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Benin

Republik Benin

 Basisdaten    Chronik


Geografie
Das Land
Die Republik Benin liegt in Westafrika und ist mit einer Fläche von 112.622 qkm eines der kleineren Länder auf dem afrikanischen Kontinent (etwa ein Drittel so groß wie Deutschland). Im Süden grenzt Benin an den Golf von Guinea (Atlantischer Ozean), die Küstenlinie ist etwa 125 km lang. Im Westen liegt Togo, im Nordwesten Burkina Faso, im Norden grenzt Benin an Niger und im Osten an Nigeria.
Die Küstenebene ist durch Lagunen, Sümpfe und Seen geprägt. In Richtung Norden steigt das Land allmählich zu einer Ebene (Terre de Barre) an, der sich nördlich das Plateau von Mittelbenin anschließt. Inselberge erreichen hier eine Höhe bis ca. 250 m. In Richtung Nordosten fällt das Land ab zum Grenzfluß Niger. Im Nordwesten Benins befindet sich die Kette der Atakora-Berge, die Höhen bis zu rund 650 m erreichen.
Die größten Flüsse in Benin sind der Niger im Norden des Landes und Ouémé, Couffo und Mano im Süden. Die Hauptstadt Porto Novo liegt im Süden des Landes, Regierungssitz ist die Hafenstadt Cotonou.

Klima
In Benin herrscht tropisches Klima mit gleichbleibend hohen Temperaturen das ganze Jahr über. Die durchschnittlichen Temperaturen betragen im Süden des Landes monatlich zwischen 26°C und 29°C, im Norden zwischen 24°C und 33°C. Im Süden von Benin fallen durchschnittlich zwischen 1000 und 1400 mm Niederschläge, hier gibt es zwei Regenzeiten (März bis Juli, Oktober). In Richtung Norden nehmen die Niederschläge ab, in Mittelbenin und im Nigerbecken werden zwischen 500 und 1000 mm gemessen, hier gibt es eine Regenzeit, die von Mai bis September dauert. Im Norden kommt es in den Monaten November bis April zum Auftreten eines heißen Wüstenwindes (Harmattan).

Flora und Fauna
Die ursprünglichen Bestände an tropischem Regenwald im Süden des Landes sind nur noch in kleinen Resten erhalten. Heute bestimmen Nutzpflanzen wie z.B. Öl- und Kokospalmen die Landschaft. Der größte Teil des Landes wird durch Feuchtsavanne eingenommen, auch hier ist der Baumbestand durch den Eingriff des Menschen (z.B. Brandrodung) dezimiert. In der Ebene des Niger findet sich Trockensavanne mit lichtem Baumbestand und kurzen Gräsern.
In Benin leben überwiegend Tierarten, die an das Leben in Feucht- und Trockensavanne angepaßt sind. Dazu gehören z.B. Antilopen, Büffel, Giraffen, Warzenschweine, Flußpferde und Löwen. Die Vogel- und Reptilienwelt ist artenreich. Im Norden Benins gibt es mehrere ausgewiesene Schutzgebiete wie z.B. den Pandjari-Nationalpark.


Kultur und Gesellschaft
Bevölkerung
Rund 6,5 Millionen Menschen leben in der Republik Benin, etwa ein Drittel von ihnen in Städten. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt 57 Einwohner pro Quadratkilometer, wobei der Süden des Landes dichter besiedelt ist als der Norden. Die größte Stadt ist Cotonou mit rund 600.000 Einwohnern, gefolgt von der Hauptstadt Porto Novo mit ca. 200.000 Einwohnern.
Rund 60 Bevölkerungsgruppen leben in Benin. Die Fon (die zu den Ewe gehören) haben einen Anteil von rund 40% an der Gesamtbevölkerung, zweitgrößte Gruppe sind Yoruba (12%), gefolgt von Adja (11%), Bariba (7%), Somba (6%), Fulbe und Haussa. Über zwei Drittel der Bevölkerung praktizieren Naturreligionen, das Gebiet des heutigen Benin gilt als Ursprungsland des Voodoo-Kultes, der heute z.B. auf Haiti verbreitet ist. Der Anteil der Christen beträgt ca. 20%, Anhänger des Islam stellen rund 15% der Gesamtbevölkerung.
Die Amtssprache ist Französisch, daneben werden die Sprachen der vorhandenen Volksgruppen gesprochen (z.B. Fon, Yoruba). Benin gehört zu den ärmsten Ländern des Kontinents und weltweit. Die medizinische Versorgung der Bevölkerung ist vor allem in ländlichen Bereichen mangelhaft. Die mittlere Lebenserwartung liegt bei 48 Jahren. Fast die Hälfte der Beniner sind jünger als 15 Jahre. Mit ca. 2,9% ist das Bevölkerungswachstum hoch. Für Kinder zwischen sechs und 12 Jahren besteht Schulpflicht, doch aufgrund fehlender Schulen liegt die Analphabetenquote über 60%.

Geschichte
Vermutlich lebten auf dem Gebiet des heutigen Benin schon vor Beginn der christlichen Zeitrechnung kleine Gruppen von Buschmännern (Pygmäen) als Jäger und Sammler. Nach dem ersten Jahrtausend n.Chr. siedelten sich verschiedene Volksstämme an: vermutlich im Norden die Somba, im Nordosten die Bariba und Fulbe, während im Süden die zum Volk der Ewe gehörenden Fon lebten. Mehrere kleine Königreiche entstanden im Laufe der Jahrhunderte.
Ab dem 16. Jahrhundert begannen die Reiche im Süden mit portugiesischen Seefahrern Handel zu betreiben (Elfenbein, Pfeffer, Sklaven), später kamen auch Engländer und Franzosen als Händler dazu. Die Adja hatten die Reiche Allada und Adjatsche gegründet, letzteres wurde von den Portugiesen in Porto-Novo umbenannt. Später gründeten die Fon im Zentrum des heutigen Benin das Reich Dahome, das zum mächtigsten Königreich der Region aufstieg und sich nach Süden und Norden ausdehnte. Für den Ausbau der dafür benötigten Streitkräfte wurden auch (von den Europäern bestaunte) Frauenregimenter geschaffen.
Im 19. Jahrhundert erreicht Dahome unter König Ghezo den Höhepunkt seiner Macht und dominierte u.a. auch den Sklavenhandel. Großbritannien versuchte seit 1807, den Handel mit Menschen in Afrika zu unterbinden, doch erst nach 1830 konnte sich stattdessen der Handel mit Palmöl und Baumwolle verbreiten.
Mitte des 19. Jahrhunderts begann Frankreich, sich zunächst in den Küstengebieten des heutigen Benin festzusetzen. Bis zum Ende des Jahrhunderts wurden die vorhandenen Königreiche unterworfen bzw. durch entsprechende Protektoratsverträge gebunden. 1894 wurden die Königreiche Allada, Porto-Novo und Dahome zur Kolonie „Dahomey“ vereint und dem Generalgouvernement Französisch-Westafrika angegliedert.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Dahomey zum Überseeterritorium innerhalb der Französischen Union erklärt und erhielt beschränkte innere Autonomie. 12 Jahre später wurde das Land zur autonomen Republik innerhalb der Französischen Gemeinschaft (Communauté Française) erklärt. Als führende politische Parteien hatten sich bis zu diesem Zeitpunkt die „Parti du Regroupement Dahoméen“ (PRD), „Rassemblement Démocratique Dahoméen“ (RDD) und die „Union Démocratique Dahoméen“ (UDD) etabliert. Im August 1960 erhielt die Republik Dahomey ihre volle Souveränität. Hauptstadt wurde Porto Novo, Regierungssitz die Hafenstadt Cotonou.
Durch die großen ethnischen Gegensätze im Land, gepaart mit unterschiedlichen Religionen (im Norden herrschte der Islam vor, während im Süden überwiegend Naturreligionen praktiziert wurden bzw. Christen lebten) erwies sich der neue Staat innenpolitisch als äußerst instabil. Von 1960 bis 1972 kam es zu insgesamt fünf Regierungswechseln durch Staatsstreiche. Die Verfassung wurde fünmal geändert, zehn verschiedene Staatspräsidenten waren in diesem Zeitraum im Amt.
1972 putschte das Militär erneut, diesmal unter der Führung von General Mathieu Kérékou. Dieser ernannte sich zwei Jahre später zum Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte und rief einen marxistisch-leninistisch orientierten Staat aus (1975 „Volksrepublik Benin“, nach dem alten Königreich Benin, dessen Zentrum allerdings auf dem Territorium des Nachbarstaates Nigeria lag). Die Einheitspartei „Parti de la Révolution Populaire du Bénin“ (PRPB) verdrängte die Opposition, ein Großteil aller Betriebe im Land wurden verstaatlicht. In der Verfassung von 1977 wurde das Staatsprinzip des Einkammer- und Einparteiensystems verankert.
Nachdem das Land Ende der 80er Jahre am Rande des wirtschaftlichen Ruins stand (geschätzte Auslandsschulden 1,5 Milliarden US-Dollar), mußte die Staatsführung von Benin auf Druck der Geldgeberländer (vor allem Frankreich) die Abkehr vom Marxismus-Lenininismus erklären und einen Demokratisierungsprozess einleiten. 1991 wurde die Staatsform wieder zur parlamentarischen Präsidialrepublik geändert und eine neue Verfassung proklamiert. Bei den Wahlen zum Amt des Staatspräsidenten mußte sich Mathieu Kérékou seinem Kontrahenten Nicéphore Soglo geschlagen geben.
Die neue Staatsführung bemühte sich um eine rasche Reprivatisierung der Betriebe und eine Steigerung der Wirtschaftsleistung. Durch die von der Weltbank und der IWF (Internationaler Währungsfonds) verordneten Sparmaßnahmen kam es u.a. zum Anstieg der Arbeitslosigkeit, vor allem bei der ländlichen Bevölkerung. 1996 wurde Soglo abgewählt und Mathieu Kérékou übernahm erneut die Führung Benins, diesmal als gewählter Präsident. Er behielt die Reformpolitik seines Vorgängers bei. Trotz stabiler Wachstumsraten in der zweiten Hälfte 90er Jahre von um die 5% zählte Benin auch weiterhin zu den ärmsten Ländern weltweit, u.a. aufgrund des raschen Bevölkerungswachstums.
Im März 2001 konnte sich Mathieu Kérékou erneut gegen seinen Herausforderer Nicéphore Soglo bei der Wahl um das Amt des Staatspräsidenten durchsetzen: nachdem aufgrund des knappen Ergebnisses eine Stichwahl notwendig geworden war, zog Soglo seine Kandidatur zurück. Kérékou wurde im April 2001 für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren vereidigt.

für aktuelle Angaben siehe  Basisdaten    Chronik


Politisches System
Benin ist gemäß der Verfassung von 1990 eine parlamentarische Präsidalrepublik. Staatsoberhaupt und gleichzeitig Regierungschef und Oberfehlshaber der Streitkräfte ist der Staatspräsident (seit April 1996 Mathieu Kérékou). Er wird vom Volk für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt (einmalige Wiederwahl möglich) und ernennt die Minister des Kabinetts. Die Legislative liegt bei der Nationalversammlung, deren 83 Abgeordnete vom Volk für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt werden.
Benin ist in sechs Provinzen gegliedert.


Wirtschaft
Benin gehört zu den ärmeren Entwicklungsländern, etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre konnte das Land Wachstumsraten von um die 5% aufweisen, doch die rasch steigende Bevölkerungszahl und die hohen Inflationsraten behindern den wirtschaftlichen Aufschwung.
In der Landwirtschaft sind rund 60% der Erwerbstätigen beschäftigt, hier werden etwa 36% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwirtschaftet. Überwiegend in Subsistenzwirtschaft werden Mais, Hirse, Maniok, Bohnen, Erdnüsse, Süßkartoffeln und Ölpalmen angebaut, exportiert werden Baumwolle, Kakao und Kaffee. In der Viehwirtschaft dominiert die Haltung von Rindern, Schafen, Ziegen und Geflügel. Der Fischfang in den Lagunen der Küstenebene spielt für die Versorgung der Bevölkerung im Süden Benins eine bedeutende Rolle. Brennholz ist für die ländliche Bevölkerung nach wie vor wichtigster Energielieferant.
Die Industrie konzentriert sich auf die Herstellung von Textilien, Nahrungsmitteln und Getränken, Baumaterialien und Zigaretten. Rund 13% des BIP werden in diesem Bereich erwirtschaftet.
Bedeutendster Rohstoff Benins ist Erdöl, das vor der Küste gefördert wird. Vorkommen an Diamanten und Kalkstein werden bisher kaum ausgebeutet.
Der Dienstleistungssektor trägt knapp 50% zum BIP bei, mehr als ein Drittel der Erwerbstätigen sind hier beschäftigt. Handel und Verkehr haben traditionell große Bedeutung für das Durchgangsland Benin. Bei der Ausfuhr von Waren (vor allem Baumwolle, Rohöl, pflanzliche Öle) sind Brasilien, Libyen und Indonesien die bedeutendsten Handelspartner. Eingeführt werden hauptsächlich Nahrungsmittel, Industriegüter, Maschinen und Fahrzeuge, hier sind Frankreich, China und Großbritannien die wichtigsten Lieferanten.
Ein Teil des insgesamt rund 6700 km umfassenden Straßennetzes ist in der Regenzeit nicht befahrbar. Die wichtigste Eisenbahnverbindung besteht zwischen dem Hafen Cotonou und Parakou in Zentralbenin. Cotonou wird von internationalen Fluglinien angeflogen.

 Quelle: Areion Weltalamanach

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