|
Republik BolivienChronik Überblick Basisdaten
Ab 4000 v. Chr. Im Gebiet des heutigen Bolivien leben verschiedene Volksstämme (Nachkommen einer mongoloiden Rasse, die ab etwa 40.000 v. Chr. über eine damals bestehende Landbrücke von Nordostasien [Sibirien] nach Nordamerika [Alaska] gekommen und im Laufe der Jahrtausende immer weiter nach Süden vorgedrungen war). Ab 200 n. Chr. Im Titicaca-Becken (mit knapp 8.300 Quadratkilometern ist der Titicaca-See der größte Südamerikas; heute gehört ein Teil zu bolivianischem und der andere zu peruanischem Staatsgebiet) entwickelt sich bis etwa 800 n. Chr. das Reich der Aymará mit dem stadtähnlichen Zentrum Tiahuanaco, das in seiner Blützeit bis zur pazifischen Küste reicht. Ab 1450 Der Inkaherrscher Pachacutec Yupanqui beginnt nach der Unterwerfung der Volksstämme im heutigen Kolumbien und Ecuador mit der Ausdehnung seines Reiches in Richtung Süden. Um 1500 Das riesige Reich der Inka erstreckt sich über zwei Millionen Quadratkilometer und umfaßt damit nahezu das gesamte Gebiet aller heutigen Andenstaaten (Süd-Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Nord- und Mittel-Chile, Nordwest-Argentinien). Zentrum dieses gigantischen Reiches ist Cuzco im heutigen Peru. Ab 1528 Innerhalb weniger Jahre erobern die Spanier das Gebiet des heutigen Peru, zerstören 1532 die Inka-Hauptstadt Cuzco und beginnen mit dem Massenmord an den Indianern (Christoph Kolumbus wähnte sich bei seiner Landung auf der Karibik-Insel Guanahani im Jahre 1492 auf einer Insel im Indischen Ozean; seither werden die Ureinwohner des gesamten Doppelkontinents als „Indios“ bzw. „Indians“ bezeichnet). Nachdem die kriegerischen Inka mehr oder weniger ausgerottet sind (der letzte Inka-König Túpac Amarú wird jedoch erst 1572 besiegt und hingerichtet) und die übrigen Indianerstämme versklavt sind, beginnen die spanischen Konquistadoren mit der Erforschung und Kolonisierung der südlichen Andenstaaten. 1538 Die Spanier Francisco Pizarro und Diego de Almagro erobern das Gebiet des heutigen Bolivien. 1539 Die Spanier gründen in 2.600 Meter Höhe die Stadt Chuquisaca (das heutige Sucre – laut Verfassung Hauptstadt Boliviens; die Regierung ist jedoch bereits 1875 ins 3.600 Meter hochgelegene La Paz [Frieden] umgezogen). 1543 Das Gebiet des heutigen Bolivien wird unter dem Namen „Alto-Peru“ (Ober-Peru) dem neugegründeten spanischen Vize-Königreich Peru angeschlossen. 1545 Die Spanier entdecken im Südwesten des heutigen Bolivien riesige Silbervorkommen und gründen in 4.000 Meter Höhe am Fuß des legendären „Silberberges“ die Stadt Potosí, die innerhalb kürzester Zeit zur größten Stadt Amerikas und zur reichsten Stadt der Welt aufsteigt. Bis zum Beginn der Unabhängigkeitskriege Anfang des 18. Jahrhundertst stellen die Minen von Potosí, in denen die indianische Bevölkerung zur Arbeit gezwungen wird (fast acht Millionen kommen dabei ums Leben) die Hauptquelle des immensen spanischen Silberreichtums dar. 1776 Ober-Peru wird, wie auch die heutigen Staatsgebiete von Paraguay, Uruguay und (Nord-) Argentinien dem neuerrichteten spanischen Vize-Königreich (Río de) La Plata angegliedert. 1780 Im Vize-Königreich Peru kommt es zum ersten großangelegten Volksaufstand gegen das spanische Kolonialregime. Anführer der Rebellion, die von der Armee niedergeschlagen wird, ist José Gabriel Condorcanqui, der sich nach dem letzten, 1572 von den spanischen Eroberern ermordeten Inka-König „Túpac Amarú“ benennt. Ab 1800 In ganz Südamerika nehmen die Bestrebungen nach politischer Unabhängigkeit von den europäischen Kolonialmächten zu. Ab 1816 Nachdem der Freiheitskämpfer José de San Martín mit seiner Armee die spanischen Truppen endgültig aus dem Gebiet des heutigen Argentinien vertrieben hat, überquert er die Anden, verhilft so Chile zur Unabhängigkeit und rückt unaufhaltsam weiter in Richtung Peru vor, das er nach seinem Einmarsch in Lima im Juli 1821 für unabhängig vom einstigen Mutterland Spanien erklärt. Gleichzeitig beginnt von Norden aus der Venezolaner Simón Bolívar mit seinem erfolgreichen Kriegszug gegen die Oberherrschaft Spaniens. 9. Dezember 1824 Antonio José de Sucre, einem aus Venezuela stammenden Feldherrn von Simón Bolívar (inzwischen Präsident von Großkolumbien [Kolumbien, Ecuador, Venezuela, Panama]), gelingt mit seinem Sieg in der Schlacht bei Ayacucho (Peru) die endgültige Vertreibung der spanischen Kolonialherren aus Peru und Ober-Peru. 6. August 1825 General José de Sucre erklärt Ober-Peru unter dem Namen „República de Bolivia“ (zu Ehren des Freiheitskämpfers Simón Bolívar) für unabhängig von der spanischen Krone. Offiziell wird Simón Bolívar erster Staatspräsident des jungen Staates, regiert jedoch nur kurze Zeit selbst und macht dann seinen Vertreter José de Sucre zum Staatsoberhaupt Boliviens. 1828 Präsident Josè de Sucre wird gestürzt, Marschall Andrés Santa Cruz übernimmt die Macht in Bolivien und hebt die von Simón Bolívar geschaffene Verfassung wieder auf. Sein Ziel ist die Errichtung eines südamerikanischen Großreichs nach dem Vorbild des Inka-Reiches. Es entwickelt sich eine Oligarchie der reichen Großgrundbesitzer („Zinnbarone“), die Zinn und andere Erze vor allem an die USA liefern. Die überwiegend indianische Bevölkerung lebt in einer Art Leibeigenschaft. (Im Gegensatz zu anderen südamerikanischen Staaten haben sich die Indianer Boliviens nur wenig mit den europäischen Siedlern vermischt und konnten sich bis heute ihre Kultur größtenteils bewahren; heute sind ihre Sprachen – Ketschua und Aymará – sogar offiziell als Amtssprachen anerkannt.) 1836 Die Truppen des bolivianischen Präsidenten Andrés Santa Cruz gewinnen einen Feldzug gegen Peru, und es kommt zur (gewaltsamen) Bildung einer Union zwischen den beiden Ländern. (Andrés Santa Cruz hat sich die Bildung eines südamerikanischen Großreiches nach dem Vorbild der Inka zum Ziel gesetzt.) 1839 Chilenische und argentinische Truppen marschieren in Peru ein und erzwingen die Auflösung der peruanisch-bolivianischen Union. Nach dem Sturz des bolivianischen Diktators Andrés Santa Cruz verfällt das Land der Anarchie. Jahrzehntelang kommt es in Bolivien zu innermilitärischen Auseinandersetzungen um die politische Macht und zu zahlreichen (erfolglosen) Aufständen der armen Bauern gegen die reichen Großgrundbesitzer. Ab 1875 Bolivien erlebt dank des Zinn- und Silberabbaus sowie der Kautschuk- und Chinarindengewinnung einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung. La Paz wird Regierungssitz und Wirtschaftszentrum. 5. April 1879 Grenzkonflikte mit Chile führen zum sogenannten „Salpeterkrieg“, der 1884 mit der Niederlage Boliviens endet. Bolivien muß die salpeter- und kupferreiche Provinz Atacama (Antofagasta) und die Küstenprovinz Tarapacá (Arica) an Chile abtreten. Dadurch verliert Bolivien seinen direkten Zugang zum Meer. (Paraguay und Bolivien sind die einzigen Binnenländer Südamerikas.) Chile verpflichtet sich allerdings zum Bau der Eisenbahnlinie Arica-La Paz, um Bolivien einen indirekten Zugang zum Pazifischen Ozean zu ermöglichen. 1904 Nach einem Grenzstreit mit Brasilien tritt Bolivien das Kautschukgebiet Acre (fast 200.000 Quadratkilometer) gegen eine Entschädigungszahlung an Brasilien ab. Im Gegenzug verpflichtet sich Brasilien zum Bau einer Eisenbahnlinie zwischen dem Río Mamoré und dem Río Madeira. 1932 Beginn des bolivianisch-paraguyanischen „Chaco-Krieges“, in dem die beiden Länder um das vermeintlich erdölreiche Gran Chaco-Gebiet kämpfen und Bolivien außerdem einen indirekten Zugang zum Atlantischen Ozean über den Río Paraguay zu erlangen sucht. 1935 Der „Chaco-Krieg“ endet mit der Niederlage Boliviens, und es muß das Gran Chaco-Gebiet an Paraguay abtreten. Damit hat Bolivien in den vergangenen 120 Jahren rund ein Drittel seines ursprünglichen Territoriums eingebüßt. Ab 1936 In Bolivien kommt es aufgrund wirtschaftlicher und sozialer Mißstände zu zahlreichen Staatsstreichen. Die Militärregierungen stehen bis 1952 in ständiger Konfrontation mit den Minen- und Großgrundbesitzern, die die eigentlichen Herren im Lande sind. 16. April 1952 Nach einem landesweiten Volksaufstand bricht in Bolivien die Regierungsgewalt der alten Oberschicht zusammen. Die während des Zweiten Weltkriegs gegründete nationalistische Massenpartei „Movimiento Nacionalista Revolucionario“ (MNR) gewinnt die Wahlen und Victor Paz Estenssoro wird neuer Staats- und Regierungschef. Er entwaffnet das Militär, bewaffnet die Arbeitermilizen und führt das allgemeine Wahlrecht ein. Mit der Verstaatlichung der Bergbauunternehmen und einer rigorosen Agrarreform (Landvergabe an die indianische Bevölkerung) beendet er zwar die Vormachtstellung der „Zinnbarone“ und gibt den Bauern und Bergwerksarbeitern erstmals ein politisches Mitspracherecht, bringt Bolivien jedoch an den Rand des wirtschafltichen Ruins. 1953 Die bolivianischen Indianer werden formal zu gleichgerechtigen Staatsbürgern, bleiben jedoch aufgrund fehlender Bildung weiterhin stark benachteiligt. (Trotz allgemeiner Schulpflicht besuchen auch heute noch nur 40% eine Schule.) 17. Juni 1956 Hernán Siles Zuazo löst Victor Paz Estenssoro im Amt des bolivianischen Staats- und Regierungschefs ab. Ihm gelingt es nur in Ansätzen, das Land aus der wirtschaftlichen Misere herauszuführen. 6. August 1960 Victor Paz Estenssoro wird erneut zum Staats- und Regierungschef Boliviens gewählt. Er will die Gewerkschaftsmitglieder aus der Regierung verdrängen und zieht sich damit den Unmut der Arbeiter zu. 1964 Victor Paz Estenssoro wird zum dritten Mal zum Staatsoberhaupt Boliviens gewählt, jedoch wenig später, nachdem es zu landesweiten Arbeiter- und Bauernaufständen gekommen war, vom Militär gestürzt, das fortan die alleinige politische Macht in Bolivien ausübt und jegliche Oppositionsbewegung blutig unterdrückt. 1967 In Bolivien wird eine neue Verfassung verabschiedet; diese wird von den Militärs, die keine Wahlen zulassen, jedoch weitgehend ignoriert. Der aus Argentinien stammende Arzt und Guerillaführer Ernesto „Che“ Guevara (er hatte ab 1956 bis 1958 an der Seite Fidel Castros in Kuba gegen den dortigen Diktator Fulgencio Batista gekämpft und nach dem Sieg der Rebellen dort verschiedene Staatsämter innegehabt) stürzt General René Barrientos Ortuño, wird jedoch wenig später von dessen Anhängern (mit Unterstützung von in den USA ausgebildeten Rangertruppen) gefangengenommen und erschossen. 1969 Der Sozialdemokrat Luis A. Siles Salinas wird zum Staatspräsidenten Boliviens gewählt, kurz nach seinem Amtsantritt jedoch von Alfredo Ovando Gandía, dem Oberbefehlshaber der Armee, gestürzt. Die Situation der ohnehin geschwächten Wirtschaft verschlimmert sich durch Kapitalflucht und Währungsverfall drastisch. 6. Oktober 1970 Ein erneuter Putsch bringt in Bolivien General Juan José Torres González an die Macht. 21. August 1971 Ein weiterer Putsch bringt in Bolivien General Hugo Bánzer Suárez an die Macht. 1972 Der Peso muß um 40 Prozent abgewertet werden. Dies führt erneut zu landesweiten Streiks und Unruhen, und Staatspräsident Hugo Bánzer Suárez muß den Ausnahmezustand ausrufen. 1974 Der Absatz bolivianischen Erdgases wird durch die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Brasilien im „Vertrag von Cochabamba“ gesichert. 1978 Präsident Hugo Bánzer Suárez läßt nach einem Hungerstreik der Bergwerksarbeiter Wahlen zu, die wegen angeblichen Betrugs vom Obersten Gericht in Sucre jedoch anulliert werden. Innerhalb kürzester Zeit folgen drei Militärputsche, aus denen Ende des Jahres General David Padilla Arancibia als Sieger hervorgeht. Juli 1979 In Bolivien werden die ersten freien Wahlen abgehalten; Walter Guevara Arze von der PRA (Partido Revolucionarion Auténtico) wird neuer Staatschef; doch auch er wird kurz darauf vom Militär unter Alberto Natusch Busch gestürzt. 16. November 1979 Aufgrund erneuter landesweiter Unruhen muß Staatsoberhaupt Alberto Natusch Busch zurücktreten, und die Parlamentspräsidentin Lydia Gueiler Tejada wird als Übergangsspräsidentin eingesetzt. Juni 1980 Übergangspräsidentin Lydia Gueiler Tejada setzt Neuwahlen an, die Hernán Siles Zuazo (er war bereits von 1956-60 bolivianisches Staatsoberhaupt) von der UDP (Unión Democrátia Popular) gewinnt. Das Militär erklärt die Wahlen für ungültig und übernimmt mit General Luis García Meza an der Spitze ein weiteres Mal die Macht in Bolivien. 10. Oktober 1982 Aufgrund der katastrophalen Wirtschaftslage Boliviens kommt es zu erneuten Massenaufständen, und das Militärregime muß demokratische Wahlen zulassen, die Hernán Siles Zuazo gewinnt. Damit erhält Bolivien nach 18 Jahren absoluter Militärherrschaft (und 192 Staatsstreichen seit der Gründung im Jahre 1825) erstmals wieder ein ziviles Staats- und Regierungsoberhaupt. Da er zur Verbesserung der Wirtschaftssituation rigorose Sparmaßnahmen ergreift, die größtenteils zu Lasten der Sozialstruktur gehen, stößt Präsident Hernán Siles Zuazo auf den Widerstand der Gewerkschaften. 1984 Aufgrund der schlechten Versorgungslage der Bevölkerung kommt es in Bolivien erneut zu blutigen Massendemonstrationen. 6. August 1985 Victor Paz Estenssoro gewinnt die Präsidentenwahlen ein weiteres Mal und löst Hernán Siles Zuazo im Amt ab. Aufgrund des galoppierenden Preisverfalls für Zinn sieht er sich gezwungen, über die Hälfte der Zinnbergwerke schließen. Damit stehen sozusagen über Nacht rund 20.000 Arbeiter auf der Straße. Die Inflationsrate steigt auf 24.000 Prozent an. 1988 Planungsminister und Bergwerksbesitzer Gonzalo Sánchez de Lozada Bustamente gelingt es, die Inflationsrate auf 18 Prozent zu senken. 6. August 1989 Jaime Paz Zamorra wird neues Staatsoberhaupt Boliviens und führt die Politik seines Vorgängers im großen und ganzen fort. Darüber hinaus bemüht er sich, den illegalen Koka-Anbau (der Schmuggel mit Koka-Blättern ist die Haupteinnahmequelle der armen Landbevölkerung) einzudämmen und den Anbau von Getreide und Gemüse zu fördern. (Die Lebensmittelproduktion deckt den Bedarf des Landes bei weitem nicht.) 31. Januar 1992 Der peruanische Präsident Fujimori sagt Bolivien eine auf 50 Jahre befristete Freihandelszone und Nutzungsrechte für den Pazifik-Hafen von Ilo (Peru) sowie Fischfangrechte in peruanischen Gewässern zu. Darüber hinaus erhält Bolivien einen über 1.400 Kilometer langen Transitkorridor von seiner Grenze bis zur Pazifikküste. Anfang 1993 Bolivien und Brasilien unterzeichnen einen Vertrag, der den Bau einer größtenteils von Brasilien finanzierten fast 2.300 Kilometer langen Erdgasleitung vom bolivianischen Campo Grande bis in den brasilianischen Bundesstaat São Paulo vorsieht. 6. Juni 1993 Bei den Präsidentschaftswahlen kommt es zur Stichwahl zwischen Ex-Planungsminister und Bergwerksbesitzer Gonzalo Sánchez de Lozada Bustamente und Ex-Diktator Hugo Bánzer Suárez, aus der Lozada als Sieger hervorgeht und zum neuen Staatsoberhaupt Boliviens wird. Mit Victor Hugo Cárdenas als Vizepräsident zieht erstmals ein Vertreter der indianischen Urbevölkerung in die bolivianische Regierung ein. 12. März 1994 Ex-Militärdiktator Luis Carcía Meza wird in Abwesenheit (er lebt seit Jahren in Brasilien) zu 30 Jahren Haft ohne Bewährungs- oder Begnadigungsmöglichkeit verurteilt. Daraufhin liefert ihn Brasilien an Bolivien aus. 1995 Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada Bustamente ist bemüht, die Wirtschaft des derzeit ärmsten Landes Lateinamerikas (18% Arbeitslose) zu sanieren. Zu diesem Zweck will er die bolivianischen Staatsbetriebe zur Hälfte an ausländische Unternehmen verkaufen. Anfang 1996 Präsident Gonzalo Sánchez de Lozado Bustamente bemüht sich mit Hilfe von Weltbank-Krediten (rund 100 Milliarden US-Dollar) um soziale Reformen in Bolivien. Zur Verbesserung der Lebensbedingungen für die Bevölkerung (über 70% der Bevölkerung gilt als arm und 40% leben in menschenunwürdigen Verhältnissen) beginnt er mit dem Bau von Kranken- und Sozialstationen und Schulen. August 1996 Bei Potosí (war einst das Zentrum der spanischen Silberminen) bricht der Staudamm einer Zinkmine und 400.000 Tonnen blei-, cadmium- und arsenhaltiger Abraum (bereits ausgebeutete Erd- und Gesteinsmassen) werden weggespült und vergiften die Gewässer der Umgebung. 4. September 1996 Bolivien und Brasilien unterzeichnen nach mehrjährigen Verhandlungen einen Vertrag, der den Bau einer Erdgasleitung von Bolivien nach Brasilien vorsieht. Dezember 1996 Im Norden von Potosì treten in mehreren staatseigenen Goldminen die Arbeiter in den Ausstand. Sie fordern u.a. Lohnerhöhungen und bessere Arbeitsbedingungen. Die Streiks werden von den Sicherheitskräften gewaltsam beendet. Dabei kommen rund ein Dutzend Arbeiter ums Leben. 1. Januar 1997 Obwohl sich die Wirtschaftslage in Bolivien leicht gebessert hat, ist das Land noch immer das ärmste in ganz Südamerika. Der Versuch von Präsident Gonzalo Sánchez de Lozado Bustamente, die staatlichen Bergwerksbetriebe zur Hälfte an ausländische Investoren zu verkaufen, ist bisher nur teilweise gelungen. Ein großes Problem stellt hierbei die schlechte Infrastruktur Bolivens dar (von rund 25.000 Kilometern Straßen sind nur etwa 3.000 Kilometer asphaltiert, und die beiden Eisenbahnstrecken mit insgesamt 4.500 Kilometern bedürfen dringend einer Sanierung). 2. Juli 1997 Die sterblichen Überreste des 1967 erschossenen Guerillaführers Ernesto „Che“ Guevara, den seine Mörder damals an einem unbekannten Ort verscharrt hatten und der nun nach jahrlangem Suchen in einem bolivianischen Andendorf gefunden worden war, wird auf Wunsch seiner in Kuba lebenden Familie dorthin ausgeflogen und in Anwesenheit seines einstigen Freundes, des kubanischen Staatspräsidenten Fidel Castro, ehrenvoll empfangen (bevor „Che“ Guevara zum „commandante“ der bolivianischen Revolution geworden war, hatte er 1956 bis 1958 an der Seite Castros gegen den damaligen kubanischen Diktator Fulgencio Batista gekämpft und dessen Sturz herbeigeführt). Fidel Castro will seinem einstigen Mitstreiter nun ein Mausoleum errichten lassen. 6. August 1997 Der 71jährige Ex-Diktator Hugo Bánzer Suárez (1971-78) wird erneut bolivianischer Staatspräsident. Dieses Mal wurde er allerdings nach einem Wahlkampf, in dem er Arbeit und Brot für die Ärmsten versprach, demokratisch gewählt. Er will mit seiner nationalistischen Partei ADN, der linken MIR und einer weiteren populistischen Partei eine Koalitionsregierung bilden. Den USA verspricht Bánzer, die Kokain-Produktion innerhalb von fünf Jahren auf Null zu senken. (In der Region Chapare wird trotz Verbots auf über 30.000 Hektar Land Koka angebaut.) Mitte Februar 1998 Bei einem Erdrutsch in einem Goldgräbercamp etwa 240 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt La Paz kommen 50 Menschen ums Leben. 1. April 1998 Die Staatschefs der fünf Andenstaaten Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Peru und Venezuela unterzeichnen in der ecuadorianischen Hafenstadt Guayaquil ein Abkommen, das eine engere Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft und Drogenbekämpfung vorsieht. 22. Mai 1998 Bei einem schweren Erdbeben der Stärke 6,8 auf der nach oben offenen Richter-Skala kommen in Südbolivien mindestens 70 Menschen ums Leben. 5. Dezember 1999 Bei landesweiten Kommunalwahlen gehen die Oppositionsparteien MNR (Movimiento Nacionalista Revolucionario) und MIR (Movimiento de la Izquierda Revolutionaria) mit 19,7 Prozent und 14,7 Prozent der abgebenen Stimmen als Sieger hervor. Die ADN (Acción Democrática Nationalista) von Präsident Hugo Bánzer Suárez erreicht nur 13 Prozent und fällt damit auf den dritten Platz zurück. Februar 2000 Der Internationale Währungsfonds (IWF) räumt Bolivien, dem von seinen Gläubigerstaaten im Januar fast eine Milliarde US-Dollar seiner Schulden erlassen wurden, einen Kredit von rund 50 Millionen US-Dollar ein, nachdem sich die Regierung in La Paz zu wirtschaftspolitischen Reformmaßnahmen verpflichtet hat. Mitte April 2000 Nach wochenlangen schweren landesweiten Unruhen aufgrund drastischer Preiserhöhungen für Nahrungsmittel, Strom, Wasser und Benzin – vor allem Indio-Bauern (Campesinos), aber auch Lehrer und Studenten, hatten sich mit den Sicherheitskräften blutige Auseinandersetzungen geliefert, die mehrere Tote und zahlreiche Verletzte forderten – sieht sich die Regierung in La Paz gezwungen, u.a. die Erhöhung der Wassergebühren um 20 Prozent zurückzunehmen. (Die Mehreinnahmen sollten für den Bau eines neuen Staudamms verwendet werden). 21. April 2000 Staatspräsident Hugo Bánzer Suárez gesteht seine Fehler während der Zeit der Militärherrschaft öffentlich ein und bittet um Verzeihung für die Verfolgung von Regimegegnern während seiner Regierungszeit von 1971 bis 1978. 28. Februar 2001 Bei Überschwemmungen und Erdrutschen nach ungewöhnlich starken Regenfällen sind in Bolivien seit Jahresbeginn mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen. Landesweit wurden etwa eine viertel Million Menschen von den Fluten geschädigt. 20. April 2001 Im kanadischen Québec findet eine dreitägige Gipfelkonferenz aller 34 Staats- und Regierungschefs des amerikanischen Doppelkontinents mit Ausnahme Kubas statt. Hauptthema ist eine Konkretisierung des seit langem angestrebten Mammut-Projekts der panamerikanischen Freihandelszone von Alaska bis Feuerland, die bis zum 1. Januar 2005 (unter Ausschluß Kubas) geschaffen werden soll. Eine „Demokratieklausel“ soll sicherstellen, daß nur demokratische Staaten der größten Freihandelszone der Welt beitreten können, die wegen der verschiedenen Sprachen vier offizielle Bezeichnungen haben wird (Englisch: Free Trade Area of the Americas/FTAA, Spanisch: Área de Libre Comercio de las Américas/ALCA, Portugiesisch: Área de Livre Comércio de las Américas/ALCA, Französisch: Zone de libre-échange des Amériques/ZLEA). Der „Summit of the Americas“ ist überschattet von gewalttätigen Demonstrationen von Globalisierungsgegnern. Fast 100 Menschen werden z.T. schwer verletzt, darunter drei Dutzend Sicherheitskräfte. 12. Juni 2001 Weltbank und Internationaler Währungfonds (IWF) erlassen Bolivien rund eine halbe Milliarde US-Dollar bzw. etwa 35 Prozent seiner Auslandsschulden unter der Bedingung, daß die freiwerdenden Mittel aus dem Schuldendienst den Armen zugute kommen. Um zu gewährleisten, daß das Geld auch tatsächlich dort ankommt, wo es am dringendsten benötigt wird, und nicht in dunklen Kanälen versickert, hat die bolivianische Regierung (gezwungenermaßen) die katholische Kirche des Landes um ihre Mithilfe gebeten. 6. August 2001 Während der Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag des Landes von Spanien im Jahre 1825 gibt Boliviens Staatspräsident Hugo Bánzer Suárez im Anschluß an seine jährliche Rede zur Lage der Nation in Sucre offiziell seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen bekannt. Die Regierungsgeschäfte hatte der an Lungen- und Leberkrebs leidende 76-Jährige bereits Ende Juli an seinen 41jährigen Stellvertreter Jorge Quiroga Ramirez abgegeben. 21. Februar 2002 Ein schweres Unwetter mit Hagel und stundenlangem, sintflutartigem Regen verwandelt die Straßen der Hauptstadt La Paz in reißende Ströme. Von den Wassermassen werden mindestens sechs Dutzend Menschen in den Tod gerissen. Über 100 Menschen werden z.T. schwer verletzt. 30. Juni 2002 Bei den Präsidenten- und Parlamentswahlen erringt die MNR (Revolutionäre Nationalistische Bewegung) mit ihrem Spitzenkandidaten Gonzalo Sánchez de Lozada Bustamente 22,5 Prozent der Stimmen. Auf Platz zwei kommt die NFR (Neue Republikanische Kraft) von Manfred Reyes Villa mit 21 Prozent, gefolgt von der MAS (Bewegung zum Sozialismus) von Bauernführer Evo Morales mit 20 Prozent. Das bolivianische Parlament muß nun verfassungsgemäß bis zum 6. August zwischen den beiden auf dem ersten und dem zweiten Platz liegenden Kandidaten den Staatspräsidenten für die nächsten fünf Jahre wählen. 6. August 2002 Das bolivianische Parlament wählt nach einer 24stündigen Marathonsitzung mit 85 von 157 Stimmen den 72jährigen Goldminenbesitzer und Multimillionär Gonzalo Sánchez de Lozada Bustamente zum Nachfolger von Staatspräsident Jorge Quiroga Ramirez, der im Juli 2001 das Amt für den an Krebs erkankten und am 5. Mai 2002 verstorbenen Hugo Bánzer Suárez übernommen hatte. Lozada war bereits von 1993 bis 1997 Staatschef Boliviens. Bei der Volkswahl am 30. Juni hatte er 22,5 Prozent der Stimmen erreicht, sein Hauptkonkurrent, der Sozialist Evo Morales, 20,9 Prozent, für den im zweiten Wahlgang nur 43 Abgeordnete stimmen. Für den Fall seines Sieges hatten die USA mit der Einstellung der Anti-Drogen-Programme gedroht, da er als Anführer der Koka-Bauern den Anbau von Koka-Pflanzen legalisieren wollte. 13. Februar 2003 Nach zweitägigen bürgerkriegsähnlichen Unruhen in der Hauptstadt La Paz, bei denen über zwei Dutzend Menschen getötet und mehr als 150 weitere z.T. schwer verletzt wurden, erklärt Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada in einer Fernsehansprache, daß er angeordnet habe, den Haushaltsentwurf für 2003, der u.a. drastische Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen vorsah, zurückzuziehen. Zuvor hatte er das Militär zur Beruhigung der explosiven Lage eingesetzt, da sich auch die Polizei an den von Plünderungen begleiteten Protestkundgebungen gegen die Abgabenerhöhungen beteiligte. Daraufhin hatten sich vor dem Präsidentenpalast Militär und Polizei, die in Bolivien traditionell miteinander rivalisieren, heftige Feuergefechte geliefert. Die Opposition, insbesondere der Anführer der Kokabauern, Evo Morales, der bei den Wahlen um das Präsidentenamt am 6. August 2002 der schärfste Konkurrent von Sánchez war und fast 21 Prozent der Stimmen erhalten hatte, und dessen Partei MAS (Bewegung zum Sozialismus) fordern die Regierung zum wiederholten Male zum Rücktritt auf. Seit seinem Amtsantritt sieht sich Sánchez immer wieder mit Sozialunruhen und Rücktrittsforderungen konfrontiert . Vor allem das Programm zur Reduzierung des Koka-Anbaus führte zu Protestaktionen. Zuletzt blockierten im Januar Kokabauern zwei Wochen lang wichtige Hauptverkehrsstraßen im ganzen Land. In der Region Chapare fordern mehr als 30.000 Familien eine unbeschränkte Koka-Produktion. Der traditionelle Konsum von Koka, das u.a. zur Herstellung von Tees verwendet wird, die gegen die Höhenkrankheit wirksam sind, sei gestiegen, führen sie zur Begründung an. Der Regierung in La Paz werfen sie Verschwendung der internationalen Zuwendungen zur Förderung des Anbaus von Ersatzkulturen vor. 1. August 2003 Im bolivianischen Santa Cruz gelingt Drogenfahndern der größte Schlag gegen den internationalen Drogenschmuggel seit einem Jahrzehnt: Zwei Tonnen Kokain im Wert von 120 Millionen US-Dollar, die nach Spanien verschickt werden sollten, werden beschlagnahmt und zwei Dutzend Personen festgenommen. 18. Oktober 2003 Nach wochenlangen blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in der Industriestadt El Alto und dem benachbarten Regierungssitz La Paz mit mindestens 80 Toten und 400 Verletzten tritt Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada Bustamente zurück und setzt sich in die USA ab. Nachfolger wird verfassungsgemäß sein bisheriger Stellvertreter Carlos Mesa. Er bildet ein von den Parteien unabhängiges Kabinett aus Fachleuten, das sich um die Überwindung von Armut und sozialer Ungleichheit widmen soll. Als Geste an die Indiogemeinschaften, deren Protestaktionen den Sturz seines Vorgängers herbeiführten, schafft er ein Ressort für „Indigene Angelegenheiten“. Zudem besetzt er das Erziehungsministerium mit einem Angehörigen der Indio-Volksgruppen. Obwohl Mesa bis zu den nächsten regulären Wahlen 2007 uneingeschränkt regieren kann, bezeichnet er sich als Übergangspräsident und will Neuwahlen anberaumen. Auslöser zu der jüngsten Protestwelle war Lozadas Absicht, Erdgas über chilenische oder peruanische Häfen vor allem in die USA zu exportieren, obwohl die Grundversorgung mit Gas im Land selbst bislang äußerst unzureichend ist. Der „Gaskrieg“ hatte alle Sozialbewegungen und gewerkschaftlichen Gruppierungen zusammengeführt. Obwohl Lozada schließlich seine Exportpläne auf Eis legte und eine Volksabstimmung vorschlug, waren immer mehr Menschen durch die Straßen von La Paz gezogen und hatten seinen Rücktritt gefordert. Zeitweise waren alle wichtigen Straßen Boliviens blockiert und La Paz war zuletzt nahezu vollständig von der Versorgung mit Lebensmitteln und Treibstoff abgeschnitten. Evo Morales, der Anführer der Koka-Bauern und Konkurrent Lozadas bei den letzten Präsidentenwahlen am 30. Juni 2002, und der Führer der größten Bauerngewerkschaft, Felipe Quispe, die treibenden Kräfte der Protestbewegung, hatten den Rücktritt Lozadas zur Bedingung für eine Beendigung der Straßensperren, Streiks und Protestmärsche gemacht. 23. Dezember 2003 Beim Einsturz einer Brücke über den Hochwasser führenden Fluß Espititu Santo in der Provinz Cochabamba kommen mindestens 70 Menschen ums Leben. Die Brücke war Teil der Hauptfernstraße Boliviens, über die 70 Prozent des gesamten Güterverkehrs läuft. Seit Jahresbeginn wurde Bolivien von ungewöhnlich heftigen Regenfällen heimgesucht, die erhebliche Schäden in der Landwirtschaft und an der Infrastruktur verursachten. Ende März verloren mehrere tausend Familien ihre Häuser, als der Wasserspiegel des Titicacasee um über einen Meter anstieg, und Anfang April kamen fast 400 Menschen ums Leben, als in Nordbolivien ein von Goldschürfern regelrecht unterhöhlter Berghang ins Rutschen kam und ein ganzes Dorf unter einer Geröll- und Schlammlawine begraben wurde. Quelle: Areion Weltalamanach Literatur zu Bolivien...Hugo Bánzer Suárez Militär, Politiker, Staatspräsident von Bolivien (1971-78; 1997-2001) geboren: 10.05.1926 (Santa Cruz) gestorben: 05.05.2002 (Santa Cruz) Literatur... Simón Bolívar General, Widerstandskämpfer, Politiker geboren: 24.07.1783 (Caracas) gestorben: 17.12.1830 (Santa Marta) Literatur... Ernesto „Che" GuevaraEigentlicher Name: Ernesto Guevara Serna Arzt, Revolutionär, Politiker geboren: 14.06.1928 (Rosario) gestorben: 09.10.1967 (La Higuera (hingerichtet)) Literatur... Victor Paz Estenssoro Politiker, Staatspräsident von Bolivien (1952-56; 1960-64; 1985-89) geboren: 02.10.1907 (Tarija) gestorben: 08.06.2001 (Tarija) Literatur... Jaime Paz Zamora Politiker, Staatspräsident von Bolivien (1989-93) geboren: 15.04.1939 (Cochabamba) Literatur... Gonzalo Sánchez de Lozada Bustamente Industrieller, Politiker, Staatspräsident von Bolivien (1993-97; 2002-03) geboren: 01.07.1930 (Cochabamba) Literatur... Antonio José de Sucre Unabhängigkeitskämpfer, Staatspräsident von Bolivien (1826-30) geboren: 03.02.1795 (Cumaná) gestorben: 04.06.1830 (Beruescos (ermordet)) Literatur... Quelle: Areion WeltalamanachDruckversion dieser Seite |