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Ägypten

Arabische Republik Ägypten

 Basisdaten    Chronik


Geografie
Das Land
Die Arabische Republik Ägypten liegt im äußersten Nordosten Afrikas, die zum Land gehörende Sinai-Halbinsel gehört bereits zu Asien. Im Westen grenzt das Land an Libyen, im Süden an Sudan, im Norden an das Mittelmeer und im Osten an das Rote Meer.
90% der insgesamt 1.001.449 qkm umfassenden Staatsfläche sind Wüste. Im Westen des Landes liegt die Libysche Wüste, die ein Schichttafelland darstellt und rund zwei Drittel der ägyptischen Staatsfläche einnimmt. Im Norden der Libyschen Wüste senkt sich das Land in der Kattarasenke bis zu 130 m unter den Meeresspiegel ab, im Südwesten steigt das Land an bis ca. 1000 m über dem Meeresspiegel (Gif-Kebir-Plateau). Östlich des Nils liegt die Arabische Wüste, die in Richtung Osten auf eine Höhe bis über 2000 m ansteigt (Gabal Sa’ib al-Banat). Zahllose Täler (Wadis) durchziehen die Gebirgslandschaften der Arabischen Wüste. Die Sinai-Halbinsel im äußersten Nordosten des Landes (durch den Sueskanal vom afrikanischen Festland getrennt) ist durch die Gebirgszüge des Gabal at-Tih gekennzeichnet, hier liegt die höchste Erhebung des Landes, der Gabal Katrina (Katharinenberg) mit einer Höhe von 2637 m.
Zwischen den beiden Wüsten durchfließt der Nil auf einer Länge von ca. 1550 km Ägypten von Süden nach Norden, bevor er ins Mittelmeer mündet. Quellfluß des Nils ist der Kagera im Gebirgsland von Burundi. Im äußersten Süden im Bereich der Grenze zum Sudan wird der Nil durch den Assuan-Staudamm (1970 fertiggestellt) zum sog. Nassersee (rund 5500 qkm) gestaut. Durch die Stauanlagen werden die Fluten des Nils reguliert, so daß auch in der Niedrigwasserperiode (November bis Juni) die Felder bewässert werden können. Nördlich des Staudamms ist das Niltal zunächst nur ca. 3 km breit und verbreitert sich dann auf etwa 20 km. Nördlich der Hauptstadt Kairo gabelt sich der Nil in zwei große Mündungsarme und bildet ein rund 23.000 qkm großes Delta, das von Lagunen und Nehrungen gekennzeichnet ist und intensiv bewirtschaftet wird. Die Küstenlänge Ägyptens beträgt insgesamt knapp 3000 km. Während die Mittelmeerküste meist durch flache Dünen geprägt ist, fallen die Gebirgszüge an der Küste zum Roten Meer steil ab.

Klima
Der Einfluß des Mittelmeerklimas reicht in Ägypten im Bereich des Nildeltas bis zur Hauptstadt Kairo, der übrige Bereich des Landes gehört zum nordafrikanischen Trockengürtel und weist Wüstenklima auf. Kennzeichnend sind extrem wenig Niederschläge (bis 20 mm jährlich) und starke Temperaturschwankungen innerhalb eines Tages (Tagestemperaturen bis 45°C, Nachttemperaturen 5°C), unabhängig von der Jahreszeit. Die Niederschlagsmengen im Nildelta bis Kairo liegen bei 250 mm jährlich. Generell nehmen die Temperaturen in Richtung Süden zu: Im Januar liegen die Mittelwerte in Alexandria an der Mittelmeerküste bei 14,5°C, in Assuan im Süden des Landes bei 16,5°C. Im Juli können die Temperaturen im Süden des Landes bis auf über 40°C ansteigen. Von März bis Juni treten vor allem in den südlichen Wüstenbereichen heiße Sand- und Staubwinde auf (Chamsin).

Flora und Fauna
Rund zwei Drittel der Landesfläche sind Wüste, vor allem in der Libyschen Wüste gibt es so gut wie keine Vegetation außer an den Oasen und als temporäre Erscheinung nach einem der seltenen Regenfälle. In der Arabischen Wüste östlich des Nils wachsen vereinzelt Tamarisken, Dornsträucher und Akazien. Von der ursprünglichen Vegetation im Bereich des Nils ist durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung kaum noch etwas erhalten. An den Ufern wachsen Dattel- und Fächerpalmen, Zypressen, Eukalyptus, Sykomoren, Johannisbrotbäume und die im 19. Jahrhundert aus Australien eingeführten Kasuarinen (Keulenbaum). Andere eingeführte Arten sind z.B. Palisander und Poinciana. In den Wassern des Nils und dessen Kanälen wachsen über 100 Arten von Gräsern, unter ihnen Bambus und Schilfrohr, nur noch vereinzelt findet sich die Pypyrusstaude, die im Altertum kultiviert wurden. Im Delta des Nils finden sich Lotus, Jasmin und viele verschiedene Rosenarten.
An größeren wildlebenden Säugetieren leben in Ägypten noch Schakale, Wüstenfüchse (Fennek), Hyänen, Wildkatzen und in den Gebirgsregionen Steinböcke. Flußpferde finden sich heute fast ausschließlich im südlichen Bereich des Nils. Sowohl Insekten (Heuschrecken, Skorpione) als auch Vögel kommen zahlreich vor: die Vogelwelt umfaßt rund 350 Arten, hinzu kommen die jährlich auftauchenden Zugvögel. Neben Krähen, Gabelweihen, Pelikanen, Flamingos, Pirole, Reiher und Kraniche gibt es zahlreiche Raub- und Aasvögel wie Habichte, Falken, Adler, Lämmergeier und Milane. In den Wassern des Nils tummeln sich mehr als 190 verschiedene Arten von Süßwasserfischen, unter ihnen z.B. der Nilbarsch. An Reptilien sind verschiedene Eidechsenarten und Giftschlangen wie z.B. die Ägyptische Kobra häufig.


Kultur und Gesellschaft
Bevölkerung
Rund 64,5 Millionen Menschen leben in Ägypten, der größte Teil von ihnen im Tal des Nil. Die Siedlungsdichte ist im Norden am höchsten und nimmt in Richtung Süden ab. Größte Stadt ist die Hauptstadt Kairo (Al-Qahirah) mit rund 14,5 Millionen Einwohner, gefolgt von Alexandria (Al-Iskandariyah) mit 3,3 Millionen und Gise mit 2,1 Millionen.
Rund 99% der Bevölkerung sind arabische Ägypter, neben Minderheiten an Griechen, Italienern und Arabern aus anderen Staaten leben im Land auch Palästinenser und arabische Stämme, die durch ihren Lebensraum in Oasen und ihr Nomadentum relativ isoliert sind. Amtssprache ist Arabisch, das in einem ägyptischen Dialekt gesprochen wird. Als Handelssprachen sind auch Englisch und Französisch verbreitet. Der Islam ist Staatsreligion, die Verfassung sieht aber Religionsfreiheit vor. Über 90% der Ägypter sind Moslems sunnitischer Ausprägung, rund 7% sind koptische Christen. Daneben gibt es kleinere Minderheiten an Katholiken, Protestanten, Griechisch-Orthodoxen und Juden.
Das Bevölkerungswachstum liegt bei 2,4%, die Lebenserwartung für Frauen bei 67, für Männer bei 64 Jahren. Die Analphabetenquote wird mit 45% angegeben, obwohl für Kinder von 6 bis 12 Jahren Schulpflicht bei kostenlosem Unterricht besteht. Gesundheits- und Sozialwesen sind in den Städten relativ gut entwickelt, so gibt es z.B. eine Kranken-, Alters- und Invalidenversicherung für Arbeitnehmer.

Geschichte
Etwa um 3000 v.Chr. entstand die ägyptische Hieroglyphenschrift, seit diesem Zeitpunkt existieren schriftliche Belege für die Geschichte des Landes. Früheste Besiedlungsspuren werden aber bereits auf ca. 60.000 v.Chr. datiert. Zwischen 3000 v.Chr. und der Eroberung durch Alexander den Großen im Jahr 332 v.Chr. wird die ägyptische Geschichte in drei große Reiche und entsprechende Zwischen- bzw. Übergangszeiten eingeteilt: Altes Reich (2900-2130 v.Chr.), Mittleres Reich (2040-1650 v.Chr.) und Neues Reich (1551-1075 v.Chr.). Die Einteilung der ägyptischen Geschichte in 30 Dynastien geht auf den hellenistisch-gebildeten Priester Manetho zurück, der diese um 250 v.Chr. aufschrieb.
Um 3200 v.Chr. soll der Pharao (=König) Menes, an dessen realer Existenz heute gezweifelt wird, Ober- und Unterägypten vereinigt haben. Unter dem Pharao Djoser, dem ersten Pharao der 3. Dynastie, war das ägyptische Reich in 42 Gaue aufgeteilt, Zentrum war Memphis (in der Nähe des heutigen Kairo). Aus der Zeit Djosers stammt die Stufenpyramide von Sakkara. Aus der Zeit seiner Nachfolger sind Handelsbeziehungen bis nach Vorderasien überliefert. Während der 4. Dynastie (bis 2563 v.Chr.) herrschten die Pharaonen Cheops, Chephren und Mykerinos, die die großen Pyramiden von Gise(h) errichten ließen (die Cheops-Pyramide ist mit einer Höhe von ursprünglich 147 m die größte Pyramide der Welt). Unter den Pharaonen der 5. Dynastie (Userkaf, Sahure, Unas) dehnte sich das ägyptische Reichsgebiet bis südlich von Assuan aus. Die Pharaonen galten als Söhne des verehrten Sonnengottes Re. Ab 2260 v.Chr. zerfiel das Reich aufgrund politischer und sozialer Unruhen wieder in mehrere Einzelreiche und Fürstentümer.
Nach einer sog. Zwischenzeit einten die Könige von Theben (heute Luxor) ab 2160 v.Chr. Ägypten wieder zu einem Großreich (Beginn der 9. Dynastie bzw. des Mittleren Reiches). Nach kurzer Zeit wurde Memphis im Norden des Landes wieder Zentrum. Im Mittleren Reich kam es zu einer Ausdehnung nach Nubien bis zum dritten Nilwasserfall (Nilkatarakt), diese Gebiete mußten aber ab etwa 1785 v.Chr. wieder aufgegeben werden, als das Mittlere Reich aus noch ungeklärter Ursache sich aufzulösen begann.
In einer Zwischenphase herrschte eine aus Asien stammende Gruppe (Hyksos) in Ägypten, ihr Zentrum war Auaris im östlichen Nildelta. Sie brachten vermutlich Pferde und Streitwagen mit ins Land. Mit dem Ende der Hyksos-Herrschaft begann das Neue Reich um 1550 v.Chr. (18.-20. Dynastie), in dem wieder ägyptische Pharaonen herrschten und das Land zu einer Großmacht aufstieg. Unter Amenophis I. und Thutmosis I. dehnte sich das Reich bis nach Nubien und zum Euphrat aus. Nach der Pharaonin Hatschepsut regierte Thutmosis III., der das Reich gegen konkurrierende Völker (Babylonier, Assyrer, Hethiter) behaupten und sichern konnte. Eine kulturelle und wirtschftliche Hochzeit des Neuen Reiches wird heute in Zusammenhang mit den Pharaonen Amenophis III. (1403-1365) und Amenophis IV. gesehen: letzterer nannte sich Echnaton (Gattin: Nofretete) und erhob den Sonnengott Aton zum alleinigen Gott (erstmalig: Monotheismus). Unter Echnaton war Tell el-Amarna das Zentrum des ägyptischen Reiches. Echnatons Sohn Tutenchamun wurde von der aufgebrachten Priesterschaft dazu gebracht, den Monotheismus zugunsten einer Dreiheit des göttlichen Prinzips abzuschaffen. Der letzte große Pharao des Neuen Reiches war Ramses II. (20. Dynastie, ca. 1290-1224 v.Chr.), der vormals verlorengegangene Gebiete in Asien noch einmal zurückerobern konnte. In der Folgezeit begann der langsame Niedergang des ägyptischen Großreiches, ausgelöst durch von außen immer wieder angreifende Völker und die daraus resultierenden Kriege und durch innere Unruhen. In der folgenden Zwischenzeit (ca. 1075-715 v.Chr.) entstanden erneut mehrere regionale Machtzentren.
Ab 745 v.Chr. herrschten aus Nubien stammende Könige über Ägypten, ihnen folgten die Assyrer. Deren Herrschaft beendete der Pharao Psammetich I. (26. Dynastie, 664-610 v.Chr.). 525 geriet Ägypten erneut unter Fremdherrschaft, diesmal waren es die Perser, die das Land abgesehen von kurzen Unterbrechungen bis zur Eroberung durch Alexander den Großen im Jahr 332 besetzt hielten.
Unter Alexander dem Großen war Ägypten Teil des Makedonischen Reiches, das zu diesem Zeitpunkt ganz Klein- und Vorderasien umfaßte und bis zu Alexanders Tod noch fast um das gesamte Reich der Perser erweitert wurde. Anschließend übernahm ein Feldherr Alexanders, Ptolemaios, als König von Ägypten die Verwaltung des Landes. Das Herrscherhaus der Ptolemäer regierte Ägypten fast 300 Jahre lang. Zentrum war die Stadt Alexandria an der Mittelmeerküste. Im Jahr 31 v.Chr. verlor die Flotte der letzten ägyptischen Königin Kleopatra VII. eine entscheidende Seeschlacht gegen die Römer, Ägypten wurde zur römischen Provinz. Nach der Teilung des Römischen Reiches gehörte das Land zum Reich von Byzanz (oströmischer Teil) und wurde teilweise christianisiert.
Im 7. Jahrhundert nach Christus kamen die islamischen Araber nach Ägypten und besiedelten das gesamte Niltal, das Land wurde Teil des Kalifenreiches. Unter den Fatimiden wurde 969 die Stadt Kairo gegründet. Im 12. Jahrhundert wurde Kairo das Zentrum des muslimischen Widerstandes gegen die christlichen Kreuzzüge (Heiliger Krieg). Um 1250 übernahm die Palastgarde der Mameluken (Söldner und Sklaven, die meist aus der Türkei stammten) die Macht in Ägypten, die sie bis zur ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts innehatten. 1517 wurde Ägypten eine weitgehend autonome Provinz des Osmanischen Reiches, das u.a. die heutigen Staaten Libanon, Syrien, Irak, Israel und Jordanien umfaßte.
1798 eroberten französische Truppen unter Napoleon Bonaparte Ägypten und vertrieben die Mameluken, die Franzosen wurden aber schon drei Jahre später wieder durch türkische und britische Soldaten vertrieben. Der türkische Offizier Mehmed Ali machte sich 1805 zum Statthalter von Ägypten. Er herrschte bis 1849 über das Land, das unter türkischer Oberherrschaft stand, und führte im Auftrag des Osmanischen Reiches erfolgreiche militärische Aktionen durch (z.B. gegen das Wahabitenreich im heutigen Saudi-Arabien 1812-14). Der Bau des Sueskanals (1859-69) führte zu einer extrem hohen Auslandsverschuldung Ägyptens und zur Zerrüttung der Staatsfinanzen. Großbritannien eignete sich 1875 die Aktienmehrheit über den Sueskanal an, um den Verbindungsweg nach Indien abzusichern (der Sueskanal verkürzt den Seeweg von London nach Bombay um rund 9000 Kilometer). Nach inneren Unruhen und dem Versuch einer Militärrevolte wurde Ägypten 1882 von britischen Truppen besetzt.
1888 kam es zu einem in Istanbul unterzeichneten Abkommen über die völkerrechtliche Nutzung des Sueskanals, das die Durchfahrt für Handels- und Kriegsschiffe aller Nationen zusichert und Kriegshandlungen gegen den Kanal untersagt. 1922 sah sich Großbritannien aufgrund einer breiten Unabhängigkeitsbewegung gezwungen, seine Herrschaft über Ägypten aufzugeben, ohne dabei ihre Rechte über die Sicherung des Sueskanals aus den Händen zu geben. Bis 1946 blieben britische Truppen noch im Land stationiert.
Die nächsten Jahrzehnte wurden durch die Auseinandersetzung der neuen Monarchie unter König Fuad I. (ab 1936 Faruk) und der Wafd-Partei als Träger der Unabhängigkeitsbewegung bestimmt. Die Wafd-Partei hatte bei den ersten Parlamentswahlen im April 1923 die Mehrheit der Stimmen erhalten und war die führende politische Kraft in Ägypten. Im März 1945 gehörte Ägypten zu den Gründungsmitgliedern der „Arabischen Liga“, deren Ziel eine verbesserte wirtschaftliche, politische und militärische Zusammenarbeit zwischen den arabischen Staaten war. 1948 scheiterte der Versuch, die Etablierung des Staates Israel zu verhindern. Innenpolitisch führten Arbeitslosigkeit und Massenarmut zu sozialen Spannungen und Streiks, die außerparlamentarischen Kräfte wie die Kommunisten und die reaktionäre Muslimbruderschaft gewannen zunehmend an Einfluß.
1952 kam es zu einem unblutigen Putsch unter Oberst Gamal Abd el-Nasser (arabisch: Gamal Abd An Nasir), das Militär übernahm die Macht in Ägypten. Die Verfassung von 1923 wurde außer Kraft gesetzt und eine Bodenreform durchgeführt, im Juni 1953 wurde die Republik ausgerufen. Ein Jahr später wurde Gamal Abd el-Nasser Minister- und Staatspräsident des Landes. Die Rechte des Staatspräsidenten wurden durch die Verfassung von 1956 noch weiter ausgebaut. Nasser versuchte den Weg eines arabischen Sozialismus zu gehen, er baute ein Einparteiensystem auf unter der Führung der Sozialistischen Union und hielt engen Kontakt zur Sowjetunion, die Ägypten finanziell, technisch und militärisch unterstützte.
Als Nasser im Juli 1956 den Sueskanal verstaatlichte, kam es zur Konfrontation mit Großbritannien und Frankreich, den beiden Hauptaktionären der Kanalgesellschaft. Nur die Intervention der USA und der Sowjetunion verhinderten einen Krieg, als Israel auf eine Konzentration ägyptischer Truppen im Sinai mit der Besetzung der Halbinsel reagierte. Ein Intermezzo blieb die 1958 mit Syrien geschlossene Verbindung zur „Vereinigten Arabischen Republik“, die 1961 von Syrien wieder gelöst wurde. Im sog. „Sechs-Tage-Krieg“ im Juni 1967 gegen Israel mußte Ägypten eine verheerende militärische Niederlage hinnehmen: Israel eroberte die syrischen Golanhöhen, den Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel und das Westjordanland.
Nassers Nachfolger als Staatspräsident wurde 1970 Muhammad Anwar As Sadat. Im gleichen Jahr wurde nach 12 Jahren der Bau des Assuan-Staudammes abgeschlossen, mit dem künftig der Wasserhaushalt des Nils kontrolliert werden konnte. Sadat suchte im Konflikt mit Israel zunächst diplomatische Lösungen um die Befreiung der Sinai-Halbinsel, im Oktober 1973 kam es zum Angriff Ägyptens und anderer arabischer Staaten auf Israel (Yom-Kippur-Krieg). Der für beide Seiten verlustreiche Krieg endete noch im gleichen Monat durch einen Waffenstillstandsvertrag, der von der UNO kontrolliert wurde. An der Lage auf dem Sinai hatte sich durch den Krieg keine großen Änderungen ergeben.
1974 kam es zum Bruch zwischen Ägypten und der Sowjetunion, 1977 mußten alle sowjetischen Militärberater das Land verlassen. 1977 startete der ägyptische Staatspräsident Sadat eine Friedensinitiave und besuchte Israel. Durch die Vermittlung des amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter kam es nach Gesprächen zwischen Sadat und dem israelischen Regierungschef Menachem Begin 1978 zu einem ägyptisch-israelischen Friedensvertrag (Camp David). Israel verpflichtete sich dabei zur Rückgabe der Sinai-Halbinsel an Ägypten, während im Gegenzug Ägypten den Staat Israel völkerrechtlich anerkannte. Dadurch kam es zu einer Isolation Ägyptens im arabischen Lager (Ausschluß aus der Arabischen Liga) und innenpolitisch zu einem Erstarken muslimischer Gruppierungen. Im Oktober 1981 wurde Anwar As Sadat von einem islamischen Fundamentalisten erschossen. Sein Nachfolger wurde der bisherige Vize Hosni Mubarak. Er versuchte, den Friedensprozess mit Israel weiterzuführen und gleichzeitig eine Annäherung an das arabische Lager. 1989 wurde Ägypten wieder Vollmitglied in der Arabischen Liga. Im Golfkrieg im Januar 1991 stellte sich das Land auf die Seite der multinationalen Streitkräfte gegen den Irak, im Gegenzug wurde dem Land von den USA und den Ölstaaten der Arabischen Halbinsel ein Schuldenerlaß von knapp 15 Milliarden US-Dollar gewährt. Innenpolitisch gewannen in den 80er und 90er Jahren die Fundamentalisten immer mehr an Gewicht, die die Errichtung eines islamischen Staates auf der Grundlage des Koran forderten und die zu weltliche Regierung Mubaraks verurteilten. Es kam wiederholt zu Attentaten, auch auf ausländische Besucher, die von der Regierung mit Verhaftungen und Todesurteilen beantwortet wurden. Bei den Parlamentswahlen 1993 wurde die Partei der islamischen Fundamentalisten nach der Nationaldemokratischen Partei mit knapp 10% stärkste Oppositionspartei. Mubarak wurde mit großer Mehrheit für eine dritte Amtsperiode im Amt des Staatspräsidenten bestätigt. 1995 und 1998 entging er selbst nur knapp Attentaten. Im September 1999 wurde Mubarak mit 93,8% der Stimmen für eine vierte Amtszeit bestätigt. Mubarak versucht auch zu Beginn des neuen Jahrtausends, den Friedensprozess im Nahen Osten am Leben zu erhalten. Weiteres Ziel sind eine Normalisierung der Beziehungen zum Sudan, mit dem es immer wieder zu Grenzkonflikten kam.

für aktuelle Angaben siehe  Basisdaten    Chronik


Politisches System
Die Arabische Republik Ägypten ist laut der Verfassung von 1971 ein sozialistisch-demokratischer Staat. Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident (seit 1981 Hosni Mubarak), der vom Parlament mit Zweidrittelmehrheit nominiert und durch Volkswahl für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt wird (Wiederwahl möglich). Der Staatspräsident hat laut Verfassung weitreichende Vollmachten und ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte, ernennt den Ministerpräsidenten und die Mitglieder des Kabinetts. Er kann das Parlament auflösen und hat ein Vetorecht bei der Gesetzgebung. Regierungschef ist der Ministerpräsident (seit 1996 Mohammed Obeid, National-Demokratische Partei).
Die Legislative liegt bei der Nationalversammlung (Majlis al-Sha'b), deren 454 Mitglieder bis auf 10 vom Volk gewählt werden für eine Amtszeit von fünf Jahren (10 werden vom Staatspräsidenten ernannt). Eine beratende Rolle hat der Shura-Rat (Majlis al-Shura), der insgesamt 264 Sitze hat. 176 Mitglieder werden vom Volk gewählt, 88 vom Präsidenten ernannt.
Ägypten ist in 26 Verwaltungsbezirke gegliedert (muhafazat), an deren Spitze jeweils ein Gouverneur im Ministerrang steht. Laut Verfassung gilt in Ägypten islamisches Recht, das aber auch freiheitliche Elemente enthält (z.B. wurde im Januar 2000 ein neues Scheidungsrecht beschlossen, nach dem sich auch Frauen ohne Begründung scheiden lassen können). Die hohen Richter werden direkt vom Staatspräsidenten ernannt.


Wirtschaft
Ägypten verzeichnet ein Pro-Kopf-Einkommen von ca. 1300 US-Dollar, damit gehört es zu den Entwicklungsländern mit mittlerem Einkommen. Das Bruttoinlandsprodukt weist ein jährliches Wachstum von 5-6% auf. Dennoch ist die Auslandsverschuldung immer noch hoch (1998: ca. 28 Milliarden US-Dollar), obwohl die staatliche Neuverschuldung unter Kontrolle gebracht werden konnte. Die Arbeitslosigkeit im Land wird auf 20% geschätzt und ist damit hoch. Ein weiteres Problem Ägyptens ist das schnelle Bevölkerungswachstum (ca. 2,4%). Durch die Zunahme von Terroranschlägen gegen Touristen im Land wurde in den 90er Jahren ein deutlicher Rückgang der für das Land so wichtigen Devisen aus dem Tourismus verzeichnet, wobei die Zahlen für 2000 wieder steigende Tendenzen aufwiesen. Eine weitere wichtige Rolle für die Staatseinnahmen sind die Erträge aus dem Sueskanal, Einnahmen aus den Erdölvorkommen und Entwicklungs- und Militärhilfe aus westlichen Geberländern.
Die Landwirtschaft ist mit rund 18% am Bruttoinlandsprodukt beteiligt (Industrie ca. 30%, Dienstleistungen ca. 52%), rund ein Drittel aller Erwerbstätigen arbeiten in diesem Bereich. Nur knapp 4% der Staatsfläche können landwirtschaftlich genutzt werden, die Gebiete beschränken sich auf das Niltal, das Nildelta und einige Oasen. Wichtigstes landwirtschaftliches Produkt ist die Baumwolle, weiter werden Reis, Mais, Weizen, Zuckerrohr, Hirse, Kartoffeln und Gemüse angebaut. Durch die ganzjährige Bewässerung sind zwei bis drei Ernten im Jahr möglich, dennoch kann der Eigenbedarf der Bevölkerung an Grundnahrungsmitteln nicht gedeckt werden. In der Viehwirtschaft werden vor allem Rinder, Wasserbüffel, Schafe und Ziegen gehalten. Die Fischerei spielt eine bedeutende Rolle.
Wichtigster Bodenschatz Ägyptens sind die Erdölvorkommen im Golf von Sues, der Kattarasenke und auf der Sinai-Halbinsel. Öl stellt rund 40% des Exportvolumens des Landes. Im Bergbau spielt vor allem der Abbau von Phosphaten und Eisenerz eine Rolle. In der Industrie sind rund ein Fünftel der Erwerbstätigen beschäftigt, die wichtigsten Branchen sind die Textil- und nahrungsmittelverarbeitende Industrie, chemische und Bauindustrie und die Zement- und Metallproduktion. Der Energiebedarf wird mit Wasserkraft (Assuan-Staudamm), Kernkraft und Erdgas gedeckt.
Die wichtigsten Handelspartner Ägyptens sind die USA, Deutschland, Italien, Griechenland, Indien und Großbritannien. Exportiert werden vor allem Erdöl, Baumwolle und Textilien, zu den wichtigsten Importgütern gehören Nahrungsmittel und Maschinen.
In Ägypten stehen rund 34.600 km befestigte Straße und 4751 km Schiene zur Verfügung. An Binnengewässern (Nil, Nassersee, Alexandria-Kairo-Kanal, kleinere Kanäle im Nildelta) können rund 3500 km für den Transport genutzt werden.

 Quelle: Areion Weltalamanach

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