|
Republik ArmenienChronik Überblick Basisdaten
Ab 2000 v. Chr. In den bereits seit Jahrtausenden von Nomaden bevölkerten Hochtälern des heutigen Armenien siedeln sich u.a. die indogermanischen Hethiter und die semitischen Hurriter an. Ab 860 v. Chr. Aus dem Stammesbündnis der im Gebiet der heutigen Ost-Türkei und im heutigen Armenien lebenden Bergvölker entsteht das Urartu-Großreich mit der Hauptstadt Tuschpa (heute Wan am Wansee in der Ost-Türkei - nicht zu verwechseln mit Sewan am gleichnamigen, 1.900 Meter über dem Meeresspiegel liegenden See im heutigen Armenien). Ab 700 v. Chr. Eine indogermanische Volksgruppe, von den persischen und griechischen Schriftgelehrten später als „Armeniya“ bezeichnet, wandert in mehreren Schüben in die Hochtäler zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer ein und vermischt sich mit den bereits ansässigen Stämmen des Urartu-Reiches, das derzeit unter der Oberhoheit der iranischen Skythen steht, zum armenischen Volk, das sich selbst (noch heute) als „Haygk“ und sein Land als „Hayastan“ bezeichnet. Um 600 v. Chr. Das Gebiet des heutigen Armenien wird von den aus dem heutigen Westiran vorrückenden Medern erobert. 550 v. Chr. Der persische Achämenidenkönig Kyros II. erobert das Reich der Meder (und wenig später auch das Reich der Lyder in Anatolien [Türkei] sowie bis 539 ganz Vorderasien). Ab 336 v. Chr. Nachdem der Makedonier Alexander der Große in raschem Siegeszug Anatolien erobert hat, unterwirft er nun auch das Gebiet des heutigen Armenien und bis 323 fast das gesamte restliche Perserreich, das sich inzwischen bis nach Ägypten erstreckt. Ab 323 v. Chr. Nach dem plötzlichen Tod Alexanders des Großen (er stirbt im Alter von erst 33 Jahren am 13. Juni in Babylon am Fleckfieber) werden die von ihm eroberten Gebiete zum Streitobjekt zwischen seinen Feldherren, den „Diadochen“ (griechisch „Nachfolger“). Die bedeutendsten von ihnen sind Ptolemaios und Seleukos, die sich (zeitweise) verbünden und so die übrigen „Kandidaten“ nach und nach ausschalten. Während Ptolemaios die Verwaltung Ägyptens, Palästinas und des südlichen Syrien übernimmt, sich im Jahre 305 als Ptolemaios I. Soter (griechisch „Retter“) zum König von Ägypten macht und sein Reich u.a. 294 um die Insel Zypern erweitert, übernimmt Seleukos die Macht in Mesopotamien, von wo aus er zusammen mit seinem Sohn Antiochos zunächst die persischen Ostgebiete und schließlich das restliche Vorderasien einschließlich Anatolien und der gesamten Kaukasusregion, wozu auch das Gebiet des heutigen Armenien zählt, unter seine Kontrolle bringt. Er gründet insgesamt über 70 Städte, u.a. im Jahre 301 in Nordwestsyrien als Seleukos I. Nikator (griechisch „Sieger“) die Stadt Antiochia (heute Antakya in der Türkei), die von seinen Nachfolgern zur Hauptstadt des mächtigen Seleukidenreiches gemacht wird. Ab 200 v. Chr. Es entwickeln sich zwei voneinander unabhängige, von armenischen Herrschern regierte Fürstentümer: Groß-Armenien unter Artaxias I. und das westlich des Euphrat gelegene Klein-Armenien unter Zariadris. 1. Jahrhundert v. Chr. Der Artaxide Tigranes II. (95-55) vereint die beiden armenischen Fürstentümer zu einem Großreich, das sich für kurze Zeit vom Mittelmeer im Südwesten bis zum Kaspischen Meer im Osten erstreckt. 69 v. Chr. Armenien gerät unter römische Oberhoheit. 238 n. Chr. Nach jahrhundertelangen Kämpfen zwischen Römern und Persern um die Vorherrschaft in Vorderasien gerät der größte Teil Armeniens wieder unter die Herrschaft der Perser (Sassaniden). 301 Mit Hilfe der Römer gelingt es dem Armenier Tiridates III., die Sassaniden aus Armenien zu vertreiben. Er nimmt den christlichen Glauben an und erklärt das Christentum zur Staatsreligion. Ab 340 Die Perser dringen erneut in Armenien ein. Es kommt zu massiven Christenverfolgungen. 406 Der christliche Mönch Mesrop Maschtot entwickelt das (noch heute gebräuchliche) aus 38 Zeichen bestehende armenische Alphabet. Anfang 5. Jahrhundert Armenien wird zwischen dem persischen und dem oströmischen Reich (Byzanz) aufgeteilt. Ab 640 Armenien kommt unter die Oberherrschaft der islamischen Araber. 885 Mit Billigung der Araber und der Byzantiner begründet der Armenier Aschot I. die Bagratiden-Dynastie, und das selbständige Königreich Armenien - es ist etwa zehnmal so groß wie das heutige Armenien und umfaßt auch den Osten der heutigen Türkei - erlebt eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. 1045 Die christlichen Byzantiner annektieren fast ganz Armenien. 1071 Die islamisch-türkischen Rum-Seldschuken fallen in Armenien ein. Viele Armenier flüchten nach Kilikien im Südwesten und gründen dort ein kleines unabhängiges Königreich. 1242 Armenien wird von den nach Westen vordringenden islamischen Mongolen überrannt und verwüstet. In den folgenden zwei Jahrhunderten unter mongolischer Oberhoheit genießen die armenischen Herrscher jedoch eine gewisse Eigenständigkeit. 1375 Die in Ägypten und Syrien herrschenden (türkisch-stämmigen) Mamluken erobern das Königreich Kleinarmenien in Kilikien (Südostanatolien). 1472 Armenien gerät unter die Herrschaft der schiitisch-islamischen Perser (Safawiden-Dynastie). Wenig später wird es erneut zum Streitobjekt zwischen Persern und Osmanen (Türken). 1514 Der osmanische Sultan Selim I. erobert den größten Teil Armeniens, lediglich der Osten verbleibt unter der Oberherrschaft der Safawiden. 1828 Der russische Zar Nikolaus I. kann den von Persien besetzten Teil des historischen Armenien seinem Reich einverleiben, und der Fluß Araks wird zur neuen russisch-persischen Grenze. Armenische Kirchen und Schulen werden geschlossen, die armenische Sprache wird verboten. 1878 Zum Ende des seit einem Jahr wütenden russisch-türkischen Krieges fällt der Nordwesten von Türkisch-Armenien (Kars, Ardahan) an Rußland. 1894 Die Unabhängigkeitsbewegung der christlichen Armenier in Ostanatolien wird von den osmanischen Truppen blutig niedergeschlagen. Mindestens 200.000 Armenier verlieren dabei ihr Leben. 1909 Bei erneuten Massakern der osmanischen Truppen unter der armenischen Bevölkerung kommen erneut mindestens 100.000 Menschen ums Leben. 10. Juni 1915 Es beginnt der Vernichtungsfeldzugs der sogenannten „Jungtürken“ gegen die in Ostanatolien lebenden Armenier und es werden mindestens eine Million Menschen massakriert. Mitte 1916 Russische Truppen bringen während des Ersten Weltkriegs nahezu den gesamten Transkaukasus und weite Teile des türkischen Ostanatolien unter ihre Kontrolle. November 1917 Die russischen Truppen werden nach der „Oktoberrevolution“ in Rußland aus Transkaukasien (Georgien, Armenien, Aserbaidschan) abgezogen. 28. Mai 1918 In Anlehnung an die nach der russischen „Oktoberrevolution“ verfaßten „Deklaration über die Rechte der Völker Rußlands“ (beinhaltet die Selbstbestimmung und das Recht auf selbständige Staatenbildung) erklärt sich Armenien zur unabhängigen Republik, die weite Teile Ostanatoliens umfaßt. Ende 1918 Nach der Kapitulation der Türkei und der Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrags von Sultan Mehmed VI. (30. Oktober 1918), der u.a. den Verzicht der Türken auf alle Gebiete außerhalb Kleinasiens, eine (Teil-)Besetzung Anatoliens durch die alliierten Siegermächte sowie eine Abtrennung Ostanatoliens zugunsten der Republik Armenien beinhaltet, beginnt der türkische General und Nationalist Mustafa Kemal seinen Kampf gegen die Besatzungstruppen sowie mit der rücksichtslosen Vertreibung der Armenier aus Ostanatolien. Dabei kommen bis 1921 erneut Hunderttausende Armenier ums Leben. Ende 1920 Trotz des zwischen Istanbul und den alliierten Siegermächten des Ersten Weltkriegs unterzeichneten Friedensvertrags von Sèvres (10. August), der u.a. Armenien die Selbständigkeit innerhalb der Grenzen des einstigen Großarmenien zusichert, rückt Mustafa Kemal, der inzwischen in Ankara eine türkische Gegenregierung errichtet hat, mit seinen Truppen weiter gegen Osten vor und steht bald vor den Toren der Hauptstadt Eriwan (auch Jerevan – 782 v. Chr. von den Urartäern als Festung Erebani gegründet). Gleichzeitig marschiert die sowjetische „Rote Armee“ auf Befehl des späteren sowjetischen Diktators Josef Stalin (eigentlich Josif Wissarionowitsch Dschugaschwili) wieder von Norden her ein. März 1921 Die sich konstituierende Sowjetunion und die Regierung von Mustafa Kemal in Ankara unterzeichnen einen Friedensvertrag, durch den die armenischen West-Regionen Kars und Ardahan an die Türkei fallen, während das Gebiet der heutigen Republik Armenien sowjetisch wird. 30. Dezember 1922 Die Gebiete der heutigen souveränen Staaten Armenien, Georgien und Aserbaidschan werden zur „Transkaukasischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepubik“ innerhalb der neugegründeten „Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken“ (Sowjetunion/UdSSR) zwangsvereinigt. Ab 1924 Aufstände der Armenier gegen die rigorose „Sowjetisierung“ (Abschaffung des privaten Eigentums, Zwangskollektivierung der Bauern, Aufbau einer zentralisierten Planwirtschaft, „Säuberungen“ in der Gesellschaft, Erschließung von Bodenschätzen und Errichtung neuer Industriewerke durch „Stoßarbeiterbrigaden“, Einführung eines einheitlichen sowjetischen Schulsystems und des Russischen als Amtssprache, Schließung nahezu aller Kirchen usw.) werden von der „Roten Armee“ blutig niedergeschlagen. Zigtausende Armenier werden in der Folgezeit Opfer der politischen Massenverfolgungen des Diktators Josef Stalin. (Während der „Stalin-Ära“ [1923-53] werden in der UdSSR insgesamt zwischen 35 und 48 Millionen Sowjetbürger ermordet bzw. sterben aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen in den sibirischen Arbeitslagern oder an den Folgen der durch die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft künstlich herbeigeführten Hungersnöte.) 1936 Die „Transkaukasische Sozialistische Föderative Sowjetrepubik“ wird in die eigenständigen Sowjet-Republiken Georgien, Armenien und Aserbaidschan aufgelöst, wobei Armenien vergeblich versucht, die 1923 von Moskau an Aserbaidschan angeschlossenen Regionen Berg-Karabach (armenisch: Arzach) im Südosten – hier leben überwiegend Armenier – und Nachitschewan (armenisch: Naxçivan) im Südwesten wieder an sein Staatsgebiet anzugliedern. von 1936 bis 1988 siehe unter Rußland Januar 1988 Massaker an Armeniern in der aserbaidschanischen Stadt Sumqavit am Kaspischen Meer (mindestens 1.000 Tote) führen zum Krieg zwischen den Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan um das zwar aserbaidschanische, jedoch hauptsächlich von christlichen Armeniern bewohnte Gebiet Nagornij Karabach (Berg-Karabach), den Moskau auch durch starken Militäreinsatz und Sonderverwaltung nicht unter Kontrolle bringen kann. 7. Dezember 1988 Im Kaukasus fordert das schwerste Erdbeben seit 1902 mindestens 50.000 Tote. Von der Naturkatastrophe betroffen ist vor allem der Norden der Sowjetrepublik Armenien, aber auch Gebiete in Georgien und Aserbaidschan. Erstmals erlaubt Moskau tausenden von Mitarbeitern internationaler Hilfsorganisationen die Einreise und nimmt finanzielle und materielle Hilfe der „kapitalistischen“ Länder in Millionenhöhe an. 23. August. 1990 Unter der Führung des kurz zuvor zum Vorsitzenden des armenischen „Obersten Sowjet“ gewählten Nationalisten Lewon Ter-Petrosjan proklamiert die Republik Armenien ihre Unabhängigkeit von der UdSSR (tritt am 21. September 1991 nach einem Referendum in Kraft). Anfang 1991 Aserbaidschan schließt wegen der Auseinandersetzungen um Berg-Karabach die Grenzen zu Armenien und verhängt ein Wirtschaftsembargo über das Nachbarland. Dadurch gerät Armenien, das auf ausländische Erdöl- und Ergas- sowie Nahrungsmittellieferungen angewiesen ist, in akute Versorgungsschwierigkeiten, die sich noch verschlimmern, nachdem auch die mit Aserbaidschan verbündete Türkei sich dem Handelsembargo anschließt und der Bürgerkrieg in Georgien die russisch-armenischen Transportwege abschneidet. Oktober 1991 Bei den ersten freien Wahlen in der Republik Armenien wird Lewon Ter-Petrosjan mit über 80 Prozent der Stimmen im Amt des Staatsoberhaupts bestätigt. 21. Dezember 1991 In Almaty (Kasachstan) schließen sich unter dem Vorsitz von Boris Jelzin elf der ehemaligen Sowjetrepubliken (Rußland [Russische Föderation], Armenien, Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgistan, Moldawien, Tadschikistan, Turkmenistan, Ukraine, Usbekistan und Weißrußland) zur „Gemeinschaft Unabhängiger Staaten“ (GUS) zusammen. Litauen, Estland und Lettland schließen sich dem Bündnis nicht an, und Georgien will sich zunächst nur an Gipfeltreffen beteiligen. Die GUS-Mitglieder erklären die UdSSR endgültig für aufgelöst und den sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow für abgesetzt. Mit dessen formellem Rücktritt am 25. Dezember endet endgültig die Existenz der Sowjetunion. Januar 1992 Es kommt zum offenen Krieg zwischen der Republik Aserbaidschan und der überwiegend von Armeniern besiedelten Region Berg-Karabach, die im Dezember 1991 einseitig ihre Souveränität erklärt hat. Armenien erkennt diese zwar offiziell nicht an, unterstützt die Berg-Karabacher aber mit Waffenlieferungen und inoffiziellen Truppen. Aufgrund der aserbaidschanischen und türkischen Blockade bzw. wegen des Bürgerkriegs in Georgien, der einen Warenaustausch mit Rußland nahezu unmöglich macht, ist die Wirtschaft Armeniens inzwischen vollkommen zusammengebrochen. Die Regierung muß den Notstand ausrufen und Grundnahrungsmittel rationieren. Internationale Hilfslieferungen an die hungernde und frierende Bevölkerung über Georgien erreichen nur sehr sporadisch ihr Ziel. 16. Juli 1992 Die Außen- und Verteidigungsminister der GUS, die inzwischen international anerkannt wird, vereinbaren die Aufstellung einer gemeinsamen ständigen Friedenstruppe. 11. Januar 1993 Ein Freundschaftsabkommen zwischen Armenien und Rußland sieht u.a. die Beteiligung Rußlands an der Lösung des Konflikts um Berg-Karabach vor. Berg-Karabach-Einheiten haben inzwischen mit armenischer Hilfe fast den gesamten Südwesten Aserbaidschans unter Kontrolle. Die UNO verurteilt die Gebietseroberungen der Armenier in Aserbaidschan und die Angriffe auf aserbaidschanische Zivilisten. Derzeit befinden sich rund eine Million moslemische Aserbaidschaner auf der Flucht aus den umkämpften Landesteilen. 1994 Rußland errichtet mit Zustimmung der armenischen Regierung mehrere Militärstützpunkte auf aserbaidschanischem Gebiet. 16. Mai 1994 Durch UN-Vermittlung kommt zwischen Armenien bzw. dem überwiegend von Armeniern besiedelten Berg-Karabach und Aserbaidschan ein Waffenstillstandsabkommen zustande. (Seit 1988 sind in dem Krieg mindestens 20.000 Menschen, überwiegend Aserbaidschaner, ums Leben gekommen.) 8. Mai 1995 Der Iran und Armenien unterzeichnen ein Abkommen, in dem sich Teheran für 20 Jahre zu Erdgas- und Stromlieferungen an Armenien verpflichtet. Ende 1995 Trotz weltweiter Proteste nimmt Armenien das während des Erdbebens von 1988 beschädigte und abgeschaltete Atomkraftwerk Medzamor wieder in Betrieb. Man will damit den akuten Energiemangel lindern und wenigstens in einem Teil der seit Jahren geschlossenen Fabriken die Produktion wieder aufnehmen. 2. Oktober 1996 Präsident Lewon Ter-Petrosjan wird wiedergewählt. Auch der 1993 von ihm ernannte Regierungschef Grant Bagratjan bleibt im Amt. 4. November 1996 Regierungschef Grant Bagratjan gibt seinen Rücktritt bekannt. Armen Sarkisjan übernimmt sein Amt. 6. März 1997 Der Ende 1996 in Berg-Karabach zum Präsidenten gewählte Robert Kotscharjan (wegen des noch ungeklärten politischen Status des Gebiets von Aserbaidschan nicht anerkannt) wird nach dem plötzlichen Rücktritt von Armen Sarkisjan nun von Staatspräsident Lewon Ter-Petrosjan zum neuen Regierungschef von Armenien ernannt. 18. April 1997 In Eriwan demonstrieren fast 25.000 Menschen gegen Präsident Lewon Ter-Petrosjan. Sie fordern seinen Rücktritt sowie Neuwahlen. 23. Oktober 1997 Auf dem eintägigen Gipfel der GUS-Staaten (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten; ihr gehören mittlerweile alle einstigen Sowjetrepubliken außer Litauen, Lettland und Estland an) in der moldawischen Hauptstadt Chisinau üben die Staats- und Regierungschefs heftige Kritik an Rußland wegen „mangelnder Umsetzung“ längst unterzeichneter Verträge. Darüber hinaus werfen die Staatsoberhäupter Georgiens, Moldawiens und Aserbaidschans Moskau zu geringen Einsatz für die Beilegung der Regionalkonflikte in ihren Staaten vor. Rußlands Präsident Boris Jelzin – er ist der Vorsitzende der GUS – verspricht „umgehende Besserung“. 3. Februar 1998 Präsident Lewon Ter-Petrosjan tritt zurück, nachdem sich immer mehr Regierungsmitglieder sowie führende Vertreter des bisher loyalen Militärs wegen seiner in ihren Augen zu nachgiebigen Haltung gegenüber Aserbaidschan - Ter-Petrosjan hatte Ende 1997 angesichts der katastrophalen Wirtschaftslage Armeniens dem Nachbarland hinsichtlich der Region Berg-Karabach Zugeständnisse gemacht - gegen ihn gewandt und sich der nationalistischen Opposition angeschlossen haben. 9. April 1998 Nach vorgezogenen Präsidentschaftswahlen wird der Nationalist Robert Kotscharjan neues armenisches Staatsoberhaupt. Er lehnt zunächst jegliche Zugeständnisse an Aserbaidschan hinsichtlich der Region Berg-Karabach entschieden ab. Der bisherige Finanzminister Armen Darbinjan wird neuer armenischer Ministerpräsident. 4. Mai 1998 Außenminister Wartan Oskanjan reist zu einem dreitägigen Aufenthalt nach Deutschland. Als „Gastgeschenk“ für seinen deutschen Kollegen Klaus Kinkel hat er fast 600 Kulturgüter (Bücher, Handschriften, Partituren) im Gepäck, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Deutschland in die damalige Sowjetunion verschleppt worden waren. 22. Mai 1998 Auf das Vorhaben Frankreichs, als bisher zweiter Staat der Europäischen Union nach Griechenland die Massaker an den Armeniern im einstigen Osmanischen Reich als „Völkermord“ anzuerkennen – die französische Nationalversammlung hat in Paris bereits einstimmig eine entsprechende Gesetzesvorlage angenommen –, reagiert die türkische Staatsführung mit Empörung und spricht von einer „Verzerrung der Geschichte“. Der türkische Staatspräsident Süleyman Demirel sagt: „Die Entscheidung nützt niemandem mehr, außer denen, die die Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Frankreich stören wollen.“ 31. Dezember 1998 Obwohl die 1994 durch internationale Vermittlung zustande gekommene Waffenruhe bezüglich Berg-Karabach weitgehend eingehalten wird und sowohl der armenische Präsident Robert Kotscharjan als auch sein aserbaidschanischer Amtskollege Hejdar Alijew inzwischen ihren Willen zur friedlichen Beilegung des Konflikts bekräftigt und offiziellen Friedensverhandlungen zugestimmt haben, ist man von einer endgültigen Lösung noch meilenweit entfernt. Einheiten Berg-Karabachs - es will noch immer seine Souveränität erzwingen - halten nach wie vor fast den ganzen Südwesten Aserbaidschans besetzt, und Aserbaidschan hält weiterhin an der 1991 über Armenien verhängten Wirtschaftsblockade fest. Deshalb besteht in Armenien noch immer akuter Energie- und Lebensmittelmangel, und die medizinische Versorgung ist katastrophal. In den letzten sieben Jahren haben rund 600.000 Armenier das Land verlassen. Von einst über 400 technischen Betrieben - das kleine Armenien (mit 29.800 Quadratkilometern etwa so groß wie das deutsche Bundesland Brandenburg) zählte vor dem Erdbeben von 1988 zu den industriell bestentwickelten Rebubliken der UdSSR und exportierte Maschinenbauteile, Elektroartikel, Textilien und Chemieprodukte in andere Sowjetrepubliken - können weiterhin nur zwischen fünf und zehn Prozent mehr oder weniger regelmäßig mit Strom versorgt werden. 30. Mai 1999 Bei den Parlamentswahlen errringt das Wahlbündnis „Muiasnutjan“ („Einheit“/Vereinigung von Republikanern und Volkspartei) über 40 Prozent der Stimmen bzw. 64 Mandate und wird damit stärkste politische Kraft in Armenien. Neuer Regierungschef wird der bisherige Verteidigungsminister und Vorsitzende der Republikanischen Partei, Wasgen Sarkisjan. 26. Juni 1999 Das Oberhaupt der Armenischen Apostolischen Kirche, Patriarch Karekin I., stirbt im Alter von 66 Jahren in Etschmiadsin (bei Eriwan). 1. Juli 1999 Zwischen der Europäischen Union und der Republik Armenien tritt ein Partnerschafts- und Kooperationsabkommen in Kraft. 23. August 1999 Ein Treffen der beiden Staatsoberhäupter von Armenien und Aserbaidschan, Robert Kotscharjan und Hejdar Alijew, in Genf bezüglich der überwiegend von Armeniern bewohnten autonomen Region Berg-Karabach in Aserbaidschan, führt zu keinem konkreten Ergebnis. 27. Oktober 1999 Fünf mit Maschinengewehren bewaffnete Männer dringen in das Gebäude des armenischen Parlaments in Eriwan ein und erschießen Ministerpräsident Wasgen Sarkisjan, Parlamentspräsident Karen Demirtschjan sowie sechs weitere Politiker. Die übrigen 50 anwesenden Parlamentarier und Minister werden von den Attentätern als Geiseln genommen. Anführer der Geiselnehmer ist Nairi Unanjan, ein Nationalist, der zuletzt als Journalist arbeitete. Als Bedingung für die Freilassung der Geiseln erzwingt er von Präsident Robert Kotscharjan die Ausstrahlung einer Erklärung im staatlichen Fernsehen, in der Unanjan die Regierung u.a. einer zerstörerischen Wirtschaftspolitik beschuldigt. Nach 18 Stunden werden die Geiseln freigelassen, und die Attentäter ergeben sich den Sicherheitskräften. Zum neuen Regierungschef wird Aram Sarkisjan, der Bruder des ermordeten Ministerpräsidenten ernannt. Neuer Parlamentspräsident wird Armen Khachatrjan. 22. März 2000 Der Präsident der überwiegend von Armeniern bewohnten autonomen Region Berg-Karabach in Aserbaidschan, Arkadij Gukasjan (seit September 1997), wird in der Hauptstadt Xankändi (vormals Stepanakert) bei einem Anschlag „fanatischer Oppositioneller“ schwer verletzt. (Der Konflikt um das Gebiet ist nach wie vor ungelöst. Noch immer halten Armenier die auf aserbaidschanischem Territorium liegende Region besetzt. Der 1994 unterzeichnete Waffenstillstand wird jedoch weitgehend eingehalten.) 12. Mai 2000 Staatspräsident Robert Kotscharjan ernennt Andranik Markarjan (Muiasnutjan-Vorsitzender) zum neuen Regierungschef, nachdem er bereits im Februar Aram Sarkisjan nach monatelangen innenpolitischen Kontroversen entlassen hatte. 4. September 2000 Moskau kündigt das Abkommen von 1992 über die Visafreiheit innerhalb der GUS (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten). Rußlands Präsident Wladimir Putin – er ist Vorsitzender der aus den zwölf ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Moldawien, Rußland, Tadschikistan, Turkmenistan, Ukraine, Usbekistan und Weißrußland bestehenden Gemeinschaft – begründet den Schritt mit der effektiveren Bekämpfung von internationalem Terrorismus, organisierter Kriminalität, Drogenschmuggel und illegaler Einwanderung. 25. Januar 2001 Armenien wird – gleichzeitig mit Aserbaidschan – in den Europarat aufgenommen, der nun 43 Mitglieder zählt. 25. Mai 2001 Die Staatschefs von Armenien, Kasachstan, Kirgisistan, Rußland, Tadschikistan und Weißrußland unterzeichnen in der armenischen Hauptstadt Eriwan ein Abkommen über den Aufbau einer gemeinsamen Eingreiftruppe im Kampf gegen den Terrorismus. Sie soll vor allem gegen Übergriffe islamischer, u.a. von den afghanischen Taliban unterstützter Rebellen zum Einsatz kommen. 31. August 2001 Trotz mehrerer Treffen der beiden Staatsoberhäupter von Armenien und Aserbaidschan, Robert Kotscharjan und Hejdar Alijew, seit Anfang des Jahres in Paris und in Florida bezüglich der überwiegend von Armeniern bewohnten autonomen Region Berg-Karabach in Aserbaidschan, ist eine Lösung des seit dreizehn Jahren bestehenden Konflikts noch immer nicht in Sicht. 25. September 2001 Papst Johannes Paul II. trifft aus Kasachstan kommend zu einem dreitägigen Besuch in der armenischen Hauptstadt Eriwan ein, wo er u.a. an den Feierlichkeiten zur Annahme des Christentums als Staatsreligion teilnehmen will, die 1.700 Jahre zurückliegt, und wird am Flughafen von Staatspräsident Robert Kotscharjan und dem Oberhaupt der armenisch-apostolischen Kirche, Patriarch-Katholikos Karekin II., begrüßt. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche gedenkt in einer Ansprache der Armenier, die zu Beginn des Ersten Weltkriegs ermordet worden waren, ohne indessen die jungtürkischen Urheber des Genozids beim Namen zu nennen. 26. September 2001 Armenien genehmigt den USA offiziell die Nutzung seines Luftraums für ihren angekündigten Feldzug gegen den internationalen Terrorismus bzw. für einen Militärschlag gegen das Taliban-Regime in Afghanistan, das sich weigert, Osama bin Laden, den mutmaßlichen Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September auf New York und Washington mit mehreren tausend Toten auszuliefern. 31. Oktober 2001 Armenien verliert immer mehr Bevölkerung. Gemäß einer Volkszählung hat das „Armenhaus im Kaukasus“ derzeit 3,2 Millionen Einwohner. Somit sind innerhalb von einem Jahrzehnt fast eine Million Menschen – überwiegend gut ausgebildete Männer – ausgewandert. Die meisten gingen nach Rußland. Ursache für die Abwanderung sind die schweren wirtschaftlichen Folgen des seit 1988 bestehenden Konflikts mit dem Nachbarland Aserbaidschan um das zwar aserbaidschanische, jedoch hauptsächlich von christlichen Armeniern bewohnte Gebiet Nagornij Karabach (Berg-Karabach). Nach Angaben der Weltbank muß derzeit mehr als ein Drittel der armenischen Bevölkerung mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen. Das wirtschaftliche Überleben wird überwiegend von der Schattenwirtschaft garantiert. Investoren aus dem (westlichen) Ausland werden von Korruption und Amtsmißbrauch einer Vielzahl von Kontroll- und Aufsichtsbehörden abgeschreckt. Wenig Hoffnung setzt die Bevölkerung auch in ein am 15. September mit Rußland unterzeichnetes Abkommen über wirtschaftliche Zusammenarbeit. 12. April 2002 Fast 20.000 Menschen gehen nach einem Aufruf der Opposition in Eriwan auf die Straße und demonstrieren gegen ein neues Mediengesetz, das eine staatliche Moralüberwachungsbehörde und Sondersteuern für die Presse vorsieht, sowie gegen die von der Regierung angeordnete Schließung des beliebten unabhängigen Fernsehsenders A1+. Die Oppositionsparteien werfen Staatschef Robert Kotscharjan vor, dafür verantwortlich zu sein, die kritische Berichterstattung über seine autoritäre Politik mundtot zu machen. 7. August 2002 Die zentrale Wahlkommission in Eriwan setzt den 19. Februar 2003 als Termin für die Präsidentenwahl und den 25. Mai 2003 für die Parlamentswahl fest. 22. Dezember 2002 Das Parlament in Eriwan beschließt die Abschaffung der seit 1990 nicht mehr vollstreckten Todesstrafe. 5. Februar 2003 Nach achtjährigen Verhandlungen wird Armenien Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO/World Trade Organization). 19. Februar 2003 Bei den Präsidentenwahlen wird Robert Kotscharjan, der seit April 1998 an der Spitze der Kaukasusrepublik Armenien steht, im Amt bestätigt. Der 48-Jährige, dem es gelungen ist, die ehemals reiche frühere Sowjetrepublik nach Jahren des Niedergangs zu stabilisieren, setzt sich klar gegen acht Gegenkandidaten durch, u.a. gegen den 42jährigen Stepan Demirtschjan, dessen Vater kommunistischer Parteichef war und 1998 Kotscharjan in einer umstrittenen Wahl knapp unterlag. Er wurde am 27. Oktober 1999 ermordet, als Terroristen das armenische Parlament in Eriwan stürmten und acht Politiker erschosssen. Seitdem wird über Hintermänner der Tat spekuliert – der Mord an einem einflußreichen Fernsehchef im Dezember 2002 gab diesen Spekulationen neue Nahrung. Quelle: Areion Weltalamanach Literatur zu Armenien...Aram Iljitsch Chatschaturjan Komponist geboren: 06.06.1903 (Tiflis) gestorben: 01.05.1978 (Moskau) Literatur... Robert Kotscharjan Politiker, Regierungschef von Armenien (1997-98), Staatspräsident von Armenien (seit 1998) geboren: 31.08.1954 (Stepanakert) Literatur... Dr. phil. Lewon Ter-Petrosjan Politiker, Staatspräsident von Armenien (1991-98) geboren: 09.01.1945 (Aleppo) Literatur... Olga Tschechowa Filmschauspielerin geboren: 26.04.1897 (Alexandropol) gestorben: 09.03.1980 (München) Die drei von der Tankstelle - Filmkomödie (Regie: Wilhelm Thiele) (1930) Literatur... Quelle: Areion WeltalamanachDruckversion dieser Seite |