1997 In Mostar explodiert vor dem Polizeihauptquartier ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug. Insgesamt werden 50 Menschen verletzt (rund 30 müssen ins Krankenhaus gebracht werden) und zahlreiche Häuser z.T. schwer beschädigt. Trotz sofort eingeleiteter Untersuchungen tappen Polizei und SFOR über die Täter und deren Motive dieses seit dem Friedensabkommen von Dayton (1995) schlimmsten Anschlags in Bosnien-Herzegowina völlig im Dunkeln. 1. Oktober 1997 Nachdem eine Untersuchungskommission ermittelt hat, daß ein Großteil der von den Geberländern für den Wiederaufbau Bosnien-Herzegowinas aufgebrachten Finanzmittel für die illegale Bewaffnung extremistischer Gruppen ausgegeben wurden, wird der „Hohe Repräsentant“ des internationalen Friedenumsetzungsrat, Carlos Westendorp, mit erweiterten Vollmachten ausgestattet. 3. November 1997 Mit dem Ziel, die Spannungen zwischen ihren Staaten abzubauen und die Wirtschaftsbeziehungen zu fördern, kommen auf der griechischen Insel Kreta die Staats- und Regierungschefs der sieben Balkanländer Griechenland, Türkei, Bulgarien, Albanien, Makedonien, Rumänien und Jugoslawien (Serbien und Montenegro) zu einem zweitägigen Gipfeltreffen zusammen; Bosnien-Herzegowina entsendet nur seinen Vize-Außenminister zu den Gesprächen, und Kroatien sowie Slowenien schicken überhaupt keinen Vertreter nach Heraklion, da sie sich nicht als Balkanstaaten betrachten. 23. November 1997 Bei den vorgezogenen bosnisch-serbischen Parlamentswahlen verliert die extrem-nationalistische SDS (Serbische Demokratische Partei) zwar ihre absolute Mehrheit, kann mit rund 31 Prozent der Wählerstimmen und 24 von insgesamt 83 Parlamentssitzen jedoch ihre Position als stärkste Partei behaupten. Der erst im August 1997 gegründete gemäßigt-nationalistische SNS (Serbische Volksbund) der bosnisch-serbischen Präsidentin Biljana Plavšiv erreicht knapp 22 Prozent und damit 16 Mandate, die rechtsextreme SRS (Serbische Radikale Partei) 16 Prozent und 15 Sitze und die SP (Sozialistische Partei) etwa 13 Prozent und neun Sitze. Das neugewählte Parlament konstituiert sich Ende Dezember und wählt am 18. Januar den Führer der SNSD (Unabhängige Sozialdemokraten), Milorad Dodik, zum neuen Ministerpräsidenten, der den Regierungssitz Anfang Februar von Pale nach Banja Luka verlegt. Zudem sorgt Dodik für die Annullierung von 33 vom früheren Parlament beschlossenen Gesetzen, die den während des Kriegs vertriebenen Bosniaken und Kroaten eine Rückkehr in ihre Heimatdörfer unmöglich machten, und erreicht damit die Freigabe der für die Serbische Republik bisher gesperrten Finanzhilfe aus den internationalen Wiederaufbaufonds für Bosnien-Herzegowina. 25. November 1997 US-Verteidigungsminister William Cohen erklärt auf einer NATO-Konferenz in Brüssel, daß die USA grundsätzlich bereit seien, auch nach Ablauf des jetzigen UN-Mandates im Juni 1998 für Bosnien, dort Friedenstruppen stationiert zu lassen; Bedingung sei allerdings ein größeres militärisches Engagement der europäischen Staaten. (Zur Zeit umfaßt die SFOR-Truppe in Bosnien 34.000 Soldaten aus 36 Ländern, wovon etwa 8.000 US-Amerikaner sind.) 14. Dezember 1997 Der „Hohe Repräsentant“ des internationalen Friedenumsetzungsrat für Bosnien-Herzegowina, Carlos Westendorp, macht erstmals von seinen Vollmachten Gebrauch und verfügt ein unter den drei Volksgruppen umstrittenes Staatsbürgerschaftsgesetz, das eine Ausgabe einheitlicher Pässe ermöglicht. 18. Dezember 1997 Einer niederländischen Eliteeinheit der SFOR-Truppe gelingt in der mittelbosnischen, kroatisch verwalteten Stadt Vitez (rund 50 Kilometer nordwestlich von Sarajevo) nach einem kurzen Feuergefecht die Festnahme von zwei mutmaßlichen kroatischen Kriegsverbrechern. Anto Furundzija und Vlatko Kupreškic (er wird bei dem Schußwechsel verletzt) sollen 1993 in der Region an Überfällen auf die moslemische Bevölkerung maßgeblich beteiligt gewesen sein. Beide müssen sich nun vor dem Den Haager Kriegsverbrecher-Tribunal verantworten. Gleichzeitig kündigt NATO-Generalsekretär Javier Solana weitere Aktionen der internationalen Friedenstruppe SFOR gegen Kriegsverbrecher in Bosnien an. (Derzeit befinden sich von insgesamt 77 öffentlich angeklagten Kriegsverbrechern erst 20 im Gewahrsam des Den Haager Tribunals.) 22. Dezember 1997 US-Präsident Bill Clinton trifft zusammen mit Ehefrau und Tochter sowie Bob Dole (sein unterlegener Gegner bei der Präsidentschaftswahl 1996) zu einem ersten Kurzbesuch in Sarajevo ein und wird von der Bevölkerung begeistert begrüßt. Viele bedanken sich bei ihm für die von Amerika seit 1993geleistete Hilfe. Clinton seinerseits betont in einer vom Staatsfernsehen übertragenen Ansprache (mit Ausnahme der Serbenrepublik und im kroatischen Teil des Landes) erneut die Bereitschaft der USA, seine Soldaten auch nach Ablauf des UN-Mandates im Juni 1998 in Verbindung mit einer neuen internationalen Friedenstruppe „bis zur Herstellung eines dauerhaften Friedens“ in Bosniaken stationiert zu lassen. Gleichzeitig fordert er jedoch alle Bürger des Landes – Serben, Bosnier und Kroaten, Christen und Moslems, Politiker und einfache Bürger – auf, durch gegenseitige Toleranz für eine raschere Umsetzung des Friedensabkommens von Dayton Sorge zu tragen. Januar 1998 Der „Hohe Repräsentant“ des internationalen Friedenumsetzungsrat für Bosnien-Herzegowina, Carlos Westendorp, macht erneut von seinen Vollmachten Gebrauch und trifft Entscheidungen hinsichtlich der neuen Nationalflagge und einheitlicher KFZ-Nummernschilder sowie einer einheitlichen Währung. Februar 1998 Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Pale beziffert die Zahl der pro Monat in Bosnien von Landminen getöteten oder verletzten Menschen auf 50. Die meisten Opfer sind Feldarbeiter und spielende Kinder. Das UN-Minenzentrum schätzt, daß in Bosnien derzeit noch etwa eine Million Minen vergraben sind. 24. Februar 1998 Nachdem einige Tage zuvor bereits die beiden vom UN-Kriegsverbrecher-Tribunal (ICTY/International Criminal Tribunal for the Former Yugoslavia) angeklagten bosnischen Serben Mirošlav Tadic und Milan Šimic freiwillig nach Den Haag gekommen waren, stellt sich auch der seit drei Jahren gesuchte mutmaßliche Kriegsverbrecher Šimo Zaric in Bosnien der SFOR und wird nach Den Haag überstellt, wo er seine Unschuld beweisen will. Dem bosnischen Serben wird vorgeworfen, 1992 die Deportation von mehreren hundert Moslems und Kroaten aus Nordbosnien in Konzentrationslager mitgeplant und -organisiert zu haben. Zaric gibt an, mit einer Moslemin verheiratet zu sein und einen Kroaten zum Schwiegersohn zu haben. 15. Juni 1998 Der UN-Sicherheitsrat verlängert das Mandat der in Bosnien-Herzegowina stationierten rund 36.000 Mann starken Friedenstruppe SFOR auf „unbestimmte Zeit“. 22. Juni 1998 Die an die deutsche DM im Verhältnis 1:1 gebundene „Konvertibilna Marka“ ersetzt in Bosnien-Herzegowina die drei bisher parallel bestehenden Währungen. 1. August 1998 Das Internationale Kriegsverbrecher-Tribunal für das frühere Jugoslawien in Den Haag (ICTY) gibt bekannt, daß der wegen Völkermordes und Kriegsverbrechen im Bosnien-Krieg angeklagte bosnische Serbe Milan Kovacevic – der im Juli 1997 festgenommene Arzt galt als einer der Hauptverantwortlichen für die an Nicht-Serben begangenen Greueltaten in den Lagern Omaraka, Keraterm und Trnopolje – einem Herzleiden erlegen ist. (Derzeit sind in Den Haag 27 Angeklagte des ersten Völkermord-Prozesses vor einem internationalen Gerichtshof seit den Prozessen von Nürnberg und Tokyo 1945/46 inhaftiert. Ende Juni hat sich der ehemalige serbische Bürgermeister von Vukovar, Slavko Dokmanovic, in seiner Zelle im Untersuchungsgefängnis das Leben genommen. Die beiden Hauptangeklagten, der frühere Serbenführer Radovan Karadzic und sein Militärbefehlshaber Ratko Mladic, sowie rund 30 weitere angeklagte mutmaßliche Kriegsverbrecher befinden sich jedoch in Bosnien-Herzegowina, Kroatien oder in der Bundesrepublik Jugoslawien noch immer auf freiem Fuß.) 31. August 1998 Der deutsche VW-Konzern eröffnet seine im Krieg zerstörte Autofabrik in der Nähe von Sarajevo neu. In dem Werk werden zunächst jährlich 5.000 bis 10.000 Wagen vom Typ Škoda Felicia für die Nachfolgestaaten des früheren Jugoslawien und andere Länder Südosteuropas vom Band laufen. 13. September 1998 Bei den Direktwahlen für das dreiköpfige Staatspräsidium gehen der Bosniake Alija Izetbegovic, der Serbe Zivko Radisic und der Kroate Ante Jelavic als Sieger hervor. Den Vorsitz, der turnusgemäß alle acht Monate wechselt, übernimmt Zivko Radisic. 2. Dezember 1998 Soldaten der SFOR-Friedenstruppe gelingt in Sarajevo die Festnahme des vom Internationalen Kriegsverbrecher-Tribunal für das frühere Jugoslawien in Den Haag (ICTY) gesuchten Serben-Generals Radislav Krštic. Der bislang ranghöchste festgenommene Angeklagte soll für das Massaker von Srebenica verantwortlich sein, wo im Juli 1995 serbische Einheiten vermutlich 7.500 Moslems erschossen haben. (Das Massaker wird von den Vereinten Nationen als das schwerste Verbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg gewertet.) 10. Januar 1999 In der südbosnischen Stadt Foca kommt es zu Ausschreitungen gegen UN-Einrichtungen, nachdem Soldaten der internationalen Friedenstruppe SFOR offenbar in Notwehr einen als Kriegsverbrecher gesuchten bosnischen Serben – er soll während des Bosnien-Krieges zahlreiche moslemische Frauen gefoltert und vergewaltigt haben – erschossen haben. Bei den Krawallen werden fünf UN-Polizisten verletzt und die UN-Polizeiwache schwer beschädigt. 3. Februar 1999 Der Bosniake Haris Silajdzic und der Serbe Svetozar Mihajlovic werden vom Parlament des Gesamtstaates als neue Regierungschefs gewählt. Sie wechseln sich wöchentlich im Amt ab. 3. März 1999 Der „Hohe Repräsentant“ des internationalen Friedenumsetzungsrates für Bosnien-Herzegowina, Carlos Westendorp, macht erneut von seinen Vollmachten Gebrauch und enthebt den radikalen Präsidenten der bosnischen Serben, Nikoa Poplašen, seines Amtes, da dieser mehrfach versucht habe, den gemäßigten Regierungschef der Serbenrepublik, Milorad Dodik, aus dem Amt zu drängen und durch einen Nationalisten zu ersetzen. Poplašen erkennt die Entscheidung Westendorps jedoch nicht an. 5. März 1999 Das internationale Schiedsgericht unter dem US-Amerikaner Roberts Owen verkündet seinen Schiedsspruch über die strategisch wichtige und sowohl von Serben als auch von moslemischen Bosniaken beanspruchte nordbosnische Stadt Brcko: Die Stadt, die zuletzt unter internationaler Verwaltung stand, soll einen neutralen, entmilitarisierten Status erhalten, nominell der Serbischen Republik angehören, jedoch direkt der gesamtbosnischen Regierung unterstellt werden sowie eine demokratische Struktur erhalten. Juli 1999 Der Österreicher Wolfgang Petritsch löst den Spanier Carlos Westendorp im Amt des „Hohen Beauftragten“ der Vereinten Nationen für Bosnien-Herzegowina ab. 11. August 1999 Auf Vorschlag von UN-Generalsekretär Kofi Annan wird die Schweizer Bundesanwältin Carla Del Ponte vom UN-Sicherheitsrat in New York zur Chefanklägerin des Kriegsverbrechertribunals der Vereinten Nationen in Den Haag (ICTY) berufen. 12. Oktober 1999 UN-Generalsekretär Kofi Annan erklärt in Sarajevo einen neugeborenen Jungen, der Adnan heißen soll, symbolisch zum sechsmilliardsten Erdenbürger. Die Vereinten Nationen haben den 12. Oktober aufgrund statistischer Berechnungen zum „Tag der sechs Milliarden“ erklärt. 15. November 1999 Mehr als vier Jahre nach dem Kriegsende in Bosnien will die NATO etwa ein Drittel ihrer Friedenstruppe abbauen. Bis zum 1. April 2000 soll das SFOR-Kontingent auf rund 20.000 Mann verringert werden. 12. Dezember 1999 Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag (ICTY) verurteilt den bosnischen Serben Goran Jelišic, ehemals Leiter eines Gefangenenlagers nahe Brcko, wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zu 40 Jahren Haft. Er wurde für schuldig befunden, mindestens ein Dutzend bosnische Moslems und Kroaten ermordet zu haben. 14. Januar 2000 Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag (ICTY) verurteilt fünf ehemalige ranghohe kroatische Militärs, die wegen eines Massakers an Moslems in einem zentralbosnischen Dorf im Jahr 1993 mit 116 Toten angeklagt waren, zu Haftstrafen zwischen sechs und 25 Jahren. 3. März 2000 Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag (ICTY) verurteilt den kroatischen General Tihomir Blaškic – er war wegen Vertreibung und Ermordung zahlreicher moslemischer Zivilisten im Jahr 1993 angeklagt – zu 45 Jahren Gefängnis und verhängt damit die bislang härteste Haftstrafe. 3. April 2000 In einer Nacht- und Nebelaktion stürmen französische SFOR-Soldaten in Pale das Haus des bosnischen Serben Momcilo Krajišnik, dem ranghöchsten serbischen Hardliner neben dem untergetauchten Serbenführer Radovan Karadzic und dessen Armeechef Ratko Mladic, und nehmen ihn fest. Der 56jährige wurde nach den ersten Mehrparteienwahlen in Bosnien 1990 Parlamentspräsident. Nach dem Auszug der Serben aus dem Bundesparlament in Sarajevo und dem folgenden Krieg behielt er sein Amt – im Parlament der international nicht anerkannten Serbischen Republik in Bosnien-Herzegowina (RS). In seiner Führungsposition hat er die Zerstörung von moslemischen und kroatischen Volksgruppen in Bosnien geplant und befohlen. Er soll für die Ermordung von mindestens 1.300 Menschen verantwortlich sein. Bei den erfolglosen Friedensverhandlungen in Genf 1993 erhielt Krajišnik den Beinamen „Mister No“, da er auf jeden Vorschlag der westlichen Gesprächspartner mit „Ne“ (Nein) reagierte. Nun muß er sich wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichtkeit vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag verantworten. 9. April 2000 Bei den als Demokratie-Test betrachteten zweiten Kommunalwahlen in Bosnien-Herzegowina nach Ende des Krieges geht die reformorientierte oppositionelle Sozialdemokratische Partei (SDP) in Sarajevo, Tuzla, Zenica und weiteren 20 größeren Städten in der Bosniakisch-Kroatischen Föderation eindeutig als Sieger hervor. In der Serbischen Republik behält die Serbische Demokratische Partei (SDS) in Ostbosnien die Vorherrschaft, während sich im Westen in der Region um Banja Luka die SNSD (Unabhängige Sozialdemokraten) des vom Westen gestützten Regierungschefs Milorad Dodik behaupten kann. 7. Juni 2000 Der 75jährige Alija Izetbegovic, seit Februar Vorsitzender des dreiköpfigen Staatspräsidiums und somit derzeitiges Staatsoberhaupt von Bosnien-Herzegowina, erklärt sein Ausscheiden aus dem Gremium per 12. Oktober (Termin des turnusmäßigen Wechsels im Vorsitz) aus Alters- und Gesundheitsgründen. Das Parlament des Gesamtstaates wählt den Serben Spasoje Tuševljak zum neuen Regierungschef. 4. Juli 2000 Auf Antrag von Alija Izetbegovic entscheidet das Verfassungsgericht in Sarajevo, daß die beiden Teilrepubliken ihre Verfassungen an die Verfassung des Gesamtstaates angleichen müssen. Demzufolge müssen sowohl in der Serbischen Republik (RS) als auch in der Bosniakisch-kroatischen Föderation (BKF) Bosniaken (Moslems), Kroaten und Serben als „staatstragende“ Völker anerkannt sein. 15. September 2000 Der saudische Prinz Salman ibn Abd-el Aziz eröffnet in Sarajevo eine neue, von Saudi-Arabien finanzierte Moschee sowie ein islamisches Zentrum. Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf zehn Millionen US-Dollar. Ende September 2000 Ein Gericht in New York verurteilt den bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic in Abwesenheit wegen Amtsmißbrauch und Mord während des Balkan-Kriegs zu fünf Milliarden US-Dollar Geldstrafe. 13. Oktober 2000 Bei der Festnahme eines Kriegsverbrechers in der bosnischen Stadt Foca an der Grenze zu Montenegro werden zwei deutsche SFOR-Soldaten schwer und zwei weitere leicht verletzt. Der vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gesuchte 43jährige Janko Janjic zündete bei dem Zugriff eine Handgranate und erliegt wenig später seinen Verletzungen. 11. November 2000 Zum dritten Mal seit Ende des Krieges 1995 werden in Bosnien-Herzegowina ein gesamt-bosnisches Parlament sowie die Parlamente der beiden Landesteile – der Bosniakisch-kroatischen Föderation und der Serbenrepublik – gewählt. Dabei steigen in der Föderation die multi-ethnischen Sozialdemokraten (SDP) zur stärksten politischen Kraft vor der bislang regierenden SDA (Demokratischer Aufbruch) auf, während im serbischen Landesteil die nationalistische SDS (Serbische Demokratische Partei) mit ihrem Präsidentschaftskandidaten Mirko Sarovic als eindeutige Siegerin hervorgeht. Die Kroaten, die sich überwiegend für die nationalistische HDZ (Kroatische Demokratische Union) entscheiden, stimmen in einem gleichzeitig organisierten, von den Vereinten Nationen nicht anerkannten Referendum für einen eigenen Staat. 1. Januar 2001 Der „Hohe Beauftragte“ der Vereinten Nationen für Bosnien-Herzegowina, Wolfgang Petritsch (seit Juli 1999), fordert die Regierung in Sarajevo eindringlich auf, das Reformtempo zu beschleunigen. 11. Januar 2001 Die frühere Präsidentin der bosnischen Serbenrepublik, Biljana Plavšic, die am Tag zuvor nach Den Haag geflogen war und sich freiwillig dem UN-Kriegsverbrechertribunal für das frühere Jugoslawien (ICTY ) gestellt hat, das ihr Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorwirft, erklärt sich bei der ersten richterlichen Vorführung in allen Anklagepunkten für „nicht schuldig“. Die 70-Jährige ist der erste weibliche Angeklagte des Gerichts. Die einstige enge Mitarbeiterin des als Kriegsverbrecher gesuchten Ex-Präsidenten der Serbenrepublik, Radovan Karadzic, wird für Tod, Mißhandlung und Vertreibung von Tausenden von nicht-serbischen Einwohnern Bosnien-Herzegowinas zwischen 1991 und 1992 verantwortlich gemacht. Während des Bosnien-Krieges galt die Biologieprofessorin als eine der extremsten Verfechterinnen der „ethnischen Säuberungen“. Sie soll enge Kontakte zu dem berüchtigten serbischen Freischärlerkommandeur Zeljko Raztanovic, besser bekannt als „Arkan“ (Tiger), unterhalten haben, dessen Miliz zahllose Massaker verübt hat und der auf der Fahndungsliste des Haager UN-Kriegsverbrechertribunals ganz oben stand. (Arkan wurde im Januar 2000 in Belgrad erschossen.) (Biljana Plavšic wird am 27. Februar 2003 in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu elf Jahren Haft verurteilt. Die Richter begründen das relativ milde Urteil gegen die 72-Jährige damit, daß sie zwar beim Bosnienkrieg 1992-85 an Verbrechen „größter Schwere“ beteiligt gewesen sei, man jedoch außer dem fortgeschrittenen Alter der Angeklagten berücksichtigt habe, daß sie während des Prozesses geständig war und sich nach dem Krieg um Frieden und Versöhnung bemüht habe. Die Anklage hatte 15 bis 25 Jahre Haft gefordert. Plavšic ist bislang die ranghöchste Politikerin aus dem ehemaligen Jugoslawien, die vor dem UN-Tribunal verurteilt wird und zudem die erste, die als fanatische Nationalistin einst brutale Expansionspolitik mitgetragen hat und die heute die grausigen Folgen dieser Politik bereut. In einer dramatischen Erklärung, wofür sie von vielen Landsleuten als „Verräterin“ gebrandmarkt wird, hatte sie die Verantwortung für Grausamkeiten der Serben gegen Moslems und Kroaten im Bosnienkrieg übernommen und das Gericht um eine Strafe gebeten, die allen Seiten gerecht werden möge.) 22. Februar 2001 In Den Haag werden vom ITCY (International Tribunal for Crimes in former Yugoslavia / Internationales Tribunal für Verbrechen im früheren Jugoslawien) drei Serben, die während des Krieges zwischen 1992 und 1995 in ihrer Funktion als Lageraufseher in der südbosnischen Stadt Foca systematisch moslemische Mädchen und Frauen vergewaltigt und mißhandelt hatten, wegen Folter und Versklavung zu Haftstrafen zwischen zwölf und 28 Jahren verurteilt. 4. März 2001 Die HDZ-Partei (Kroatische Demokratische Gemeinschaft) beschließt die Abspaltung der kroatisch besiedelten Gebiete in Bosnien von der moslemisch-kroatischen Föderation. Eine seit November existierende selbsternannte „Kroatische Nationalversammlung“ von rund 600 Politikern und Geschäftsleuten verabschiedet im Mostar eine entsprechende Resolution, kündigt die Bildung einer Art Übergangsregierung an und fordert die „umgehende“ Umgestaltung Bosnien-Herzegowinas in eine Bundesrepublik aus je einem Teilstaat für Serben, Moslems und Kroaten. Dies wird jedoch von der internationalen Verwaltung als Verstoß gegen das Dayton-Abkommen abgelehnt. US-Botschafter Thomas Miller wirft der HDZ vor, sie wolle nur einen eigenen Staat, um ihren kriminellen Aktivitäten nachgehen zu können. 6. April 2001 In Mostar und anderen Städten Südbosniens kommt es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Einheiten der internationalen Friedenstruppe SFOR und bosnisch-kroatischen Separatisten, nachdem zuvor die bosnisch-kroatische Hercegovacka-Bank unter Zwangskontrolle gestellt worden war, um illegale Finanzaktionen kroatischer Nationalisten zu unterbinden, und sich nun die SFOR in einer großangelegten Razzia in mehreren Bankfilialen auf die Suche nach Unterlagen macht, die dubiose Finanzgeschäfte der Extremisten aufdecken helfen sollen. 7. April 2001 Die internationale Friedenstruppe SFOR beschlagnahmt umfangreiche Waffenlager der bosnischen Armee und entzieht damit den kroatischen Separatisten, die zwei Tage zuvor die Kontrolle über mehrere Einrichtungen des Bundesheeres (z.B. in Vitez und Busovaca) übernommen hatten, Waffen und Munition. 7. Mai 2001 Bei Protesten tausender Serben gegen den Wiederaufbau einer Moschee kommt es in der nordbosnischen Stadt Banja Luka zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. 29. Juni 2001 Die Außenminister der fünf Nachfolgestaaten des früheren Jugoslawien unterzeichnen in Wien nach jahrelangem Tauziehen im Beisein des Hohen Repräsentanten der Vereinten Nationen für Bosnien Herzegowina, Wolfgang Petritsch, einen Vertrag über die Vermögensaufteilung des einst gemeinsamen Staates. Die Finanzmasse wird nach folgendem Schlüssel aufgeteilt: Die aus Serbien und Montenegro bestehende Bundesrepublik Jugoslawien erhält 38 Prozent, Kroatien 23, Slowenien 16, Bosnien-Herzwegowina 15,5 und Makedonien 7,5 Prozent. Das als wichtiger Beitrag zu Frieden und Versöhnung in Südosteuropa geltende Abkommen muß nun von den nationalen Parlamenten ratifiziert werden, um völkerrechtlich gültig zu werden. 5. Juli 2001 Der Ministerpräsident der Serbischen Republik von Bosnien-Herzegowina, Mladen Ivanic, erklärt sich in einem Gespräch mit Carla Del Ponte, der Chefanklägerin des Den Haager Kriegsverbrecher-Tribunals für das frühere Jugoslawien, zu einer besseren Zusammenarbeit mit dem Gericht bereit. Man wisse zwar nicht, wo sich der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic und Ex-Armeechef Ratko Mladic aufhalten – beide sind vom Tribunal seit 1995 wegen des Verdachts auf Völkermord und Verbrechen gegen Menschlichkeit angeklagt –, werde sich aber nach deren Aufspüren durch die internationale Friedenstruppe SFOR einer Auslieferung nicht mehr entgegenstellen. 18. Juli 2001 Nach dem Rücktritt des erst seit Ende Februar amtierenden Ministerpräsidenten des Gesamtstaates, Bozidar Matic, wählt das Parlament in Sarajevo den bisherigen Außenminister und Vorsitzenden der Sozialdemokraten, Zlatko Lagumdzija, zum neuen Regierungschef. 2. August 2001 Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag verurteilt den seit Ende 1998 inhaftierten bosnisch-serbischen General Radislav Krštic wegen Völkermordes an Moslems nach der Erstürmung der UN-Schutzzone von Srebencica zu 46 Jahren Haft. Truppen unter seinem Kommando sollen damals rund 7.500 Moslems getötet haben. 12. September 2001 Vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag (ITCY/International Tribunal for Crimes in former Yugoslavia/Internationales Tribunal für Verbrechen im früheren Jugoslawien) bekennt sich erstmals ein Kommandant eines der berüchtigten Gefangenenlager der Serben schuldig: Sechs Monate nach Beginn des Prozesses gegen ihn und zwei Stellvertreter gesteht der 37jährige bosnische Serbe Duško Sikirica seine Mitwirkung an der Verfolgung von Moslems und Kroaten durch sogenante ethnische Säuberungen im Nordwesten Bosniens. Den drei Angeklagten wird neben unmenschlicher Behandlung der Inhaftierten u.a. ein Massaker an 180 Häftlingen vorgeworfen. 28. Oktober 2001 Die internationale Friedenstruppe SFOR (Stabilization Force) hebt im Osten Bosnien-Herzegowinas ein umfangreiches geheimes Waffenlager der Serben aus. Über Art und Zahl der gefundenen Waffen nahe der früheren Extremistenhochburg Han Pjesak werden keine Angaben gemacht. 24. Dezember 2001 Auf dem Parteitag der SDS (Serbische Demokratische Partei) in Banja Luka beschließen die rund 300 Delegierten auf Druck des Westens, daß allen Personen die Mitgliedschaft verwehrt wird, die vom UN-Kriegsverbrechertribuanl in Den Haag (ITCY/International Tribunal for Crimes in former Yugoslavia/Internationales Tribunal für Verbrechen im früheren Jugoslawien) gesucht werden. Dazu zählen auch der Parteigründer Radovan Karadzic und der ehemalige Militärbefehlshaber der bosnischen Serben, Ratko Mladic, die vom Tribunal seit Jahren gesucht werden. Mit der Maßnahme will man die internationale Reputation der Republik der bosnischen Serben verbessern, sagt Parteichef Dragan Kalinic. 18. Januar 2002 Die Justizbehörden in Sarajevo übergeben sechs Männer aus Algerien und dem Jemen, die der Unterstützung des internationalen Terrorismus verdächtigt werden, an die in Bosnien-Herzegowina stationierte US-amerikanische Friedenstruppe. Mit der Entscheidung setzte sich das Innen- und Justizministerium in Sarajevo über einen Spruch des Obersten Gerichts der moslemisch-kroatischen Föderation hinweg. 3. März 2002 Ein (zweiter) fehlgeschlagener Versuch der von der NATO geführten internationalen Bosnien-Friedenstruppe (SFOR) zur Festnahme des wegen Kriegsverbrechens gesuchten Ex-Führers der Serben in Bosnien, Radovan Karadzic, geht offenbar auf Insider-Verrat zurück. Ein französischer Soldat soll Vertrauten von Karadzic die für den 1. März geplante Operation der SFOR-Truppe angedeutet haben. 25. März 2002 Die Sicherheitslage in Bosnien-Herzegowina wird von der Führung der internationalen Bosnien-Friedenstruppe (SFOR) als „kritisch“ und „trügerisch“ bezeichnet. Die Spannungen zwischen Serben, Moslems und Kroaten könnten jederzeit wieder ausbrechen. 16. April 2002 Sieben Jahre nach der Ermordung von 7.500 Moslems am 12. Juli 1995 während des Bosnienkriegs in der UN-Schutzzone Srebenica durch bosnische Serben reicht das gesamte niederländische Kabinett von Wim Kok wegen der damaligen politischen Fehler seinen Rücktritt ein. Gemäß eines einige Tage zuvor veröffentlichten Untersuchungsberichts hatte die damalige Regierung unter Rudolphus Lubbers bzw. Wim Kok, der im August 1994 Ministerpräsident wurde, unzureichend vorbereitete Soldaten nach Ost-Bosnien entsandt, wo die niederländische Armee für den Schutz der moslemischen Enklave Srebenica zuständig war. Das Bataillon (Dutchbat) hatte den angreifenden bosnisch-serbischen Truppen unter General Ratko Mladic faktisch kampflos das Feld überlassen, woraufhin zehntausende Moslems deportiert und mindestens 7.500 von ihren Familien getrennte Männer und Jungen ermordet worden waren. 24. April 2002 Bosnien-Herzegowina wird als 44. Mitglied in den Europarat aufgenommen. Der amtierende Vorsitzende des kollektiven Präsidiums des Gesamtstaates, der moslemische Bosniake Beriz Belkic, unterzeichnet in Straßburg die Beitrittsurkunde sowie die Europäische Menschenrechtskonvention und das Zusatzprotokoll zur Abschaffung der Todesstrafe. Er erklärt, sein Land werde weiter die demokratischen und rechtsstaatlichen Institutionen stärken, den Kampf gegen Korruption und Terrorismus fortsetzen und die Voraussetzungen für die Rückkehr von Flüchtlingen und Vertriebenen verbessern. 10. Mai 2002 NATO-Generalsekretär George Robertson gibt in Brüssel bekannt, daß die Allianz angesichts der verbesserten Sicherheitslage auf dem Balkan ihre Truppenpräsenz in der Region bis Mitte 2003 um etwa 12.000 Mann verringern wird. Die in Bosnien-Herzegowina stationierte Truppe SFOR wird von derzeit 19.000 auf 12.000 Mann verkleinert, und von den 38.000 im Kosovo stationierten KFOR-Soldaten werden 4.800 abgezogen. 27. Mai 2002 Wolfgang Petritsch, der Hohe Beauftragte der Vereinten Nationen für Bosnien-Herzegowina, wird nach drei Jahren im Amt von dem Briten Lord Paddy Ashdown abgelöst. Eines der letzten und eines der wichtigsten Dekrete, das Petritsch erlassen hatte, war die Verfügung vom 19. April zum in Kraftsetzen der überarbeiteten Verfassungen der Föderation von moslemischen Bosniaken und Kroaten sowie der Serbischen Republik, mit dem Ziel, den Grundsatz der Gleichberechtigung der Volksgruppen auf dem gesamten Staatsgebiet durchzusetzen und damit Bosnien-Herzegowina wieder zusammenwachsen zu lassen. U.a. haben das Bosniakische, das Serbische und das Kroatische den Status gleichberechtigter Amtssprachen erhalten. Offizielle Schriften sind das Kyrillische und das Lateinische. 30. Juni 2002 Die USA legen während der Sitzung des Weltsicherheitsrats in New York ihr Veto gegen die turnusmäßige Verlängerung des Mandats für die UN-Friedensmission in Bosnien-Herzegowina ein – als Druckmittel zur Erzwingung einer Resolution, die US-amerikanischen Soldaten Immunität bei UN-Einsätzen gegenüber dem ständigen Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag garantieren soll, der am 1. Juli offiziell seine Arbeit aufnimmt und Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Völkermord und Kriegsverbrechen wie Vergewaltigung oder die Rekrutierung Minderjähriger sowie das Führen eines Angriffskriegs aburteilen soll. Von den 15 Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats stimmen 13 für die Verlängerung des Bosnien-Mandats bis Ende 2002, Bulgarien enthält sich der Stimme. (Erst nachdem den amerikanischen Friedenssoldaten am 14. Juli eine auf zunächst zwölf Monate befristete Immunität zugesichert wird, billigen die USA eine Verlängerung der UN-Mission in Bosnien-Herzegowina.) 15. Juli 2002 Während ihres ersten Treffens seit dem Kriegsende im Jahre 1995, das nicht von internationalen Institutionen organisiert worden war, unterzeichnen die Staatschefs von Bosnien-Herzegowina (Beriz Belkic), Kroatien (Stipe Mesic) und Jugoslawien (Vojislav Koštunica) in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo eine Erklärung zur „Harmonisierung ihrer gemeinsamen Beziehungen“, in der sie sich auf die Lösung von Problemen durch politischen Dialog nach europäischem Standard verpflichten und sich für eine stärkere wirtschaftliche Zusammenarbeit, den gemeinsamen Kampf gegen Kriminalität und Terror sowie für die Regelung von Flüchtlingsfragen aussprechen. 5. Oktober 2002 Bei der Wahl zum gesamtstaatlichen Parlament kann die Demokratische Aktion (SDA), die Vertretung der moslemischen Bevölkerungsgruppe, ihren Anteil gegenüber den Wahlen vom November 2000 auf 33 Prozent steigern und stellt damit künftig die stärkste Fraktion im 42köpfigen Abgeordnetenhaus in Sarajevo. Die multi-ethnische Sozialdemokratische Partei (SDP) unter Zlatko Lagumdzija hingegen muß starke Verluste hinnehmen. Sie erringt nur noch 14,5 Prozent, während es die nationalistisch-kroatische HDZ auf 17,5 Prozent bringt. Im dreiköpfigen Staatspräsidium sind die bosnischen Serben künftig durch den seit 1999 amtierenden Präsidenen der bosnischen Serbenrepublik, Mirko Sarovic (Serben-Partei SDS), repräsentiert, die Bosniaken durch den SDA-Chef Sulejman Tihic und die Kroaten durch Dragan Covic (HDZ). (Sarovic trat Anfang April 2003 zurück - er hatte offenbar über illegale Rüstungsexporte aus der Serbischen Republik in den Irak Bescheid gewußt - und wurde durch Borislav Paravac ersetzt.) 1. Januar 2003 Nach mehr als zehn Jahren geht die Mission der Vereinten Nationen in Bosnien-Herzegowina zu Ende und die Europäische Union tritt mit 395 Polizeibeamten aus allen 15 Mitgliedsländern (Deutschland: 85) die Nachfolge der rund 2.000 Mann starken UN-Polizeitruppe IPTF (International Police Task Force) in der immer noch vom jugoslawischen Bürgerkrieg gezeichneten Balkan-Republik an. Die „European Police Mission“ (EUPM) soll den Kampf gegen die Korruption und die organisierte Kriminalität in Bosnien-Herzegowina verstärken, d.h. die EU will beim Aufbau einer Polizei helfen, die alle Bürger schützen soll, sagt der EUPM-Kommissar, der Däne Sven Fredriksen, bei der Amtsübergabe in der Hauptstadt Sarajevo. Insgesamt sollen an der bis Anfang 2006 dauernden Mission etwa 900 Personen teilnehmen. Die Kosten des Einsatzes sind auf 38 Millionen Euro jährlich veranschlagt. 31. März 2003 Das UN-Tribunal für das frühere Jugoslawien in Den Haag (ICTY) verurteilt zwei bosnische Kroaten wegen Kriegsverbrechen an Moslems in der bosnischen Stadt Mostar zu hohen Freiheitsstrafen: Mladen Naletelic „Tuta“, der ein Bataillon verurteilter Krimineller geführt hatte, muß 20 Jahre ins Gefängnis. Vinko Martinovic „Stela“, ein Unterführer von Naletelic, wird zu 18 Jahren Haft verurteilt. Beide wurden für schuldig befunden, 1993 und 1994 Zivilisten und Kriegsgefangene verfolgt, vertrieben und unmenschlich behandelt zu haben. Die Anklage hatte mindestens 35 Jahre für Naletelic und 25 Jahre für Martinovic gefordert. Der Prozeß hatte im September 2001 begonnen. 22. Juni 2003 Acht Jahre nach Ende des Bosnien-Krieges ruft Papst Johannes Paul II. während eines Gottesdienstes in Banja Luka Serben, Kroaten und Moslems eindringlich zu einem Schlußstrich unter alle Feindseligkeiten auf und spricht den 1928 verstorbenen Intellektuellen Ivan Merz selig. 31. Juli 2003 Das UN-Tribunal für das frühere Jugoslawien in Den Haag (ICTY) verurteilt zum ersten Mal einen Angeklagten wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im früheren Jugoslawien zu lebenslanger Haft: Der bosnische Serbe Milomir Stakic war 1992 höchster Zivilbeamter in der Stadt Prijedor. Damit war er nach Ansicht des Gerichts auch verantwortlich für die Vorgänge in drei berüchtigten Lagern, in denen unzählige Bosniaken und Kroaten gefoltert und ermordet wurden. 22. August 2003 Die während des Bosnienkriegs bei heftigen Gefechten zwischen Moslems und Kroaten im November 1993 zerstörte historische Brücke in Mostar wird wieder eröffnet. Während einer Feier wird in die geschwungene Brücke „Stari Most“ der 456. und letzte Stein von Arbeitern eingefügt. Die Brücke wurde 1566 erbaut als in Mostar die Türken herrschten und stand als Symbol der moslemischen Kultur unter dem Schutz der UNESCO. Für viele war sie die Verbindung zwischen Ost und West, zwischen Islam und Christentum. Doch auch neun Jahre nach Kriegsende gibt es in Mostar nur wenige Kontakte zwischen beiden Seiten. 19. Oktober 2003 Ex-Staatspräsident Alija Izetbegovic (1992-98) stirbt 78jährig in einem Krankenhaus in Sarajevo. Er führte die bosnischen Moslems im Unabhängigkeitskrieg von 1992 bis 1995, in dem Bosnien-Herzegowina die staatliche Loslösung von Jugoslawien erzwang, und war später Mitglied des kollektiven Staatspräsidiums des Landes. 13. November 2003 Der Präsident von Serbien und Montenegro, Svetozar Marovic, entschuldigt sich bei Bosnien für die Verbrechen im Krieg 1992-1995. „Für das Unrecht, das alle hier erlitten haben, bitten wir um Entschuldigung“, sagt er während eines Aufenthalts in Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina. In Bosnien-Herzegowina hatte die moslemische und kroatische Bevölkerung am 29. Februar 1992 für die Unabhängigkeit der Republik gestimmt. Die bosnischen Serben sagten diesem Schritt den Kampf an. Es begann ein blutiger Bürgerkrieg, dem schätzungsweise 260.000 Menschen zum Opfer fielen. 2. Dezember 2003 Das UN-Tribunal für das frühere Jugoslawien in Den Haag (ICTY) verurteilt den bosnisch-serbischen Offizier Momir Nikolic wegen Beteiligung am Massenmord von Moslems im Sommer 1995 bei der bosnischen Stadt Srebrenica zu 27 Jahren Haft. Der 48jährige alte Untergebene des serbischen Srebrenica-Eroberers General Radislav Krstic hatte im Mai überraschend gestanden, daß er an der Planung und Vorbereitung des Massakers an mehr als 7.000 Moslems im Bosnien-Krieg mitwirkte. 5. Dezember 2003 Der bosnisch-serbische General Stanislav Galic wird vom UN-Tribunal für das frühere Jugoslawien in Den Haag (ICTY) wegen einer Terrorkampgagne gegen die Einwohn von Sarajevo zu 20 Jahren Haft verurteilt. Es ist das erste Mal, daß ein Truppenkommandeur wegen Terror angeklagt war. Galic befahl seinen Einheiten während der Belagerung Sarajevos, auf die Zivilbevölkerung zu schießen. Zahlreiche Einwohner wurden bei alltäglichen Besorgungen oder durch die Fenster ihrer Wohnungen erschossen. 10. Dezember 2003 Der bosnisch-serbische Major Dragan Obrenovic wird vom UN-Tribunal für das frühere Jugoslawien in Den Haag (ICTY) wegen Beteiligung am Massenmord von über 7.000 Moslems im Sommer 1995 bei der bosnischen Stadt Srebrenica zu 17 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht hält sich damit im Rahmen des Strafantrags. Der Staatsanwalt hatte nach einem Teilgeständnis des Offiziers 15 bis 20 Jahre Haft wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gefordert. Der Vorwurf der Beihilfe zum Völkermord war nach dem Geständnis zurückgezogen worden. 30. Juni 2004 Der internationale Bosnien-Verwalter Paddy Ashdwon enthebt 60 ranghohe Funktionäre der bosnischen Serbenrepublik ihrer Ämter, darunter Innenminister Zoran Djeric und Parlamentspräsident Dragan Kalinic. Ihnen wird unzureichende Zusammenarbeit mit dem UN-Tribunal in Den Haag und indirekter Schutz flüchtiger Kriegsverbrecher wie Serbenführer Radovan Karadzic zu Last gelegt. 2. Dezember 2004 Die Europäische Union löst mit ihrer bislang größten Militäraktion in Bosnien-Herzegowina die NATO ab, d.h. die von der NATO geführte SFOR gibt das Kommando an die EUFOR ab, an deren Spitze der britische General David Leakey steht. Damit geht der 1995 begonnene erste Kampfeinsatz in der NATO-Geschichte zu Ende. Die meisten der 7.000 Soldaten werden aber trotz des Wechsels weiter Dienst tun. Lediglich die rund 1.000 US-Soldaten werden gegen finnische Verbände ausgetauscht. Soldaten aus der Türkei und aus Kanada gehören der EU-Truppe jedoch weiter an, die u.a. mutmaßliche Kriegsverbrecher jagen wird, die auch neun Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges (1992-95) mit Hilfe lokaler Behörden untergetaucht sind. Daneben stehen der Kampf gegen das organisierte Verbrechen sowie die Reform der bosnischen Streitkräfte als Voraussetzung für eine spätere NATO-Mitgliedschaft im Vordergrund. Quelle: Areion Weltalamanach Literatur zu Bosnien-Herzegowina...Ivo Andric Schriftsteller, Botschafter geboren: 10.10.1892 (Travnik) gestorben: 13.03.1975 (Belgrad) Die Brücke über die Drina - Roman (1945 (deutsch: 1953)); Wesire und Konsuln - Roman (1945); Das Fräulein - Roman (1945) Nobelpreis für Literatur 1961 Literatur... Alija Izetbegovic Politiker, Staatspräsident von Bosnien-Herzegowina (1992-98) geboren: 08.08.1925 (Bosanski Šamac) gestorben: 19.10.2003 (Sarajevo) Literatur... Radovan Karadzic Psychiater, Politiker geboren: 19.06.1945 (Petnica (Montenegro)) Literatur... Quelle: Areion WeltalamanachDruckversion dieser Seite |