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Republik AserbaidschanChronik Überblick Basisdaten
Um 600 v. Chr. Das bereits seit Jahrtausenden von Nomadenstämmen besiedelte Gebiet der heutigen Republik Aserbaidschan am Kaspischen Meer wird von den aus dem heutigen Westiran vorrückenden Medern erobert. 550 v. Chr. Der persische Achämenidenkönig Kyros II. erobert das Reich der Meder (und wenig später auch das Reich der Lyder in Anatolien [Türkei] sowie bis 539 ganz Vorderasien). Ab 336 v. Chr. Nachdem der Makedonier Alexander der Große in raschem Siegeszug Anatolien erobert hat, unterwirft er nun auch fast die gesamte Kaukasusregion einschließlich eines Großteils des heutigen Aserbaidschan (und bis 323 fast das gesamte restliche Perserreich, das sich inzwischen bis nach Ägypten erstreckt). Ab 323 v. Chr. Nach dem plötzlichen Tod Alexanders des Großen (er stirbt im Alter von erst 33 Jahren am 13. Juni in Babylon am Fleckfieber) werden die von ihm eroberten Gebiete zum Streitobjekt zwischen seinen Feldherren, den „Diadochen“ (griechisch „Nachfolger“). Die bedeutendsten von ihnen sind Ptolemaios und Seleukos, die sich (zeitweise) verbünden und so die übrigen „Kandidaten“ nach und nach ausschalten. Während Ptolemaios die Verwaltung Ägyptens, Palästinas und des südlichen Syrien übernimmt, sich im Jahre 305 als Ptolemaios I. Soter (griechisch „Retter“) zum König von Ägypten macht und sein Reich u.a. 294 um die Insel Zypern erweitert, übernimmt Seleukos die Macht in Mesopotamien, von wo aus er zusammen mit seinem Sohn Antiochos zunächst die persischen Ostgebiete und schließlich das restliche Vorderasien einschließlich Anatolien und der gesamten Kaukasusregion, wozu auch das Gebiet des heutigen Aserbaidschan zählt, unter seine Kontrolle bringt. Er gründet insgesamt über 70 Städte, u.a. im Jahre 301 in Nordwestsyrien als Seleukos I. Nikator (griechisch „Sieger“) die Stadt Antiochia (heute Antakya in der Türkei), die von seinen Nachfolgern zur Hauptstadt des mächtigen Seleukidenreiches gemacht wird. Um 150 v. Chr. Das Gebiet des heutigen Aserbaidschan fällt an die aus dem Nordosten des heutigen Iran stammenden Parther, die sich in den folgenden Jahrzehnten blutige Kämpfe mit den von Anatolien aus vorrückenden Römern um die Vorherrschaft in Vorderasien liefern. 95 v. Chr. Das Gebiet des heutigen Aserbaidschan wird Teil des von Tigranes II. regierten Groß-Armenien, das sich für kurze Zeit vom Mittelmeer im Südosten bis zum Kaspischen Meer im Osten ausdehnt. 238 n. Chr. Nach jahrhundertelangen Kämpfen zwischen Römern und Persern um die Vorherrschaft in Vorderasien gerät das Gebiet des heutigen Aserbaidschan wieder unter die Oberhoheit der Perser (Sassaniden). Mitte 7. Jahrhundert Das Gebiet des heutigen Aserbaidschan wird wie nahezu das gesamte Perserreich von den islamischen Arabern erobert. Ab 1050 Islamisch-türkische Rum-Seldschuken fallen in das Gebiet der heutigen Republik Aserbaidschan ein. 1242 Das Gebiet der heutigen Republik Aserbaidschan wird von den nach Westen vordringenden Mongolen überrannt und verwüstet. In den folgenden zwei Jahrhunderten unter mongolischer Oberherrschaft genießen die aserbaidschanischen Fürsten jedoch eine gewisse Eigenständigkeit. 1472 Das Gebiet der heutigen Republik Aserbaidschan gerät erneut unter die Herrschaft der schiitisch-islamischen Perser (Safawiden-Dynastie). Wenig später wird es jedoch wieder zum Streitobjekt zwischen Persern und Osmanen (Türken). 1603 Nach Abschluß eines Grenzvertrags zwischen Persern und Osmanen wird das Gebiet der heutigen Republik Aserbaidschan zur persischen Provinz. 1723 Der Nordteil der heutigen Republik Aserbaidschan wird von den Truppen des russischen Zaren Peter I. des Großen erobert. 1828 Unter der Regentschaft von Zar Nikolaus I. erobern die russischen Truppen in einem weiteren Krieg nahezu das gesamte Gebiet der heutigen Republik Aserbaidschan. Der Fluß Araks wird neue russisch-persische Grenze. Aufstände der islamischen Bevölkerung gegen die russische Herrschaft werden niedergeschlagen. Mitte 1916 Russische Truppen bringen während des Ersten Weltkriegs nahezu den gesamten Transkaukasus und weite Teile des türkischen Ostanatolien unter ihre Kontrolle. November 1917 Die russischen Truppen werden nach der „Oktoberrevolution“ in Rußland aus Transkaukasien (Georgien, Armenien, Aserbaidschan) abgezogen. 28. Mai 1918 In Anlehnung an die nach der russischen „Oktoberrevolution“ verfaßten „Deklaration über die Rechte der Völker Rußlands“ (beinhaltet die Selbstbestimmung und das Recht auf selbständige Staatenbildung) erklärt sich Aserbaidschan zur unabhängigen Republik. Anfang 1920 Die Regierung der im Juli 1918 in Moskau proklamierten „Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik“ (RSFSR) erkennt die Unabhängigkeit Aserbaidschans vertraglich an. Ende 1920 Auf Befehl des späteren sowjetischen Diktators Josef Stalin (eigentlich Josif Wissarionowitsch Dschugaschwili) marschiert die sowjetische „Rote Armee“ in Aserbaidschans ein und proklamiert am 25. Februar die „Aserbaidschanische Sozialistische Sowjetrepublik“. 30. Dezember 1922 Die Gebiete der heutigen souveränen Staaten Aserbaidschan, Armenien und Georgien werden zur „Transkaukasischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepubik“ innerhalb der neugegründeten „Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken“ (Sowjetunion/UdSSR) zwangsvereinigt. Ab 1924 Aufstände der Aserbaidschaner gegen die rigorose „Sowjetisierung“ (Abschaffung des privaten Eigentums, Zwangskollektivierung der Bauern, Aufbau einer zentralisierten Planwirtschaft, „Säuberungen“ in der Gesellschaft, Erschließung von Bodenschätzen und Errichtung neuer Industriewerke durch „Stoßarbeiterbrigaden“, Einführung eines einheitlichen sowjetischen Schulsystems und des Russischen als Amtssprache, Schließung nahezu aller Moscheen usw.) werden von der „Roten Armee“ blutig niedergeschlagen. Zigtausende Aserbaidschaner werden in der Folgezeit Opfer der politischen Massenverfolgungen des Diktators Josef Stalin. (Während der „Stalin-Ära“ [1923-53] werden in der UdSSR insgesamt zwischen 35 und 48 Millionen Sowjetbürger ermordet bzw. sterben aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen in den sibirischen Arbeitslagern oder an den Folgen der durch die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft künstlich herbeigeführten Hungersnöte.) 1936 Die „Transkaukasische Sozialistische Föderative Sowjetrepubik“ wird in die eigenständigen Sowjet-Republiken Georgien, Armenien und Aserbaidschan aufgelöst. Im Streit mit Armenien um die Regionen Berg-Karabach (überwiegend von christlichen Armeniern besiedeltes Gebiet in Aserbaidschan) und Nachitschewan (aserbaidschanische Exklave südwestlich von Armenien) behält Aserbaidschan die Oberhand. von 1936 bis 1988 siehe unter Rußland Januar 1988 Massaker an christlichen Armeniern in der aserbaidschanischen Stadt Sumqavit am Kaspischen Meer (mindestens 1.000 Tote) führen zum Krieg zwischen den Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan um das zwar aserbaidschanische, jedoch hauptsächlich von christlichen Armeniern bewohnte Gebiet Nagornij Karabach (Berg-Karabach), den Moskau auch durch starken Militäreinsatz und Sonderverwaltung nicht unter Kontrolle bringen kann. 7. Dezember 1988 Im Kaukasus fordert das schwerste Erdbeben seit 1902 mindestens 50.000 Tote. Von der Naturkatastrophe betroffen ist vor allem der Norden der Sowjetrepublik Armenien, aber auch Gebiete in Georgien und Aserbaidschan. Erstmals erlaubt Moskau tausenden von Mitarbeitern internationaler Hilfsorganisationen die Einreise und nimmt finanzielle und materielle Hilfe der „kapitalistischen“ Länder in Millionenhöhe an. 21. Januar 1990 Sowjetische Truppen besetzen Baku, die Hauptstadt der Republik Aserbaidschan, um die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen moslemischen Aserbaidschanern und der christlichen armenischen Bevölkerung zu beenden. Bereits am 15. Januar hatte der Oberste Sowjet den Ausnahmezustand über Berg-Karabach verhängt. Anfang 1991 Aserbaidschan schließt wegen der Auseinandersetzungen um Berg-Karabach die Grenzen zu Armenien und verhängt ein totales Wirtschaftsembargo über das Nachbarland. 30. August 1991 Die Republik Aserbaidschan (mit 86.600 Quadratkilometern etwas größer als Österreich) proklamiert, dem Beispiel anderer Sowjetrepubliken folgend, ihre Unabhängigkeit von der UdSSR (tritt formell am 18. Oktober in Kraft). Erster Staatspräsident wird der Kommunist Ajas Mutalibow. Hauptstadt ist die im 9. Jahrhundert von den Arabern gegründete Hafenstadt Baku bzw. Baki (der Name bedeutet „windig“) auf der Halbinsel Abscheron im Kaspischen Meer, wo es bereits 1820 Dutzende von handgegrabenen Ölschächten gab, 1871 die erste Bohrung vorgenommen wurde und die ersten kleinen Raffinerien entstanden und wo sich um die Jahrhundertwende die reichen Ölbarone prachtvolle Villen bauen ließen. 21. Dezember 1991 In Almaty (Kasachstan) schließen sich unter dem Vorsitz von Boris Jelzin elf der ehemaligen Sowjetrepubliken (Rußland [Russische Föderation], Armenien, Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgistan, Moldawien, Tadschikistan, Turkmenistan, Ukraine, Usbekistan und Weißrußland) zur „Gemeinschaft Unabhängiger Staaten“ (GUS) zusammen. Litauen, Estland und Lettland schließen sich dem Bündnis nicht an, und Georgien will sich zunächst nur an Gipfeltreffen beteiligen. Die GUS-Mitglieder erklären die UdSSR endgültig für aufgelöst und den sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow für abgesetzt. Mit dessen formellem Rücktritt am 25. Dezember endet endgültig die Existenz der Sowjetunion. Anfang 1992 Es kommt zum offenen Krieg zwischen der Republik Aserbaidschan und der überwiegend von Armeniern besiedelten Region Berg-Karabach, die im Dezember 1991 ihre Souveränität erklärt hat. Armenien erkennt diese zwar offiziell nicht an, unterstützt die Berg-Karabacher aber mit Waffenlieferungen und inoffiziellen Truppen. Juni 1992 Abulfas Eltschibej von der „Nationalen Volksfront“ (NFA) wird zum neuen Staatspräsidenten Aserbaidschans gewählt. Er schließt ein Freundschaftsabkommen mit der Türkei, die Aserbaidschan mit Waffenlieferungen gegen die Armenier unterstützt. Oktober 1992 Aserbaidschan tritt aus der GUS aus. November 1992 Die Staatsoberhäupter der turksprachigen ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan, Aserbaidschan, Usbekistan, Kirgisistan und Turkmenistan unterzeichnen in Ankara mit der Türkei ein Abkommen über eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit. 25. Juni 1993 Nach einer durch Niederlagen im Krieg gegen die Armenier ausgelösten innenpolitischen Krise wird Präsident Abulfas Eltschibej gestürzt, und der ehemalige KP-Chef Hejdar Alijew wird vom Nationalrat zum Staatschef bestimmt. Er ernennt Surat Husseinow zum Regierungschef und sorgt für den sofortigen Wiedereintritt Aserbaidschans in die GUS. Aserbaidschan und Georgien unterzeichnen einen Freundschaftsvertrag. 3. Oktober 1993 Nach Präsidentschaftswahlen wird Hejdar Alijew als aserbaidschanisches Staatsoberhaupt bestätigt. 31. Dezember 1993 Berg-Karabach-Einheiten haben inzwischen mit armenischer Hilfe den gesamten Südwesten Aserbaidschans unter Kontrolle. Die UNO verurteilt die Gebietseroberungen der Armenier in Aserbaidschan und die Angriffe auf aserbaidschanische Zivilisten. Derzeit befinden sich rund eine Million moslemische Aserbaidschaner auf der Flucht aus den umkämpften Landesteilen. Anfang 1994 Da die Erdölreserven der Halbinsel Apscheron nahezu erschöpft sind, schließt Aserbaidschan mit zwölf ausländischen Ölkonzernen, darunter fünf US-amerikanischen, Verträge über die Erschließung und Nutzung neuentdeckter Erdölvorkommen vor der Küste Aserbaidschans im Kaspischen Meer. 80 Prozent der ab dem Jahr 2002 erwarteten Gewinne aus dem Ölgeschäft – man rechnet mit der Förderung von 510 Millionen Tonnen Rohöl innerhalb von drei Jahrzehnten – sollen dann in Aserbaidschan verbleiben, das durch jahrzehntelange Mißwirtschaft Moskaus und in jüngster Zeit durch den Krieg um Berg-Karabach vollkommen verarmt ist. 16. Mai 1994 Auf UN-Vermittlung kommt zwischen dem überwiegend von christlichen Armeniern besiedelten Berg-Karabach und Aserbaidschan ein Waffenstillstandsabkommen zustande. (Seit 1988 sind in dem Krieg fast 20.000 Menschen, vor allem Aserbaidschaner, ums Leben gekommen.) 7. Oktober 1994 Präsident Hejdar Alijew setzt Regierungschef Sarat Husseinow ab - er soll der Drahtzieher eines bewaffneten Putschversuchs gegen ihn gewesen sein - und ernennt Fuad Gulijew zum neuen Ministerpräsidenten. 17. März 1995 Der erneute Versuch von Teilen des aserbaidschanischen Militärs, Präsident Hejdar Alijew zu stürzen, wird von regierungstreuen Truppen blutig niedergeschlagen. Dabei kommen mindestens 35 Menschen ums Leben. 29. Oktober 1995 Bei einem Brand in der U-Bahn von Baku, verursacht durch einen technischen Defekt, kommen fast 350 Menschen ums Leben. 27. März 1996 Wegen Beteiligung an einem Umsturzversuch im Jahre 1994 wird der ehemalige Landwirtschaftsminister Musamil Abdullajew zum Tode verurteilt. 26. November 1996 Nach der Absetzung von Fuad Gulijew wird Artur Rasisade neuer aserbaidschanischer Regierungschef. Dezember 1996 Die Regierung in Baku unterzeichnet mit internationalen Konsortien Verträge über die ab 1999 geplante Erschließung der neuentdeckten Erdölvorkommen im Kaspischen Meer. Daran beteiligt sind neben der staatlichen aserbaidschanischen Erdölgesellschaft „Socar“ u.a. Erdölkonzerne aus Rußland, den USA, der Türkei, Großbritannien, Norwegen, Iran, Japan und Saudi-Arabien. Allerdings ist der internationale Status des über 370.000 Quadratkilometer großen Kaspischen Meeres (Salzgehalt: 1,3%; Tiefe: bis zu 1.000m) noch immer umstritten. Während Kasachstan und Aserbaidschan auf der Definition „See“ beharren (dies würde eine sektorale Aufteilung und damit die Ausbeutung der Bodenschätze in nationaler Regie bedeuten), bestehen sowohl Rußland als auch Turkmenistan und der Iran auf „Meer“ (dies würde eine gemeinsame Ausbeutung aller fünf Anrainerstaaten mit sich bringen). Anfang Februar 1997 Die aserbaidschanischen Sicherheitskräfte verhaften über 40 Personen wegen eines weiteren geplanten Putschversuchs. Darunter sollen sich auch Ex-Präsident Ajas Mutalibow und Ex-Ministerpräsident Surat Husseinow befinden. 18. Februar 1997 Aserbaidschan und Georgien unterzeichnen einen neuen Freundschaftsvertrag, der u.a. eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern vorsieht. 20. März 1997 Der Ende 1996 in Berg-Karabach zum Präsidenten gewählte Robert Kotscharjan (wegen des noch immer ungeklärten politischen Status des Gebiets von der aserbaidschanischen Regierung in Baku nicht anerkannt) wird nun vom armenischen Staatspräsidenten Lewon Ter-Petrosjan zum neuen Regierungschef von Armenien ernannt. 23. Oktober 1997 Auf dem eintägigen Gipfel der GUS-Staaten (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten; ihr gehören mittlerweile alle einstigen Sowjetrepubliken außer Litauen, Lettland und Estland an) in der moldawischen Hauptstadt Chisinau üben die Staats- und Regierungschefs heftige Kritik an Rußland wegen „mangelnder Umsetzung“ längst unterzeichneter Verträge. Darüber hinaus werfen die Staatsoberhäupter Georgiens, Moldawiens und Aserbaidschans Moskau zu geringen Einsatz für die Beilegung der Regionalkonflikte in ihren Staaten vor. Rußlands Präsident Boris Jelzin – er ist der Vorsitzende der GUS - verspricht „umgehende Besserung“. 11. Oktober 1998 Hejdar Alijew wird per Direktwahl im Amt des aserbaidschanischen Staatspräsidenten bestätigt. Internationale Beobachter sprechen jedoch von „Unregelmäßigkeiten“ bei der Durchführung der Wahlen. 31. Dezember 1998 Obwohl die 1994 durch internationale Vermittlung zustande gekommene Waffenruhe bezüglich Berg-Karabach weitgehend eingehalten wird und sowohl der aserbaidschanische Präsident Hejdar Alijew als auch sein armenischer Amtskollege Robert Kotscharjan – der einstige Präsident von Berg-Karabach ist seit April armenischer Staatspräsident – inzwischen ihren Willen zur friedlichen Beilegung des Konflikts bekräftigt und offiziellen Friedensverhandlungen zugestimmt haben, ist man von einer endgültigen Lösung noch meilenweit entfernt. Einheiten Berg-Karabachs – es will noch immer seine Souveränität erzwingen – halten nach wie vor fast den ganzen Südwesten Aserbaidschans besetzt, und Aserbaidschan hält weiterhin an der 1991 über Armenien verhängten Wirtschaftsblockade fest. 17. April 1999 Die Staatsoberhäupter von Georgien, Aserbaidschan und der Ukraine weihen im georgischen Supsa am Schwarzen Meer eine insgesamt 900 Kilometer lange, bis zur aserbaidschanischen Hauptstadt Baku am Kaspischen Meer führende Öl-Pipeline ein. Die für die Region wichtige neue Leitung ermöglicht die Lieferung nach Westeuropa, ohne Rußland zu durchqueren. 23. August 1999 Ein Treffen der beiden Staatsoberhäupter von Aserbaidschan und Armenien, Hejdar Alijew und Robert Kotscharjan, in Genf bezüglich der überwiegend von Armeniern bewohnten autonomen Region Berg-Karabach, führt zu keinem konkreten Ergebnis. 18. November 1999 Die Staatspräsidenten von Aserbaidschan, Georgien, Kasachstan und der Türkei unterzeichnen in Anwesenheit von US-Präsident Bill Clinton in Istanbul/Türkei am Rande des siebten Gipfeltreffens der Staats-und Regierungschefs der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa), das vom Krieg Rußlands gegen die russische Teilrepublik Tschetschenien überschattet war, ein Abkommen über den Bau einer fast 1.750 Kilometer langen Pipeline bis zum Jahr 2004, durch die (unter Umgehung Russlands und des Iran) Erdöl aus dem Kaspischen Meer von der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku bis zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan gepumpt werden soll. 22. März 2000 Der Präsident der überwiegend von Armeniern bewohnten autonomen Region Berg-Karabach, Arkadij Gukasjan (seit September 1997), wird in der Hauptstadt Xankändi (vormals Stepanakert) bei einem Anschlag „fanatischer Oppositioneller“ schwer verletzt. (Der Konflikt um das Gebiet ist nach wie vor ungelöst. Noch immer halten Armenier die auf aserbaidschanischem Territorium liegende Region besetzt. Der 1994 unterzeichnete Waffenstillstand wird jedoch weitgehend eingehalten.) 22. August 2000 Ex-Präsident Abulfas Eltschibej – er war von 1992 bis 1993 der erste frei gewählte Präsident Asberbaidschans – stirbt im Exil in Ankara/Türkei im Alter von 62 Jahren. 4. September 2000 Moskau kündigt das Abkommen von 1992 über die Visafreiheit innerhalb der GUS (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten). Rußlands Präsident Wladimir Putin – er ist Vorsitzender der aus den zwölf ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Moldawien, Rußland, Tadschikistan, Turkmenistan, Ukraine, Usbekistan und Weißrußland bestehenden Gemeinschaft – begründet den Schritt mit der effektiveren Bekämpfung von internationalem Terrorismus, organisierter Kriminalität, Drogenschmuggel und illegaler Einwanderung. 10. Januar 2001 Während seines ersten Besuchs in Aserbaidschan einigt sich der russische Staatspräsident, Wladimir Putin, mit seinem aserbaidschanischen Amtskollegen, Hajdar Alijew, prinzipiell auf eine engere politische, wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit. 25. Januar 2001 Aserbaidschan wird – gleichzeitig mit Armenien – in den Europarat aufgenommen, der nun 43 Mitglieder zählt. 1. Juli 2001 Der Internationale Währungsfonds (IWF) bewilligt Aserbaidschan einen Dreijahres-Kredit von 100 Millionen US-Dollar. Im Gegenzug verspricht die Regierung in Baku, ihre Maßnahmen gegen die weitverbreitete Korruption zu verschärfen. 1. August 2001 Aserbaidschan stellt von der kyrillischen auf die lateinische Schrift um. Für viele Aserbaidschaner bedeutet das Dekret von Staatschef Hajdar Alijew, daß sie ihre Zeitung, Ladenschilder oder Reklametafeln nicht mehr lesen können, da ab sofort alles öffentlich Gedruckte und Geschriebene in lateinischer Schrift abgefaßt sein muß. Lediglich die russischen Einwohner dürfen weiterhin das kyrillische Alphabet benutzen. Doch sie stellen kaum sechs Prozent der Bevölkerung des rund acht Millionen Einwohner zählenden Staates. Es ist bereits das dritte Mal innerhalb eines Jahrhunderts, daß in Aserbaidschan die Schrift gewechselt wird. Über Jahrhunderte war arabisch die Schriftsprache, aber unter Stalin wurde zweimal umgestellt: In den zwanziger Jahren vom arabischen zum lateinischen, in den dreißigern schließlich zum kyrillischen. 31. August 2001 Trotz mehrerer Treffen der beiden Staatsoberhäupter von Armenien und Aserbaidschan, Robert Kotscharjan und Hejdar Alijew, seit Anfang des Jahres in Paris und in Florida bezüglich der überwiegend von Armeniern bewohnten autonomen Region Berg-Karabach in Aserbaidschan, ist eine Lösung des seit dreizehn Jahren bestehenden Konflikts noch immer nicht in Sicht. 2. Januar 2002 Die aserbaidschanischen Sicherheitsbehörden haben nach eigenen Angaben einen Anschlag islamistischer Extremisten auf die US-amerikanische Botschaft in Baku verhindert. Sechs Aktivisten der 1953 im Nahen Osten gegründeten und international operierenden Fundamentalistenpartei „Hisb-ut-Tahrir“ seien verhaftet und Material zum Bau von Bomben sichergestellt worden. 15. März 2002 Aserbaidschan, das Anfang des Jahres von den Vereinigten Staaten rund 50 Millionen Dollar zur Grenzsicherung und zur Terrorismusbekämpfung erhalten hat, genehmigt den USA offiziell die Nutzung von Militärstützpunkten. 24. April 2002 Eine zweitägige Konferenz der Staats- und Regierungschefs der fünf Anrainerstaaten des Kaspischen Meers in der turkmenischen Haupstadt Aschgabad endet ohne nennenswertes Ergebnis, d.h. man erzielt keine Einigung über den seit der Auflösung der UdSSR im Jahre 1991 umstrittenen Rechtsstatus des weltweit größten Binnenmeeres, wo große Öl- und Gasvorkommen liegen: Rußland, Kasachstan, Turkmenistan und Aserbaidschan stimmen grundsätzlich überein, daß die Gewässeroberfläche gemeinsam verwaltet und genutzt werden soll (Kaviar-Produktion), während der Meeresboden und damit die Bodenschätze proportional zur Küstenlinie aufgeteilt werden. Iran hingegen, das danach nur knapp dreizehn Prozent erhalten würde, fordert für jeden Staat ein Fünftel der Fläche und betrachtet Erdölvorkommen, mit deren Erschließung Aserbaidschan bereits begonnen hat, als seine eigenen. 22. Mai 2002 Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, Papst Johannes Paul II., fordert während seines eintägigen Besuchs im überwiegend islamischen Aserbaidschan Moslems, Christen und Juden zu Toleranz auf und wendet sich bei einem Treffen mit Präsident Hejdar Alijew und religiösen Führern in der aserbaidschanishen Hauptstadt Baku gegen jede Form von Fundamentalismus. 26. Mai 2002 In Baku wird eine nichtgenehmigte Demonstration von den Sicherheitskräften gewaltsam aufgelöst. Anhänger der Oppositionspartei Demokratischer Kongreß hatten den Rücktritt des autoritär regierenden Staatschefs Hejdar Alijew und freie demokratische Wahlen gefordert. 22. Oktober 2002 Beim Untergang einer Fähre im Kaspischen Meer kommen 50 Menschen – 43 Crew-Mitglieder und sieben Passagiere – ums Leben. Das Schiff aus Aserbaidschan, das mit 2.000 Tonnen Öl von einem Hafen in Kasachstan in die aserbaidschanische Hauptstadt Baku unterwegs war, war rund 100 Kilometer vor dem Ziel in einen schweren Sturm geraten. 17. Oktober 2003 Nach Bekanntgabe der Wahl des 41jährigen Ilham Alijew zum Nachfolger seines Vaters Hejdar Alijew als Präsident von Aserbaidschan kommt es in der Hauptstadt Baku zu schweren Ausschreitungen. Mehrere tausend Anhänger der Opposition, die den Machthabern Wahlfälschung vorwirft, liefern sich mit schwer bewaffneten Einheiten der Polizei im Zentrum der Stadt Straßenschlachten, die mindestens zwei Menschen das Leben kosten. Die knapp fünf Millionen Wahlberechtigten waren am 15. Oktober an die Urnen gegangen. Offiziell votierten 80 Prozent für Alijew und nur zwölf Prozent für seinen Hauptkontrahenten Isa Gambar, den Kandidaten der Oppositionspartei Musavat. Der 46jährige Historiker stand Anfang der 90er Jahre kurz an der Spitze des Ölstaats, bevor der langjährige KP-Funktionär Hejdar Alijew 1993 die Macht ergriff und seither autokratisch regierte. Der schwer kranke 80jährige Staatschef hatte seine Kandidatur zurückgezogen und das Volk aufgerufen, stattdessen für seinen Sohn zu stimmen. Dieser war im August zum Ministerpräsidenten ernannt worden, womit er laut Verfassung die Amtsgeschäfte seines zum damaligen Zeitpunkt in den USA in einer Klinik liegenden Vaters übernehmen konnte. (Hejdar Alijew stirbt am 12. Dezember in einem Krankenhaus in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio und wird am 15. Dezember in Baku an der Seite seiner 1985 verstorbenen Frau Sarifa beigesetzt.) Quelle: Areion Weltalamanach Literatur zu Aserbaidschan...Hejdar Alijew Politiker, Staatspräsident von Aserbaidschan (1993-2003) geboren: 10.05.1923 (Nachitschewan) gestorben: 12.12.2003 (Cleveland (Bundesstaat Ohio)) Literatur... Abulfas Eltschibej Kulturwissenschaftler, Politiker, Staatspräsident von Aserbaidschan (1992-93) geboren: 07.06.1938 (Nachitschewan) gestorben: 22.08.2000 (Ankara) Literatur... Quelle: Areion WeltalamanachDruckversion dieser Seite |