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BangladeshVolksrepublik Bangladesh (Ghana Praja Tantri Bangladesh) Basisdaten Chronik
![]() Geografie Das Land Bangladesh liegt in Südasien und ist mit einer Fläche von knapp 144.000 qkm ein kleines, dichtbesiedeltes Land. Im Westen, Norden und Osten grenzt es an Indien, im Südosten einen kurzen Abschnitt an Myanmar. Im Süden liegt Bangladesh am Golf von Bengalen. Rund 90% der Landesfläche sind flaches Tiefland, nur im Südosten liegt die Hügel- und Berglandschaft der Chittagong Hills (höchste Erhebung ist der Keokradong mit 1230 m). Von Norden her kommend fließen der Ganges und der Jamuna (Brahmaputra) nach Bangladesh und bilden eine Vielzahl von Nebenflüssen und Flußarmen. Im südlichen Teil des Landes bilden die Flüsse das sog. Ganges-Brahmaputra-Delta, das eine Fläche von ca. 56.000 qkm umfaßt. Im Deltagebiet liegen die Sundarbans, eine Landschaft, die durch zahllose Altwasserarme, kleine Inseln und große Mangrovenwälder gekennzeichnet ist und eines der größten Sumpfgebiete der Welt darstellt. Jedes Jahr im Frühjahr führen der Ganges und der Brahmaputra das Schmelzwasser aus dem Himalaya-Gebirge mit sich, und durch die ab Mai beginnenden Sommermonsune (bis Oktober) und die daraus resultierenden Niederschläge wird fast das gesamte Land binnen kurzer Zeit überschwemmt. Dadurch wird auf der einen Seite der Boden immer wieder mit neuen Nährstoffen versorgt und ist sehr fruchtbar, auf der anderen Seite fordern die Überschwemmungen jedes Jahr eine Vielzahl von Menschenleben. Klima Das Klima in Bangladesh ist gekennzeichnet durch die beständig wehenden Monsunwinde: Der Südwestmonsun bringt dem Land in der Zeit von Mai bis Ende September einen Großteil der Niederschläge (im Süden durchschnittlich ca. 1500 mm, im Norden ca. 5000 mm). Der Nordostmonsun bringt in den Wintermonaten trockene Luft mit sich. Die Temperaturen sind ganzjährig hoch (Januar Temperaturmittel von 19°C, im Juli 29°C). Vor allem in den Monaten April und Mai kommt es in Bangladesh oft zu schweren Wirbelstürmen (Zyklone), die zu Sturmfluten und starken Überschwemmungen führen. Eine der heftigsten Zyklone forderte 1991 zahllose Menschenleben: nach offiziellen Angaben waren es 140.000 Menschen, die in den Fluten umkamen, inoffiziell sprach man von rund einer halben Million. Flora und Fauna Nur noch weniger als ein Viertel der Landesfläche sind von Wäldern bedeckt. Die Regenwälder im östlichen Tiefland sind so gut wie abgeholzt, während sich in den Chittagong-Bergen noch weite Flächen von tropischem Regenwald finden. Die Sundarbans, die von den bis über 20 m hohen Sundaribäumen ihren Namen haben, sind großflächig mit Mangroven bedeckt. Diese im Wasser wachsenden Büsche und Bäume bilden ein oft undurchdringliches Dickicht und werden zwischen 2 und 10 m hoch, selten auch bis zu 30 m. Typisch sind die aus dem Wasser ragenden Luftwurzeln, über die die Pflanze die Wurzeln im Schlammbereich mit Sauerstoff versorgt. Bangladesh ist ein kleines, aber extrem dichtbesiedeltes Land, entsprechend sind die Lebensräume für wild lebende Tiere nur noch spärlich. Viele Tierarten wie das Panzernashorn sind bereits ausgestorben bzw. vom Aussterben bedroht (wie z.B. der Malaienbär). Vor allem in den Sundarbans und in den Wäldern der Chittagong-Berge finden sich noch Reste der einst vorhandenen Tierwelt. Dazu gehören bengalische Tiger (Königstiger), Leoparden, Indische Elefanten, Kragenbären, verschiedenen Schlangen- (Kobra, Tigerphyton, div. giftige Wasserschlangen) und Vogelarten (Wanderfalke, Wiedehopf, Fischadler). Zu den gefährdeten Tierarten gehört auch der Ganges-Delphin, der in den Flußmündungen und in der Regenzeit auch weit flußaufwärts zu finden ist. In Anpassung an das trübe Wasser sind bei ihm die Augen stark zurückgebildet, und er ist überwiegend auf akustische Orientierung spezialisiert. Kultur und Gesellschaft Bevölkerung Rund 95% der Bevölkerung Bangladeshs gehören zum indogermanischen Volk der Bengalen. Teile dieses Volkes leben auch in den westlich angrenzenden Gebieten in Indien (West-Bengalen), dort sind sie Anhänger des Hinduismus, während sich in Bangladesh der Großteil der Bevölkerung (ca. 87%) zum Islam sunnitischer Ausprägung bekennt. Weitere Volksgruppen sind die Bihari und die Santal, und in den Chittagong-Bergen gibt es eine kleine Zahl Einwohner, die zu den mongolischen Völkern gezählt werden. Rund 12% der Einwohner Bangladeshs sind Anhänger des Hinduismus, weiter gibt es kleine Gruppen von Christen, Buddhisten und Anhänger von Naturreligionen. Die offizielle Amtssprache ist Bengali, die in verschiedenen Dialekten gesprochen wird. Abhängig vom Bildungsgrad wird auch Englisch verstanden und gesprochen, wobei rund zwei Drittel der Bevölkerung Analphabeten sind. Bangladesh ist mit einer Bevölkerungszahl von über 121 Millionen Einwohnern und einer Staatsfläche von ca. 144.000 qkm eines der am dichtesten besiedelten Länder der ganzen Welt. Das Bevölkerungswachstum mit ca. 2,4% ist sehr hoch. Weniger als ein Viertel der Einwohner lebt in den Städten, die meisten Menschen sind über das Land verstreut in kleinen Dörfern. Es herrscht Armut, rund die Hälfte der Bevölkerung leidet an Unterernährung, und die vom Staat und privat angebotenen Gesundheits- und Sozialdienste sind nicht ausreichend. Nicht zuletzt durch die sich jährlich wiederholenden Überschwemmungen, die Ernten und Behausungen zerstören, gehört Bangladesh zu den ärmsten Ländern der Welt. Beim Jahrhundert-Hochwasser im September und Oktober 2000 wurden mehr als fünf Millionen Menschen obdachlos. Geschichte Die Geschichte von Bangladesh, dem „Land der Bengalen“, ist eng mit der des heutigen Indien verknüpft. Lange bevor im 13. Jahrhundert mit dem Sultanat von Delhi der Islam Einzug hielt auf dem Gebiet des heutigen Bangladesh, wurde das Land von der buddhistisch geprägten Maurja-Dynastie und vom hinduistisch geprägten Gupta-Reich beherrscht. Im 16. Jahrhundert gelangten mit den portugiesischen Seefahrern erste europäische Einflüße nach Bengalen, und ab Mitte des 18. Jahrhunderts war das Land unter britischer Oberherrschaft. Bis zur Unabhängigkeit Indiens gehörte Bangladesh zu Britisch-Indien. Territoriale Neuordnungen führten dazu, daß sich West- und Ostbengalen immer weiter auseinander entwickelten. In Westbengalen begannen die Hindus an Einfluß zu gewinnen, indem sie sich mit der britischen Herrschaft arrangierten. In Ostbengalen kristallisierte sich eine anti-britische und anti-hinduistische Führung heraus. Schon 1940 gab es konkrete Pläne hinsichtlich einer Teilung von Britisch-Indien bei Erreichen der Unabhängigkeit: Indien (mit West-Bengalen als Teil) sollte als hinduistischer Staat, Pakistan (mit Ost-Bengalen) ein muslimisch dominiertes Land werden. Als im August 1947 die britsche Kolonialherrschaft endete, wurde diese Teilung vollzogen. Ost-Bengalen, das heutige Bangladesh, wurde zu Ostpakistan, obwohl es von diesem Land mehr als 1500 km entfernt lag. Die beiden Landesteile unterschieden sich sowohl von der Struktur als auch von der Bevölkerung her ganz wesentlich, gemeinsam war ihnen nur die Religion, der Islam. Die Spaltung des Landes vollzog sich auch im gesamtpakistanischen Parlament: die Muslimliga repräsentierte den Westteil Pakistans, die nationalistische Awami-Liga Ostpakistan. 1962 erhielt Ostpakistan ein eigenes Parlament und mehr Selbständigkeit, doch die Awami-Partei forderte die volle Unabhängigkeit. Als sie bei den Wahlen im Dezember 1970 stärkste Partei wurde und die Gegenseite die Bildung des Parlaments verzögerte und das Kriegsrecht verhängte, kam es erneut zu Aufständen in Ostpakistan. Am 26. März 1971 erklärte der Führer der Awami-Partei, Scheich Mujib-ur-Rahman, das Land Bangladesh als unabhängigen Staat. Der daraufhin folgende Bürgerkrieg entschied sich zugunsten Bangladeshs, nicht zuletzt deswegen, weil Indien für den neuen Staat Partei ergriff. 1972 wird Bangladesh Mitglied des britischen Commonwealth, und zwei Jahre später erkennt Pakistan die Souveränität des neuen Landes an. Bis 1982 herrschten innenpolitische Instabilität und soziale Spannungen in Bangladesh: Hochwasserkatastrophen, die Obdachlosigkeit, Hungersnöte und große Unzufriedenheit bei der Bevölkerung auslösten, führten dazu, daß 1975 das Parlament aufgelöst wurde und Scheich Mujib-ur-Rahman eine Präsidialherrschaft errichtete. Erst in der ersten Hälfte der 80er Jahre unter der Herrschaft von General Muhammed Ershed schien sich die Lage etwas zu beruhigen: das Kriegsrecht wurde aufgehoben und die Verfassung wieder eingesetzt (1986). Im Juni 1988 wurde der Islam als Staatsreligion erklärt. 1991 trat eine neue Verfassung in Kraft, in der sich Bangladesh wieder zur parlamentarischen Demokratie hinorientierte und die Befugnisse des Staatspräsidenten stark einschränkt wurden. Bangladesh war und ist trotz umfangreicher ausländischer Entwicklungshilfe nach wie vor eines der ärmsten Länder der Welt. Korruption in der Politik und eine desolate Wirtschaftslage, die begründet ist in den sich ständig wiederholenden Umweltkatastrophen und dem starken Bevölkerungswachstum, verhindern, daß sich die Lage für die Bevölkerung wesentlich verbessert. Internationale Initiativen wie z.B. der sog. Flood Action Plan (FAP) sollen zumindest das Land vor weiteren Flutkatastrophen schützen: Dabei handelt es sich um ein Küstenschutzprojekt, das bis zum Jahr 2015 realisiert werden soll und bei dem versucht wird, mit Dämmen das Land vor Überflutung zu bewahren. Seit 1996 ist Hasina Wajed Premierministerin von Bangladesh. Im Juni 1999 schloß sie mit Indiens Regierungschef Atal Behari Vajpayee ein Abkommen über den Ausbau von Handelsbeziehungen zwischen den beiden Staaten, das u.a. einen Kredit Indiens für Bangladesh beinhaltete. Im März 2000 unterzeichnete Bangladesh als erstes südasiatisches Land das Teststop-Abkommen für Atomwaffen. für aktuelle Angaben siehe Basisdaten Chronik
Politisches System Seit der Verfassungsreform vom September 1991 hat Bangladesh wieder eine funktionierende parlamentarische Demokratie (nach der Verfassung von 1972 herrschte eine präsidiale Republik). Staatsoberhaupt ist der für fünf Jahre gewählte Präsident, dessen Amt sich überwiegend auf repräsentative Aufgaben beschränkt (einmalige Wiederwahl möglich). Die Exekutive liegt bei der Regierungsführung, die der Premierminister (Ministerpräsident) innehat. Das Parlament (Jatiya Sangsad) verfügt über 330 Sitze, von denen 30 Sitze für Frauen reserviert sind. Das Wahlrecht erhalten die Staatsbürger mit 18 Jahren. Wirtschaft Wichtigster Wirtschaftssektor von Bangladesh ist die Landwirtschaft, hier sind rund zwei Drittel der Erwerbstätigen beschäftigt. Dabei sind Kleinstbetriebe mit Subsistenzwirtschaft am häufigsten anzutreffen. Auf der einen Seite sind durch die klimatischen Bedingungen zwar teils bis zu drei Ernten pro Jahr möglich, doch Unwetter und Überschwemmungen führen immer wieder zu verheerenden Ernteeinbußen. Etwa 80% der Anbaufläche entfällt auf Reisfelder, weiter angebaut werden Hülsenfrüchte, Tabak, verschiedene Obstsorten und Tee. Für den Export wird vor allem Jute angebaut, die fast ein Viertel des gesamten Exportvolumens ausmacht. Auch die Fischerei ist von großer Bedeutung und hat Anteil am Export. Um den Bedarf der eigenen Bevölkerung zu decken, müssen Nahrungsmittel importiert werden. Bangladesh verfügt nur über geringe Bodenschätze, gefördert werden Erdgas und Kohle. Die verarbeitende Industrie ist nur wenig entwickelt: üblich sind eher Kleinbetriebe, in denen oft auch Kinder arbeiten. Die wenigen großen Anlagen produzieren Jute und Textilien für den Export. Da Bangladesh wesentlich mehr Güter importieren muss als es exportieren kann, hat das Land ein ausgesprochen hohes Außenhandelsdefizit und ist abhängig von ausländischer Hilfe und den Devisen, die von im Ausland lebenden Bangladeshi überwiesen werden. Der Tourismus spielt in dem von politischen Unruhen und Naturkatastrophen immer wieder bedrohten Land eine untergeordnete Rolle. Quelle: Areion WeltalamanachDruckversion dieser Seite |